BACK AGAIN: GOTHIC / WAVE / DARK-WAVE

LENINGRAD SANDWICH – Heat (LP 1982)

(Good Noise)

Nach der noch eher vom Punk beeinflussten LP „Go East“ und einigen Umbesetzungen, sowie dem Wechsel zum guten Good Noise Label, erschien 1982 das zweite LENINGRAD SANDWICH Album „Heat“. Durch extensives Live-Spielen hatte die Band sich zu dem Zeitpunkt schon eine treue Fangemeinde erspielt, so dass auch der musikalische Stilwechsel zum New Wave-Sound der Band in keiner Weise schadete. 1982 erschienen so Weg weisende Alben wie „Pornography“ von The Cure oder „A Kiss In The Dramhouse“ von Siouxsie And The Banshees und genau diese Bands scheinen auch einen gewissen Einfluss auf LENINGRAD SANDWICH ausgeübt zu haben. Dazu werden noch unzählige andere Bands seziert und soundmäßig integriert, vom Post-Punk Bauhaus´ und Joy Division´s über Toyah und Hazel O´Connor bis hin zu einigen frühen „Batcave“-Bands. Heraus kommt eine sehr eigenständige Mischung aus New Wave und frühem Gothic-Rock, die nicht zuletzt durch die Stimme der Sängerin Annie bereichert wird. Es gab einfach viel zu wenige derartige Bands mit Sängerin, und wenn, dann klang es viel zu häufig, wie ein einfacher Siouxsie-Klon. Da vermeiden LENINGRAD SANDWICH zum Glück. Auch, wenn zumindest ein Teil der Band aus England stammte, so lebte sie doch in Berlin und darf sicherlich zu den wichtigeren frühen Wave-Bands aus Deutschland gezählt werden. Trotz der teilweise schön eingängigen Melodien, hat sich die Gruppe immer eine gewisse Rauheit bewahrt. LENINGRAD SANDWICH-Platten, egal welche einem in die Finger gerät, sollte man nie stehen lassen! Wenn man sich Bilder der Musiker oder die Plattencover ansieht, so mag man heute denken, dass die Band ziemlich klischeehaft war, aber damals war das halt so. Dabei sind LENINGRAD SANDWICH nie richtig düster, sondern eher monoton (im positiven Sinne)  und bringen stimmungsmäßig dieses heute nicht mehr nachvollziehbare „Berlin-Mauerstadt“-Feeling rüber. „Kälte kriecht“ hieß mal ein Song von Grauzone, das beschreibt die Musik der Gruppe schon recht gut, Cold-Wave würden die Franzosen es nennen. Fast eine Art „Konsens-Band“, mit der nicht nur alte Waver (wie man das früher nannte), sondern auch viele Punks etwas anfangen konnten. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden