BACK AGAIN: GOTHIC / WAVE / DARK-WAVE

LEAVES EYES - Interview zum WGT 2004 Leipzig 28-31.05.04

Back Again: Da du ja vorher die Sängerin von Theater of Tragedy warst, drängt sich einem natürlich die Frage auf, inwieweit Leaves Eyes eine Fortsetzung oder ein Soloprojekt darstellt?

Liv Kristine: Weder noch! Leaves Eyes ist eine eigene Band in toller Besetzung aus mir und den Jungs von  Atrocity. Theater of Tragedy ist für mich ein abgeschlossenes Kapitel, ein geschlossenes Buch. Die Entscheidung von der Band konnte ich damals nicht beeinflußen, das war deren Entscheidung. Ich habe einen Bescheid  bekommen als ich eines Abends am surfen im Netz war und hab dann die Nachricht bekommen, dass sie mit mir nicht mehr arbeiten wollen – das wars dann. Seither hab ich nichts mehr gehört, keine Ahnung warum. Davor hab ich nichts gehört und dannach auch nicht. Ich hab einige Tage gehofft, dass sie mich anrufen und sagen ‚ja okay wir haben uns das noch mal überlegt, komm war ein Scherz’, aber das ist leider nicht passiert und so musste ich mich damit abfinden. Aber die Idee zu Leaves Eyes hatte ich schon vor einem Jahr und hab dann an dem Konzept geschrieben. Das Problem war nur, dass ich keine Zeit hatte. Ich schrieb an meiner Magisterarbeit und so wartete ich auf die richtigen Musiker für solch einen Versuch.

Dann hab ich den Jungs von Atrocity das Konzept gezeigt, die fanden es gut und hatten auch schon einige Songs geschrieben, die gut in mein Konzept reinpassten und da war klar, dass wir dort ansetzen werden. Etwa 6 Monate hat es gedauert und die Scheibe war im Kasten. Nebenbei haben wir dann überlegt aus dem Projekt eine richtige Band zu machen, denn mit Theater geht eh nix mehr, also entstand Leaves Eyes. Was mein Soloprojekt angeht, da gab es ja bislang nur ein Album, vermutlich gibt es da auch ein zweites in Bälde, aber ich warte immer noch darauf, dass ich einen Plattenvertrag bekomme.  Ich möchte unbedingt mit einem neuen Label arbeiten, einem dem ich trauen kann, und nicht so das einem gesagt wird ‚du must jenes können und stell dich nicht so an’. Ich möchte einfach zu dem was ich mache 100% stehen können. Bei ‚Deux  ex machina’ war ich noch jung und hab auf vieles noch gehört, doch jetzt denk ich mir ich möchte schon die gesamte Aufnahmezeit dabei sein, es muss alles von mir kommen, denn wenn man etwas veröffentlicht ist es für immer da. Aber momentan denken wir hier an die zweite Leaves Eyes Platte, den auch hier sind schon einige Songs im Kasten.

Back Again: Wann seid ihr denn konkret ins Studio gegangen um die Platte aufzunehmen?

Liv: Wir haben ja unser eigenes Studio Mastersound. Wir sind also sowieso jeden Tag da und machen darin was, wenn wir Lust und Zeit haben. Wir haben zwei Aufnahmestudios und wenn dann eins frei ist gehen wir rein und machen weiter. Wir haben da glücklicherweise keinen Zeitdruck .

Back Again: Wenn du für dich deinen Musikstil beschreiben müsstest, wie würdest du das den tun?

Liv: Mhmm, ich sehe die Elemente von Metal, von Schönheit also  klassischem Gesang und ich denk das findet man sehr oft in Gothic-Metal. Ich würde von daher sagen, es hat auf jeden Fall etwas mit Gothic-Metal zu tun. Inzwischen gibt es ja auch New Gothic Metal, wobei ich da ja ein alter Hase sein müsste in der Richtung, aber das finde ich dann auch nicht passend.

Ich möcht mich aber auch nicht so einschränken, denn auf den Platten gibt es sicher auch andere Elemente die eher im  Vordergrund stehen werden, wir möchten in ZUkunft vielmehr mit klassischen Elementen arbeiten.

Back Again: Was hat dich inspiriert, und was ist dann konkret textlich geworden aus diesen Ideen?

Liv: Es ist erstmal ganz klar ein Konzeptalbum, dass sich in zehn Kapitel aufteilt. Wir haben jedes Lied so geschrieben, dass es zum Konzept passt. Das Konzept selbst ist eigentlich, zwei Lebensgeschichten zu erzählen. Die erste lovelorn ist sehr persönlich und beschreibt mich als Menschen, bzw. als kleines Mädchen und ich habe es mir so vorgestellt, dass ich an dem Ort spiele an dem ich aufgewachsen bin als Kind und dort einschlafe. Dort hab ich einen Traum und es beginnt die zweite Lebensgeschichte. Der erste Teil erzählt mehr von meiner Liebe zu meinem Heimatland Norwegen, die zweite hingegen ist mehr Liebesgeschichte. Darin geht  es um einen jungen Mann, der seine Frau oder Freundin im Meer verloren hat, weil sie ertrunken ist, und er hat wahnsinnige Sehnsucht nach ihr und sucht Antworten auf das Warum des Todes, denn es wird nicht ganz klar ob es Selbstmord war, oder ob sie verunglückt ist.

Dann kommt eine Meerjungfrau und sie kommen am Ende zusammen. Wie das passiert verrat ich nicht, nur soviel, es ist ein tragisches aber auch glückliches Ende. Ich wach dann wieder auf aus diesem Traum und lauf zurück zu meiner Mutter die auf mich wartet. Es ist ein sehr persönliches Album wie gesagt, wo sehr viel von mir selbst mit eingeflossen ist. Inspiration für mich war auf jeden Fall die norwegische Natur und auch dass ich in der Zeit, wo ich das Konzept geschrieben habe, schwanger war und ich spürte das Leben in mir das wächst. Ich bin einfach jetzt sehr glücklich und das hört man auch musikalisch und ich möchte das die Menschen das spüren, wenn sie selbst Leaves Eyes hören.

Back Again: Wieviel Bedeutung mißt du selbst denn dann Träumen zu, wenn es hier so zentral zu seien scheint?

Liv: Das ist sehr wichtig für mich! Ich hab im Badezimmer ein Buch, wo Bedeutungen von Träumen drinsteht und wenn ich früh aufstehe schau ich immer gleich was es bedeutet hat.

Das hat mich schon lange interessiert und seit 6 Jahren mach ich Yoga und versuch oft dadurch zu einer inneren Ruhe zu kommen, was durch Träume am ehesten zu schaffen ist.

Ich fühl mich morgens oft einfach erleichtert. Tagsüber hat man ja gar keine Zeit mehr um Dinge zu verarbeiten, da ist Schlaf manchmal Gold wert.

Back Again: Wie geht es für dich weiter, bzw. für euch, und inwieweit wir deine Familie eione große Rolle spielen, denn deine Schwester sang ja auch mit auf der Platte?

Liv:  Ja das stimmt, meine Schwester singt in einem Song mit. Leider konnte sie beim WGT nicht dabei sein, weil sie Urlaub hat. Wir werden als nächstes erstmal auf Tour gehen 4 Wochen lang mit Sondershows in Griechenland und der Türkei. Dann soll logischerweise das zweite Album folgen, woran wir schon begonnen haben zu arbeiten. Familie und Musik lassen sich durch das eigene Tonstudio sehr gut kombinieren, denn es ist direkt in der Wohnung. Zuhause hab ich die komplette Ausstattung, und im Studio nochmal. Wir nehmen jeden Tag den kleinen mit uns und es gibt immer Leute die sich um ihn kümmern und gut mit Kindern können. Es gab noch nie Probleme, dass er sich allein gefühlt hätte, er hat ja nicht mal die Möglichkeit allein zu sein. Wir machen auch die Interviews im Studio und er ist dabei, auch zum Videodreh kam er mit und auf Tour muss er mit, wegen dem Stillen. Jetzt am Wochenende ist er bei der Omi, dass hält er aus, aber mein Herz tut weh.

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden