BACK AGAIN: WAVE
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21 Singles Automatic Video Darklands Psychocandy THE JESUS AND MARY CHAIN – 21 Singles (CD 2002) (WSM/Warner)
Bis heute halte ich die ersten beiden Alben „Psychocandy“ und „Darklands“ für zwei der 10 besten Alben aller Zeiten, die mich mehr geprägt haben, als alles andere sonst. Trotz des „Lärms“ auf den Platten versprühen sie eine tiefe Melancholie, eine fröhliche Band waren THE JESUS AND MARY CHAIN tatsächlich nie. Nun ist bei Warner eine Zusammenstellung aller 21 Singles erschienen, unter dem sinnigen Titel „21 Singles“. Chronologisch angeordnet beginnt die CD mit der in England wie eine Bombe eingeschlagenen Single „Upside Down“. So etwas hatte man bis dahin nicht gehört und die Kritiker überschlugen sich förmlich. Es folgt „Never Understand“ und dann einer der besten Songs aller Zeiten, „You Trip Me Up“. Diesen Song möchte ich bei meiner Beerdigung gespielt haben! Danach dann die wohl „lauteste“ Ballade aller Zeiten, „Just Like Honey“, nicht mehr und nicht weniger als ein perfekter Popsong, dessen Melodie unvergesslich ist. Dass die Gruppe es auch ruhiger angehen konnte, bewies sie mit „Some Candy Talking“, was schon den Weg zum zweiten Album „Darklands“ aufzeigte. Darklands war dunkler und stimmungsvoller und vor allem weniger wütend als „Psychocandy“ und somit die perfekte Ergänzung. „April Skies“ wurde ein respektabler Hit, der die Band auch einem breiteren Publikum zugänglich machte. „Happy When It Rains“ gehört dann zu den bewegendsten Liedern der Band und ist eine perfekte Mischung aus lauten Gitarren und eingängiger, melancholischer Melodie, definitiv ein Klassiker. Auch der Titelsong „Darklands“ aus dem zweiten Album fiel qualitativ nicht ab und hielt, was der Name verspricht, nämlich eine dunkle Stimmung. Dass die Band aber ihre Wurzeln nicht vergessen hatte, um kommerziellen Erfolg zu haben, bewies sie dann mit dem harten „Sidewalking“, bevor aus dem dritten Album „Automatic“ als erste Single „Blues From A Gun“ ausgekoppelt wurde, die wieder neue Einflüsse zeigte, aber doch unverkennbar ein THE JESUS AND MARY CHAIN Song war. Mit „Head On“ ging es erfolgreich weiter und dann kündigte die „Rollercoaster“ EP das vierte Album „Honey´s Dead“ an, das dann allerdings erst etwa zwei Jahre später erschien. Seltsamerweise habe ich in dieser Zeit die Band ein wenig aus den Ohren verloren, so dass ich erst auf dieser Compilation richtig entdeckt habe, dass auch bis 1998 noch jede Menge wirklich tolle Song entstanden, die den frühen Sachen in nichts nachstanden. Dass mich diese Singles aber nicht mehr so mitrissen, liegt vielleicht daran, dass der Überraschungseffekt der frühen Werke nicht mehr da war. Schlechter geworden ist die Gruppe jedenfalls nicht und vor allem ist sie sich immer treu geblieben. Lieder wie „Reverence“, „Far Gone And Out“, „Almost Gold“, „Snakedriver“, „Sometimes Always“, „Come On“ und „Cracking Up“ schlagen problemlos die meisten Konkurrenten aus dem Feld. Leider hatten zu dieser Zeit aber schon Brit-Pop Bands wie Oasis und Blur die kommerziellen Märkte besetzt, so dass der verdiente Erfolg ausblieb. Sehr schön sind zum Ende hin noch die beiden Songs „I Hate Rock´n´Roll“ und „I Love Rock´n´Roll“, die in ihrer Zwiespältigkeit eigentlich perfekt THE JESUS AND MARY CHAIN beschreiben. Einerseits wollte die Reid Brüder und ihre Mitstreiter das konventionelle Rock-Geschäft aufmischen, andererseits war man sich immer im Klaren darüber, dass man nachhaltig davon geprägt war, was sich in Songs wie „Kill Surf City“ oder „Surfin´ USA“ deutlich gezeigt hat. Keine Frage, selten hat es eine Ansammlung so vieler grandioser Songs auf einem Album gegeben. Zumindest alle Songs der ersten Hälfte dieses Albums sind zu Klassikern des Gitarren-Rocks geworden, aber auch die zweite Hälfte fällt qualitativ nicht ab, die Songs sind einfach nicht so bekannt geworden. Wer THE JESUS AND MARY CHAIN bisher nicht kennt, kann mit „21 Singles“ einen guten Einstieg und Überblick über das Wirken der Band bekommen. Aber danach muss man sich mindestens die ersten beiden Alben zulegen, denn da sind noch jede Menge anderer genialer Songs drauf, die nicht als Singles augekoppelt wurden, obwohl sie das Zeug dazu gehabt hätten. (A.P.) THE JESUS AND MARY CHAIN - Automatic (CD 1989) (Blanco Y Negro/Wea)
(Blanco Y Negro/Wea Records Ltd.) Faszination JESUS AND MARY CHAIN pur wird auf diesem Video hier geboten. Es ist im Grunde nur eine Aneinanderreihung von zehn Videos von den ersten LPs „Psychocandy“ und „Darklands“ mit einer Länge von ca. 35 Minuten. In den meisten der Videos stehen die Herren in ihren schwarzen Klamotten und ihren Volahiku-Frisuren (Vorne lang-hinten kurz) einfach nur in einem Raum herum und spielen gelangweilt (oder cool, wie man es nimmt) ihre Lieder herunter. Als kleine Variante gehen sie auch mal irgendwo längs. Dazu aber immer die müden Gesichter der Reid-Brüder und der anderen Herren. Die Lieder sind natürlich grandios und es wird einem bewusst, wie sehr sie einem die zweite Hälfte der Achtziger versüsst haben und wie wichtig sie für den kleinen Grufti-Waver von damals einfach waren. Lieder und Ausstrahlung – das war es. Für mich auch heute noch eine der wichtigsten Bands meiner „Schwarzen Zeit“. (H.H.) THE JESUS AND MARY CHAIN - Darklands (CD 1987) (Blanco Y Negro/Wea)
THE JESUS AND MARY CHAIN – Psychocandy (LP/CD 1985) (Wea)
Wie das zusammenpasst? Ist mir auch nicht ganz klar, aber THE JESUS AND MARY CHAIN haben dieses Wunder mit ihrem Debut vollbracht und zugleich einen unsterblichen Klassiker geschaffen. Sicher eines der wichtigsten Alben der 80er Jahre, das unzählige Bands beeinflusst hat und ohne das es heute den sogenannten Brit-Pop wahrscheinlich gar nicht geben würde. Die Gruppe hat es geschafft, bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Gitarren mit einschmeichelnden Popmelodien zu verbinden, die sonst wahrscheinlich nur die Beatles oder die Beach Boys komponieren konnten. Selten hat ein Albumtitel so perfekt gepasst, wie hier. Hirnsprengende Sounds, die einen Besuch beim Psychiater nahe legen, gepaart mit „candy“-süssen Melodien, die für romantische Stunden zu Zweit mehr als geeignet sind. Auch wenn der Vergleich bereits unzählige Male geschrieben wurde, JESUS AND MARY CHAIN waren die Velvet Underground der 80er Jahre und das im allerbesten Sinne, denn ihre Musik war bahnbrechend, wenn auch nicht wirklich neu. Jeder Song ist für sich alleine genommen ein absoluter Hit, eine solche Hitkonzentration bekommt kaum eine Band hin, wenn sie eine Best Of ihrer Karriere zusammenstellt. Aus dem Meisterwerk stechen trotzdem noch einige Songs hervor, zum Beispiel das brilliante „Just Like Honey“, die „laute“ Ballade „Some Candy Talking“, die Feedback-Orgie „Never Understand“ und das unsterbliche „You Trip Me Up“. Eigentlich müsste man auch hier alle Songs des Albums aufzählen, aber was soll´s...nennen wir das Kind beim Namen: „Psychocandy“ ist eine der 10 besten Platten aller Zeiten! Und weil die Band so schlau war, nicht beim nächsten Album auf der gleichen Schiene weiter zu fahren, haben sie ihren Sound grundsätzlich verändert, was auch den Nachfolger „Darklands“ zu einem Klassiker gemacht hat. Wer diese beiden Alben nicht kennt, sollte beim Thema Musik einfach nicht mehr mitreden dürfen, auch wenn das jetzt hemmungslos subjektiv ist. (A.P.) |