BACK AGAIN: WAVE

O BABY
SUPERSTITION
PEEPSHOW
TINDERBOX

HYAENA
ONCE UPON A TIME - THE SINGLES
JUJU
KALEIDOSCOPE
JOIN HANDS

SIOUXSIE AND THE BANSHEES – O Baby (MCD 1995)

(Polydor)

Eigentlich sollte man dieses Machwerk ja keines Wortes würdigen, aber einige Worte der Warnung sollten fairerweise sein. Das das neue Material von SIOUXSIE kommerziell sein würde, war ja ziemlich klar, aber das es so schlimm werden würde, hatte selbst ich als notorische Pessimist nicht erwartet. Das neue "O Baby" ist leider dermaßen miserabel, das man schon sehr viel Phantasie braucht, um das noch Independent zu nennen. Denn es ist alles, nur das nicht. Klar, Musiker entwickeln sich, verändern sich wie alle Menschen, aber das sich die Punk- und Gothic-Heroe in ein Trallala-Singsang-Happy-Chartbreaker-Girl (welch Wortkreation!) verwandeln würde, hätte ich selbst nach dem ohnehin schon sehr kommerzigem "Face To Face", welches ich übrigens noch recht gut finde, nicht geglaubt. Ich argwöhne, daß hier höhere Mächte im Spiel sind, will sagen, irgendwelche Labelbosse. Ich weigere mich zu glauben, daß dieser Müll auf SIOUXSIE´s Mist gewachsen ist. So, jetzt wird die Maxi-CD weggeräumt, sie kommt gleich neben Cure´s "Wish" und Sister´s "Temple Of Love ´92". (B.I.)


SIOUXSIE AND THE BANSHEES – Superstition (LP/CD 1991)

(Wonderland/Polydor)

1988 mit “Peepshow” hatten Siouxsie Sioux und ihre Banshees einen Höhepunkt ihrer Bandgeschichte, die bei Punk und Gothic angefangen hat und dann über New Wave und Psychedelic zu Popmusik führte, erreicht. „Peepshow“ war perfekter Pop, ohne auch nur eine Sekunde lang oberflächlich und seicht zu sein. Als 1991 dann das Nachfolgealbum „Superstition“ erschien, war man schon skeptisch, was noch kommen sollte. Die Vorabsingle „Kiss Them For Me“ war nett, aber nicht wirklich überzeugend, obwohl groß produziert, vielleicht aber auch schon überproduziert. Das Album führte diesen Weg weiter und verprellte damit viele alte Fans, ohne jedoch neue hinzugewinnen zu können. „Superstition“ ist mit Abstand das glatteste und am leichtesten zu konsumierende Album der Band und dementsprechend wohl auch kein großer Erfolg gewesen. Nicht, daß das jetzt falsch verstanden wird, die Platte ist gut, nur ist man von SIOUXSIE AND THE BANSHEES mehr gewohnt gewesen, als nur ein „gutes“ Album. Die Gruppe war ihrer Zeit eigentlich immer voraus, hier gliedert sie sich jedoch nur in die Masse normaler Pop-/Rock-Musik ein. Einige Titel sind wirklich überzeugend, so hätte „Cry“ auch problemlos auf „Tinderbox“ erscheinen können und mit „Shadowtime“ ist einer der schönsten Popsongs von SIOUXSIE AND THE BANSHEES überhaupt auf dem Album. Vor einigen Jahren gefiel mir die Platte überhaupt nicht, inzwischen mag ich sie zumindest so, dass ich sie jederzeit nebenbei hören kann, allerdings auch nur nebenbei, sozusagen als bessere Alternative zum alltäglichen Radiogedudel. Mitte der 90er Jahre haben SIOUXSIE AND THE BANSHEES mit „The Rapture“ noch mal ein Album nachgelegt, das einige alte Fans etwas versöhnen konnte, doch danach löste die Gruppe sich auf. Nach fast 20 Jahren als eine der wandlungsfähigsten Bands überhaupt, war das Feuer wohl irgendwie erloschen, bzw. brannte nur noch auf ganz kleiner Flamme. Daß man manchmal alte Dinge beenden muß, um was neues, frischeres zu beginnen, haben Siouxsie Sioux und Drummer Budgie in den vergangenen Jahren mit den Creatures bewiesen. (A.P.)


SIOUXSIE AND THE BANSHEES - Peepshow (CD 1988)

(Wonderland/Polydor)

Punk, Gothic, New Wave, Neo-Psychedelic, Pop, Perfect Pop, so könnte man in Kurzform die Karriere von SIOUXSIE AND THE BANSHEES beschreiben. „Peepshow“ ist Perfect Pop, was sollte also danach noch kommen? Richtig, SIOUXSIE´s schwächstes Album „Superstition“, das gerade noch einen wirklich guten Song („Shadowtime“) enthielt. Nachdem das dandyhafte Album „Tinderbox“ schon gezeigt hatte, daß die Band erwachsen geworden war, bewies „Peepshow“, daß die Gruppe eigentlich das Potential für die oberen Chartränge hätte. Die erste Auskopplung „Peek-A-Boo“ war ein leidlicher Hit, aber mit Songs wie „The Killing Jar“, „Ornaments Of Gold“, „Scarecrow“ und einer der schönsten Balladen aller Zeiten, „The Last Beat Of My Heart“, war die Gruppe vom Songwriting und den Melodien her auf ihrem Höhepunkt angelangt. An „alte“ „Hyaena“- und „Tinderbox“-Zeiten erinnern lediglich das minimalistische „Rawhead And Bloodybones“ und das monumentale „Rhapsody“, das ein wenig wie eine Fortsetzung von „Dazzle“ oder „Cascade“ klingt. Zur wunderbaren Musik gibt es, sozusagen Gratis, ein edel gestaltetes Covermotiv. (A.P.)

SIOUXSIE AND THE BANSHEES - Tinderbox (CD 1986)

(Wonderland/Polydor)

Mit „Tinderbox“ vollzogen SIOUXSIE AND THE BANSHEES nach „Hyaena“ endgültig die Wende zur Popband. Der Wave vergangener Tage war zwar noch durchzuhören, vor allem natürlich durch SIOUXSIE´s prägnante Stimme, vom Punk und Gothic der Anfangstage war aber nichts mehr zu hören. Mit „Candyman“ und vor allem „Cities In Dust“ enthält „Tinderbox“ zwei recht erfolgreiche Single-Auskopplungen. Vor allem das Video von „Cities In Dust“ lief bei den damals existenten Musikkanälen rauf und runter. Mit diesem durchgehend angenehm anzuhörenden Album sind SIOUXSIE AND THE BANSHEES endgültig erwachsen geworden. Die CD enthält gegenüber der LP fünf weitere Titel, nämlich die komplette „Cities In Dust“ 12“ und die B-Seite der „Candyman“ 12“. (A.P.)


SIOUXSIE AND THE BANSHEES - Hyaena (CD 1984)

(Wonderland/Polygram)

Mit der 1983er Single „Dear Prudence“ eröffneten sich SIOUXSIE AND THE BANSHEES den Weg in kommerziell erfolgreichere Gefilde und nach dem eher mittelmäßigen Live-Album „Nocturne“ wurde es Zeit ein neues Studioalbum aufzunehmen. 1983/84 erfanden irgendwelche Journalisten ein sogenanntes Neo-Psychedelica-Revival, zu dem auch The Glove´s „Blue Sunshine“ und Cure´s „The Top“ gerechnet wurden und eben auch „Hyaena“. Bezeichnend ist, daß an allen drei Alben Robert Smith beteiligt war, dessen Gitarrenstil hier recht prägend zum Vorschein kam. Letztendlich ist „Hyaena“ natürlich nichts anderes als ein Popalbum mit vielen Wave-Einflüssen und tatsächlich ein paar psychedelischen Momenten. Auch wenn SIOUXSIE SIOUX es nie eingestanden hat, war Smith´s Einfluß auf die Platte sicherlich nicht gering. Eröffnet wird die Platte vom hymnenhaften „Dazzle“, auch als Single ausgekoppelt, das zu meinen ewigen SIOUXSIE-Favoriten gehört. Die andere Single „Swimming Horses“ weiß ebenso zu gefallen, wie der unter Fans beliebte Bandklassiker „Bring Me The Head Of The Preacherman“. Mit „We Hunger“ und „Belladonna“ sind weitere Titel vertreten, die locker das Zeug zur Single-Auskopplung gehabt hätten. Lange Zeit war „Hyaena“ mein liebstes SIOUXSIE-Album. Das hat sich zwar etwas zugunsten von „Juju“ verschoben, aber dennoch lege ich „Hyaena“ noch häufig auf, denn man kann das Album locker am Stück durchhören. Letztendlich hat diese Platte den Weg gewiesen, den SIOUXSIE AND THE BANSHEES einige Jahre später mit „Peepshow“ perfektioniert haben. Die Zeiten, der wilden, punkigen SIOUXSIE SIOUX waren hier längst vorbei und die Phase der unnahbar scheinenden Diva begann. Mit „Tinderbox“ und „Peepshow“ folgten noch zwei tolle Platten, unterbrochen von der Coverversionen-Platte „Through The Looking Glass“, bevor mit „Superstition“ leider das Ende der Gruppe eingeläutet wurde, das mit der guten „The Rapture“-Platte nur noch halbherzig aufgehalten wurde. (A.P.)


SIOUXSIE AND THE BANSHEES - Once Upon A Time - The Singles (CD 1981)

(Polydor)

Nach dem vierten SIOUXSIE Album „Juju“ wurde es Zeit, die Singles, die teilweise nicht auf den Alben enthalten waren, mal kompakt zusammenzufassen. Von der ersten Single „Hong Kong Garden“ und den beiden Nachfolgern „The Staircase (Mystery)“ und dem genialen „Playground Twist“ zu den Wave-Klassikern „Happy House“, „Christine“ und „Israel“ bis hin zu „Arabian Knights“ und „Spellbound“ sind alle frühen Hits enthalten, dazu noch die Frühwerke „Love In A Void“ und „Mirage“ (die beide nicht auf der gleichnamigen Videocompilation drauf sind, dafür findet sich dort aber der Clip zu „Red Light“). Zu dieser Zeit schlossen SIOUXSIE AND THE BANSHEES mit ihrer Punk- und New Wave-Phase schon fast ab, es folgte ein Jahr später noch „A Kiss In The Dreamhouse“, bevor man sich mit „Hyaena“ noch etwas halbherzig, danach mit „Tinderbox“ jedoch vollkommen dem anspruchsvollen Pop zuwendete. Da einige Titel dieser Compilation auf den normalen Alben nicht zu finden und außerdem alle Texte abgedruckt sind, darf „Once Upon A Time“ in keiner SIOUXSIE-Sammlung fehlen. (A.P.)


SIOUXSIE AND THE BANSHEES - Juju (LP1981/CD1989)

(Polydor)

Als SIOUXSIE-Fan seit fast 15 Jahren habe ich es erst vor kurzem geschafft, mir nach und nach mal die Veröffentlichungen als CDs nach zu kaufen, deshalb auch erst jetzt eine Kritik zu diesem beinahe besten Album der Band. Mit „Kaleidoscope“, „Juju“ und „A Kiss In The Dreamhouse“ kamen Anfang der 80er drei Alben der Band nacheinander heraus, die alle das Prädikat New Wave-Klassiker verdienen. Mit diesen Platten haben SIOUXSIE AND THE BANSHEES das Wave Genre geprägt, wie kaum eine andere Gruppe, abgesehen vielleicht von The Cure und Joy Division. Waren auf den ersten Alben „The Scream“ und „Join Hands“ noch die Punkwurzeln spürbar, so kam „Kaleidoscope“ unterkühlt-minimalistisch daher und  „A Kiss In The Dreamhouse“ schon deutlich eingängiger, bis hin zu den  reifen Popalben „Tinderbox“ und „Peepshow“. „Juju“ ist die perfekte Mischung aus all dem. Einerseits noch rauh und wild, andererseits schon melodiös. Mit „Spellbound“ und „Arabian Knights“ sind auf der Platte zwei grandiose und auch kommerziell erfolgreiche Charthits vertreten. Dazu die Wave-Klassiker „Monitor“ und „Halloween“ und einer der vielleicht besten SIOUXSIE-Songs überhaupt: „Into The Light“, der meiner Meinung nach zu unrecht kein Klassiker geworden ist. Mit „Night Shift“ ist auch ein weiterer SIOUXSIE-Song hier erstmals erschienen, der sich mit seiner dunklen Atmosphäre neben „Israel“ zu einem der beliebtesten Live-Songs der Band entwickelt hatte. Auch mit den restlichen drei Songs „Sin In My Heart“, „Head Cut“ und „Voodoo Dolly“ bleibt die Qualität der Platte erhalten, so daß es sich bei „Juju“ definitiv um eines der drei wichtigsten und besten SIOUXSIE-Alben handelt, die in jeder Wave-Sammlung enthalten sein sollten! (A.P.)

SIOUXSIE AND THE BANSHEES - Kaleidoscope (CD 1980)

(Polydor)

Neben Cure waren SIOUXSIE AND THE BASNHEES wohl die prägendste Band für den Wave der frühen 80er. Nach dem punkigen „The Scream“ und dem frühen Gothic-Rock Werk „Join Hands“ begann mit „Kaleidoscope“ 1980 SIOUXSIEs New Wave Phase, was einerseits sicherlich an den Bandumbesetzungen lag, andererseits aber auch an der zu dieser Zeit vorherrschenden Loslösung von ausverkauften Punkidealen. Nicht unterschlagen sollte man auch die Tatsache, daß aus den Bandmitgliedern schlicht und einfach bessere Musiker geworden waren. „Kaleidoscope“ eröffnet SIOUXSIEs „Wave Trilogie“, die mit dem genialen „Juju“ und der perfekt produzierten „A Kiss In The Dreamhouse“ fortgesetzt wurde. Für mich sind das die drei besten SIOUXSIE Platten, nicht jeder wird so denken. „Kaleidoscope“ ist minimalistisch, manchmal sogar kalt, brachte aber mit „Happy House“ und „Christine“ zwei zeitlose Hitsingles vor, die auch heute noch gerne in guten (!) Wave-Discotheken eingesetzt werden. Das beliebteste Lied unter Fans dürfte hier natürlich „Red Light“ sein, ein schlicht und einfach perfekter New Wave Song. Als Live Klassiker hat sich „Paradise Place“ erwiesen, aber auch die übrigen Lieder fügen sich nahtlos in die Reihe der schon erwähnten ein. Damit gehört „Kaleidoscope“ sicherlich zu den Klassikern des New Wave,  auch wenn mir persönlich „Juju“ noch ein bißchen besser gefällt. (A.P.)


SIOUXSIE AND THE BANSHEES – Join Hands (LP/CD 1979/1989)

(Polydor)

Nach dem fast reinen Punk-Rock Album „The Scream“ hatten SIOUXSIE AND THE BANSHEES mit dem Zweitling „Join Hands“ ihren ganz eigenen Stil gefunden, der von nun an immer mehr verfeinert wurde. „Join Hands“ steht stilistisch genau zwischen den frühen Punksachen und den New Wave Sachen, die mit Alben wie „Kaleidoscope“ und „Juju“ folgen sollten. Die Platte ist letztendlich nichts anderes, als SIOUXSIE´s einziges Gothic-Rock-Album, ein stilprägendes dazu. Neben Bauhaus und UK Decay darf man die Band damit zu den richtigen Urahnen des vom Punk beeinflussten Gothic-Rock zählen. Würde mich nicht wundern, wenn Rozz Williams hier auch einige Inspirationen zu Christian Death´s „Only Theatre Of Pain“ LP her hätte. Songs wie „Poppy Day“, „Placebo Effect“ und die Single „Playground Twist“ sind unsterbliche Hymnen, getoppt allerdings noch vom genialen „Icon“, einem der besten und leider unterschätztesten SIOUXSIE Songs überhaupt. Erwähnenswert besonders auch noch die Version von „The Lord´s Prayer“, dem Titel, mit dem die Geschichte der Band überhaupt erst angefangen hat, der hier aber wahrscheinlich bei weitem nicht so chaotisch rüberkommt, wie er beim allerersten Liveauftritt tatsächlich war. „Join Hands“ ist eines der großen SIOUXSIE AND THE BANSHEES Alben und stilistisch sicherlich eines der wichtigsten, hat es doch definitiv eine ganze Generation von Musikern und Bands beeinflusst. SIOUXSIE selber hat sich schnell anderen Dingen zugewandt, nachdem man im Gothic-Rock eine unübertreffliche Marke hinterlassen hat. (A.P.)