BACK AGAIN: ROCK
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LETZTE INSTANZ – Götter auf Abruf (CD 22.09.2003) (Andromeda Records)
Als die LETZTE INSTANZ im Sommer 1996 zusammenfand, war da nicht der Gedanke, das nächste große Ding werden zu müssen. Bedacht gingen die Dresdner das erste Album „Brachialromantik“ an, das noch weitgehend im Zeichen der später so populären Symbiose aus lauten Metal – Elementen und eingängigen Folk – Parts stand; den Einschränkungen, die eine stilistische Festlegung nun einmal mit sich gebracht hätte, fühlte man sich indes nie verhaftet. Und so trug schon „Das Spiel“, 1999 veröffentlicht, die Kunde vom Wandel in die weite Welt hinaus: Der Sängerwandel hatte der Letzten Instanz spürbar gut getan; die Moderne hielt Einzug in den Sound der Band. Da sind Breakbeats, poppige Rhytmen und längst nicht mehr bloß frohlockende Streicherarrangements und vor allem Stimmen, die keinen Hehl daraus machen, dass das, was sie vortragen, wahrhaftig empfunden ist; die Musiker selbst wollten das damals als Folkcore verstanden wissen, doch was sind schon Schubladen... „Kalter Glanz“, dem Titel ganz und gar entsprechend düster, hart und in gewisser Hinsicht unnahbar, klingt facettenreicher denn je. Man merkt: hier sind Menschen mit sich und ihrer Musik in Klausur gegangen. Die Kritiker überhäufen die Letzte Instanz mit Lob. Trotzdem bleibt die Bühne der Ort, wo sich die Musiker am liebsten beweisen. Die neuen Kompositionen zehren live von dem fesselnden, dynamischen Wechselspiel der Sänger: Robin, der sich bestens etablieren konnte, sorgt für dezente Melancholie und verhaltenen Pathos; Holly D, auch für die akustische Gitarre verantwortlich, bringt dagegen Wut und Vehemenz auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Nichts wäre jetzt ehrbarer gewesen, als „Kalter Glanz“ einen Nachfolger zu schenken, der nur minimal von der bisherigen Linie abweicht; die Letzte Instanz hat genau das nicht gemacht, denn der einfachste Weg war nie der, den ein Chamäleon – wie diese Band – nahm. „Götter auf Abruf“ ist am ehesten das, was man eine reife Platte nennt. Reif, aber überraschend, experimentierfreudig und mit viel Emphase.
Der Opener „Salve te“ steht über dem Album, beschreibt es doch die Macht, die verschiedenste Leute auf andere ausüben. „Ich würde nicht sagen, dass wir als Letzte Instanz Macht auf das Publikum ausüben. Ich sehe unsere Arbeit als eine Animation an, denn Macht auszuüben bedeutet einen Zwang. Wir sind Musiker und Künstler, die auf der Bühne versuchen ihre Musik rüberzubringen und die Leute unterhalten wollen. Macht hat viel mit Herrswchaft zu tun, und damit kann ich nichts anfangen,“ meint Sänger Robin S. Der Song „Showtime“ spricht über eine Person, die mit zur großen Show des Lebens beiträgt, sei es mit der Hilfe von schönen Autos oder toller Klamotten. Dennoch, nur weil er beliebt ist, betrachtet Sänger Robin, ihn nicht zwingend als wertvoll. „Wir haben mit Showtime viel über die Frage was wertvoll an einem Menschen ist nachgedacht. Wir haben da so langsam das Gefühl, dass der Mensch in dieser Gesellschaft immer mehr zur Ware verkommt. Zu einem Abziehbild irgendwelcher Einflüsse, wobei sehr viel Menschliches einfach verloren geht. Für uns ist ein starker und warmherziger Mensch – wenn man das so sagen kann – wertvoll. Man muss offen zu dem anderen sein und die Dinge mit Gefühl machen, ganz ohne Berechnung,“ sind sich Holy D. und Robin einig. „Jeder Morgen“ stellt wieder eine ganz andere elementare Frage, nämlich die, nach dem Sinn des Lebens. „Der Song ist ein sehr zentraler auf dem Album,“ gibt Holy D zu verstehen, „Nach ein paar Wochen, in denen man immer das Gleiche getan hat, denkt man sich Scheiße, ich mach das jetzt schon wieder und es nervt mich, aber ich muss es ja machen. Da fragt man sich dann, ob man das eigentlich so wollte, und welchen Sinn es denn hat.“ Sicherlich ist es verständlich, wenn eine Band mit neuen Ideen aufwartet, um nicht auf der Stelle stehen zu bleiben, und so haben die Jungs mit „Position im Kosmos“ einen Schritt gewagt, der in meinen Augen dem Album nur bedingt gut getan hat. Indem sie sich einen Rapper hinzuholten und nun den Text des Songs rappen, ensteht für mich eine Brechung, die zwar ihren Reiz hat, aber der melancholischen Stimmung des Songs Abbruch tut. Ersat im Refrain kommt Robins Stimme wieder in der gewohnten Poesie daher, ist die Melancholie, die sonst den Texten der Instanz anhängt, spürbar. Mir scheint fast, als habe man auf die Stimme Robins hier nicht recht vertraut, und den Song deshalb mit Rap überfrachtet, nur die Instanzer sind nun wirklich nicht zu Rappern geboren. Aber wer es mag und wer nicht, der kann ja immer noch weiter klicken! „Himmelfahrt“ spricht noch einmal das Verhältnis der Instanzer zu ihren Fans an, zwar klingt es wie ein Dankeschön an die Fans, gibt aber auch zu bedenken, dass diese Sie noch längst nicht kennen und selbst herausfinden müssen, wer die Instanzer für ihre Fans sind. „Unsere Fans sollen nicht denken, dass wir sie verarschen oder Macht auf sie ausüben wollen. Es muss sich jeder fragen können, ob er mit unserer Musik was anfangen kann oder ob er nur da ist, weil es gerade schick oder in ist. Wir freuen uns natürlich über jeden, in sofern ist das Lied als ein Dankeschön gemeint. Es ist schon ein Geschenk oder unser Glück, dass sich die Leute für uns entschieden haben, und da sagen wir halt einfach Danke,“ meint Robin. Ein weiteres Geschenk auf der Platte bietet der Abschlußsong „Der Kaiser“, der mit einem Kinderchor eingeleitet wird. „Das war ein Berliner Kinderchor, der diesen Anfang eingespielt hat. Es war ein bisschen schwierig, weil von dem eigentlichen Chor, mit dem wir schon geübt hatten, der Chorleiter krank geworden ist. Also sind wir recht kurzfristig auf diesen gekommen. Sie bekamen die Noten und haben kurz geprobt und es eingesungen,“ erklärt Holy D. Von der Thematik ist es schon das berühmte Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen. Der war ja auch auf ganz tolle Sachen aus, dass er ja gut wirkt, und die Öffentlichkeit beeindruckt. Dafür gab er sich Mühe, hatte einen Haufen von Kleidern und ging halt eines Tages Betrügern auf den Leim. Er wurde buchstäblich beschissen, ohne es zu merken. „Alle haben ihn ausgelacht, doch er tat so als sei alles in Ordnung. Märchen haben ja irgendwie einen realistischen Bezug gehabt und sind deshalb für mich noch zeitgemäß. Wenn ich da etwa an Regierungsberater in England denke... Fast ist es das aktuellste Lied auf der Platte finde ich, und deshalb auch der Abschluß,“ bekräftigt Robin. (Maximilian Nitzschke) LETZTE INSTANZ – Kopfkino (MCD 19.10.2001) (Andromeda/Efa)
LETZTE INSTANZ Kalter Glanz (CD 05.03.2001) (Andromeda Records/Efa)
LETZTE INSTANZ - Brachialromantik (CD)(Costbar/Efa)Brachialromantik. Was ist denn das? Klingt gegensätzlich, als passe es nicht zusammen. Das soll wahrscheinlich auch der Sinn dieser Wortschöpfung sein und diese beschreibt auch die Gegensätzlichkeit der Musik dieser Band, denn die Sechs-Leute-Band aus Dresden bringen, um es erstmal pauschal und schubladig zu sagen Folkrock. Um aber aus dieser inzwischen auch schon gut gefüllten Schublade zu entkommen, haben LETZTE INSTANZ sich einen härteren Klang zugelegt., sprich Gitarren, ähnlich metallig oder corig wie z.B. bei Rammstein, würzen das Ganze mit einer virtuos geführten Teufelsgeige und bringen dadurch die oben genannte Brachialität. Trotzdem gelingt es den Menschen auch, in ihre mittelalterlich klingen Songs ruhige, schöne, besinnliche und spannende Passagen einzubauen. Erinnert, wie sollte es auch anders sein, an die Musik von Subway To Sally oder auch an die Inchtabokatables. Die Texte klingen aber dafür etwas lockerer und nicht ganz so aufgesetzt wie z.B. bei erster genannten Band. Nun wissen wir also, was Brachialromantik ist. (H.H.) |