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OMA HANS – Trapperfieber
(LP 2002)
(Schiffen
www.schiffen.de )
Wenn
es jemals so etwas wie „typischen Hamburger Punk“ gegeben hat, so waren das
sicher nicht Slime, sondern Razzia. Und dann gibt es da noch eine Reihe von
Bands mit den schönen Namen Angeschissen, Das Moor, Blumen Am Arsch Der
Hölle, Dackelblut und Motormuschi, die alle irgendwie personell zusammen
gehangen haben. Als der gute Timo D. mir so etwa 1995 das erste Mal vom
ersten Dackelblut-Album erzählte, habe ich die Platte sofort gekauft und den
weiteren Weg verfolgt. Und heute gibt es halt OMA HANS, die unter diesem
genial einfachen Bandnamen mit „Trapperfieber“ ihre zweite Platte
veröffentlichen und damit einen echten Knaller abliefern. OMA HANS sind eine
dieser „typischen“ Hamburger Punkbands, die in ihren Texten andere Dinge
verarbeiten, als „Nazis Raus“, „Saufen-Ficken-Oi“ und „Bullenschweine“.
Stattdessen wird das Leben und die ganze Scheiße, die damit einhergeht aus
einer ganz eigenen Position betrachtet und auf den Punkt gebracht erzählt.
Dabei sind die Inhalte selten fröhlich und positiv aber auch nicht
resigniert und depressiv. Vielmehr herrscht hier Wut auf die herrschenden
Zustände vor. In dem Zusammenhang, dass man was zu sagen hat, ist es
wichtig, dass die Band auch musikalisch was drauf hat. Bei OMA HANS ist es
so und dadurch werden sie glaubwürdiger und hörenswerter, als viele andere
Bands, die meinen, fehlendes instrumentales Können durch parolenhafte
Mitgröhltexte ersetzen zu müssen. Das heißt aber nicht, dass OMA HANS nicht
gut losrocken würden, im Gegenteil, hier geht es richtig nach vorne los und
auch, wenn ich die Band noch nicht live gesehen habe, wage ich mal zu
behaupten, dass es bei Konzerten richtig gut abgeht. Hier wirken auch der
Hamburger Slang und die immer leicht heisere Stimme des Sängers
ausgesprochen passend. Ich will gar nicht alle einzelnen Lieder hervorheben,
nur einige wenige, zum Beispiel „Ukraine“ mit einer Ohrwurmmelodie und
coolem Mädchenchor in der Mitte. „0832“ thematisiert das Recht auf eine
gewisse Engstirnigkeit, was die eigene Szene betrifft, ähnlich, wie Klaus N.
Frick das vor einiger Zeit in seinem unvergleichlichen Enpunkt-Egozine getan
hat. Jeder will doch, dass die Szene, in der er sich bewegt, klein und
überschaubar ist und man sich elitär fühlen darf, weil man diese Nische
entdeckt hat. „Django“ hat die schöne Textpassage „Wenn man sich schon
Illusionen macht, dann aber richtig. Es muss stimmen, auch wenn es nur für
eine kurze Zeit ist“. Vielleicht könnte diese Textzeile ganz gut die ganze
Platte zusammenfassen. Auf den Punkt gebracht ist auch „Der Pendler“ mit dem
Thema, dass sich Ideale im Laufe eines Lebens wandeln können oder sogar
müssen. Etwas verändern kann man nur in seiner kleinen, eigenen Welt, aber
wenn das jeder macht, verändert sich auch die große, weite Welt (Vergleiche
auch Depeche Mode´s „New Dress“ von 1986). Keine Frage, für mich haben OMA
HANS eine DER Punk-Scheiben des Jahres vorgelegt. Wer auf emotionalen Punk
steht (ist jetzt nicht im Sinne der so angesagten Emo-Punk/Emocore-Bands
gemeint), muss hier zuschlagen. Die perfekte Mischung aus Dackelblut, Razzia
und Fehlfarben, aber auch Leute, die gerne Bands wie Motormuschi,
Turbostaat, EA80, Schwarze Schafe, Fliehende Stürme oder Muff Potter hören
sollten hier mal ein Ohr riskieren. Textlich würde ich OMA HANS qualitativ
nahe bei Fehlfarben einordnen. Wie es sich für eine Punk-Platte gehört,
erscheint „Trapperfieber“ als schöne, fette 180 g Vinylscheibe, mit dickem
Pappcover und fester, bedruckter Innenhülle. Hier stimmt wirklich alles! (A.P.) |