| LINIENTREU - Sind Freunde
elektrisch? (CD) LINIENTREU - Sind Freunde elektrisch? (12") WITT / LINIENTREU Live 28.02.2001 Hamburg Musikhalle LINIENTREU - Sind Freunde Elektrisch? (CD 2001) (Epic/Sony)
Grundsätzlich kann man sagen, daß hier die durchweg deutschen Texte nicht peinlich wirken, was man wirklich nicht von vielen Veröffentlichungen behaupten kann, und der Sound sehr druckvoll ist. Beginnen tut die CD mit "Sind Freunde Elektrisch?". Ob es Sinn macht, eine Coverversion so in den Vordergrund zu stellen (Auskopplung, Albumtitel, 1. Song auf dem Album), sei mal dahin gestellt. Aus kommerzieller Sicht ist das bestimmt nicht dumm, aus künstlerischer Sicht hingegen schon, zumindest, wenn die eigenen Songs viel besser sind. Und das ist hier der Fall. Mit "Halt Mich", "Wir Leben Für Immer" und "Star" sind gleich drei Knaller-Titel hintereinander auf dem Album. Danach werden die Songs nicht unbedingt schlechter, aber die richtigen Hits sind halt durch und man fragt sich, warum sie nicht besser über das ganze Album verteilt wurden. Daß LINIENTREU aber auch die ruhigeren Töne beherrschen, zeigen sie in Songs wie "Die Welt In Dir Schweigt", was brachial und doch sanft klingt, und "Plastikhimmel", welcher wirklich schön ist. Musikalisch wird druckvoller Wave-Rock geboten, der durchaus eingängig ist und schöne Popmelodien bietet und auch mit einer gehörigen Portion Electro nicht geizt. Dabei wird auch auf Tanzbarkeit wert gelegt und da es sich häufig um richtige Ohrwürmer handelt, könnte sogar eine breitere Hörerschaft angesprochen werden. Leider werden die Songs zum Ende hin etwas beliebig, was in einem puren Schlager endet, der das Album ausklingen lässt. Passt so gar nicht auf die CD... Seit Bands wie Rammstein und Project Pitchfork in höheren Chartregionen tummeln (zumindest mit ihren Alben), ist bewiesen, daß die Konsumenten auch mal einer Band aus dem Untergrund eine Chnace geben, wenn sie doch nur angeboten wird. Mit Sony im Rücken könnte die Promotion also erfolgreich sein, mal abwarten. Ob sich die "schwarze Szene" und die Zillo-, Orkus-, Sonic Seducer-Leserschaft für das Album begeistern kann, bleibt abzuwarten. Etwas enttäuscht bin ich vom Artwork, das zwar qualitativ hochwertig ist, aber durch ein paar miese und alberne Photocollagen , die aussehen, als wären mit der Schere ausgeschnittene Fotos der Band auf Luftbilder von Berlin geklebt wurden, bleibt der Gesamteindruck gestört. Auch, ein Bild des Frontmannes auf das Cover zu packen, scheint mir sehr Major-typisch zu sein, hier soll ein gutaussehender "Star" gepusht werden, wie es scheint und nicht eine Band. Naja, vielleicht sehe ich das aber auch zu kritisch. Auf jeden Fall haben LINIENTREU hier ein wirklich gutes Debut-Album vorgelegt, das auch nach mehrmaligem Hören nicht langweilig wird. Ach ja, da gibt´s am Ende noch einen "hidden Track", eine Unart, die immer mehr um sich greift. Hier klingt´s wie "Rammstein treffen auf Enigma" und erweist sich als völligüberflüssig. Wahrscheinlich fand die Band den Titel selber so blöd, daß sie ihn lieber nicht aufs Cover geschrieben hat. Live sollte man die Gruppe auf keinen Fall verpassen, wenn sie mal im Club um die Ecke spielt. (A.P.) LINIENTREU - Sind Freunde Elektrisch? (MCD 2001) (Epic/Sony)
WITT / LINIENTREU Live 28.02.2001 Hamburg Musikhalle
Nun also die Tour zu "Bayreuth 2" mit einem Stop in der Hamburger Musikhalle, einer echten Konzerthalle, in der sonst hauptsächlich klassische Aufführungen stattfinden. Das Ambiente passte irgendwie und es war eigentlich schön, die Musik im Sitzen auf sich wirken zu lassen, ohne immer in Drängeleien vor der Bühne verwickelt zu sein. Gerade, weil ich vom neuen Material noch nicht so viel kannte. Zunächst jedoch betraten um 20.45 Uhr LINIENTREU aus Berlin die Bühne, die gerade ihre aktuelle Single "Sind Freunde Elektrisch" veröffentlicht haben. Als Begleitband für WITT sollen sie wohl schon mal ordentlich gepusht werden, bevor in Kürze das Album erscheint. Die sieben Musiker haben auf der Bühne ordentlich losgerockt. Ihre Musik ist irgendwie auch ziemlich wavig und verfügt über zuckersüße Pop-Melodien vom allerfeinsten, trotz der Lautstärke und dem eher mäßigen Sound. Besonders die ersten beiden Songs waren wirklich gut, danach gab es ein paar Längen und nach einer guten halben Stunde musste die Band die Bühne schon wieder verlassen, hat aber Appetit auf mehr gemacht. Besser kommt die Band sicherlich in einem kleinen, verrauchten Club, aber ich denke, die Gelegenheit wird sich auch bald mal ergeben. Mit etwas Glück könnten LINIENTREU wirklich zu einem großen Ding werden. Nach einer kurzen Umbaupause wurde auf der Bühne dann der Videoclip zur aktuellen WITT Single "Bataillon D´Amour" gezeigt, übrigens eine Coverversion des Klassikers der DDR-Band Silly. Während danach ein paar Bühnenmenschen ziemlich unbeholfen die Leinwand von der Bühne entfernten, kamen nach und nach die Musiker auf die selbige, vier Cellisten, ein Keyboarder, ein Schlagzeuger, ein Bassist und sage und schreibe drei Gitarristen und schlußendlich der Meister WITT selbst. In den folgenden knapp 2 Stunden legte die Band leider mit nicht so tollem Sound, eine coole Show hin, inkl. aller Hits von den "Bayreuth 1 + 2" Alben. Teilweise war der Sound recht monumental (durch die Streicher) und brachial (durch die drei Gitarren). WITT´s Gesang war leider nicht immer gut zu verstehen und auch seine Gastsängerin/-tänzerin bei zwei Songs war kaum zu verstehen. Je länger das Konzert lief, umso mehr hatte ich das Gefühl, daß viele Songs doch recht ähnlich klangen. Der Sänger selbst lockerte die Atmosphäre zwischen den Songs immer wieder mit coolen Sprüchen auf und bewies, daß er eine angenehm zynische Art an sich hat, was für manchen Lacher gut war (z.B. über "harte" Oberlippenbartträger, der Angesprochene wollte bestimmt vor Scham im Boden versinken). Irgendwann kam als Gast dann die Sängerin von X-Perience auf die Bühne und trällerte ein Lied mit WITT, daß auch als Single erhältlich ist, aber eigentlich recht übel war. Dann kam der letzte Song, ein bißchen Zugabegerufe und die ersten beiden Zugaben, u.a. "Die Flut", leider ohne Mitsänger Peter Heppner. Dessen Part wurde gelungen von einem Gitarristen übernommen. Danach wieder Geklatsche und Gerufe und tatsächlich kam die Band (jetzt ohne Cellisten) auf die Bühne und legte eine brachiale Version von "Goldener Reiter" hin, die das Publikum zu Begeisterungsstürmen, Mitklatschen und Mitsingen hinriß. Danach dann ein grandioses Medley aus "Kosmetik" und "Herbergsvater", was mir noch mehr Freude bereitete. Ich muß zugeben, daß es irgendwie schön war, die Lieder zu hören, obwohl sie nicht zu dem neueren Material passen und sicherlich eher ein Kompromiss für die Fans waren. Ich hätte kein Problem damit gehabt, wenn die Lieder nicht dabei gewesen wären, aber so war es auch okay und wenigstens keine peinliche Selbstkopie. So ging das Publikum in der bei weitem nicht ausverkauften Musikhalle seines Weges und ich hatte das Gefühl, daß alle sehr zufrieden waren, wie ich auch. Ein sehr schöner Konzertabend! (A.P.) |