BACK AGAIN: WAVE / POP

NEW ORDER – Waiting For The Siren´s Call
NEW ORDER – Krafty
NEW ORDER - Retro
NEW ORDER - Finsbury Park 9th July 02 (DVD)
NEW ORDER – Here To Stay CD 2
NEW ORDER – Here To Stay CD 1
NEW ORDER – Here To Stay (DVD Single)

NEW ORDER – 60 Miles An Hour (DVD Single)
NEW ORDER - 60 Miles An Hour CD 1

NEW ORDER - 60 Miles An Hour CD 2

NEW ORDER - Crystal

NEW ORDER - Get Ready
NEW ORDER - 316
NEW ORDER - Crystal CD 1
NEW ORDER - Crystal CD 2
NEW ORDER – BBC Radio 1 Live In Concert
NEW ORDER - The Best Of
NEW ORDER - Republic
NEW ORDER - Technique
NEW ORDER - Brotherhood
NEW ORDER - Low-Life
NEW ORDER - Power, Corruption & Lies

NEW ORDER – Waiting For The Siren´s Call (CD 2005)

(London Records)

Nach dem 2001er Mega-Comeback von NEW ORDER mit dem grandiosen „Get Ready“-Album, hat es wieder fast vier Jahre gedauert, bis das neue, insgesamt achte reguläre Album in 25 Jahren  der englischen Urväter des Brit-Pop fertig geworden ist.

Was könnte man besseres sagen, als das es sich um ein echtes NEW ORDER-Album handelt? Kein Fan will ernsthaft, dass sich die Band stilistisch groß verändert, ganz so wie beispielsweise bei Kraftwerk. Mal klingt ein Album elektronischer mit modernen Einflüssen („Technique“), mal sehr poppig und eingängig („Low Life“, „Republic“), mal eher düster („Movement“) oder auch rockig („Get Ready“), aber immer hört man eindeutig NEW ORDER heraus, alleine am Gesang, den typischen Melodien und natürlich dem unverwechselbaren Bass.

Von „Waiting For The Siren´s Call“ wurde vorher gesagt, dass es wieder elektronischer als der Vorgänger werden würde, eher wie „Technique“, als wie „Get Ready“, aber das ist nur bedingt richtig. Auf jeden Fall ist es wieder poppiger geworden, doch die rockigen Gitarren bleiben allgegenwärtig, so dass sich eine gute Mischung ergibt.

Überraschend ist jedoch der Opener „Who´s Joe?“, der fast wie The Cure zu „Wish“-Zeiten klingt und sich neben „From The Edge Of A Deep Green Sea“ kaum verstecken muss. Ein ganz starker Anfang für das Album. Mit „Hey Now What You Doing“ geht es NEW ORDER-typisch weiter, sehr eingängig mit einer rockigen Gitarre garniert dürften Fans die CD bereits jetzt lieben. Der Titelsong „Waiting For The Siren´s Call“ ist etwas melancholischer, trotzdem poppig und richtig schön 80s-angehaucht. Spätestens jetzt dürfte bei Zweiflern das Eis gebrochen sein und wenn doch nicht, folgt sogleich mit „Krafty“ die erste Singleauskopplung, die beim ersten Anhören als unsterblicher Ohrwurm hängen bleibt und eigentlich mal wieder ein NEW ORDER-Top10-Hit sein müsste. Verdient hätte es der Song auf jeden Fall. Etwas herausstechen tut „I Told You So“. Sehr rhythmisch mit sehr vielen Effekten und wohl eher ein Experiment, dass die Band aus einem Karibikurlaub mitgebracht hat. Man muss sich reinhören, aber dann bleibt auch dieser Track hängen. „Morning Night And Day“ führt das weiter, was „Get Ready“ 2001 begonnen hat. „Dracula´s Castle“ ist ein weiterer typischer Song für die Band und bietet die wunderbare Mischung aus elektronischen und gitarrigen Sounds, für die ich die Gruppe so liebe. Etwas gewöhnungsbedürftig, weil eher untypisch für die Gruppe ist „Jetstream“ mit der Gastsängerin Ana Matronic. Modern und elektronisch ist „Guilt Is A Useless Emotion“, während „Turn“ wieder mehr als typisch ist und sich auf jeden Album der Band gut machen würde. Mit „Working Overtime“ endet das Album nach knapp 57 Minuten noch einmal ziemlich rockig und man ist gezwungen, die CD gleich wieder von Anfang an zu hören.

Für NEW ORDER-Fans wie mich ist dieses Album nach langer Wartezeit wie ein Geschenk und natürlich ein absoluter Pflichtkauf, aber auch Leute, die einfach gute Popmusik jenseits der längst in der Versenkung verschwundenen „Superstars“ oder Produzenten-Pop-Püppchen mögen, werden hier garantiert nicht enttäuscht. Und auch gute neuere Bands wie Interpol, Franz Ferdinand, Killers, Bloc Party und Coldplay sollten sich warm anziehen, denn eines ihrer großen Vorbilder ist lebendig wie eh und je. Mit John Leckie (produzierte seit 1969 unter anderem Pink Floyd, Radiohead, Stone Roses und unzählige andere Bands) und dem ehemaligen The Smiths-Produzenten Steven Street hat man sich auch echte Fachleute ins Studio geholt, so dass eigentlich nichts schief gehen konnte.

„Waiting For The Siren´s Call“ dürfte schon jetzt im März/April eines DER Alben des Jahres sein. Wunderbar! (A.P.)


NEW ORDER – Krafty (Single-CD 2005)

(London Records)

Ob es diese 2-Track-CD-Single in Papphülle einzeln käuflich zu erwerben gibt, weiß ich nicht. Sie wurde bei Amazon.de zusammen mit dem Album „Waiting For The Siren´s Call“ angeblich exclusiv als Bonus ausgeliefert. Enthalten ist der unglaublich eingängige „Single“ Edit“ von „Krafty“ und die „Album Version“ des gleichen Tracks, die über eine halbe Minute länger ist und etwas weniger glatt rüberkommt. Interessant ist natürlich nur der „Single Edit“, da diese Fassung weder auf dem Album, noch auf der normalen MCD zu finden ist (außer im Videoclip). Für Gelegenheitskäufer ist diese Single-CD also wenig reizvoll, für Fans und Sammler ist sie jedoch ein nettes Bonbon, da auch das Covermotiv ein wenig anders ist, als bei der MCD. Das „Krafty“ ein wunderbarer, New Order-typischer Popsong vom allerfeinsten ist, muss ja nicht extra erwähnt werden, oder? (A.P.)


NEW ORDER – Retro (4-CD-Box 2002)

(London Records)

2002 war schon ein echtes NEW ORDER Jahr, aber auch 2003 ist die legendäre englische Band nicht von der Bildfläche verschwunden. Neben einer neuen Best Of gibt es die tolle „Finsbury Park“ DVD und die hier vorliegende edle 4-CD-Box, die viele Fans wirklich glücklich machen dürfte. Letztendlich ist „Retro“ natürlich auch eine Bestandsaufnahme aus über 20 Jahren Bandgeschichte, aber im Grunde sind es gleich 4 Best-Of CDs, was wirklich Sinn macht, denn NEW ORDER hatten schon immer sehr unterschiedliche Fans. CD 1 nennt sich „Pop“ und kommt dem, was man eine „Greatest Hits“ nennen könnte wohl am nächsten. Hier gibt es all die schönen Popsongs, die auch die Hitparaden aufgemischt haben und wohl dem Durchschnittsfan befriedigen werden, der nicht unbedingt die Alben der Gruppe kauft, aber die Singles immer mochte. In nicht chronologischer Reihenfolge finden sich hier Lieder wie „Fine Time“, „Regret“, „True Faith“, „Crystal“, „Bizarre Love Triangle“, das unterschätzte „Temptation“, „Cofusion“, „Round And Round“, „Ceremony“, „The Perfect Kiss“ und das unvermeidliche „Blue Monday“. Dazu selten gehörte Songs wie „Brutal“ aus dem Soundtrack zum gar nicht mal so üblen Leonardo DiCaprio Epos „The Beach“, „Everyone Everywhere“ und „Slow Jam“. Von den ganz großen Hits fehlt eigentlich nur die Fußballhymne „World In Motion“, dem einzigen Nummer 1 Hit von NEW ORDER in England. Alles schöne Lieder, teilweise sogar perfekte Popsongs wie „True Faith“, aber wie jeder weiß, findet man die wahren Perlen auf den Alben und dementsprechend ist die zweite CD „Fan“ betitelt und eine solche Zusammenstellung. Das wunderschöne Instrumental-Stück „Elegia“ eröffnet einen fast genialen Reigen von Songs, der mit „In A Lonely Place“, „Procession“ und „Your Silent Face“ fortgesetzt wird und kaum Zeit zum Luftholen lässt, weil man ständig ein „weißt Du noch damals...“-Gefühl hat. “Sunrise“, „Dreams Never End“, „Sooner Than You Think“ und „Every Little Counts“ sind weitere liebgewonnene Bandklassiker, dazu kommen „Let´s Go“, „Broken Promise“, „Cries And Whispers“, „All Day Long“, „Leave me Alone“, „Lonesome Tonight“ und „Run Wild“. Fast alle diese Songs haben auch großen Pop-Appeal, klingen aber auch hier und da schräger, als die Songs der ersten CD. NEW ORDER waren auch immer als Band bekannt, die von ihren Singles tanzbare Maxiversionen gemacht haben und dementsprechend heißt die dritte CD „Club“ und bietet jede Menge, teilweise rare oder auf CD unveröffentlichte Mixe von allseits beliebten Hits. Hier gibt es schließlich auch „World In Motion“ und das coole „Touched By The Hand Of God“, „Shellshock“, „Paradise“, das grandiose, singlewürdige „1963“, „Everything´s Gone Green“, „Here To Stay“ und weitere Mixe von Songs, die schon auf der „Pop“ CD zu finden sind. Die ersten drei CDs geben ein einwandfreies Bild über eine vielseitige Band ab, doch Fans und Sammlern bietet sie kaum Neues. Das tut dann aber CD 4. Zusammengestellt vom Primal Scream´er und Ex- Jesus and Mary Chain´er Bobby Gillespie wird hier eine ganze CD lang unveröffentlichtes Livematerial vorgeführt, das dem Fan einfach nur das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Hier wird die beinahe ultimative Mischung aus der dunklen Seite der Gruppe und den tanzbaren Hits gefunden, dazu noch einige weitere Bandklassiker wie „Age Of Consent“ und „As It is When It Was“, die auf den ersten drei Scheiben noch nicht zu hören waren. Weiterhin tolle Versionen von „Ceremony“, „In A Lonely Place“, „Crystal“, „Temptation“ und einige mehr. Diese CD ist über jeden Zweifel erhaben. Was kann man an einer 4-CD Box von einer der besten Bands überhaupt aussetzen, die 57 Lieder bietet, alle Seiten der Gruppe vorstellt, eine wirklich tolle Verpackung hat und zudem ein fettes Booklet beinhaltet, das hübsche Bilder und hochinteressante Infos, teilweise von den Bandmitgliedern selbst, enthält? Nichts, genau... Zudem fand  ich die Box mit etwa 40 € gar nicht mal zu teuer, wenn man bedenkt, was geboten wird. Bei mir hat diese Veröffentlichung schon jetzt gute Chancen, „Veröffentlichung des Jahres“ zu werden (ich weiß ich weiß, eigentlich ist sie bereits 2002 erschienen), falls The Cure jetzt nicht noch etwas Brillantes nachlegen. (A.P.)


NEW ORDER – Finsbury Park 9th July 02 (DVD 2002)

(Warner Music Vision)

Seit Monaten habe ich sehnsüchtig auf diese neue Live-DVD von NEW ORDER gewartet und als ich sie endlich in den Player legen konnte, wurde ich natürlich nicht enttäuscht. Jeder Fan der Band wird begeistert sein, ebenso, vielleicht mit wenigen Abstrichen, jeder Freund von perfekter Popmusik. Die Abstriche kann man allerdings nicht wegen der Song-, Bild- oder Tonqualität machen, sondern wegen der Tatsache, dass sich die Engländer einfach nicht wie aalglatte Popstars verhalten und alle möglichen Klischees auch mal durch den Kakao ziehen. Zudem waren NEW ORDER noch nie eine perfekte Liveband und haben auch kein Problem damit, sich mal zu verspielen oder etwas schräg zu singen. All das macht die Band aber gerade so authentisch, denn mal ehrlich, wer will denn sterile, perfekt gestylte und völlig unspontane Playback-Performances von Flaschen wie Michael Jackson, Britney Spears, No Angels oder Bro´Sis sehen? Sonst bin ich nicht gerade ein Fans von Live-CDs und –DVDs, aber bei NEW ORDER macht mir das Zuschauen immer wieder Spaß, auch, weil immer die eine oder andere kleine Überraschung dabei ist. Da wird schon mal ein Kumpel der Band gegen seinen Willen auf die Bühne geholt und nicht mehr runter gelassen, bis er mitsingt. Auch die etwas unbeholfen wirkenden Tanzeinlagen von Sänger Bernard Sumner sehen eher aus, wie die eines Tanzbären, als wie eine einstudierte Show. Bassist Peter Hook versucht sich in göttergleichen Rockstar-Posen, muss dabei aber meist über sich selber schmunzeln, während Schlagzeuger Steven Morris eher schüchtern hinter seinen Drums sitzt und nur gelegentlich vor sich hingrinst. Musikalisch gibt es einen nahezu perfekten Mix aus älteren und neueren Single-Hits wie „Crystal“, „True Faith“ und Bizarre Love Triangle“ und unbekannteren Tracks wie „Brutal“, „Close Range“ und dem wunderschönen „Your Silent Face“. Dazu natürlich das unvermeidliche „Blue Monday“, das die Gruppe aber selber nicht mehr ernst nimmt, immerhin ist es einer der schwächsten NEW ORDER Titel überhaupt, dafür aber der erfolgreichste. Die eigentliche Sensation ist aber, dass insgesamt sechs Joy Division Titel gespielt werden (wenn man „Ceremony“ mitzählt). Neben „Transmission“, „Atmosphere“, „She´s Lost Control“ und „Digital“ (geniale Version!) gibt es auch „Love Will Tear Us Apart“ zu hören und zu sehen. Der Song ist von verschiedensten Bands ja unzählige Male gecovert wurden, aber diese NEW ORDER Liveversion ist die einzige neben dem Original, die bei mir jemals Gänsehaut erzeugt hat. Alleine dafür lohnt diese DVD schon. Neben dem knapp 90minütigen Konzert vor einer beeindruckenden Zuschauerkulisse bietet die DVD aber noch mehr, zum einen ein kurzes Special mit dem Titel „Earlier In The Day“, das Aufnahmen von den Vorbereitungen zum Konzert hinter den Kulissen zeigt. Alleine das ist schon sehr stimmungsvoll. Dann gibt es ein weiteres Special namens „New Order 9802“, in dem einige Live-Ausschnitte und kurze Interviews zu sehen sind. Unter anderem gibt es einen Livemitschnitt des wohl intensivsten NEW ORDER (bzw. noch Joy Division-) Songs „In A Lonely Place“, der von Bernard Sumner dann sogar noch Ian Curtis gewidmet wird. Ich freue mich immer wieder, dass NEW ORDER auch nach über 20 Jahren ihren alten Frontmann von Joy Division in Ehren halten. Erwähnenswert ist noch, dass Peter Hooke auf seine Verstärker groß „Bye Bye Dee Dee“ gemalt hat, womit er den kurz zuvor verstorbenen Dee Dee Ramone ehrt. Zudem verabschiedet Sumner nach „Love Will Tear Us Apart“ das englische Publikum mit einem deutschen „Tschüß“, wenn mich nicht alles täuscht.

An Bild und Ton dieser DVD gibt es nichts auszusetzen. Wählen kann man beim Ton zwischen Stereo, Dolby Digital 2.0, Dolby Digital 5.1 Surround und DTS 5.1 Surround, bei den Interviewsequenzen kann man sich verschiedensprachige Untertitel einblenden. Die Bildschirmmenus sind bandtypisch schlicht und funktionell gehalten. Keine Frage, so stelle ich mir eine fast perfekt gelungene Musik-DVD vor. Wann kommen endlich die gesammelten Videoclips von NEW ORDER auf DVD? Ein Tip für alle Internet-Surfer: besucht mal www.worldinmotion.com , wenn Ihr Euch für NEW ORDER, Joy Division und alle möglichen Nebenprojekte interessiert. Dinge, die auf der Seite nicht auftauchen, sind mit großer Wahrscheinlichkeit in der Bandgeschichte auch nicht passiert.(A.P.)


NEW ORDER – Here To Stay CD 2 (MCD 2002)

(London Records)

Wie schon gewohnt seit ihrem Comeback mit „Crystal“, veröffentlichen NEW ORDER auch von der neuesten Single „Here To Stay“  verschiedenste Formate, neben zwei Maxi CDs auch eine DVD Single und eine 12“. Wahrscheinlich gibt es auch hier noch verschiedene Remixe auf Vinyl, Promo CDs etc. Aber das ist nicht wirklich schlimm, denn Bands wie Depeche Mode oder Erasure verfolgen diese Taktik schon seit mehr als anderthalb Jahrzehnten und so lange die Qualität der Veröffentlichungen hoch bleibt, freut sich der Fan. Bei „Here To Stay“ gibt es nichts auszusetzen, denn der Song ist ein lupenreiner NEW ORDER-Popsong vom feinsten. Als erstes gibt es die schon bekannte „Radio Edit“-Version, gefolgt vom „Felix Da Housecat – The Extended Glitz Mix“, den man auch als Audio-Track auf der DVD Single findet. Diese Version ist schon weitaus tanzflächentauglicher für die heutige Jugend, da ganz offen mit verschiedenen Techno-Elementen experimentiert wird, ohne jedoch in seichte Pop-Gefilde abzugleiten.

Als drittes gibt es den „The Scumfrog Dub Mix“, der seinem Namen alle Ehre macht und an einschlägige Dubmixe auf Maxi-B-Seiten der 80er Jahre erinnert, ohne jedoch moderne Einflüsse zu übergehen. Wie gehabt ist die 2. CD der jeweiligen NEW ORDER Singles eher für die Tanzflächen konzipiert und wird Leute, die zu jedem Lied abzappeln wollen,  zufrieden stellen, während CD 1 eher was für die „alten“ Fans der coolen Popsongs ist. Ich kann mich mit beidem anfreunden, denn die Techno-Remixe von NEW ORDER heben sich stets vom Einheitsbrei ab und sind interessant genug, um die Veröffentlichungen nicht nur zu kaufen, weil man sie in seiner Sammlung braucht. (A.P.)


NEW ORDER – Here To Stay CD 1 (MCD 2002)

(London Records)

2001 war aus meiner persönlichen Sicht ja das NEW ORDER-Jahr, mit dem neuen Album „Get Ready“ und zwei tollen Singles, incl. cooler Videoclips. Dass das kein einmaliges Lebenszeichen war, beweisen die Engländer nun mit einer neuen Single, die dem Soundtrack des Films „24 Hour Party People“ entstammt und eigentlich das Zeug hätte, mal wieder ein Chartbreaker zu werden. Wird es natürlich nicht, aber unzählige NEW ORDER Fans weltweit werden mit einem glücklichen Lächeln durch die Strassen laufen. „Here To Stay“ ist nicht mehr und nicht weniger, als ein typischer NEW ORDER Song, was beinahe gleichzusetzen ist mit dem Begriff „perfekter Popsong“. Das Lied kommt nicht ganz so rockig daher, wie die Titel des Albums „Get Ready“, allerdings auch nicht so poppig und technolastig, wie die Lieder aus „Technique“ und „Republic“. Vielmehr ist „Here To Stay“ eine Mischung aus den besten Elementen dieser drei Alben, dazu eine gehörige Portion „Back to the 80s“. Wer Platten wie „Low Life“ und „Power, Corruption & Lies“ mag, wird „Here To Stay“ lieben. Trotz der deutlichen 80er Einflüsse klingt das Lied aber absolut nicht altbacken, sondern durchaus modern und zeitgemäß und ist immer als typischer NEW ORDER Song erkennbar.

Auf der ersten MCD ist neben dem radiotauglichen „Radio Edit“ auch noch die „Full Length Vocal“ Version zu hören, die meiner Meinung nach etwas atmosphärischer ist. Dazu gibt es einen weiteren neuen Song, nämlich „Player In The League“, der sich perfekt in die unendliche Reihe wunderbarer Popsongs von dieser Gruppe einreiht.

Wenn es einen Gott gibt, müsste er NEW ORDER doch mal wieder einen echten Top 10-Hit bescheren... (A.P.)


NEW ORDER – Here To Stay (DVD Single 2002)

(London Records)

DVD Singles sind eigentlich ein blöde Sache, verhältnismäßig teuer und irgendwann werden die gesammelten Videoclips der einzelnen Singles sowieso auf einer DVD komplett noch mal veröffentlicht. Wieso kaufe ich also trotzdem die DVD Singles von NEW ORDER? Einfach aus dem Grund, weil es sich um NEW ORDER handelt und diese Band es verdient, grenzenlos angebetet und vergöttert zu werden, da gibt man auch schon mal sinnlos Geld aus, nur, um den neuesten Videoclip in perfekter Qualität genießen zu können. Und wie jeder weiß, haben NEW ORDER immer wirklich großartige Videoclips produziert, über die Qualität der Musik gibt es eh nichts zu diskutieren.

Der kleine Film zu „Here To Stay“ bezieht sich natürlich auf den Film „24 Hour Party People“, einem halbdokumentarischen Spielfilm über das Factory Label und den angeschlossenen Hacienda-Club in Manchester. Natürlich bin ich schon sehr gespannt auf den Film. Da er in Deutschland wohl kaum größeren Erfolg im Kino haben dürfte, warte ich sehnsüchtig auf eine DVD Veröffentlichung.

Neben dem in schwarz-weiß gehaltenen Videoclip gibt es noch zwei Audiotracks, nämlich den „Radio Edit“ und den „Felix Da Housecat – Thee Extended Glitz Mix“ des Titelsongs. Weiterhin gibt es noch vier, jeweils etwa 30-sekündige, Videoausschnitte aus dem Film und Infos zum Soundtrack. Somit ist die DVD Single für Fans der Band unverzichtbar, aber auch Leute, die einen tollen Popsong auch optisch genießen wollen, dürfen hier zugreifen. (A.P.)


NEW ORDER – 60 Miles An Hour (DVD Single)

(London Records)

Auch zur zweiten Auskopplung aus dem großartigen „Get Ready“-Album von NEW ORDER gibt es eine DVD Single. Zugegeben, genau wie beim Vorgänger „Crystal“ hätte man mehr draus machen können, aber alleine der Videoclip zum Titelsong lohnt die Anschaffung, auch wenn die Band selber darin gar nicht auftritt. Zunächst einmal gibt es Audiotracks zu „60 Miles An Hour“ und der „B“-Seite „Sabotage, das kennt man schon von den MCDs. Der Videoclip jedoch ist, wie man es bei NEW ORDER seit vielen Jahren gewohnt ist, außergewöhnlich  gelungen. Als ich die DVD gekauft habe, war ich eigentlich nicht besonders gut drauf, aber der Clip hat mich zu Lachanfällen hingerissen. Abgesehen davon, dass „60 Miles An Hour“ ein großartiger Popsong ist, wurde das Video auch mehr als humorvoll umgesetzt. NEW ORDER darf man einfach niemals aus den Augen verlieren. Das Cover der DVD ist im „Get Ready“/“Crystal“-Stil gehalten und ausgesprochen gelungen. Die Cover-Fotoserie mit der jungen Dame ist genauso schlicht wie wundervoll, mit dem DVD Cover wurde der bisherige Höhepunkt erreicht. Selten habe ich mich in das Foto einer jungen Dame verliebt, hier ist das jedoch passiert (allerdings habe ich mich ja auch in Leela aus „Futurama“ verliebt und wer nimmt schon jemanden ernst, der sich in eine Zeichentrick.Figur verliebt?). Selbstverständlich ist die DVD Single Pflicht, nicht nur für NEW ORDER Fans! (A.P.)

NEW ORDER – 60 Miles An Hour CD1 (MCD 2001)

(London Records)

Das nach dem genialen „Crystal“ aus dem Erfolgsalbum „Get Ready“ von NEW ORDER als zweite Single „60 Miles An Hour“ ausgekoppelt würde, war absehbar, ist es doch einer der eingängigsten Titel. Wieder gibt es von dieser Veröffentlichung diverse CD und Vinylformate, so dass man schon ein bißchen an die Depeche Mode Vermarktungsstrategie denken muß, denn auch NEW ORDER haben einen harten, treuen Fankreis. Die Anschaffung der verschiedenen Formate lohnt aber meistens, so auch hier. Auf der ganz „normalen“ MCD ist ein sehr eingängiger „Radio Edit“ von „60 Miles An Hour“, den man sicher häufiger mal tatsächlich im besagten Medium hören wird. Mit „Sabotage“ ist ein NEW ORDER-typischer Non-Album Track dabei und dann gibt es noch den „Funk D´Void Remix“ von „Someone Like You“, der allerdings nicht so der Reisser ist, für eine „B-Seite“ aber allemal in Ordnung geht. NEW ORDER bleiben präsent und die neue Maxi kann man ungehört kaufen, wenn man die Band sowieso mag. (A.P.)


NEW ORDER – 60 Miles An Hour CD2 (MCD 2001)

(London Records)

Wo es eine „CD1“ gibt, kann eine „CD2“ nicht ausbleiben. Für den Durchschnittshörer gibt es halt die normale Maxi mit dem „Radio Edit“ des Titelsongs, für Fans und Sammler gibt es zusätzlich mehr Remixe auf einer weiteren Maxi. Zum einen den „Supermen Lovers Remix“ des Titelsongs, zum anderen zwei Remixe von „Someone Like You“. Alle Mixe sind sehr technoid und experimentell und sind eigentlich nur was für ganz harte Sammler. Dem „Normalhörer“ werden die Versionen wohl kaum gefallen. NEW ORDER waren aber schon immer dafür bekannt, dass sie sich eher wenig um den Massengeschmack kümmern und viel herumexperimentieren. Ist das Album „Get Ready“ ausgesprochen gitarrig und rockig, so sind viele Remixe beinahe vollelektronisch. Vielseitigkeit ist angesagt. Mit NEW ORDER wird man auch in den kommenden Jahren rechnen müssen, hoffentlich auch bald wieder live. (A.P.)

NEW ORDER - Crystal (DVD Single 2001)

(London Records)

NEW ORDER waren eigentlich immer auf der Höhe der Zeit und so ist es kaum verwunderlich, daß sie von ihrer Comeback-Single „Crystal“ auch eine DVD-Version veröffentlichen. Dieses Format wird in naher Zukunft noch viel häufiger anzutreffen sein. Mit der Live-DVD „316“ hat die Gruppe ja schon eine brilliante DVD vorgelegt.

Der Videoclip zu „Crystal“ ist wie bei NEW ORDER nicht anders gewohnt, sehr gelungen, eine junge Band in Spät-60er Jahre Klamotten und mit passenden Frisuren und Kulissen spielt den Song in einem Studio und wird gegen Ende des Tracks von einem Haufen Leuten der Instrumente entledigt. Das ganze Ambiente ist stilecht und es wirkt so, wie eine dieser TV-Shows aus der damaligen Zeit. Hat so ein bißchen was von einer Parodie auf all die Brit-Pop-Bands, die sich von den 60er Jahre Gruppen inspirieren lassen, letztendlich aber musikalisch häufig kaum mehr als NEW ORDER-Kopisten sind.

Als Audiotrack ist der Titel „Behind Closed Doors“ enthalten, ein typischer NEW ORDER Song, der auch auf der MCD zu finden ist. Entwas enttäuschend sind die drei „Bonus-Live Clips“, die sich als jeweils ca. einminütige Ausschnitte der Songs „Temptation“, „Isolation“ und „True Faith“ aus der „316“-DVD herausstellen. Von der auf dem Cover angekündigten „Temptation“-Version für die 2002 Commonwealth Games ist dann leider gar nichts vorhanden, dafür muß man sich dann ebenfalls die „316“ DVD holen (was wirklich lohnenswert ist).

So bleibt für den Fan eigentlich nur der Videoclip zu „Crystal“, der ansonsten noch nirgends erhältlich ist. Dieser ist allerdings wirklich gelungen. (A.P.)

NEW ORDER - Get Ready (CD 2001)

(London Records)

„Get Ready“ ? Für was? Für das Comeback von NEW ORDER, das erste neue Album nach mehr als einem halben Jahrzenht? War die Band überhaupt jemals weg? Nach der großartigen ersten Auskopplung „Crystal“ durfte man sich als alter Fan auf ein tolles Album freuen und das ist es wahrlich geworden. In jedem Ton der 10 Songs steckt der typische NEW ORDER Sound, der unvergleichliche Bass, die immer etwas gelangweilte Stimme, die leicht verstimmten, schrägen Gitarren und die einmaligen Melodien. NEW ORDER haben wahrscheinlich mehr perfekte Popsongs geschrieben und veröffentlicht, als die meisten anderen Bands zusammen und wer redet nach diesem neuen Album noch über Brit-Pop, wenn die Urväter dieser Musik ein neues Album rausbringen und alle ihre Epigonen meilenweit hinter sich lassen...

„Get Ready“ verlässt die Gehörgänge spätestens nach dem zweiten Durchlauf nur noch widerwillig. Und hat man sich erstmal dran gewöhnt, daß NEW ORDER rockiger denn je aufspielen, so reiht sich „Get Ready“ problemlos in die Gesellschaft solcher Klassiker wie „Low Life“ oder „Movement“ ein. Trotz der eher rauhen Grundstimmung sind einige äusserst tanzbare Titel, aber auch ruhigere Songs vertreten. Als Gäste hat man sich einiges an Prominenz geholt, so Billy Corgan von den Smashing Pumpkins und Bobby Gillespie.

Beim Coverartwork ist man von den knallbunten Bonbonfarben der letzten beiden Alben „Technique“ und „Republic“ wieder zu dezenteren Farben zurückgekehrt. Ein roter Balken fällt da schon als auffällig ins Auge. Dem eher schlichten Coverkonzepten aus alten Factory-Tagen ist man treu geblieben und das passt auch am besten zu NEW ORDER, die einfach keine Glamour-Band sind, sondern bodenständig rüberkommen. Hoffentlich wird dieses Album ein Riesen-Hit, damit all der gelackte Produzentenpop mal wieder richtig Konkurrenz bekommt. (A.P.)

NEW ORDER - 316 (DVD 2001)

(London Records)

Da NEW ORDER für mich persönlich eine der besten Bands aller Zeiten ist, war ich natürlich absolut gespannt auf die erste DVD der Gruppe, die mit „316“ nun vorliegt. Das Teil geht 132 Minuten und bietet dem Fan und Neueinsteiger praktisch einen Rundum-Überblick über die Bandgeschichte im Schnelldurchlauf. Zum einen ist ein Konzert von 1981, also aus frühesten Bandtagen enthalten, dann ein Konzertmitschnitt von 1998, also einer Zeit, als die Band, zumindest was Veröffentlichungen angeht, eine Pause eingelegt hatte. Dazu gibt es noch ein Special mit Interviews, Liveauftritten und anderem Material.

Starten tut die DVD mit der Widerveröffentlichung des ersten offiziellen Livevideos „Taras Shevchenko“, das einen Livemitschnitt eines Konzertes aus dem „Ukrainian National Home“ in New York von 1981 enthält. Hier werden die frühen Songs der Band geboten, wie „Everything´s Gone Green“, „Procession“ und „Ceremony“ (ein Song, der noch aus der Joy Division Zeit stammt). Dazu einige weiter Tracks des ersten Albums „Movement“. Objektiv betrachtet, waren NEW ORDER zu der Zeit definitiv eine miserable Liveband, von der Intensität der Lieder aber ist der Mitschnitt beinahe genial. Der Sound ist mittelmässig, die Band verspielt sich ständig, singt schief und scheint wenig motiviert zu sein, auf der Bühne zu stehen. Die Lieder selber jedoch erinnern in dieser frühen Phase noch deutlich an Joy Division und ständig wartet man, daß Ian Curtis plötzlich aus dem Hintergrund der Bühne tritt und das Mikrofon übernimmt. Eine Bühnenshow ist praktisch nicht vorhanden, die Musiker starren ständig nach unten oder stehen gar mit dem Rücken zum Publikum und bewegen sich kaum, auch die Lightshow ist sehr spartanisch und dennoch fesselt die Musik ungemein. Besonders überzeugen tut die Version von „Temptation“. Bemerkenswert auch noch, daß die stets so schüchtern wirkende Keyboarderin hier mit wild toupierten Haaren und bleich geschminkten Gesicht zu sehen ist. Nach 9 Songs und rund 45 Minuten ist dieser Mitschnitt dann auch schon wieder zu Ende.

Es folgt der Mitschnitt vom 98er Reading Festival. Hier bekommt der geneigte Zuschauer sozusagen eine Best Of-Show geboten, mit den größten Hits der Band von „Regret“ und „Touched By The Hand Of God“ über „Bizarre Love Triangle“ und „Temptation“ bis hin zu „True Faith“, „World In Motion“ und dem bekanntesten Song von New Order „Blue Monday“. Dazu gibt es einen Joy Division Block mit „Isolation“, „Atmosphere“ und „Heart And Soul“. Besonders interessant ist es, die beiden Konzerte, zwischen denen rund 17 Jahre liegen, zu vergleichen. Natürlich ist die Band musikalisch besser geworden, obwohl einiges der Musik offensichtlich vom Band kommt, ab und zu sogar ein bißchen Gesang, wie in „Paradise“ und „World In Motion“, das Publikum ist größer und für´s Auge wird mit einer Lightshow auch einiges geboten. Ab und zu wird sogar zum Publikum gesprochen und die Lieder werden angesagt Ansonsten hat sich aber eigentlich nicht viel verändert. Die Bandmitglieder, natürlich sichtbar älter geworden, gucken immer noch dauernd nach unten, bewegen sich kaum, drehen sich mit dem Rücken zum Publikum, der Schlagzeuger muß sich immer noch stark konzentrieren, der Sänger hat noch die gleiche Frisur und kann immer noch nicht gleichzeitig Gitarre spielen und singen und die Musik ist immer noch genial. Nun ja, bei den Joy Division Songs fehlt es aufgrund der fehlenden Stimme von Ian Curtis etwas an Intensität, was vor allem bei „Atmosphere“ auffällt. Insgesamt ist der Sound aber nicht mehr so minimalistisch, wie in den Anfangstagen, sondern voller und monumentaler. Auf jeden Fall wird klar, daß NEW ORDER Vorbilder für einen ganzen Haufen von Brit-Pop-Bands sind, diese aber immer noch locker in die Tasche stecken. Erwähnenswert ist hier besonders die Version von „Bizarre Love Triangle“, bei der sich die Band als Disco-Gruppe offensichtlich selbst auf die Schippe nimmt, anders ist zumindest das Rumgehüpfe des Sängers nicht zu erklären. Zumindest hoffe ich sehr, daß das nicht ernst gemeint ist! Weniger gelungen ist leider die modernisierte Fassung von „True Faith“, im Original einer der größten Popsongs aller Zeiten. Hier klingt er, trotz der unschlagbaren Melodie, wie ein x-beliebigiger Discosong. Dafür wird wieder eine tolle Version von „Temptation“ geboten, neben den Joy Division Songs und „Blue Monday“ der einzige ganz frühe Song der Gruppe auf diesem Konzert. Etwas lustlos runtergespielt kommt „Blue Monday“ rüber, der Fluch eines Welthits, den man spielen muß, auch wenn man als Band selber das Stück nicht mehr hören kann. Irgendwie aber doch gelungen, gerade wegen der leichten Selbstironie, mit der der Song dargebracht wird. Beendet wird der Auftritt mit dem Fussball-Song „World In Motion“, der zumindest in England ein Riesenhit war und hier mit Keith Allen als Gastsänger aufgeführt wird. Ist schon seltsam, in so kurzer Zeit von ein und derselben Band „Atmosphere“ und „World In Motion“ zu hören, dazwischen liegen Welten! Nach einer knappen Stunde ist der Zauber dann auch schon wieder vorbei.

Zum, Abschluß gibt es noch ein 25-minütiges Special über NEW ORDER zu sehen. Neben Ausschnitten vom Reading Festival und dem „Taras Shevchenko“ Video gibt es ein interessantes und unterhaltsames Interview zu sehen und hören. Die Bandmitglieder blicken dabei duruchaus ironisch auf ihre 20-jährige Bandgeschichte zurück, stehen aber offensichtlich immer noch zu den alten Sachen, die sich doch sehr von den neueren Songs unterscheiden. Offensichtlich ist auch, daß sie nach 20 Jahren immer noch vom Tode Ian Curtis´ geprägt sind und das Joy Divison-„Erbe“ am Leben erhalten wollen. Schön ist auch, daß die Musiker recht humorvoll und locker sind und auch mal über sich selbst lachen können. Zwischendurch sind immer wieder Ausschnitte aus Videoclips zu sehen, leider aber keine kompletten Songs und das Ende kommt sehr aprupt. Trotzdem ist das Ganze recht interessant und eine schöne Ergänzung zu den beiden Live-Mitschnitten.

Die DVD bietet gute Bild- und Tonqualität und ist in Vollbild. Als Untertitel für den „In Coversation“ Teil kann man Deutsch und Englisch anwählen. Das Cover und das Inlay sind natürlich in der für NEW ORDER typischen Schlichtheit schön gestaltet. Nicht nur für Fans und Sammler ist diese DVD Pflicht, sondern auch für Leute, die einfach gute Musik mögen. Bleibt zu hoffen, daß nach diesem guten Beginn nach und nach auch die anderen NEW ODER Videos „Pumped Full Of Drugs“, „Academy“, „Substance“ und „The Story Of New Order“ auf DVD erscheinen, vielleicht mit zusätzlichem Material. Ganz vorsichtig hoffe ich auch mal auf eine Joy Division DVD (auch wenn es da wohl kaum qualitativ hochwertiges Material gibt). Zunächst gibt es auf jeden Fall eine DVD-Single von dem 2001er Song „Crystal“, die neben dem Videclip auch noch einen Audiotrack sowie nochmals etwas Material von „316“ enthält. (A.P.)


NEW ORDER - Crystal CD 1 (MCD 2001)

(London Records)

Seit Wochen habe ich auf diese neue NEW ORDER Single gewartet und sie schließlich mit zittrigen Fingern in den Player eingelegt, zum einen, weil die Freude über neues Material einer meiner absoluten Lieblingsbands so groß war, zum anderen, weil ich nicht sicher war, was mich erwartete. Um es vorweg zu nehmen: ich bin nicht enttäuscht! „Crystal“ ist ein echter NEW Order-Song, der alles enthält, was diese Gruppe schon immer ausgemacht hat, die unaufdringliche Stimme, die immer ein wenig neben dem Ton liegt, der typische Bass, den man unter 100 Bands immer heraushören würde und die poppige, aber nicht oberflächliche Eingängigkeit. Auf moderne Rhythmik wurde glücklicherweise verzichtet und trotzdem hat der Song das Zeug zu einem Megahit, wird aber wahrscheinlich, zumindest in Deutschland, keiner werden.

Der zweite Song „Behind Closed Doors“ ist ebenfalls typisch für die Band und könnte auf jedem Album der Band gewesen sein. Schön, wenn eine Band sich selbst treu bleibt, ohne dabei zur Selbstkopie zu verkommen. Dritter Titel auf dieser MCD ist der“Digweed & Muir Bedrock Mix Edit“ von „Crystal“, der die experimentierfreudige Seite von NEW ORDER zeigt, die auch immer wieder auf den Maxi B-Seiten zu hören war. Mit gut 10 Minuten und einem technoiden Beat dürfte dieser Mix durchaus auch weltoffene Technofans ansprechen.

NEW ORDER sind wieder da, gut wie immer. Diese MCD steigert wirklich die Vorfreude auf das bevorstehende brandneue Album „Get Ready“. (A.P.)


NEW ORDER - Crystal CD2 (MCD 2001)

(London Records)

Groß war die Freude, daß NEW ORDER mit einer neuen Single und kurz bevorstehendem Album zurück sind und an alte Qualitäten anknüpfen können. Das dachte sich wohl auch die Plattenfirma und wollte den Fans die Freude machen, von „Crystal“ gleich zwei MCDs zu veröffentlichen. Daß dabei der Sammler auch gleich doppelt so viel Geld ausgibt, stört da wohl nicht so sehr. Das Depeche Mode-Syndrom, seit 18 Jahren von jeder Veröffentlichunge mindestens zwei Tonträger mit verschiedenen Mixen zu veröffentlichen, hat nun auch NEW ORDER erfasst, obwohl alle Mixe durchaus auch auf einer CD Platz gefunden hätten, ohne überlang zu werden. Nun ja, der Fan ärgert sich und kauft trotzdem...

Die drei enthaltenen Mixe von „Crystal“ sind jedenfalls ganz ordentlich, kommen aber nie an die normale Singleversion heran. Zum ersten gibt es einen „Radio Edit“ des „Digweed & Muir Bedrock“-Mixes, der als 10 Minuten Version auf der 1. MCD war. Danach folgt der sehr rhythmische und dublastige „Lee Coombs Remix“ mit fast 9 Minuten Länge, der mit der Zeit eine gewisse hypnotische Wirkung entwickelt und deshalb nach mehrmaligem Hören immer besser wird. Als letztes gibt es dann noch den „John Creamer & Stephane K Main“ Remix, der wie eine seltsame Mischung aus typischen 80er Jahre Sounds und heutigem Trance-Techno oder Drum´n´Bass oder wie das heisst, klingt und durchaus fesseln kann. Insgesamt sind alle drei Mixe recht tanzbar und wohl eher für den Clubeinsatz bestimmt, im Radio wird man wohl immer die normale Version zu hören bekommen.

Musikalisch ist diese CD auf jeden Fall lohnenswert, aber etwas abgezockt fühlt man sich als alter Fan schon. Dennoch kann diese Geschäftspolitik die Freude über NEW ORDER´s Rückkehr nicht trüben.

Eine DVD-Single von „Crystal“ ist auch angekündigt, war beim Schreiben dieser Kritik aber noch nicht im Laden erhältlich. Ich schätze mal, daß darauf der Videoclip enthalten sein wird und eventuell einige (oder sogar alle?) Mixe der beiden MCDs. Wir halten Euch auf dem Laufenden. (A.P.)

NEW ORDER – BBC Radio 1 Live In Concert (CD 2000)

(Strange Fruit/Pinnacle)

Zu Zeiten, in denen von einer genialen Gruppe nichts neues erscheint, muß man auf altes Archivmaterial zurückgreifen, um zum einen die Fans zu versorgen und zum anderen ein bißchen Geld zu verdienen. Das dachte sich wohl auch die britische BBC und kramte von NEW ORDER im Jahr 2000 einen Livemitschnitt vom Glastonbury Festival 1987 aus (und ausserdem gibt es eine CD mit 2 Peel Sessions, die ebenfalls 2000 wieder veröffentlicht wurde). Naja, da man bei NEW ORDER aber kaum was falsch machen kann, verzeihen wir mal den kapitalistischen Aspekt und freuen uns, einen qualitativ sehr guten Mitschnitt in die Sammlung einsortieren zu dürfen. Die Band hat bei diesem Auftritt alle ihre Qualitäten gezeigt, so zum Beispiel die liebgewonnenen Verspieler, den immer etwas schrägen Gesang und natürlich eine Hitkonzentration, die ihresgleichen sucht. Mit „Touched By The Hand Of God“ und „True Faith“ sind die beiden Superhits dieser Zeit genauso vertreten, wie die Singlehits „Bizarre Love Triangle“ und „Perfect Kiss“, dazu die Bandklassiker „Temptation“ und „Age Of Consent“, sowie „Your Silent Face“ und „Every Second Counts“. Abgeschlossen wird das Spektakel mit der Coverversion „Sister Ray“, die die Band auch schon zu Joy Division-Zeiten live gespielt hat. Auf „Blue Monday“ wird verzichtet, was einmal mehr zeigt, dass NEW ORDER sich nicht immer nur durch diesen einen Song definieren lassen wollen. Welche Band kann es sich schon erlauben, ihren größten Hit bei einem derartigen Festival dem Publikum vorzuenthalten? Mit der Songzusammenstellung des Konzertes erwirbt der Käufer hier dennoch fast eine Art Best Of... der 80er-Phase von NEW ORDER. (A.P.)


NEW ORDER - The Best Of New Order (CD 1994)

(London Records)

Nach dem eher schwachen Album „Republic (zumindest für NEW ORDER schwach), legten die einzelnen Gruppenmitglieder in anderen musikalischen Projekten los (Electronic, The Other Two, Monaco) und liessen NEW ORDER ruhen. Grund genug für die Plattenfirma, sieben Jahre nach der „Substance 1987“-Singles Compilation eine weitere Best Of-Kopplung vorzulegen, die die Singles seit „Blue Monday 88“ mit einigen Remixen und auch ein paar älteren Stücken zusammenfasst. Von „True Faith“, „Bizarre Love Triangle“, „1963“ und „Round & Round“ gibt es 1994er Remixe zu hören, von „Blue Monday“ wie gesagt den 1988er Mix, der aber nie ans Original rankommt und viel zu glatt ist. Dazu die Singles „Regret“, „World In Motion“, „Fine Time“, „Vanishing Point“, „Run 2“ und einige mehr. „Perfect Kiss“, „Shell Shock“ und „Thieves Like Us“ gibt es auch nochmal zu hören, so daß eigentlich gar kein schlechter Überblick über die letzten Jahre der Bandgeschichte entsteht. Das ganze hat den Anschein von „hier stehen wir heute, vergesst die alten Sachen“, was aus Sicht der Gruppe natürlich absolut nachvollziehbar ist. Auch Neueinsteiger, die in den 80er Jahren zu jung waren, um die Band mitverfolgt zu haben, kriegen hier eine sinnvolle Compilation geboten. Zeitgleich erschien eine weitere Zusammenstellung namens „The Rest Of New Order“, die das Bild ergänzt. (A.P.)

NEW ORDER - Republic (CD 1993)

(Centre Date/London Records)

Mit „Republic“ verabschiedeten sich NEW ORDER 1993 für längere Zeit von der Bildfläche und alle Musiker gingen eigenen Projekten nach, von denen zumindest Electronic ziemlich erfolgreich war. Neues Material erschien erst 2001 wieder mit dem Album „Get Ready“. Wahrscheinlich war diese längere Pause eine ziemlich gute Idee, denn „Republic“ ist zwar wahrlich kein schlechtes Album, wirkt aber doch etwas ziellos und durchwachsen. Mit „Regret“ ist noch ein erfolgreicher Hit vertreten und auch Songs wie „Ruined In A Day“ oder „Everyone Everywhere“ sind klasse, doch nie zuvor klangen die Engländer so poppig. Manchmal vermisst man den sonst stets vorhandenen schrägen Klang, denn die Produktion ist ziemlich glatt geworden und bewegt sich manchmal nahe an die Grenze zur Seichtheit. Natürlich ist „Republic“ immer noch weitaus besser, als fast alles, was sich so in den Popcharts tummelt, aber für NEW ORDER Verhältnisse war das zu wenig. (A.P.)

NEW ORDER - Technique (CD 1989)

(Centre Date/London Records)

Nach der Compilation "Substance" beschritten NEW ORDER mit "Technique" neue Wege, wurden poppig wie nie zuvor, verarbeiteten aber auch die gerade angesagten Acid-House Sounds, zum Beispiel in der Singleauskopplung "Fine Time". Dennoch ist "Technique" ein typisches NEW ORDER-Album mit guten, melodiösen Popsongs wie "All The Way", der Single "Round & Round" und anderen. NEW ORDER wird man immer am unverkennbaren Bass und dem leicht disharmonischen Gesang erkennen und so dürften alle Fans , die die Gruppe bis dahin gemocht haben, auch von "Technique" nicht enttäuscht sein. (A.P.)


NEW ORDER - Brotherhood (1986)

(Factory/Centre Date-London Records)

„Brotherhood“ ist nicht mehr und nicht weniger als ein typisches NEW ORDER Album, allerdings im besten Sinne dieser Beschreibung. Mit „State Of The Nation“ und „Bizarre Love Triangle“ sind zwei Singlehits vertreten, die allerdings bei weitem nicht zu den besten Songs des Albums gehören. „Bizarre Love Triangle“ war wohl der poppigste Song, den die Band bis dahin veröffentlicht hatte, steht aber immer noch meilenweit über dem sonst üblichen Scheiß, der sich so in den Charts tummelt. Meine persönlichen Favoriten auf „Brotherhood“ sind „Paradise“, einer der besten NEW ORDER Songs überhaupt, und „Every Little Counts“, weil sie irgendwie anders klingen, als die meisten anderen Lieder der Band, aber doch jederzeit als NEW ORDER Songs zu erkennen sind. Vor allem letztgenanntes Lied klingt sehr ungewöhnlich und ist trotzdem ein absoluter Song, der den Musikstil der 80er Jahre widerspiegelt. Zudem zeigt er, daß die Band auch Humor hat. Darüberhinaus sind vor allem „Weirdo“ und „As It Is When It Was“ erwähnenswert als NEW ORDER Klassiker. „Brotherhood“ ist beinahe die perfekte Mischung aus „Power, Corruption & Lies“ und „LowLife“, wobei ich die Platte in meiner persönlichen NEW ORDER-Album-Rangliste dazwischen einordnen würde. Wer so gar keine Ahnung hat, wie der typische 80er Sound klang und sich nicht nur durch die modernisierten Songs des sogenannten 80er Revivals (No Angels, Atomic Kitten) die Stimmung verderben will, sollte mal „Brotherhood“ auflegen (wie man das bei Vinylplatten noch nannte, heute legt man eine CD ja „ein“, was ein viel weniger sinnliches Erlebnis ist). (A.P.)


NEW ORDER - Low-Life (CD 1985)

(London Records/Warner)

Ich war schon immer NEW ORDER Fan und mag eigentlich alle Platten der Gruppe, mit "Low-Life" haben sie aber ihr absolutes Meisterwerk vorgelegt. Nur Hits und perfekte Popsongs. Das Album startet gleich mit meinem ewigen NEW ORDER Lieblingslied "Love Vigilantes", ein leicht schräger Song, der sich schon beim ersten hören für immer in mein Herz gebohrt hat. Es folgt die recht bekannte Single "The Perfect Kiss". In einer besseren Welt wäre die Single "Sub-Culture" wochenlang die Nummer 1 in aller Welt geworden, die Melodie ist einfach unwiderstehlich, der Rhythmus ist dazu noch extrem tanzbar. Mit "Elegia" ist weiterhin ein sehr melancholisches Instrumentalstück dabei, das, wenn ich mich nicht ganz irre, Mitte der 80er auch im Film "Pretty In Pink" verwendet wurde, wenn auch nur kurz angespielt. Auch die restlichen Songs, die ich nicht erwähnt habe gehören alle in die Kategorie "anspruchsvoller Ohrwurmpop". "Low-Life" gehört zu den wenigen Platten, die ich in jeder Stimmung hören kann und immer dann heraushole, wenn ich auf überhaupt keine meiner tausenden von Platten Lust habe. (A.P.)


NEW ORDER - Power, Corruption & Lies (CD1983/1992)

(Factory/Centre Date - London Records)

„Power, Corruption & Lies“ war das zweite Album von NEW ORDER. Nach dem noch sehr dunklen, ein wenig an Joy Division erinnernden Debutalbum „Movement“, wurden NEW ORDER hier schon weitaus eingängiger und tanzbarer. Einige Songs sind im ähnlichen Stil gehalten, wie der Mega-Hit „Blue Monday“ aus dem gleichen Jahr, der aber nicht auf dem Album enthalten ist. In der Anfangszeit vermied die Gruppe es, ihre Singles auch auf die Alben zu packen. Dennoch überzeugt „Power, Corruption & Lies“ durchgehend, wenn man sich daran gewöhnt hat, daß die düsteren Zeiten vorbei sind und NEW ORDER auch Musik für Discotheken produzieren., was allerdings nicht heisst, daß hier oberflächlicher Tralala-Pop enthalten ist. Der bandtypische Bass, die Stimme und die unverkennbaren Melodien machen jeden Song zu einem echten NEW ORDER-Track. Es ist schwer, einen der 8 Songs hervorzuheben. Beliebt unter Fans ist auf jeden Fall „Age Of Consent“, aber auch „586“, „Your Silent Face“ und „Ultraviolence“ sind Hits. Von den 7 regulären Alben der Band (Compilations nicht mitgerechnet) würde ich diese Platte auf einen guten Mittelfeldplatz setzen. (A.P.)