BACK AGAIN: PUNK

STROM – Nr. 1 (CD 2004)

(R.E.F.F. Records www.strom-dieband.com )

Mal wieder eine Punk-Rock-Band aus Deutschland, genauer aus Berlin. Von da ist in den letzten rund 25 Jahren ja viel nette Musik gekommen. Nach einem 3-Track Demo und einem Haufen Liveauftritte seit 2002 legt die Band mit dem einprägsamen Bandnamen nun ihr erstes Album vor, das weitgehend selbst produziert wurde. Klar, den Punk-Rock neu erfinden tun die zwei Junx und ein Mädel nicht gerade, aber das ist heute wohl kaum noch möglich. Stattdessen haben sie ihre Lektionen zum Thema deutschsprachiger Punk-Rock (nicht unbedingt Deutsch-Punk) gelernt, beherrschen ihre Instrumente und schaffen es, ganz witzige, seltener auch anpolitisierte, Texte mit ohrwurmigen Melodien zu verbinden. Mich erinnert´s irgendwie an die vor einigen Jahren fast erfolgreichen Heiligen 3 Könige, dazu ein bisschen Ärzte, etwas neuere Normahl und auch Wizo haben ihr Erbe hinterlassen. Häufig klingt es eher rockig, als punkig, was aber durch Knallersongs wie „Ich Muss Weg“ ausgeglichen wird, das ist ein echter Hit und geht voll nach vorne los. Sehr schön auch das Stefan Kleinkrieg (Extrabreit)-Cover „Meine Schwarze Lederjacke“, sowie „Bitte geh“ mit ein paar Skaeinflüssen. Bei „Flying V“ sehe ich glatt all die Rucksackpunks in Bundeswehrparkas mit durch Sicherheitsnadeln befestigten Aufnähern, wild vor der Bühne pogen. Wie bei solchen Bands üblich, dürfte das alles live noch mehr Spaß machen. Aber auch auf CD (Vinyl wäre natürlich viel cooler!) geht das völlig okay und zeigt, dass auch in Zeiten, in denen deutsche Punkbands eher rar gesät sind, noch junge Leute zu Instrumenten greifen und den Sound am Leben erhalten. Zwar gehören STROM zu den kommerzielleren Vertretern des Stils (und der Hinweis „Outfit by X-Tra-X“ ist wirklich ernst gemeint???), aber es wäre wirklich ganz gut, wenn mal wieder eine Band wie damals Wizo alles ein bisschen aufmischen würden. Dazu bräuchte es nicht mal den Hinweis im Waschzettel auf die „Radio-Anspieltips“ (bei denen der beste Titel „Ich Muss Weg“ auch noch fehlt). Runde 33 Minuten für 9 Tracks sind dann auch ziemlich Punk-Rock-kompatibel und sorgen dafür, dass es nicht irgendwann langweilig wird. Daumen Hoch.

Ach ja, einen „Hidden Track“ für den sich die Band so sehr schämt, dass sie den Titel nicht aufs Cover schreibt, gibt es auch noch. Es handelt sich um eine Akustikgitarrenversion von „Leck Mich“ und man soll wohl denken, dass das spontan im Suff entstanden ist. Mag sein... (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden