BACK AGAIN: GOTHIC / WAVE / DARK-WAVE

FRED BANANA COMBO – III (LP 1983)

(Virgin)

1983 war die Zeit, in der Punk kein Thema mehr war, die Neue Deutsche Welle in ihrer kommerziellen Variante bereits wieder abebbte und New Wave irgendwie als schwammiger Begriff erschien. Auf der anderen Seite gab es den Pop-„Summer of Love“ mit weichgespülten, aber schönen Popperbands wie Spandau Ballet, ABC und wie sie alle hießen. Und dann gab es da immer noch die FRED BANANA COMBO, die bereits seit Ende der 70er Jahre bestand und in ihrer eigenen kleinen Welt Platten veröffentlichte, live spielte und immer kurz vor dem großen Durchbruch stand, ohne diesen jemals zu packen. Ihr drittes, wie immer unbetiteltes Album bedient sich musikalisch wie gewohnt aus allen musikalischen Sparten, wobei hier vermehrt Blechbläser zum Einsatz kommen und der New Wave-Sound der damaligen Zeit seine deutlichen Spuren hinterlassen hat. Im Interview in dem Buch „Plant Uns Bloß Nicht Bei Euch Ein“ erscheint die Band sehr selbstbewusst und unabhängig von jeder Szenebewegung. Diese Unabhängigkeit und das Selbstbewusstsein machen die dritte LP zum besten Werk der Band, besonders, wenn man die B-Seite anhört. Aber von Beginn an...

„Moll Doll“ dient der A-Seite als Intro und kombiniert Fanfarenbläser mit treibenden Punk-Rhythmen. Schon hier spürt man viel Energie. „Leb Wohl, Mein Schatz“ ist ein pulsierendes, bitteres Liebeslied, ziemlich tanzbar und sicherlich live noch kraftvoller. Erinnert ein bisschen an Camp Sophisto oder Belfegore. Mit „Kikaku“ gibt es ein ziemlich hektisches „japanisches Kampflied“, wie es auf dem Innencover beschrieben wird. Irgendwo zwischen NDW und Notorische Reflexe, was aber auch nur ein ganz grober Anhaltspunkt ist. „Nowhere Bei Mir“ ist dann sicherlich der eingängigste Song der Platte und wie korrekt auf dem Cover vermerkt, „einfach ein phantastisches Liebeslied von (Sängerin) Nicolle“. Wenn Malaria! eine Popband gewesen wären, hätten sie vielleicht so ähnlich geklungen. Eckig und fast punkig, aufgelockert wiederum durch die Blechbläser, fetzt „Das Rheintal – Valley Of The Rhine“ aus der Plattenrille. Auch dieser Song dürfte live noch mehr Power entwickelt haben. Die erste Plattenseite endet dann ebenfalls rockig-nachvornegehend mit „Why Don´t You See The World“, einem Song, der hier durchaus kantig rüber kommt (was ihn gerade gut macht), der aber mit einer richtigen Produktion auch das Zeug zum Hit gehabt hätte.

In eine musikalisch ganz andere Richtung geht dann die B-Seite. Weitaus dunkler und waviger wird es gleich mit „Soldaten Des Grünen“, den man ohne großen Zweifel als besten und intensivsten Song des Albums, vielleicht sogar der FRED BANANA COMBO ansehen kann. Nach einem gesprochenen Intro beginnt ein hypnotischer Rhythmus, der extrem tanzbar ist, dazu irgendwie gefühlskalter choraler Gesang, einige Bläsersätze und unterlegt ist das alles mit einem wunderbar wummernden Bass. Ein New Wave-Ohrwurm allererster Güteklasse, der viel zu unbekannt geblieben ist, obwohl die Gruppe damit sogar mal als „Deutscher Tip“ in Formel 1 aufgetreten ist. Mit „Slow Die“ geht es ähnlich weiter. Auch hier sind die Rhythmen fast archaisch und treibend. Gesang im eigentlichen Sinne gibt es keinen, aber Schreie, Wortfetzen und ähnliches. Die Bläsereinsätze erinnern fast an Test Dept.´s meisterhaftes „A Good Night Out“-Album einige Jahre später. Der letzte Titel „Ring“ orientiert sich wieder mehr an den gängigen Rockmusik-Schemata, überzeugt aber ebenfalls mit viel Energie und fast schon südamerikanischen Bläsern, was aber nicht abschreckend gemeint ist!

Ein schlichtes, aber gelungenes und passendes Cover, die einwandfreie Produktion von Conny Plank und Anmerkungen zu jedem Lied auf dem Innencover, inclusive der Texte, runden ein durchweg erfreuliches Wave-Album ab, das heute sicher unterschätzt wird. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden