BACK AGAIN: WAVE / GOTHIC / DARKWAVE
THE GARDEN OF DELIGHT - Dawn
THE GARDEN OF DELIGHT - Symbolism Alive
THE GARDEN OF DELIGHT - Nuctemeron 1991-1997
THE GARDEN OF DELIGHT - The Seal

GARDEN OF DELIGHT - Dawn (CD Julie 2001)

(Tristol Music Records)

Als sich im letzten Jahr GARDEN OF DELIGHT wieder zusammentaten, war das eine kleine musikalische Sensation. Eigentlich wollten Artaud Seth, Thomas O’Connell und Mike York nie wieder ein Album veröffentlichen. Dass mit „Radiant Sons“ ein wirklich gelungenes Comeback gelang, konnte man als Fan der dunklen Musik nur begrüßen. Jetzt folgte der Nachfolger „Dawn“ und übertrifft selbst die kühnsten Erwartungen, die man im Vorfeld der Veröffentlichung hatte. Von der ersten Minute an schwört man eine düstere, unheilvolle Atmosphäre herauf, die den Zuhörer entweder sofort gefangen nimmt, oder abstößt. Von einem Meisterwerk zu sprechen scheint keinesfalls vermessen.

"Dawn" ist ein Konzeptalbum. Erzählt wird in sieben Tracks die Geschichte über eine Rasse strahlender Engel, die tatenlos dem Verfall der Erde zusehen muss. Fiktion und echte persönliche Erlebnisse des Sängers Artaud Seth mischen sich zu einer Art persönlichem Tagebuch der letzten 20 Monate. „Ich erkenne mich in Dawn sehr stark wieder, ohne wirklich in ihm zu sein. Vielleicht musste ich dieses Album machen, um mich selbst besser zu verstehen. Dawn ist in meinen Augen ein phantastisches Werk geworden und wir werden uns sehr anstrengen müssen, das noch mal zu übertreffen,“ meint er.

Dawn besitzt in der Tat sehr differenzierte Songs, schnelle tanzbare Gothic – Hymnen wie „Ceremony“, die sich mit ausufernden, atmosphärisch – monumentalen Stücken abwechseln.

Bereits das Coverfoto, ein in rote Flammen getauchter Schamane - mit Hörnern besetzt  – ,entführt den Hörer in eine okkulte Welt aus Schamanentum und Magie. In seinen Klauen hält er ein Baby. Dieses Frontcoverbild scheint fast für das gesamte Album zu stehen. Das junge Kind als Symbol der Menschwerdung, ist umgeben von lauter fremden Einflüssen, zu denen auch die Mächte der Finsternis und das unheimliche und mystische einzuordnen sind. Jedem Song des Albums ist ein kunstvoll gestaltetes Bild zugeordnet. Mal ist es ein sich erhängen wollendes Mädchen, dass mit den Füßen ins leere fällt, mal ein mystisches Pentagramm, indianische Schamanengottheiten, und ein Grabmal. Angereichert mit Weisheiten von H.P. Lovecraft, Edgar Allan Poe, Eliphas Levi, Aleister Crowley und William Blake über dem Songtext.

Der Opener „High Empress (über 777)“ beschäftigt sich eingehend mit dem Okkultisten Aleister Crowley, der von 1875 – 1947 lebte, und als dämonischer Liebhaber bei Frauen bekannt wurde. Jedoch trieb ihn der Glaube ein Medium zu sein, dazu Sexorgien, Selbstverstümmelungen, Tieropfer und Drogenmissbräuche durchzuführen. Durchaus kritisch betrachtet der Sänger diese seltsame Persönlichkeit des Okkultismus.

„Oh Mr. Crowley, what went wrong in your head…,” fragt Artaud Seth in diesem Song immer wieder. “Aleister Crowley als Magier beeindruckt mich nicht. Sein Hang zur Sexualmagie kommt mir fast wie eine Masche vor, um einen alten glatzköpfigen Mann noch mal ein paar glückliche Momente zu verschaffen. Nein ein ernstzunehmender Okkultist war er nicht. Aber er war sicherlich eine faszinierende, starke und dominante Persönlichkeit, die es immer wieder schaffte, Menschen in ihren Bann zu ziehen, „ erklärt Seth sein Interesse an Crowley.

Ab dem zweiten Song „Silent Moments (dawn part One)“ wird es richtig düster. Es entsteht, durch eine immer wieder kehrende Tonfolge und die sehr getragene dunkle Stimme des Sängers, eine in sich ruhige, melancholisch – düstere Stimmung, die von diesen bedrohlich wirkenden Tonfolgen durchbrochen wird, und den Zuhörer aus der Ruhe des Songs herauszureißen versucht – ja sogar richtige Angst macht. „Silent Moments ist ein sehr dunkles, ja fast schon morbides Stück. Es handelt über den stillen Moment des Erkennens, dass die Angst eines Menschen zu einer Obsession wird. Die genaue Bedeutung aber möchte ich nicht erklären!“

Das Coverartwok, die Texte und Musik geben dem Hörer ein Bild voller Schwermut und innerer Zerrissenheit. Garden of Delight lässt uns träumen von Gefilden, in denen die Götter beheimatet sind. Immer wieder finden sich darin Reminiszenzen an Aleister Crowley, Anton Szandor LaVay, Charles Baudelaire, Rimbaud und mehr.

So düster ist auch der dritte Song „Eternal Sleep“, indem es um die Geschichte eines Mädchens geht, dass sich dem Freitod stellt. Sie steigt hinauf, dorthin wo die Luft dünner und dünner wird. Über unsere Atmosphäre hinaus... So weit bis sie nicht mehr atmen kann und im nichts verschwindet. „Alle die dort draußen solch destruktive Gedanken haben, sollten daran denken: Da draußen erwartet euch Nichts,“ warnt Artaud Seth. „Suizid ist nun mal der einzige Fehler im Leben, den man nicht rückgängig machen kann.“

Mit dem vierten Track „Exorial“ beschreiben die Musiker ein offenbar spirituelles Ritual. Ein sumerischer Hexer tanzt im Singsang in einem Pentagramm und murmelt stets die Worte „ka nama kaa lejerama lament for C thulhu ka nama kaa lejerama exorial“. Fast scheint es wie die Beschreibung eines satanistischen Anbetungsrituals gleich, da auch Satan, so die Textzeilen, wohlwollend von seinem Thron auf dieses Ritual herab blickt. Versteckte Verherrlichungen des Todes, Bösen oder der Gewalt? „Der Satanismus wird üblicherweise als die Verehrung des Bösen interpretiert: Eine Religion, deren Glauben auf eben den Prinzipien gründet, die das Christentum ablehnt. Ich bin Atheist und lehne das Christentum persönlich vollkommen ab. Mit ihrem sogenannten ‚Glauben’ brachten sie mit nie enden wollenden Kreuzzügen mehr Menschen um als man sich vorstellen kann. Bin ich jetzt Satanist, weil ich diesen Werten, nicht glaube und eine Faszination an heidnischen Kulten, gestützt auf alte Mythologie habe? Magie und Okkultismus sind meine Triebwerke, meine ganz persönliche Obsession. Es gibt Momente, da fühle ich mich wie ein Reiter, der seine Horden durch ein Feld gefallener Engel führen soll. Aber ich kann mich manchmal auch im Spiegel nicht ertragen. Diese Höhen und Tiefen finde ich selbst nur im Okkulten, aber deshalb Satanist bin ich keinesfalls,“ meint Artaud Seth.

Der fünfte Song „Ceremony“ entstammt einer schamanischen Überlieferung aus Nordamerika, bezieht sich aber auf die Ur-Schamanen in Ostasien. Sie sind in der Lage von einer Existenzebene in eine andere zu gleiten. „Das ist das eigentliche Thema,“ erklärt der Sänger. Der sechste Titelsong „Dawn“ besteht aus zwei Teilen „At the Gates of Dawn“ und „Gothic Prayer“. „At the Gates of Dawn“ ist ein sehr interpretierbarer Song, über die Suche nach Halt in einer völlig orientierungslosen Welt. Den einzigen Halt bietet sich am Tor der Morgenröte, deren Schatten den Suchenden begleiten wird.

Der zweite Song „Gothic Prayer“ bestimmt den Engel des Todes als Wächter der Angst, der den Betenden des Lebens und Haltes berauben soll.

Mit dem letzten Track „You have been here before“ geht es um Verlust und Trauer. „and when the angel sing it’s saddest song, you have been here before“. Danach fällt akustisch, wie symbolisch der Sargdeckel zu, kehrt der Hörer in seine Realität zurück – wirklich? (Maximilian Nitzschke)


THE GARDEN OF DELIGHT - Symbolism Alive (CD 1997)

(Dion Fortune/SPV)

Nicht mehr ganz neu, aber leider für eine Rezension im letzten BACK AGAIN einige Tage zu spät gekommen ist diese CD, die mal eine andere Seite der deutschen Gothic-Rocker GARDEN OF DELIGHT zeigt. Mit dem siebten Studioalbum in diesem Jahr und einem letzten Konzert in England wird sich die Gruppe, zumindest unter diesem Namen wie geplant von den Fans verabschieden, sehr schade, wie ich finde, aber auch konsequent. Sicher wird es in der ein oder anderen Form und unter anderem Namen weitergehen, wäre schade, solch gute Band auf immer zu verlieren. Für mich waren und sind GARDEN OF DELIGHT eine der besten deutschen Bands in diesem Genre, die eine inzwischen todlangweilige Gothic-Szene in den vergangenen zehn Jahren ausgewürgt hat. Obwohl ich mit der Symbolik und den Inhalten von GARDEN OF DELIGHT nie viel anfangen konnte, sind sie aber immer glaubwürdig und nie lächerlich gewesen.

Diese Live-CD ist wohl als eine Art Geschenk für die Fans gedacht (auch, um mehr als sieben CDs zu veröffentlichen ? Man denke auch an die „Heaven & Hell“ Doppel CD-EP...). Mir soll´s recht sein, zumal diese Aufnahmen, die bei drei Konzerten in Frankreich und England mitgeschnitten wurden, sehr gelungen sind und nicht nur eine Nachspielerei der Album-Tracks darstellen. GARDEN OF DELIGHT gehen live um einiges härter und aggressiver an die Sache heran. So klingen auch die älteren Titel ziemlich frisch. Die Liveatmosphäre ist, nicht zuletzt wegen der guten Soundqualität, gut eingefangen, so daß man definitiv sagen muß, daß dies endlich mal kein überflüssiges Live-Album ist, sondern sich als Ergänzung zu den normalen Werken hervorragend eignet. Es wird übrigens auch Joy Division´s „Dead Souls“ gecovert, und das gar nicht mal schlecht, wenn auch ziemlich nahe am Original gehalten. Aber immerhin hat man sich nicht „Love Will Tear Us Apart“ ausgesucht und hundertmal besser als üble NIN Vergewaltigungen ist es allemal ! Für GARDEN OF DELIGHT-Fans, wie mich, ein Pflichtkauf, für Freunde von recht klassischem Gothic-Rock wohl auch ein Muß. Das gewohnt minimale, sehr schöne Artwork gibt es sozusagen frei Haus dazu.  (A.P.)

THE GARDEN OF DELIGHT - Nuctemeron 1991-1997 (CD)

(Dion Fortune/SPV)

Der lange Abschied von THE GARDEN OF DELIGHT. Nach dieser Compilation soll nun definitiv nur noch ein Live-Video erscheinen. Ist schon ungewöhnlich, daß eine Band ihr Konzept derart konsequent durchzieht und das alles bei einem Label. Welche Band widersteht heute schon den kommerziellen Verlockungen eines Label-Wechsel? „Nuctemeron" ist nun aber keine Best-of-Compilation, sondern eine Zusammenstellung längst vergriffener Single-Tracks, sowie einiger Remixe und Neueinspielungen, so daß die CD auch für den Sammler, der eigentlich alle Veröffentlichungen sein eigen nennt, interessant ist. Hits wie „Shared Creation", „Spirit Invocation" oder „Exodus" und „Ancient God" haben auch nach mehreren Jahren seit ihrem Erscheinen nichts an Qualität verloren und dürften in diesen neueren Versionen wieder für Bewegung auf den Tanzflächen in den Clubs sorgen, sofern die DJs sich nicht zu fein sind, auch mal Gothic-Rock aufzulegen, auch wenn dieser gerade nicht so angesagt ist.
Wenn man bedenkt, welchen eigenständigen Weg THE GARDEN OF DELIGHT von der ersten Cure/Sisters-beeinflußten Single bis hin zum letzten Album gemacht haben, so ist es wohl nicht übertrieben, diese Gruppe als prägend für den europäischen Gothic-Rock der 90er zu loben. Bezeichnenderweise hatte die Gruppe offensichtlich ihre größten Erfolge nicht in ihrer Heimat, sondern in England und Italien, jedenfalls was den Bekanntheitsgrad angeht. Vielleicht waren die ausgetüftelten Kompositionen einfach zu anspruchsvoll für den deutschen Durchschnittsgrufti, denn die meisten Alben erschlossen sich dem Hörer nicht unbedingt beim ersten Durchlauf, wer sich jedoch die Mühe gemacht hat, die Welt von THE GARDEN OF DELIGHT genauer zu ergründen, wird die Band für immer lieben. Zu dieser Compilation gibt es ein ausführliches CD-Booklet mit fast kompletter Discographie und umfangreicher Bandhistory. Warten wir also nun noch das Livevideo ab und schließen dann das Kapitel THE GARDEN OF DELIGHT. Die Gruppe wird es in dieser Form und unter diesem Namen nicht mehr geben, durch die Musik wird sie jedoch weiterleben. Und wer jetzt meint, das wäre zu pathetisch formuliert, dem sei gesagt, das Pathos und Theatralik doch eigentlich ganz gut in die heutige Gothic-Szene passen und außerdem ist es mir egal, was andere Leute denken. (A.P.)


THE GARDEN OF DELIGHT – The Seal (M-CD 1994)

(Dion Fortune/Semaphore)

Das erste, was einem bei dieser CD auffällt, ist der Stilbruch beim Coverartwork, was ich persönlich sehr schade finde. Letztendlich ist es aber nur die Musik, die zählt und die ist bei THE GARDEN OF DELIGHT erfahrungsgemäß äußerst gut, so auch dieses Mal. „The Seal“ ist im Sarru Mass Mix vertreten, einem für eine Maxi-CD, die normalerweise wohl eher für Radio- und Discothekeneinsatz  konzipiert ist, recht untanzbaren Titel. Trotzdem ist der Song auch in diesem neuen Mix nicht zu verachten und zeigt den Mut der Band, auch unkonventionelle Wege zu beschreiten. Musikalisch gibt es auch gewohnte Klänge. In einer Extended Version folgt dann der Song „White Goddess“ vom zweiten Album „Epitaph“, der schon deutlich tanzbarer ausfällt und sicherlich viele Freunde finden wird. Mit „The Seal III“ schließt diese CD dann auch schon wieder ab. Diese Version des Titelstücks ist recht minimalistisch gehalten. Das Ganze kommt recht mystisch rüber und ist ein gelungener Abschluss dieser CD-Maxi. Wie man es von GARDEN OF DELIGHT und vom Label kennt, hält man mit diesem Werk wieder eine qualitativ hochwertige Ware in der Hand und man darf gespannt sein, was diese außergewöhnliche und relativ ernsthafte Band in den nächsten Jahren noch an Material vorlegen wird. Vielleicht wird diese Band irgendwann sogar mal LOVE LIKE BLOOD vom deutschen Gothic-Thron zu stürzen. (A.P.)