BACK AGAIN: PUNK

TURBOSTAAT – Schwan
TURBOSTAAT – Flamingo

TURBOSTAAT – Schwan (LP 2003)

(Schiffen/Rookie Records)

Lange hat es gedauert, bis das zweite Album von TURBOSTAAT nun endlich erschienen ist, über zwei Jahre, was bei anderen Bands häufig bedeutet, dass sie längst vergessen sind, oder aber, dass sie eine für die Liebhaber der ersten Platte unerfreuliche „Entwicklung“ durchgemacht haben. Bei TURBOSTAAT trifft beides glücklicherweise nicht zu. Im positivsten Sinne ist alles beim alten geblieben, so gibt es weiterhin treibenden, „typisch norddeutschen“ Punk-Rock mit persönlichen Texten zu hören, irgendwo zwischen Dackelblut und But Alive (die anderen musikalisch verwandten Bands erspare ich mir hier mal, die können alle in der Rezension zu „Flamingo“ nachgelesen werden). Nach dem Flamingo wird ein weiteres Mal ein „edler“ Vogel als Namensgeber heran gezogen und auch die farbenfrohe Gestaltung des Covers und das Text-Booklet schließen nahtlos an das Debut an.

Ich habe das Gefühl, dass die Band ein wenig an Härte zugelegt hat und die Texte sind gleichzeitig verzweifelter und kämpferischer geworden. Vielleicht werden mich einige Leute „Waschlappen“ nennen, aber bei „Monstermutter“ kriege ich jedes Mal Gänsehaut, wenn ich den Refrain „Sag mir doch, dass es besser wird, wenn es Zeit – oder knall mich um…einfach so. Und sie wandern wieder weiter – bis der Kopf den Geist aufgibt und einfach platzt“ höre. Das ist textlich schon mit EA80 auf einer Stufe. Vielleicht ist dieser Song der musikalisch bisher eingängigste von TURBOSTAAT und definitiv ein echter Hit. Selbst wenn man der irrigen Meinung ist, die erste TURBOSTAAT-LP reicht aus, weil sich ja nicht so extrem viel verändert hat, für den Song „Monstermutter“ MUSS man sich auch „Schwan“ zulegen! Bemerkenswert ist übrigens auch noch ein sehr gelungenes Torpedo Moskau Cover, auch so eine, alte, „typische“ Hamburger Punkband. Und irgendwann schaffe ich es auch noch, mir TURBOSTAAT mal live an zusehen… (A.P.)


TURBOSTAAT – Flamingo (LP 2001)

(Schiffen/Rookie Records/Flight 13)

Die Leute von der norddeutschen Band TURBOSTAAT waren vorher mal bei Gruppen wie den Husumern Exil oder bei Unabomber und Zack Ahoi aktiv, alles gute Bands, die aber nie so richtig bekannt wurden, was schade ist, denn es waren alles völlig okayne Bands. Andererseits ist es gut, dass die Vorgängerbands aufgelöst wurden, denn sonst hätte es TURBOSTAAT wohl nicht gegeben und das wäre noch viel schader. Rein äußerlich ist die LP schon mal völlig genial, das Cover sieht in seinen Farben, die die Augen schmerzen lassen, erst mal überhaupt nicht nach Punk aus, so dass die Überraschung über die Musik bei manchem groß sein dürfte. Das Vinyl ist richtig schön fett, wie bei Schiffen gewohnt, nicht so´n Schlabbervinyl, das höchstens an eine bessere Flexidisc erinnert, wie man es sonst meistens in die Finger bekommt. Wirklich wichtig ist aber die Musik, und die ist wirklich großartig. Keine Ahnung, ob es typisch norddeutschen Punk gibt, aber es fällt schon auf, dass es hier verhältnismäßig wenige hohle Deutsch-Punk-Bands gibt, sondern mehr Gruppen, die wirklich was zu sagen haben. Mir fallen da spontan Graue Zellen, Razzia, But Alive und Angeschissen ein. TURBOSTAAT gehören auf jeden Fall in diese Reihe, druckvoller Punk-Rock mit guten Texten, die nicht immer sofort verständlich sind, aber im knallbunten Booklet nachgelesen werden können. Auffallend ist, dass die Textinhalte meist nicht besonders positiv sind, also kein „Fussball-Ficken-Alkohol“-Unfug, sie sind aber auch nicht plump-politisches Parolengedresche, vielmehr setzen sie sich mit der persönlichen Umwelt des Texters auseinander. Das ganze klingt aber natürlich auch nicht nach der Düsternis von EA80 oder Fliehende Stürme. Vielmehr hat man das Gefühl, dass hier die raue, graue Herbstlandschaft Norddeutschlands vertont wurde. Wer sich bei dieser Beschreibung an die legendären Dackelblut aus Hamburg erinnert fühlt, liegt sicher nicht ganz falsch, auch die ebenfalls aus Hamburg kommenden Motormuschi und Pankzerkroiza Polpotkin können als Anhaltspunkt herhalten. Auch Muff Potter könnte man noch erwähnen. Wer auf solche Klänge steht, sollte TURBOSTAAT auf jeden Fall mal antesten. Ansonsten auch mal im www surfen unter www.schiffen.de und www.turbostaat.de (A.P.)