BACK AGAIN: Erzählt
erstmal was zur Bandgeschichte, der Besetzung und was sonst noch so
interessant sein könnte...
JAMES: Wir haben so etwa
im Sommer 1997 angefangen, ein 6-Track Demo gemacht, einen Gig gespielt,
ca. eine Million Besetzungswechsel gehabt, drei weitere Tapes
aufgenommen und verschiedene Auftritte gespielt. Dann kam die 7“,
weitere Umbesetzungen, der „Alleviation“-Sampler, eine
Deutschland-Tour und jetzt endlich unsere CD. Wir drei sind die einzigen
Leute aus der Urbesetzung.
BACK AGAIN: Für Euch
als mehr oder weniger unbekannte Band war es bestimmt ein großes
Risiko, eine Deutschland-Tour zu machen, also erzählt einfach mal ein
bißchen über Eure Erfahrungen...würdet Ihr das nochmal machen ? Mit
welchen Erwartungen habt Ihr die Tour begonnen ?
JENNIFER: Ich habe das
ganze weniger als Risiko, sondern eher wie eine Urlaubsreise gesehen.
Klar würde ich es nochmal machen, ich würde aber amerikanisches
Klopapier mitbringen. Ansonsten liebe ich Deutschland aber über alles
JAMES: Es war einfach
toll, zu reisen und uns selbst zu beweisen, daß wir touren können. Ich
hätte nichts dagegen, es nochmal zu machen, wir würden uns dann nur
mehr Zeit für Vorbereitungen, wie Proben und Werbung nehmen. Ich
bin ohne Erwartungen losgefahren, ich habe nur gedacht, mehr Zeit für
Sightseeing und Plattenkaufen zu haben.
MARTIN: Ich fand es cool
und würde es auf jeden Fall wieder tun, allerdings würde
vieles völlig anders laufen.
BACK AGAIN: Könnt Ihr
von dieser Tour irgendwelche Anekdoten zum besten geben ?
JAMES: Auf dem Hinflug
hat Brian ernsthaft, und ich übertreibe nicht, volle 7 ½ Stunden
gequatscht und irgendwann hat er sich ein Stück Stoff über´s Auge
gemacht und so getan, als wäre er ein Pirat, wobei er die ganze Zeit
„argh argh argh“ von sich gab. Davon abgesehen haben wir fast jeden
Flug verpasst. Als wir im Zug von Frankfurt nach Hamburg fuhren war
unser Bassist Jason der einzige, der rechtzeitig aus dem Zug ausstieg
und plötzlich alleine am Bahnhof stand.
MARTIN:Davon abgesehen
erinnere ich mich, daß ich, Brian und Michael (1SBH) im Backstage-Raum
in Plauen ein paar Bandposter von der Wand genommen haben und uns daraus
ein Spielfeld gemacht haben und dann Zuckerwürfel als Spielsteine
benutzt haben und dabei Polen-Witze erzählten. Als wir fertig waren
haben wir die Poster und die Zuckerwürfel dahin zurückgepackt, wo wir
sie her hatten. Man kann aber immer noch das Spielfeld durch die Poster
sehen. Es wäre wohl nicht so unterhaltsam gewesen, wenn ich die Zuckerwürfel
nicht vorher gegessen hätte.
BACK AGAIN: Wie würdet
Ihr Eure Musik jemandem beschreiben, der vorher noch nie von Euch gehört
hat ? Könnt Ihr Bands nennen, die Euch mehr oder weniger direkt
beeinflußt haben ? Wodurch wird Eure Arbeit sonst noch inspiriert ?
MARTIN:Ich würde
einfach sagen, daß wir eine gefühlvolle Pop-Band sind. Cure und die
Cranes sind meine größten Einflüsse, außerdem auch Lush. Im Moment
sind da noch Rasputina, auch wenn diese mich eher inspirieren, als
beeinflussen. Ich bin auch von Filmen, Gefühlen, Erinnerungen und von
Plätzen, bzw. von deren Ausstrahlung inspiriert.
JAMES: Unsere Musik ist
manchmal melancholisch, manchmal ätherisch, dann wieder spannend oder
auch sanft, hauptsächlich aber melodisch. Als Bands, die mich beeinflußt
haben würde ich die Cranes, Siouxsie, Cure und Curve nennen.
JENNIFER: Ich ziehe es
vor mit Leuten über unsere Musik zu reden, die sie kennen, als mit
Leuten, die sie nicht gehört haben. Julie Andrews beeinflusst mich...
BACK AGAIN: In welchen Farben würdet
Ihr die Personen malen, die Euch am nächsten stehen und wir würdet Ihr
die darstellen, die Ihr wirklich hasst ?
JENNIFER: Den liebsten
Menschen in silber, weiß und in verschiedenen Blautönen. Den
meistgehassten in der Farbe von Leber und Galle.
MARTIN:Den liebsten
Menschen in den Farben von sommerblauem Himmel und weißen Wolken darin.
Leute die ich hasse stelle ich mir kackbraun vor, weil sie mich dann an
Scheiße erinnern und auch, wenn ich es zu vermeiden versuche, würde es
mich nicht stören, wenn ich in sie reintrete.
BACK AGAIN: Könnt Ihr
uns ein bißchen über die heutige Wave-Underground Szene in den USA erzählen
? Habt Ihr Kontakte mit anderen Bands oder arbeitet Ihr sogar mit ihnen
zusammen ?
JENNIFER: So etwas wie
eine Szene gibt es kaum, die meisten Bands machen nur Indie-Rock. Was so
als Wave oder Alternative bezeichnet wird ist mir eigentlich zu glatt
und normal.
JAMES: Nope...uh nope
(Anm.d.Tippers: sorry, keine Ahnung, wie ich das übersetzen
soll, das gibt mein 14 Jahre altes Englisch-Deutsch/Deutsch-Englisch
Mini-Lexikon leider nicht her...)
MARTIN:Eine richtige
„Wave-Szene“ gibt es nicht, nur verstreute Bands am Rande von unzähligen
Indie-Rock Bands und Metalgruppen, die sich für Hardcore halten. Wir
kennen keine anderen Bands, außer die von meinem letzten
Mitbewohner.Ich glaube, James e-mailt jemanden aus einer New Yorker
Band.
BACK AGAIN: Interessieren
sich die Leute aus dem amerikanischen Underground für Politik ? Wie gut
seid Ihr über die Geschehnisse in Europa informiert ?
JENNIFER: In den späten
80ern und frühen 90ern gab es mehr politisches Interesse. Heute klingen
Bands mit politischen Themen nur noch hohl und pseudo-intelektuell und
machen langweilige Musik. Ansonsten haben wir natürlich CNN, um uns zu
informieren.
JAMES: Ich schätze mal,
die meisten politischen Bands spielen eher rock-orientierte Musik wie
Hardcore und Punk. Ich selber lese/sehe nicht besonders viel
Nachrichten, so bin ich nicht so gut informiert, was abgeht.
MARTIN:Am meisten
interessieren sich die Punks von Junior High Schools und von den High
Schools für politische Themen. Ihre Infos haben sie allerdings meist
von den bekannteren Punk-Bands und -Zines, so daß sie eigentlich gar
nicht so genau wissen, von was sie da reden.
BACK AGAIN: Was sind
Eure nächsten Pläne ? Werdet Ihr wieder nach Europa kommen, sei es in
naher oder ferner Zukunft?
MARTIN:Erstmal wollen
wir neue Songs aufnehmen und unsere CD in den USA ordentlich
promoten.Ich würde gerne durch England, Frankreich, Spanien, Italien
und Belgien touren.
JENNIFER: Ich werde
schon wieder in Europa gewesen sein, bevor dieses Interview erscheint.
Ansonsten promoten wir erstmal die CD.
JAMES: Wie gesagt,
erstmal kommt die CD, aber irgendwann kommen wir wieder nach Europa.