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THE DRY
HALLEYS – Crash-Landing Chemistry (CD 19??)
(Dark
Star/Efa)
Heute
kennt wohl kaum noch jemand die DRY HALLEYS, die Ende der 80er, Anfang der
90er einige tolle Platten veröffentlicht haben. Die Musik der Gruppe war
extrem vielseitig, von experimentell bis poppig und wahrscheinlich hat
genau die Nichtfestlegung der Musiker auf einen bestimmten Stil den
breiteren Durchbruch verhindert. Schade eigentlich, denn besonders das
Album „Crash-Landing Chemistry“ ist wirklich großartig. Fast scheint
es, als wenn die Band die ersten beiden Zillo-Sampler in sich aufgesogen
und daraus ihre eigene Mixtur gebraut hätte. Klingt irgendwie wie eine
Mischung aus Pink Turns Blue, Girls Under Glass, Deine Lakaien, Glatze Des
Willens und vielen anderen Bands dieser Zeit, ohne jedoch eine davon
einfach zu kopieren. Mit dem Titelstück „Crash-Landing Chemistry“ ist
ein unsterblicher New Wave-Hit vertreten, den leider viel zu wenige Leute
noch kennen, obwohl er auf den Tanzflächen des Undergrounds eigentlich
gut ankommen müsste. „Internationale“ könnte direkt von Laibach
stammen und „Geliebte“ zeigt deutliche Einflüsse der Einstürzenden
Neubauten. Textlich wird bei diesem Titel bereits damals vorweg genommen,
was seit dem Zusammenwachsen der Darkwave- und der „Fetisch/S-M-Szene
heute Gang und Gäbe ist. Wave, Gothic, Industrial, Electro, hier findet
sich alles in einer unvergleichlichen Mischung wieder. Wem das „Lied Des
Kerkermeisters“ zu schräg und Früh-NDWig ist, der mag vielleicht den
Text von „Sex“, und wem dieser zu politisch ist, der findet dann
Gefallen an den Minimal-Wave-Klängen von „Innocent“ und so weiter.
Das alles bedeutet nicht, dass die DRY HALLEYS unentschlossen klingen würden
und keinen eigenen Stil hätten, im Gegenteil, sie ziehen aus allen möglichen
Stilen das Beste heraus und machen ihr ganz eigenes Ding. 1987 erregte die
Band bereits ein wenig Aufsehen, als sie eine schwarzmagische Performance
durchführte und dadurch sofort in die Satanistenecke gesteckt wurde. Auch
in einem Buch über Satanismus werden sie erwähnt. Ob da wirklich etwas
dran ist, weiß ich nicht. Leider finden sich auch heute im Internet kaum
brauchbare Infos über diese Gruppe. Sollte also zufällig jemand diese
Kritik lesen, der jemanden kennt, der mit dem Onkel des Freundes der Tante
eines Bandmitgliedes bekannt ist, so möge er sich bitte bei uns melden!
Für alle,
die Vergleiche in einer Plattenkritik brauchen, seien hier die ebenfalls
fast vergessenen Nagorny Karabach genannt, wer die auch nicht mehr kennt,
muss wohl mit dem früher häufig benutzten Vergleich „Neubauten treffen
Tuxedomoon“ Vorlieb nehmen, auch wenn das die DRY HALLEYS nur
unzureichend beschreibt. (A.P.) |