BACK AGAIN: GOTHIC / WAVE / DARK-WAVE

COLDPLAY – A Rush Of Blood To The Head
COLDPLAY – Parachutes
 

COLDPLAY – A Rush Of Blood To The Head (CD 2002)

(Parlophone)

Im April 2003 nicht mehr ganz aktuell, aber doch wert, erwähnt zu werden, ist das zweite Album der englischen Megastars COLDPLAY. Leider hat die Band in Deutschland noch nicht den ganz großen Durchbruch geschafft, aber das liegt wohl eher daran, weil sich die Käufer  von irgendwelchen geklonten Superstars blenden lassen und die halben Top 10 mit ihnen auffüllen. Echte, hand gemachte Musik hat es hierzulande derzeit eben schwer. Dabei schreiben COLDPLAY (was für ein wunderbarer Bandname!) einige der schönsten Popsongs der letzten Jahre. Ihr zweites Album „A Rush Of Blood To The Head“ hat in England hunderttausende Kopien abgesetzt und der Videoclip zu der Single „In My Place“ läuft auch auf den deutschen Musikkanälen erfolgreich. Dabei ist „In My Place“ weitaus mehr, als nur ein guter Song. Es ist eine Hymne der Marke „Perfect Pop Song“, ein Lied, das auch in zwei, fünf, zehn, zwanzig Jahren nichts von seiner gefühlvollen Kraft verloren haben wird. Abgesehen von Placebo´s „The Bitter End“ (gleiche Kategorie) habe ich in den letzten Monaten wohl keinen Song so oft gehört wie „In My Place“.

Trotz dieser hohen Hürde fällt aber auch der Rest des Albums nicht ab, im Gegenteil, lange habe ich kein so durchgehend gutes Album gehört, wie dieses. Jeder Song ist eingängig, aber nicht oberflächlich und hat Ohrwurm-Qualitäten. Man kommt nicht um den Vergleich mit Echo And The Bunnymen herum, aber ich glaube, dagegen haben COLDPLAY nicht einmal etwas einzuwenden, denn die Liverpooler waren sicher eine der besten Bands der 80er Jahre, zumindest die ersten vier Alben lang. Wie zum Beweis, haben Echo And The Bunnymen vor einiger Zeit auch einen Preis als „inspirierendste Band der 80er Jahre“ oder so ähnlich bekommen, was seinen Grund sicherlich auch in dem Erfolg von COLDPLAY hat. Auch Anklänge an die frühen U2 sind nicht zu verleugnen, kurz gesagt: COLDPLAY haben den Gitarren-Wave wieder belebt, beziehungsweise zurück in die Charts gebracht und werden hoffentlich die eine oder andere gute Band in ihrem Sog nach oben ziehen, damit endlich mal wieder richtige Musik die Charts beherrscht und nicht steriler Produzenten-Pop mit gecasteten Performern, die zum Vollplayback auf der Bühne rumhüpfen. COLDPLAY geben mir ein bisschen die Hoffnung wieder, dass die Welt doch nicht schlecht ist, denn bei aller Melancholie in den Songs, klingen sie niemals negativ oder düster, sondern irgendwie nach Aufbruch und „nach vorne schauen“. (A.P.)


COLDPLAY – Parachutes (CD 2000)

(Parlophone)

Nach einigen Singles schlug das Debutalbum „Parachutes“ von COLDPLAY in England wie eine Bombe ein, während in Deutschland noch kaum jemand diese großartige Band kannte.

COLDPLAY werden zu Recht immer wieder mit Echo And The Bunnymen verglichen, aber auf diesem ersten Album gibt es durchaus auch noch einige Klänge, die mich an The Cure erinnern. Obwohl die Songs der Band durchgehend eingängig und poppig sind, bleiben sie jedoch meilenweit entfernt vom Mainstream, sind immer eigenständig und klar als COLDPLAY-Lieder zu erkennen. Es mag übertrieben klingen, aber vielleicht haben die Engländer im Jahre 2000 das letzte ganz große Album des 20. Jahrhunderts veröffentlicht. Mir selber gefällt das 2002 erschienene zweite Album „A Rush Of Blood To The Head“ zwar noch besser, aber das heißt nicht, dass COLDPLAY mit ihrem Debut nicht auch problemlos die Konkurrenz aus dem Feld schlagen, obwohl es für ihren Gitarrenwave derzeit ja eigentlich gar keine konkurrierenden Bands gibt, sieht man mal von den alten Heroen wie Echo And The Bunnymen und The Chameleons ab, die sich aber nicht in den Charts tummeln. COLDPLAY sind endlich mal wieder eine Gruppe, die die ganze Ochsentour gemacht haben, von Konzerten in kleinen Clubs über erste Singleveröffentlichungen bis hin zum Majorvertrag und internationalem Erfolg. Dabei scheinen sie trotzdem nicht dem Starruhm verfallen zu sein und deshalb gönne ich ihnen den Erfolg doppelt und dreifach. Feinster, moderner Gitarren-Wave, der die Wurzeln der 80er und Vorbilder wie Echo And The Bunnymen, The Cure und U2 nicht verleugnet. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden