BACK AGAIN: GOTHIC / WAVE / DARK-WAVE

Compilation – DARK AWAKENING VOL. 3
Compilation – DARK AWAKENING VOL. 2

Compilation – DARK AWAKENING VOL. 3 (DCD 2003)

(COP Int./Nova Media)

Das erfolgreiche Konzept der „Dark Awakening“-Sampler-Reihe wird mit dem dritten Teil fortgesetzt, und um gleich die negative Kritik abzuhaken: das Artwork gefällt mir überhaupt nicht. Schwarz-Weiß ist zwar grundsätzlich sehr schön, doch diese CD würde mir im Regal eines Plattenladens einfach nicht auffallen und was ein S/M-Foto mit einem Gynäkologenstuhl mit Gothic- oder Electromusik zu tun hat, werde ich wohl nie verstehen. Nicht, dass ich irgendwas gegen S/M hätte, aber der Zusammenhang ist mir einfach nicht klar.

Egal, wichtig ist die Musik und die ist, wie immer bei dieser Reihe in eine Gothic(-Rock)- und eine Electro-CD aufgeteilt, was immer noch sinnvoll ist. Naturgemäß (ist halt Geschmackssache)  kann ich mit der Gothic-CD mehr anfangen. Die Mischung aus bekannten Bands und Newcomern ist wieder einmal gut gelungen. Dabei wurden nervige Gothic-Metal-Bands zum Glück außen vor gelassen und es gibt eine Menge Old-School-Goth-Rock zu hören. Bekannt dürften Gruppen wie AUDRA, JUDITH, THE LAST DANCE und inzwischen auch THE CASCADES sein. Neuere oder noch recht unbekannte Bands, die aber zumindest im Underground schon einige Fans haben, sind NEW DAYS DELAY, AVARITIA (ich glaube mit einem ehemaligen New Days Delay-Mitglied), COLD, REPTYLE, PARALYSED AGE und BLOODY DEAD AND SEXY. Zumindest mir noch unbekannt waren bisher THE GHOST OF LEMORA, THE AWAKENING, SCARY BITCHES und PRONOIAN MADE. Dazu noch THE RAZOR SKYLINE, die zwar seit einigen Jahren wirklich gute Musik machen, aber eigentlich nicht wirklich Gothic-Rock spielen und die alten Bekannten von SPEAR OF DESTINY. Meine persönliche Entdeckung sind auf jeden Fall SCARY BITCHES, die zum einen einen sicheren Clubhit beisteuern und zum anderen ein wunderbares B-Movie-Feeling verbreiten. Da werde ich mich nach mehr Infos und vor allem mehr Musik umsehen.

Die Electro-CD bietet ebenfalls Bekannte wie ASSEMBLAGE 23, THE FAIR SEX, THE RORSCHACH GARDEN, aber besonders auch einige Newcomer, deren Namen ich noch nie gehört habe, wie TACTICAL SECT, MARIAN´S JOY, NAMNAMBULU oder NEBULA-H und einige andere. Hier halten sich wirklich gute und eher uninteressante Tracks in etwa die Waage, allen gemein ist aber, dass sie die eine oder andere Tanzfläche aufmischen werden.

So hat Dirk Neveling einmal mehr eine gelungene Zusammenstellung gebastelt, die erfreulicherweise nicht nur auf große Namen setzt, sondern vor allem gute neue Bands featured. Wenn die Qualität der Compilations so bleibt, freue ich mich schon auf Teil 4! (A.P.)


Compilation – DARK AWAKENING VOL. 2 (DCD 2002)

(COP Int./Nova Media)

Bevor ich auf die Musik dieser Veröffentlichung eingehe, will ich mich doch noch kurz zum beiliegenden Labelinfo äußern: ich halte es nicht für besonders schlau von COP Int., selber die Frage aufzuwerfen, wozu eine weitere Compilation auf den Markt geworfen wird, wo es doch dort schon von zweit- und drittklassigen Samplern wimmelt und Magazine wie Sonic Seducer und Zillo regelmäßig langweilige CDs ihrem Heft beilegen. Da legt man den Reviewern doch schon gleich einen nachvollziehbaren Gedankengang nahe und man geht beim Anhören gleich mit einem negativen Gefühl an die beiden CDs heran.

Ich kann aber schon vorweg nehmen, dass „Dark Awakening Vol. 2“ doch positiv aus der Masse heraus sticht, auch wenn es sicher kein Klassiker werden wird.

DJ Dirk Neveling hat aber auf zwei CDs eine nette Mischung aus aktuellen Clubhits und unsterblichen Klassikern zusammengestellt und dabei auch unbekanntere Bands nicht vergessen. Aufgeteilt ist das Ganze in eine Electro- und eine Gothic-CD, wobei letztere Musikrichtung beim COP-Label doch eher ungewöhnlich ist. Sinnvoll ist die Aufteilung nach Musikrichtungen allemal, denn eine stilistisch ausgewogene CD lässt sich viel leichter am Stück durchhören, als wenn man ständig zwischen den Musikrichtungen hin- und hergeschleudert wird. Aufgrund persönlichen Geschmacks erlaube ich mir mal, mit der Gothic-CD (oder, wie´s hier heißt: Gothik) zu beginnen.

Am Anfang stehen DER FLUCH mit ihrem uralten Stück „Werwolf“, das aber immer noch, bzw. wieder zu den Tanzflächenfüllern in vielen Clubs gehört. Letztendlich ist das nichts anderes, als Death-Rock. Schlicht und einfach Kult, an den die neueren Aufnahmen von DER FLUCH nie wieder herangekommen sind. Es folgt „First Impression Of The West“ von THE CONVENT, definitiv ein unvergleichlicher Gitarren-Wave Klassiker und ich gönne kaum einer anderen Band mehr jeden kleinen Erfolg.1919 waren Anfang der 80er eine der guten englischen Wavebands. Ihr „Dream“ klingt seltsamerweise ein wenig nach The Cure, aber das ist ja keine Schande. „The Broken Ones“ von DIVA DESTRUCTION war einer meiner persönlichen Superhits des Jahres 2001. Leider konnte das ganze Album mit diesem Hammer-Song nicht mithalten, aber dennoch hat sich hier eine Band entwickelt, die den guten alten Death-Rock-Sound modernisiert. SUSPIRIA waren in den 90ern eine DER englischen Gothic-Rock-Bands, deren Vorbilder Sisters Of Mercy immer unüberhörbar waren. THE FACES OF SARAH gehen musikalisch in eine ähnliche Richtung, benutzen aber weniger Elektronik und klingen deshalb authentischer. Diese Gruppe sollte man auf jeden Fall im Auge behalten. Lupenreinen Gothic-Rock gibt es von MORBID POETRY, bevor PHANTOM VISION einen wunderbaren Wave-Titel präsentieren. Von der Band würde ich gerne mehr hören. Auch die Gothic-Rock-Legende THE MISSION will noch mal zeigen, dass sie mit ihren Epigonen mithalten kann und zeigen mit „Slave (To Lust)“, dass man immer noch mit ihnen rechnen muss. Hakennase MORTIIS treibt sich hier auch rum, ist aber mit seiner Musik, die sich (positiv gemeint! ) zwischen allen Stilen bewegt, etwas auf verlorenen Posten. Ähnlich waviger Sound kommt von ELUSIVE, die noch recht unbekannt sind, aber eigentlich auch das Potential haben, unter Fans von 80er-Jahre-Klängen bekannter zu werden. Ist schon sympathisch, dass hier gar nicht erst alibimäßig versucht wird, moderne Einflüsse in klassischen Gothic-Wave einzubauen. THE DEEP EYNDE verfolge ich schon ewige Zeiten, seit sie ihre ersten Tapes veröffentlicht haben und mit ihrem CD-Album und dem Track „Hoodoo“ Mitte der 90er Aufmerksamkeit erregen konnte. So richtig durchsetzen konnte sich die Death-Rock-Band in Europa nie, was ausgesprochen schade ist. Vielleicht wird man ihr „Deep Dark Secret“ häufiger in den Clubs hören. Kein Gothic/Wave Sampler ohne CLAN OF XYMOX, so präsentieren sie sich auch hier mit einem gelungenen Album-Track. Ich mochte die Band schon immer, selbst in ihrer kommerziellen Phase, an ihre 4 AD Zeiten sind sie aber nie mehr herangekommen. BROTHER ORCHID spielen modernisierten 80er-Wave, der zum Tanzen anregt und im Ohr hängen bleibt. Erinnert mich ein wenig an Belfegore, wenn die noch jemand kennen sollte. Beschlossen wird diese CD mit „Waiting Dawn“ von IRONY OF FATE, die trotz ihres Bandnamens gar nicht nach Love Like Blood klingen. Der Titel beginnt ruhig und entwickelt sich dann zu einer schrammeligen Wave-Hymne, die ich mir gleich mehrmals hintereinander anhören musste, so schön ist sie. Wer noch Band wie Blessing In Disguise oder Revenge Of Nephtys kennt, weiß, was ich meine. Ein würdiger Abschluß für eine schöne CD.

Soweit zur „Gothik“-CD. Bei der „Electro“-CD werde ich nicht auf jeden Titel im einzelnen eingehen. Mit Gruppen wie TERMINAL CHOICE, DIARY OF DREAMS, DEATHLINE INTERNATIONAL und HOCICO sind aber einige große Namen vertreten, dazu BIO-TEK, CULTUR KULTÜR und DIORAMA aus dem Liga-Mittelfeld und ein paar unbekanntere Namen wie RESURRECTION EVE, INTRA-VENUS, PLASTIC ASSAULT, KAT-SCAN, CONFIG-SYS und INDUSTRIEPALAST. Letztere veröffentlichen hier zum wiederholten Male ihren Track „Knochenangst“, der sicherlich gut ist, aber ich frage mich, ob die Gruppe keine anderen Titel hat. Insgeamt gibt es durchgehend tanzflächenkompatiblen Electro-Sound, zu dem mir aber als Nicht-Mehr-Clubgänger ein wenig der Zugang fehlt. Solche Sachen eignen sich meiner Meinung nach nur für Clubs und Partys, was nicht heißen soll, dass die Scahen schlecht wären, im Gegenteil, aber zu Hause ist mir nur selten nach diesem Sound zumute.

Keine Frage, „Dark Awakening Vol. 2“ ist eine gelungene Zusammenstellung, wobei mir, rein vom persönlichen Geschmack her, die gitarrenlastige „Gothik“-CD besser gefällt, als die „Electro“-CD. Auf jeden Fall scheint sich Dirk Neveling bei der Zusammenstellung wirklich Gedanken gemacht zu haben, statt nur die gerade angesagten Hits zum wiederholten Male hintereinander zu kopieren. Schön, dass hier auch unbekanntere Bands eine Chance bekommen, sich einer breiteren Hörerschaft zu präsentieren. Zumindest mit PHANTOM VISION habe ich eine echte Entdeckung gemacht. (A.P.)