BACK AGAIN: GOTHIC / WAVE / DARK-WAVE

FRANK THE BAPTIST – Beggars Would Ride
FRANK THE BAPTIST – Different Degrees Of Empty

FRANK THE BAPTIST – Beggars Would Ride (CD 2004)

(Strobelight Records/Indigo)

Nachdem die Amis FRANK THE BAPTIST mit zwei selbst vertriebenen CDs und ihrem regulären Debutalbum schon einigen Eindruck in der Gothic-Rock-Szene schinden konnten, hat Strobelight Records auch das zweite Album, das erste mit richtig neuem Material, veröffentlicht und präsentiert damit eine deutlich gereifte Band. Das Debut „Different Degrees Of Empty“ enthielt noch eine Zusammenstellung von älterem Material und beeindruckte durch kraftvollen Gothic-Rock, der hin und wieder auch die schmale Grenze zum Death-Rock überschritt und der Band in Europa schnell jede Menge Fans verschaffte. Einige Stücke eroberten auch problemlos die einschlägigen Clubs und Parties.

Mit „Beggars Would Ride“ setzen die Amerikaner nun konsequent ihren Weg fort und liefern ein großartiges Album ab. Die Hauptzutat bleibt natürlich der gute alte Gothic-Rock, unverwässert durch Metal-Einflüsse und nur spärlich mit elektronischen Akzenten durchsetzt. Dafür gibt es aber dunkle Melodien zu hören, außerdem schöne treibende Bass/Drum-Kombinationen und die von mir so geliebten verzerrten und kreischenden Gitarren. Die musikalische Weiterentwicklung liegt hier einmal in einem Schritt zurück in die Musikgeschichte, denn die Einflüsse des guten alten 80er-Gitarren-Wave sind deutlich größer geworden und machen Songs wie „Signing Off“ oder „Faithless Aloysius“ zu echten Ohrwürmern. Auch bei „While Falling Apart“ entführen die Gitarren direkt in die gute alte Zeit. FRANK THE BAPTIST machen nichts, was nicht andere Bands vor ihnen auch schon gemacht hätten, aber sie machen es sehr gut und erfreuen damit die wenigen Leute, die diese Aufbruchszeit noch selbst miterlebt haben immens. Namen wie Play Dead oder Red Lorry Yellow Lorry sind zwar noch ein Begriff, aber kaum eine Band unserer Tage orientiert sich noch an diesem Stil. Das soll nicht heißen, dass FRANK THE BAPTIST altmodisch klängen. Vielmehr transportieren sie den Geist und die Atmosphäre der 80er mit heutigen Mitteln in unser Jahrtausend und das kann so falsch doch nicht sein, oder? Man kann mich einen unverbesserlichen alten Sack nennen, aber ich mag diesen Stil immer noch.

Wer sonst noch eine gute Mischung aus Play Dead, The Chameleons und Screams For Tina mag, sollte hier zuschlagen. (A.P.)


FRANK THE BAPTIST – Different Degrees Of Empty (CD 2003)

(Strobelight/Indigo)

FRANK THE BAPTIST aus San Diego/USA geistern schon seit einiger Zeit durch den Gothic-Rock-Underground. Mit einigen selbst produzierten CD-EPs konnten sie schon so manchen Liebhaber dieser Musikrichtung erfreuen und auch die einschlägigen Musikmagazine haben wohlwollend berichtet. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Label der Gruppe annimmt und endlich ein komplettes Album der Amis veröffentlicht. Dass es ein europäisches Label ist, ein sehr junges dazu, ist wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass in den letzten Jahren einige amerikanische Gothic-Bands ihre Debuts hier veröffentlicht haben und nicht in ihrer Heimat. Obwohl sonst eigentlich Electro-Klänge die „schwarze Szene“ beherrschen, scheint es immer noch eine kleine, aber treue Schar von Anhängern des guten alten Gothic-Rocks zu geben und die wird sich über diese CD gleich doppelt freuen. Zum einen, weil die sonst schwer erhältlichen früheren EPs hier noch einmal Revue passieren und weil zum anderen neue Tracks präsentiert werden. Dass diese unterschiedlichen Aufnahmen nahtlos ineinander übergehen zeugt nur von der großen kompositorischen Qualität der Songs.

Musikalisch bewegt die Band sich überwiegend in Ami-Death-Rock-Gefilden der klassischen Art. Schöne Gitarren, wie man sie von Screams For Tina kennt, prägnanter Bass und ein mittelschnelles Schlagzeug verbinden sich mit dem unverstellten Gesang, der natürlich klingt und nicht in die albernen Tiefenregionen so mancher Brit-Goth-Band runtergeschraubt wird.

So klingen FRANK THE BAPTIST überhaupt nicht verstaubt, sondern eingängig und doch nicht oberflächlich. Mit dem Screams For Tina-Vergleich liegt man schon ganz richtig, dazu eine ordentliche Portion Wave-Atmosphäre und hier und da Anklänge an andere Größen des Genres, alles vermengt zu einem recht eigenständigen FRANK THE BAPTIST-Sound, das sollte doch Appetit auf mehr machen, oder? Dass dabei auch der eine oder andere bereits erprobte Tanzflächenknaller abfällt, überrascht da schon nicht mehr, sei es nun das knackige „Silver Is Her Color“, oder die schon bekannteren Tracks wie „Bleeding In My Arms“ und „Echoes Of Never“.

Den üblichen Gothic-Rock-Klischees entkommt die Gruppe mit Leichtigkeit, für reinen Death-Rock fehlt jedoch ein bisschen die Rotzigkeit, man findet sich irgendwo dazwischen wieder und schafft sich so seine eigene, fast konkurrenzlose Nische, von der aus die Jungs sich aufmachen, um die (Musik-)Welt zu erobern. Hoffentlich gibt es noch genug Leute, die jenseits aller Dark-Wave- und Future-Pop-Langweiler auch noch Spaß an feinem, dunklem Gitarren-Sound haben...

Absolut lobenswert ist auch das edel gestaltete Booklet. Mit derart qualitativ hochwertigen Releases (siehe auch die CD von Murder At The Registry) hilft Strobelight-Records ein Genre am Leben zu erhalten, das schon lange röchelnd am Boden zu liegen schien oder durch übelste Gothic-Metal-Bands kommerziell ausgebeutet wird. (A.P.)

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KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden