BACK AGAIN: GOTHIC / WAVE / DARK-WAVE

WOLFSHEIM – Casting Shadows (CD 2003)

(Strange Ways Records/Indigo)

Wem, wenn nicht den Hamburgern WOLFSHEIM sollte man den großen kommerziellen Durchbruch gönnen, den sie sich nun in fast 15 Jahren Stück für Stück und konsequent erarbeitet haben?

Angefangen mit selbst produzierten Tape-Veröffentlichungen  („Any But Pretty“ 1989) über die ersten Vinyl-Maxisingles „The Sparrow And The Nightingales“ und „It´s Not Too Late“ und dem Debut-Album „No Happy View“ bis hin zum Durchbruch mit dem letzten Album „Spectators“ vor nunmehr vier Jahren, war bei WOLFSHEIM immer Kontinuität zu beobachten. Abgesehen von der konstanten Bandbesetzung und der Zusammenarbeit mit Freunden wie Axel Ermes (Girls Under Glass, Cancer Barrack) seit den Tape-Zeiten, sind WOLFSHEIM auch immer ihren Förderern bei Strange Ways Records treu geblieben, was sicher die richtige Entscheidung war, denn da haben schon ganz am Anfang Leute gesessen, die immer an die Gruppe geglaubt haben. Insofern ist es dem Label nun auch zu gönnen, ein Stück vom Kuchen abzubekommen.

Mit der Vorabsingle „Kein Zurück“ ist schon ein Top 5-Hit gelungen, der bei kommerziellen Radiosendern und dank des innovativen Videoclips von Detlev Buck auch bei Musik-Sendern im TV rauf und runter läuft. Das schraubte die Erwartungen an das Album hoch und prompt wurde es Platz 1 in den Charts (glaube ich zumindest). Dazu hat natürlich auch eine aggressive Werbekampagne beigetragen (so durften WOLFSHEIM sich laut Waschzettel auf über 250 Litfaßsäulen überlebensgroß selber ansehen). Dass die Tour beinahe komplett ausverkauft ist, versteht sich dabei von selbst. Dabei sind WOLFSHEIM aber immer die sympathischen Jungs von nebenan geblieben, denen der Erfolg manchmal anscheinend selber nicht ganz geheuer ist.

Aber was macht eigentlich die Musik auf diesem Album, um die es ja eigentlich hauptsächlich gehen sollte? „Kein Zurück“ kennt ja nun schon jeder und auch, wenn es nur zwei deutschsprachige Titel auf dem Album gibt, kann man das Lied musikalisch doch als typisch ansehen. Natürlich machen WOLFSHEIM immer noch leicht melancholischen Synthie-Pop, Electro-Wave oder wie auch immer man das nennen will. Die alten Fans können beruhigt sein, denn die 80er-Jahre-Wurzeln sind natürlich immer noch da, aber auch moderneren Rhythmen hat man sich nicht verschlossen. Dazu gibt es die sehr natürliche, angenehme Stimme von Peter Heppner, die eindeutig das Markenzeichen von WOLFSHEIM ist. Die meisten Songs sind mittellschnell, mit einigen Ausreißern, die langsamer oder tanzbarer sind. Dazu ist mit „Wundervoll“ ein Song dabei, der zwischen so genanntem Future-Pop und Trance-Techno diese Musik sarkastisch auf die Schippe nimmt. Das wird bestimmt noch eine Singleauskopplung und ein sicherer Hit. Mir persönlich gefällt „I Won´t Believe“ mit am besten, allerdings kann man kaum einen Titel besonders hervorheben, weder positiv, noch negativ, „Casting Shadows“ ist ein sehr homogenes Album, das unzählige Menschen über die Sommermonate begleiten wird. Wenn man böse sein wollte, würde man sagen, dass WOLFSHEIM den sicheren Weg gegangen sind und es hiermit jedem recht machen, Bügelmusik für Hausfrauen. Die Wahrheit ist aber, dass die Gruppe das macht, was sie schon immer am besten konnte: perfekte Popsongs spielen und Menschen einfach glücklich machen. „Casting Shadows“ wird mit Sicherheit in meinen Jahres-Top 5 sein, so viel ist mal sicher! (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden