BACK AGAIN: GOTHIC / WAVE / DARK-WAVE

SLEEPING CHILDREN – Lullabies For Debauchery (CD 2004)

(Strobelight Records/Indigo)

Die SLEEPING CHILDREN aus Frankreich sind eine der Bands, die mit Sicherheit durch die Möglichkeiten des Internet schnell eine große Bekanntheit in der Gothic-Szene erreicht haben und dadurch die Möglichkeit hatten, ihre selbst produzierten CDs zu vertreiben und in mehreren europäischen Ländern Konzerte zu spielen, bis hin nach Polen, außerdem natürlich in Frankreich, England, Belgien, Deutschland, Holland, Italien und der Schweiz. Das sind die guten Seiten der gar nicht mehr so neuen Technik...eine Band kann auch ohne finanzstarke Plattenfirma im Rücken bekannt werden und Kontakte in allen möglichen Ländern knüpfen. Dass die Debut-CD schließlich auf dem österreichisch-deutschen Label Strobelight-Records erschienen ist, ist nicht nur passend, sondern auch folgerichtig, da dieses Label derzeit wohl das konsequenteste in Europa ist, was Old-School-Gothic angeht.

Das alles würde für die SLEEPING CHILDREN aber sicher nicht so gut laufen, wenn sie nicht auch musikalisch etwas zu bieten hätten. Selten in den letzten Jahren ist eine so konsequente Gothic-Rock-/Death-Rock-CD erschienen, bei der vom Sound, den Songs, dem Cover/Booklet, den Texten bis hin zum Outfit der drei Bandmitglieder alles derart stimmig ist, dass die CD glatt aus der „guten alten Zeit“ stammen könnte. Da fragt man sich, warum das Album (mit einer kurzen Laufzeit von gut 30 Minuten) nicht auch auf Vinyl erscheint, um das Nostalgiegefühl abzurunden. Aber im Gegensatz zu Musikstilen wie Punk oder Minimal-Electro scheint es in der Dark Wave-/Gothic-Szene kein Interesse mehr an sinnlichem Vinyl zu geben, wahrscheinlich weil der Altersdurchschnitt der Leute so niedrig ist, dass sie im Prinzip gar nicht mehr die Vor-CD-Zeit kennen.

Musikalisch haben SLEEPING CHILDREN ihre Lektionen aus den frühen 80er Jahren gut gelernt, ihr Sound lehnt sich and die glorreichen Zeiten des Batcave, des frühen Gothic- und des Death-Rock an. Die Mischung aus dem ersten Christian Death-Album, Bauhaus, Sex Gang Children und Virgin Prunes ist gelungen und überzeugend und so heutzutage kaum noch irgendwo zu hören. Mir fallen ähnlich klingende Früh-90er Bands wie Corpus Delicti oder Land Of Passion als Vergleiche ein. Auch wenn die Songs hier und da durch das weglassen des Keyboards und die Hinzunahme eines Schlagzeugers etwas rauer klingen könnten, ist die Produktion gelungen. Die relativ kurze Laufzeit des Albums stört nicht, denn so wird es nicht langweilig, man muss nämlich auch sagen, dass die Songs relativ ähnlich klingen, zwar alle qualitativ relativ hoch stehend, aber so ein richtiger Ohrwurm, der einem nicht mehr aus dem Kopf geht, fehlt etwas. Der Titelsong des Albums ist wohl eine offensichtlichte Hommage an „Only Theatre Of Pain“ von Christian Death und hier besonders an das Stück „Prayer“, aber das ist schon okay.

Wer mal wieder richtig guten Gothic-Rock-Sound hören will, der mit den Klischees spielt, dabei aber nicht peinlich ist, muss hier einfach mal zugreifen. Live dürfte das auch ziemlich viel Spaß machen. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden