AROMA GOLD
Anläßlich einer
Promotiontour trafen wir AROMA GOLD, ein Dreier-Trio, das, um es kurz und
einfach pauschal auszudrücken, etwas an Tocotronic erinnert. Doch
bitte jetzt nicht mit Lesen aufhören, denn AROMA GOLD hat mehr zu
bieten als diese grausame Studentencombo. AROMA GOLD kommt in abgewetzen
Klamotten daher, ist trotzdem zuckersüß und probt via ISDN-Konferenzschaltung.
Aber lest selbst:
?
Sagt doch vorab was zur Bandgründung.
! Also, die Story ist
die, wir kommen halt aus Hildesheim, einer ziemlich kleine Stadt im Norden
Deutschlands aus einem Kreis von ca. 15 Freunden, die auch fast alle Musik
gemacht haben. Und wie das halt so ist, entwickelt man da so ganz inzestuöse
Bandwechsel. Im Prinzip haben wir vor ca. 8 Jahren schon mal zusammengespielt
und in dieser jetztigen Formation seit 3 oder 4 Jahren.
?
Was hat Euer komischer Bandname zu bedeuten? Hat das was mit Homa Gold
zu tun?
! Die Entstehung war
eigentlich purer Zufall. Wir hießen vorher BUTTER und da es leider
noch eine andere Band gab, die BUTTER hieß und die auch schon ein
paar Veröffentlichungen hatten, haben wir uns also hingesetzt und
überlegt und wie das dann so ist kam der Name Homa Gold und einer
hat verstanden AROMA GOLD und, na ja, that´s it.
?
Was für musikalische Einflüsse habt Ihr, welche Bands haben Euch
in Eurem Schaffen beeinflußt?
! Also, wir kommen eigentlich
aus so einer Sixties-Clique und haben halt viel Sechziger-Jahre-Musik gehört.
Das war dann halt auch ein großer Einfluß auf unsere Musik,
doch das war uns dann irgendwie zu dogmatisch. Es ging dann auch nicht
weiter, es blieb dann bei dieser statischen Sixties-Musik. Deswegen haben
wir uns dann andere Vorbilder genommen.
?
Also, ich würde Eure Musik als eine dreckige Version von Tocotronic
bezeichnen. Was sagt Ihr dazu? Das hört Ihr jetzt gar nicht gern,
oder?
! Nee, ist schon okay,
ist ja ´ne gute Band. Wir hören natürlich den Vergleich
so superoft, weil es natürlich auf der Hand liegt. Drei Leute in der
Band und dann spielen die auch Gitarrenrock im weitesten Sinne des Wortes,
doch wir hören ja viel Musik in diesem Genre und hören dann auch
die vielen Nuancen und da sagen wir, daß das nicht die Musik ist,
die wir machen. Klar, wenn man nicht so in dem Genre drin ist, sagt man
„Na klar, das ist Tocotronic“. Aber Tocotronic sind anders, haben einfachere
Songstrukturen, bei uns ist das schon etwas vertrackter und teilweise sehr
kompliziert. Auch von den Texten her ist das auch schon etwas sehr anderes.
?
Woher bezieht Ihr die Inspiration Songs zu schreiben wie z.B. „Elfmeterschiessen“?
! Wir haben immer so
Textfragmente, die schreibt man sich dann irgendwo auf. Wir machen immer
die Musik zuerst und dann überlegt man erst, was dazu passen könnte.
Dann nehm ich die Fragmente und spinne da eine Story drumrun oder setzte
Fragmente einfach zusammen.
?
Ihr habt irgendwie viele Hamburgaspekte eingebaut, in vielen Songs kommt
Hamburg vor. Warum?
! Jetzt wo du es sagst,
jetzt wo du es sagt, da muß ich Dir ein bißchen recht geben.
Es gibt vielleicht drei Lieder, in denen Hamburg vorkommt. Da seht ihr,
mit welchen Dingen wir konfrontiert werden. Das sind jetzt aber nicht unbedingt
Hamburg-Anspielungen, z.B. „Reeperbahn“, das ist jetzt nur so ein Bild
für... was weiß ich... für´n Puff.
?
Ach so.
! Weißt Du, ich
komme aus Hildesheim, ´ner kleinen Stadt, da ist man naiv und sucht
sich einfache Bilder.
?
Wieso, wo liegt denn Hildesheim?
! Irgendwie südlich
von Hannover. Hat ca. 100.000 Einwohner...
?
Ich frag, weil Du sagtest, das liegt irgendwo im Norden.
! Da haben wir es wieder!
Nur Hamburg liegt im Norden! Na gut, sagen wir es anders: Hildesheim liegt
im südlichen Norden.
?
Okay. Sag nochmal was zu Deinem Outfit. So läuft ja wohl kein normaler
Mensch rum.
! Ähhh. Ähh,
das Outfit? Doch, wir laufen damit eigentlich ganz normal rum. Das ist
die Art, wie ich mich kleide. Das ist halt so der Kram, den wir in den
Fifth-Stores in Amerika kaufen. Die haben da diese wunderbare Fifth-Stores-Kultur,
wo man, ähnlich wie beim Malteser Hilfsdienst billig seine Klamotten
kaufen kann.
?
Daraufhin habt Ihr natürlich auch jede Menge Groupies, nehme ich mal
stark an.
! Du siehst doch, wie
sie uns schon die Tür einrennen. Meine kleine Schwester mag uns sehr
gerne, das auf jeden Fall. Ich hab vier Schwestern und die finden uns eigentlich
auch ganz gut. Also, vier Groupies haben wir auf jeden Fall. Mit denen
wir jetzt aber nicht ficken...
?
Ach so.
! Na ja, Ihr seht ja,
wir sehen sehr attraktiv aus.
?
Ja ja, das stimmt schon. Deswegen seid Ihr auch Musiker geworden, oder?
! Ja. Du meinst wegen
der Kleidung?
?
Ja, was anderes bleibt einem so ja auch kaum übrig.
! Ja Mensch. Menschenskinders.
Frag weiter bitte.
?
Ich hab mir Eure Texte angeschaut und meiner Meinung nach haben sie keinen
tieferen Sinn. Was sagst Du darüber?
! Das ist ganz unterschiedlich.
Einige sagen „Ja, da sind doch irgendwelche komischen Sachen“ und Du sagt,
das hat keinen tieferen Sinn. Also, das kann jeder machen, wir er es will,
er kann es ganz direkt nehmen oder auch nicht.
?
Für wen macht Ihr die Texte denn eigentlich?
! In erster Linie für
uns. Also, für mich selber, denn es sind ja auch teilweise persönliche
Geschichten. Aber es sind auch Sachen, die mehrere betreffen, z.B. im Freundeskreis.
Es sind halt persönliche Geschichten oder andere Sachen, die mir im
Kopf herumgehen.
?
Aber Du möchtest den Leuten doch was sagen, denn sonst würdest
Du damit doch nicht an die Öffentlichkeit gehen, oder?
! Das liegt halt in der
Natur der Leute und der Musik, daß das in der Öffentlichkeit
vorgetragen wird. Das ist wohl bei jeder Band so. Außer natürlich,
wenn man die Aussage hat, nichts zu sagen.
?
Sind Eure Texte im Bezug zur Musik eher sekundär?
! Nee, ich würde
nicht sagen, daß irgendetwas primär ist. Das eine funktioniert
ohne das andere nicht.
?
Was für eine Fanschicht wollt Ihr eigentlich erreichen?Die typischen
Tocotronic-Hörer?
! Wir machen nun nicht
Musik und überlegen uns vorher Mastermind-mäßig, für
wen. Die Musik geht quasi so parallel mit der Musik, die wir hören.
Das ist jetzt nicht so, daß wir speziell für Hörer Musik
machen.
?
Anders gefragt: Was glaubt Ihr, wer die Musik überhaupt hört?
Ist das Studentenmusik?
! Ja genau, das ist Studimucke,
ganz feine, intellektulle. Ach quatsch, das weiß ich wirklich nicht.
Dafür haben wir auch noch nicht genug Leute gesehen auf Konzerten.
Ich denke, das liegt auch nahe, daß auch die Leute zu den Konzerten
kommen, die in der Zeitung lesen: „deutschsprachiges und Gitarrenrock“
und dann geht vielleicht vielen Tocotronic-Fans ein Lichtchen auf und die
sagen „Ahh, da geh ich mal hin“. Aber ansonsten weiß ich das nicht.
Ich weiß es einfach nicht.
?
Das ist auch ´ne Aussage. Wie seid Ihr eigentlich an einen Plattendeal
rangekommen. Habt Ihr Demos verschickt?
! Ja, wir haben Demos
verschickt und so, aber in diesem speziellen Fall verlief das eher zufällig.
Wir hatten früher noch einen anderen Sänger in der Band und der
hat bei einem Stadtmagazin gearbeitet und der hatte zu Gast bei sich irgendeine
Gruppe und da war dann auch so´ne Promofrau, die zwar nicht direkt
bei Vielklang arbeitet, aber Arne von Vieklang kennt. Die hat dann ein
Tape von uns gekriegt, sich zwar nicht dafür interessiert und es im
Büro auf den Tisch gelegt. Und dann hat sich unser Freund Arne das
Tape genommen, weil ihm wohl das Cover ganz gut gefiel, der meinte dann,
es sei gut und der hat sich dann bei uns gemeldet.
?
Ist AROMA GOLD ein Fulltime-Job und wenn nicht, welche Tätigkeiten
übt Ihr aus?
! AROMA GOLD ist kein
Fulltime-Job. Als Job würden wir es sowieso nicht sehen wollen. Das
klingt zu sehr nach Arbeit. Nee, wir studieren alle nebenher. Ich studiere
Industriedesign, Christoph auch und Chris studiert Kulturpädagogik,
ästhetische Kommunikation nennt man das inzwischen.
?
Passt zur Musik. Also doch Studentenmucke! Ihr probt via ISDN, habe ich
gelesen?
! Das ist richtig.
?
Ja gut, dann vielen Dank!
! Ja, danke.
Abschliessend muß
ich noch sagen, daß das anschliessende Konzert sehr gut war. Die
Supportband STUTTER gaben ihr Abschiedskonzert. Der blöde Name ließ
schlimmes vermuten, doch es war sehr geniale, melodische Gitarrenmusik
zwischen Wave, Pop und Punk mit Damenstimme am Mikro. Schade, war ja nun
das Abschiedskonzert, doch ich konnte zwei CDs sehr günstig ersteigern.
Danach kamen dann AROMA
GOLD. Ihr Auftritt wurde in zwei Staffeln geteilt und in der Pause legten
sie Siebziger-Jahre-Disco-Platten auf. Schade war allerdings, daß
sich nur sehr wenige Leute ins Marx verirrten. Na ja, typisch für
das ignorante Hamburg. Videotechnisch gab es Ausschnitte aus dem Konzert
schon in der ULTIMATIVEN ALLES-SHOW
zu sehen.
(H.H.)
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