BACK AGAIN: GOTHIC / WAVE / DARK-WAVE

SUBSTANCE OF DREAM – Höllengott
SUBSTANCE OF DREAM – Gloria

SUBSTANCE OF DREAM – Höllengott (CD 2004)

(De Profundis Promotion/SX Distribution www.substanceofdream.de )

Nach der Vorabmaxi „Gloria“ liegt nun endlich auch das neue Album der Stuttgarter SUBSTANCE OF DREAM vor. Die CD ist ein weiterer Beweis, dass die Band eine der wenigen, wirklich guten deutschen Gothic-Rock Bands unserer Tage ist, und das schon seit rund 15 Jahren.

Wie bereits zur „Gloria“ MCD geschrieben, würde ich SUBSTANCE OF DREAM locker in eine Reihe mit guten deutschen Bands wie Pink Turns Blue, Dronning Maud Land, Tors Of Dartmoor, Swans Of Avon und vielen anderen Größen der Spät-80er/Früh-90er Underground Szene stellen. Dass das berechtigt ist, beweist dieses Album, welches, entgegen meiner leichten Befürchtungen keinerlei Metal-Einflüsse enthält, was mich sehr freut. Stattdessen schafft die Band es, durchgehend alle möglichen Nuancen des klassischen Gothic-Rock auszuloten und in eingängige, den Vorbildern Tribut zollende, aber nicht altmodische Songs zu packen. (Was für ein Satzgebilde...)

Los geht´s rockig mit „Pink“, Gothic-Rock, der ein wenig an Red Lorry Yellow Lorry in ihrer großen Zeit erinnert. „Defenceless Soldier“ ist, nach einem elektronischen Intro, ein Gothic-Rock-Track der härteren Sorte, was mit „Satanskult“ gleich weiter gesteigert wird. Das ist dann schon fast Death-Rock im Stile von Bloody Dead And Sexy oder Murder At The Registry...großartig! „Fremder Tag“, schon bekannt von der MCD, ist ein Cover des Cure-Songs „A Strange Day“, wobei der Text wörtlich übersetzt wurde. Die Synthie-Sounds erinnern allerdings eher an „A Forest“, aber insgesamt eine solide Coverversion. „Behind Tears“ begeistert mit schönen Wave-Gitarren im Stile von The Church und ähnlichen Bands der 80er, „Psycho“ hingegen macht seinem Namen alle Ehre und kommt sehr finster daher, ein bisschen erinnert es dabei an Fields Of The Nephilim in ihrer besten Zeit. Definitiv einer der Hits des Albums. Ein echter Knaller ist dann der Titeltrack „Höllengott“, der das Zeug zum Clubhit hat und sich hoffentlich bei den DJs durchsetzen wird. Ganz großer deutscher Gothic-Rock im Stile von Marquee Moon, Arts & Decay, Im Affekt, Girls Under Glass, Cancer Barrack, Fair Sex und anderen alten Helden. Ich komme nur nicht drauf, an welchen anderen, alten Hit mich der Song erinnert. Könnte auch fast von den frühen Eternal Afflict sein, nur halt mit Gitarren. Leider fällt die zweite Hälfte des Albums dann etwas ab. Nicht, dass die restlichen Songs, unter anderem die Vorabauskopplung „Gloria“, schlecht wären, beileibe nicht. Aber es kommt nichts überraschend neues mehr, sondern einige solide Tracks zwischen Gothic-Rock und Dark Wave, mal mehr in die eine, mal in die andere Richtung tendierend. Heraus stechen tut allerdings noch das schleppende „Zombie“, eine echte Hymne!

Kurz zusammengefasst? Old School-Gothic-Rock mit Wave-Einschlag, Punkmomenten, treibenden Gitarren, verzweifeltem Gesang auf Deutsch und Englisch und passend eingesetzten elektronischen Momenten. Die passende Musik für alle, die mit der Gothic-Szene nicht lange Metaller-Matten auf dem Kopf verbinden und sich bei X-Tra-X einkleiden, sondern für Leute, die wild toupierte Frisuren mögen und ihre Pikes damals bei Bogey´s oder direkt beim jährlichen London-Besuch gekauft haben, weil es sie woanders nicht gab

Wer also die ganzen als Vergleiche genannten Gruppen mag, dazu auch noch die Post-Punk Helden wie Joy Division, Bauhaus oder UK Decay und vielleicht einiges von den frühen Killing Joke, und ein wenig traurig ist, dass solche Musik heute in der Szene kaum noch zu hören ist, sollte hier zuschlagen! Eines der besten deutschen Gothic-Rock-Alben der letzten Jahre. (A.P.)


SUBSTANCE OF DREAM – Gloria (MCD 2003)

(De Profundis Promotion www.substanceofdream.de )

SUBSTANCE OF DREAM aus der Stuttgarter Ecke gibt es schon seit Anfang der 90er Jahre und trotz einiger sehr schöner Veröffentlichungen, haben sie es leider nie über den Insiderstatus hinaus geschafft, bekannt zu werden. Dennoch sind sie für mich eine geliebte „alte“ Band, die mit ihrer ersten Mini-LP einen kleinen deutschen Wave-Klassiker abgeliefert hat, der es locker mit Pink Turns Blue zu ihren besten Zeiten aufnehmen kann.

Nun gibt es mal wieder eine neue, selbst produzierte MCD mit drei Tracks, die aber „nur“ als eine Art Appetithappen auf ein bevorstehendes Album dienen soll.

Der Titeltrack „Gloria“ beginnt zunächst mit einem Möchschor und dann mit härteren Gitarren, die nahe am Metal vorbeischrammen. Der Track entwickelt sich dann aber doch schnell zu einem soliden Gothic-Rock-Track mit Dark Wave-Elementen und deutschem Text. Zunächst etwas ungewohnt, man muss sich erst einige Male in den Song rein hören.

Typischer und vor allem waviger, ist dann Track 2 „Fremder Tag“, wiederum deutschsprachig. So könnte es klingen, wenn Fliehende Stürme und The Cure gemeinsam einen Song aufnehmen würden. Zumindest die Verbindung zu Fliehende Stürme besteht ja schon. Die Synthiemelodie erinnert zudem hier und da an „A Forest“, ohne aber ein Abklatsch zu sein. Wirklich ein toller Song, der alle Stärken von SUBSTANCE OF DREAM zeigt. Leider ist diese Art von Dark Wave derzeit nicht so richtig angesagt in der Szene, in den frühen 90ern hätte die Band damit einen sicheren Hit gehabt und ihren Weg auf die ersten „German Mystic Sound Sampler“ gefunden.

Mit „Song B“ gibt es schließlich auch einen englischsprachigen Song, mit dem die CD nach viel zu kurzer Zeit schon wieder ausklingt. Auch hier gibt es Früh-90er Gothic-Wave vom feinsten zu hören. Der Titel ist treibend und tanzbar und die Gitarren schneiden sich wunderbar mitten ins Hirn.

Neben den ebenfalls wieder auferstandenen Dronning Maud Land und Swans Of Avon, sowie den sich immer treu bleibenden The House Of Usher zeigen SUBSTANCE OF DREAM, dass es in Deutschland schon vor Jahren eine großartige Gitarren-Gothic-Wave Szene gab. Mit den wenigen jüngeren Bands des Genres können die „alten“ Helden es noch locker aufnehmen, weil sie es schaffen, nicht altmodisch zu klingen, ohne sich jedoch modernen Trends anzubiedern. Ich bin mal gespannt, wann Love Like Blood und Pink Turns Blue neue Alben „im alten Stil“ machen… (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden