LORE OF ASMODAY -
Nachruf
LORE OF ASMODAY - Spielt süßer den Tod
LORE OF ASMODAY
Deutschlands bekannteste ungesignte Dark-Wave
Band – Ein Nachruf
Jeder,
der sich für Dark-Wave interessiert und auch mit Bands was anfangen kann,
die nicht immer seitenlang in „SonicZillOrk“ gepusht werden, weil ihre
Plattenfirmen viel Geld haben, wird schon hier und da den Namen LORE OF
ASMODAY gehört oder gelesen haben. Die Dark-Wave Band aus Darmstadt um den
hyperkreativen Sänger Rüdiger S. hat über 10 Jahre lang den deutschen
Underground aufgemischt, Konzerte gegeben, selbst produzierte Tapes und
CD-Rs veröffentlicht und in kaum zählbaren Mengen selber vertrieben, an
diversen Tape- und CD-Samplern teilgenommen und sich eine treue Fanschar
aufgebaut. Nur eine Plattenfirma hat sich nie an die Gruppe heran getraut,
vielleicht, weil die Band selber sich nicht offensiv genug angeboten hat,
vielleicht, weil sie einfach zu selbstbewusst und eigenständig war. Nun hat
Rüdiger S. LORE OF ASMODAY offiziell aufgelöst.
Es gibt noch eine letzte
Veröffentlichung, danach wird LORE OF ASMODAY zu Grabe getragen,
wahrscheinlich für immer. Ich sehe das als langjähriger Wegbegleiter und
Freund von Rüdiger S. natürlich mit einem weinenden Auge, kann die
Entscheidung aber nachvollziehen, irgendwann ist einfach die Luft raus.
LORE OF ASMODAY wurde
Anfang der 90er Jahre von Rüdiger S. und Sabine S. gegründet, nachdem Beide
schon vorher in der Band The Autumn Leaves zusammen gespielt hatten. Rüdiger
S. war außerdem mit Bands wie Those Fields Of Winter, Book Of Dzyan und
anderen Projekten aktiv, wobei musikalisch alles von New Wave über
Industrial und Ritualmusik bis Neo-Folk heraus kam. LORE OF ASMODAY nun
widmete sich dem Dark-Wave. Wer der Band Böses will, könnte sagen, dass es
sich hier Anfangs um „Neue Deutsche Todeskunst“ handelte, was wohl eher an
der Entstehungszeit der frühen Aufnahmen lag, in denen Bands wie Das Ich und
Goethes Erben groß durchstarteten. Dass LORE OF ASMODAY in deren Sog sich
damals nicht vorschnell an ein Label verkauft haben, spricht wohl für sie.
Die frühe Musik war noch rein elektronisch, dunkel und teilweise sehr
experimentell, vielleicht auch zu schwer für den Durchschnittsgrufti. Die
deutschen und englischen Texte zeugten häufig von tiefer
Traurigkeit
und Verzweiflung, natürlich wirkt ein Text wie „Glas In Deiner Hand“
zunächst sehr klischeehaft, wer aber genau zuhört und sich auch mit den
Leuten dahinter beschäftigt entdeckt ein wunderschönes Lied mit
unsterblicher Melodie, auf die man sich natürlich einlassen muss. Ich las
erstmals etwas über LORE OF ASMODAY im ganz frühen „Gothic“-Fanzine von Jörg
Kleudgen, als dies noch ein kopiertes A5-Heft war. Da ich zu der Zeit das
Tapelabel Beton Tapes betrieb nahm ich mit Rüdiger S. Kontakt auf, um ihn um
einen Beitrag für einen geplanten Tapesampler zu bitten. Die Aufnahmen, die
er mir damals schickte hauten mich schlichtweg um und wir blieben in
Kontakt. Bald darauf bot Rüdiger S. mir an, ein ganzes LORE OF ASMODAY Tape
zu veröffentlichen und heraus kam „If I Die, If I...“, für mich bis heute
das Meisterwerk der frühen Band. „Glas In Deiner Hand“ hätte in der
damaligen Szene eigentlich ein Klassiker werden müssen, „Strangers Passing
By“ hätte in allen Gothic-Discos im Dauereinsatz sein müssen, „Der Krieg Ist
Schön“ müsste heute ein Kulthit in der Rhythm-Industrial-Szene sein...all
das geschah nicht, warum auch immer. Bemerkenswert auch, dass man als eine
von wenigen damaligen Bands auch politisch klar Stellung bezog, indem Paul
Celan´s Gedicht „Todesfuge“ („Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“)
kongenial vertont wurde und all die Jahre auch live immer dargeboten wurde.
Einige Jahre später,
Rüdiger S. und ich waren längst gute Freunde und besuchten uns gegenseitig
von Zeit zu Zeit, zog es mich aus Hamburg weg und ich siedelte nach
Darmstadt um, wo ich über 3 Jahre im gleichen Haus wie er lebte. Zu dieser
Zeit, Anfang 1997, verabschiedete sich LORE OF ASMODAY´s weibliche Hälfte
Sabine S. nach Irland und Rüdiger S. stand vor der Frage, wie es mit der
Band weiter gehen sollte. Obwohl immer mal wieder Musiker kamen und gingen,
war der kreative Kern doch mit ihm und Sabine immer geblieben. Rüdiger S.
beschloss jedoch, weiter zu machen und fing an, mit neuen Musikern zu
arbeiten. Schon länger hatte sich die Musik durch den Einsatz von Gitarren
verändert, weg von reinem Dark-Wave, hin zu teilweise Gothic-Rockigen
Klängen. Dieser Weg wurde jetzt konsequent fortgesetzt, ohne aber archaische
Rhythmen und elektronische Einflüsse zu verdrängen. Aufgrund vieler Faktoren
schaffte es die Band jedoch nie wirklich, regelmäßig aufzutreten oder sich
selbst zu promoten. Wer die Musik hören konnte, war in der Regel begeistert,
aber irgendwie
kam man nicht aus dem Probekeller heraus ins Licht der
Öffentlichkeit. Selbst aus den Auftritten beim Gotik-Wave-Treffen in Leipzig
und bei anderen Konzerten konnte man wenig Fortschritte erzielen.
Nun,
im Herbst 2002 soll es das gewesen sein. Natürlich werden Rüdiger S. und
auch alle anderen Bandmitglieder weiterhin musikalisch aktiv sein,
vielleicht hier und da sogar gemeinsam, aber LORE OF ASMODAY wird es so
nicht mehr geben, wahrscheinlich bis irgendein Label entdeckt, dass ohne die
Band dem deutschen Underground etwas fehlt und scheinheilig anfragt, ob man
nicht posthum eine Best Of... CD veröffentlichen darf. Ehrlich gesagt hoffe
ich, dass Rüdiger S. das ablehnt, denn warum sollte jemand, der die Band
jahrelang nicht beachtet hat nach ihrem Ende noch Geld an ihr verdienen?
Labels, Konzertveranstalter, Promoter und auch potentielle Fans hatten über
ein Jahrzehnt lang Zeit, die Band zu entdecken, nun ist es vielleicht zu
spät. Auch, wenn es pathetisch klingen mag, will ich nicht verschweigen,
dass ich glücklich bin, die Band fast während Ihrer gesamten Existenz
begleiten zu dürfen. (A.P.)
LORE OF ASMODAY – Spielt Süßer Den Tod (Tape 1992)
(Asrai)
Nachdem
LORE OF ASMODAY schon einige Zeit in ihrem Keller herum werkelten und Musik
produzierten, traten sie 1991/1992 endlich auch etwas in die Öffentlichkeit
und tauchten in Magazinen wie dem Torturer, dem Gothic und mit einem Tape
bei Beton Tapes auf, sowie auf ersten Tape-Samplern. Zeit also, endlich sich
selber auch mal auf der Bühne auszuprobieren und so bereitete man im
Proberaum ein kleines Konzert für den Freundeskreis vor. Dokumentiert ist
dieser Auftritt teilweise auf dem Tape „Spielt Süßer Den Tod“, der 6
deutschsprachige Songs von LORE OF ASMODAY enthält, mit denen sie damals
eigentlich den Durchbruch im Zuge von Bands wie Das Ich, Goethes Erben,
Relatives Menschsein, Artwork, Christian Dörge etc. hätten schaffen müssen.
Wahrscheinlich fehlte einfach ein professionelles Management und zudem waren
die Kompositionen wohl nicht eingängig und die Texte nicht klischeehaft
genug. Titel wie „Mondgestein“ sind eigentlich richtige kleine Hits, die nur
einfach nicht für das interessierte Publikum zugänglich waren. Natürlich
dabei ist „Todesfuge“, das bis zur Trennung der Band im Herbst 2002 auf
jedem Konzert gespielt wurde und mit der politischen Aussage in der
schwarzen Szene damals recht einsam dastand. Dabei weiterhin „Glas In Deiner
Hand“, ebenfalls ein Anwärter auf Klassikerstatus. Alle Songs sind recht
spärlich, teilweise schon minimalistisch inszeniert, was einerseits sicher
zum Konzept gehörte, damit die deutschen Texte im Vordergrund stehen,
andererseits aber sicher sicher im damals noch nicht vorhandenen,
professionellen Equipment begründet lag. So hat sich die Band jedenfalls ein
Zeitdokument geschaffen, mit einem Auftritt, an den alle damals Anwesenden
sicher gerne zurück denken. (A.P.) |