BACK AGAIN: GOTHIC / WAVE / DARK-WAVE

SKELETAL FAMILY - Burning Oil
SKELETAL FAMILY - The Singles Plus 1983-85
SKELETAL FAMILY - Futile Combat (LP 1985)

SKELETAL FAMILY – Burning Oil (LP 1984)

(Red Rhino/The Cartel)

Mit „Burning Oil“ legten SKELETAL FAMILY ihr erstes Album vor, nachdem sie mit Singles und EPs zuvor schon eine Fangemeinde gefunden hatten. Obwohl der große Batcave-Hype schon wieder am abflauen war, zählte man die Band noch dazu und durch ihre Freundschaft mit den Sisters Of Mercy wurde sie auch gleich noch in die Gothic-Rock-Schublade gesteckt. Beide Attribute waren sicherlich nicht falsch, vor allem, wenn man das zweite Album „Futile Combat“ anhört, aber auf „Burning Oil“ war stilistisch weitaus vielseitigeres Material zu hören. So ist der Opener „So Sure“ gleich ein treibender Popsong mit Bläsereinsatz (bzw. entsprechenden Keyboards), der durchaus auch kommerzielles Potential hat, aber leider nie ein Hit wurde. „Burning Oil“ ist ein guter Rocksong, der allerdings nicht besonders gut produziert ist, der Gesang ist viel zu sehr im Vordergrund. „Ritual“ dürfte einer der Gründe sein, dass die Band in die Batcave-Ecke gestellt wurde, das klingt schon fast nach Bone Orchard oder Ausgang. Recht  guten Gothic-Rock gibt es bei „The Wind Blows“ und „Waiting Here“ zu hören und „And I“ passt in eine Reihe mit Bands wie Siouxsie And The Banshees, wieder Bone Orchard und Blood & Roses und so weiter. Mit „Burning Oil“ haben SKELETAL FAMILY gut vorgelegt, ihren Höhepunkt erreichte die Band aber erst mit „Futile Combat“. (A.P.)


SKELETAL FAMILY - The Singles Plus 1983-85 (CD 1994)

(Cherry Red Records/Intercord)

SKELETAL FAMILY sind eine Legende, keine Frage. Mitte der 80er Jahre machte die Band vor allem in England, mit der Single „Promised Land“ aber auch in Deutschland Furore. Bei einem Konzert der Gruppe im Herbst 1985 standen Andrew Eldritch und Wayne Hussey zum letzten Mal gemeinsam auf der Bühne, als Gäste von SKELETAL FAMILY.

Cherry Red Records, ein an sich schon legendäres Label, veröffentlicht hier nun auf einer CD die frühen Platten der Bands wieder, wobei alle Hits einschliesslich „Promised Land“ vertreten sind. Die erste Single „Trees/Just A Friend“ war noch eher dem New Wave verhaftet, bevor die Band um Sängerin Anne-Marie sich dem Gothicrock in Reinkultur zuwandte. „Trees“ könnte fast auch ein alter Anne Clarke-Song sein, wunderschön. Mit „She Cries Alone“, „Guilt“, „Promised Land“ und „The Night“ sind weitere bekannte Songs der Gruppe endlich wieder erhält­lich, aber auch die B-Seiten Tracks haben nach fast zehn Jahren noch nichts von ihrer Genialität verloren und es ist Cherry Red hoch anzurechnen, daß sie diese Band mit Vorbildfunktiou nun wieder der grösseren Masse zugänglich machen.

Zum Glück verzichtete man darauf, die letzte (Major-) Single mit neuer Sängerin auf diese Compilation draufzunehmen, denn das war nur noch schleimiger Pop. Anne-Marie gründete nach ihrem Ausstieg bei SKELETAL FAMILY  mit Gary Marx (Ex-Sisters) Ghost Dance, die drei gute Maxis veröffentlichten und dann sang und klanglos mit einigen Pop-Maxis im Mainstream verschwanden.

Erwähnenswert, und Beweis, daß man auch als Gothic Humor haben kann, sind noch die Coverversionen der Batman Musik zur Zeichen­trickserie und die von „Stand By Me“, die sich den Reiz einer wunderschönen Ballade bewahrt hat und wo Anne-Marie beweisen kann, was in ihrer Stimme steckt. Diese CD hat nicht nur dokumenta­rischen Wert, sondern beweist auch, daß viele Bands heute nur billige Plagiate von Sachen sind, die andere schon lange vor ihnen gemacht haben. „The Singles“ ist ein Pflichtkauf für alle, die Mitte der 80er noch zu jung waren, um die Originale zu kaufen oder zu kennen. (A.P.)


SKELETAL FAMILY – Futile Combat (LP 1985)

(Red Rhino Records)

1985 hatten sich SKELETAL FAMILY mit einigen Singles und dem Album schon einen guten Namen erspielt und tourten ausgiebig. Neben den Sisters Of Mercy, mit denen sie auch zusammen auftraten, waren sie wahrscheinlich die bekannteste Gothic-Rock-Band in England, aber auch darüber hinaus. Mit der Single „Promised Land“ haben sie zudem einen unsterblichen Klassiker geschaffen.

Das zweite und leider auch letzte reguläre Album „Futile Combat“ wurde jedoch der absolute Höhepunkt ihrer Karriere. Praktisch jeder Song ist hier großartig, egal, ob es um Uptempo-Nummern wie eben „Promised Land“ oder ruhigere Sachen  wie „This Time“ geht.

Auch wenn die Band sich damals dagegen sträubte, als Gothic-Rock-Band angesehen zu werden, wie auch die Sisters Of Mercy, so muss ich doch eindeutig sagen, dass „Futile Combat“ eines der besten Alben dieser Musikrichtung aus den 80er Jahren ist. Die schneidenden Gitarren setzen Maßstäbe, die Drum/Bass-Sektion treibt nach vorne und der Gesang von Sängerin Anne-Marie war zu der Zeit konkurrenzlos, gerade, weil er ganz anders war, als der von der alles beherrschenden Siouxsie Sioux. Selbst der gelegentliche Einsatz eines Saxophons stört hier nicht und SKELETAL FAMILY konnten es sich in einer immer mehr zur Klischeehaften Ernsthaftigkeit neigenden Gothic-Szene sogar erlauben, mit „What Happened“ ein fröhliches, vom Ska beeinflusstes Stück auf die Platte zu nehmen. Auch „Move“ hätte durchaus Chancen gehabt, in den Popcharts durchzustarten, ohne aber vom Niveau her auf die damals angesagten Stock/Aitken/Waterman-Produktionen herab zu sinken. Eigentlich ist die ganze Platte nicht besonders düster, sondern häufig eingängig, aber gerade deshalb ist sie wahrscheinlich mit ihren recht straighten Rockstücken so genial. Mit dem Opener “Hands On The Clock“, sowie „Don´t Be Denied“ und „She Cries Alone“ sind drei echte Gothic-Hymnen vertreten, dazu natürlich „Promised Land“ und mein persönlicher SKELETAL FAMILY-Lieblingssong „Far And Near“, an dem einfach alles stimmt! Einer der besten Gothic-Rock Songs aller Zeiten! Auch die noch nicht genannten Songs „No Chance“ und „Streetlight“ passen perfekt ins Gesamtbild und sollen nicht unerwähnt bleiben.

Die Original-LP hatte ein wunderschönes „Schlangenhaut“-Cover, dürfte aber kaum noch irgendwo zu realistischen Preisen zu finden sein. Zum Glück ist „Futile Combat“ zusammen mit dem Debutalbum „Burning Oil“ auf einer CD wieder veröffentlicht worden und die sollte noch aufzutreiben sein.

„Futile Combat“ gehört definitiv in JEDE Gothic-Rock Sammlung! (A.P.)