BACK AGAIN: GOTHIC / WAVE / DARK-WAVE

P1/E – Second Offender (LP 2005)

(Vinyl-On-Demnd www.vinyl-on-demand.com )

Immer wieder gibt es Bands, die in ihrer mehr oder weniger langen Karriere nur eine einzige Single veröffentlichen, die dann sogar zum Hit wird. Die meisten Bands werden dann auch wieder vergessen. Nur wenigen ist es vergönnt, mit einer einzigen Platte zur Kultband zu werden und die Zeiten zu überdauern. P1/E ist so eine Band, oder viel mehr ein „offenes Projekt“ mit wechselnden Beteiligten. 1980 erschien ihre einzige 7“ „49 Second Romance“/“Dependence“ in Berlin und vor allem der erste Song ist bis heute in der Waveszene, nicht nur in Deutschland, unvergessen und sorgt unter Minimal-Electro-Freunden für Bewegung auf den Tanzflächen der Clubs und Partys.

Vinyl-On-Demand hat nun alles offiziell erschienene Material von P1/E auf dieser LP zusammengefasst und mit einigen Livestücken von 1981 ergänzt. Den Anfang machen die beiden Stücke der 7“, die auch schon auf dem „Exil System“-Sampler von Vinyl-On-Demand erschienen sind. Dependence war übrigens auch auf dem Soundtrack zum NDW-Film „Kalt Wie Eis“ vertreten, der eigentlich dringend mal auf DVD kommen müsste!

„Up And Above“ und „Up And Above Dub“ stammen vom „Monogam“-Sampler des gleichnamigen Labels und zeigen eine funkigere Seite der Gruppe, beziehungsweise einige Dub-Experimente. Spannender ist dann aber „49 Second Romance (Disco Mix)“ vom „Licht Und Schatten“-Sampler, der 1981 bei People´s Records erschienen ist und eine weitaus eingängigere Version dieses Übersongs präsentiert. Die experimentelle Seite zeigt dann „Nice“ vom gleichen LP-Sampler. Ein unterschätzter kleiner Hit, der hier hoffentlich seine verdiente Würdigung erfährt.

Die B-Seite der LP enthält vier Live-Tracks vom „Licht und Schatten“-Festival 1981 im Berliner SO36, die einen ziemlich rauen Charme haben. „Mauern Sind Ein Super Spaß“ ist ein treibendes, ziemlich waviges Instrumental, dass durch schneidende Geräusche ziemlich spannend wird. „Gib Mir Den Tod“ ist perfekter „Geniale Dilettanten“-Sound mit Ziggy XY (Kosmonautentraum) als Gastsänger. Auch eher New Wave als Minimal-Electro und Ziggy XY ist definitiv kein guter Sänger, hatte aber jede Menge Selbstvertrauen. Noch schräger wird es bei „Weil Ich Dich So Lieb Hab“, wo er kaum einen Ton trifft, was sehr sympathisch ist. Dazu die minimalistischen Electroklänge und ein kleiner Ohrwurm ist geboren. Tuesday aus Hamburg lassen grüßen! Der Höhepunkt ist dann aber schließlich „49 Sekunden Romanze“. Kennen tut man diese Liveversion bereits vom „So War Das SO36“-Video, wo eine wilde Dosen- und Negerkussschlacht zwischen Publikum und Band entbrennt und auch Tritte der Musiker in die Fressen der Zuschauer nicht ausbleiben. Die damaligen Berliner Punks müssen sich durch P1/E extrem provoziert gefühlt haben. So wird man zur Kultband. Leider ist die Platte damit auch schon wieder zu Ende und man fragt sich, ob da nicht noch mehr Material der Gruppe irgendwo schlummert. Einige neue Remixe des bekanntesten Stückes gibt es inzwischen ja schon von der Bandwebsite zum downloaden.

Mit „Second Offender“ legt Vinyl-On-Demand eine schöne Werkschau einer wichtigen, wenn auch kurzlebigen deutschen Waveband der ganz frühen 80er Jahre vor, und auch, wer sich glücklich schätzen kann, die Originalplatten zu besitzen, kommt schon wegen der unveröffentlichten Livetracks nicht an dieser LP vorbei. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden