BACK AGAIN: ROCK
| RAGE - Ghosts (CD 1999) (Gun Records/BMG)
Und man durfte gespannt sein: nachdem Herr Wagner und seine Mannen auf besagtem Vorgänger eine stilistisch wie auch songwritingtechnisch einzigartige Symbiose aus Klassik und Metal verwirklicht hatten, stand nach unaufhörlicher Ohrwurm-Jagd die Frage im Raum: Jungs, wie wollt Ihr DAS noch toppen? Die Antwort rotiert nun seit keine Ahnung, ich hab' die Zeit vergessen in meinem CD-Player. "Ghosts" ist ein Konzeptalbum, aufgebaut um eben diese Thematik: Geister beherrschen den Silberling. Und irgendwie geht es auch nicht mit rechten Dingen zu: wie sonst ist es zu erklären, dass unser Herner Wunderkind es in solch kurzer Zeit und ohne regelmässiges Line-Up schaffte, uns derartig ausgereifte künstlerische Ergüsse auf das Scheibchen zu bannen? So wird die Thematik musikalisch perfekt beherrscht, schon der Opener "The beginning of the end" haut vom Hocker, und wenn man die ersten Zeilen "in the top of the trees all these eyes follow me" vernimmt, dann wird das so authentisch umgesetzt, dass man für einen Moment glaubt, tatsächlich im Wald zu stehen. Mit "Back in Time" folgt der erste oberamtliche Kracher von bester Ohrwurmqualität, bevor man sich den Mystery-Klängen des Titeltracks hingibt. Im Anschluss daran haut einen der nächste echte Kracher in Form von "Wash my sins away" vom Hocker, das beatmässig an das letztjährige "Days Of December" erinnert. Die fünfte Nummer "Fear" rockt zwar nicht, weiss aber durch die musikalisch sehr gelungene Interpretation des Textes zu überzeugen. Hier geht es vornehmlich um Grusel, aber hört selbst.... Wir befinden uns jetzt ca. auf der Mitte des Albums, welches sich bis hierher durch Höhepunkte auszeichnet. Da ist es auch verzeihbar, wenn Sachen wie "When love and fear unite", "Spiritual Awakening" oder "Love after death" wohl eher als Füller durchgehen. Entschädigt wird man zu genüge durch die balladeske Ausrichtung der letzten Tracks: "Vanished in Haze" ist eine typische Rage-Ballade, "More than a lifetime away", mal Hymne, mal Rocker, hätten Savatage auch nicht besser vertonen können und mit "Tomorrow's Yesterday" sucht den Hörer besonders in der Bridge, welche von einer wunderschönen Melodie geprägt und mit einem ebenso feinfühligem wie dezentem Chor unterlegt ist - noch einmal die symphonische Gänsehaut heim, bis die Nummer schliesslich in eine sehr opereske und rockige Beschwörungsarie mündet. Stilistisch ist noch darauf hinzuweisen, dass die klassischen Elemente wieder weiter in den Hintergrund gerückt sind, was dem Rockfaktor des Silberlings hörbar guttut. Ausserdem gewinnt der verwöhnte Rage-Anhänger den Eindruck, die beiden Stile vertrügen sich noch besser als in der Vergangenheit. Unterm Strich ist "Ghosts" eine Scheibe, an der "XIII"-Fans, Freunde opulenter Konzept-Arbeiten und alle anderen Rage-Anhänger wohl kaum vorbeikommen werden, zeigt das Opus doch Hauptakteur Peavy Wagner auf dem bisherigen Zenit seines künstlerischen Könnens. (Bört) |
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