BACK AGAIN: PUNK
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INTERVIEW 2003 „Wir waren noch nie jedermanns Freund“ – Ein Interview mit OHL
Bis heute erlebe ich es immer mal wieder, dass mir mit Unverständnis begegnet wird, wenn ich „zugebe“, dass ich OHL höre, im schlimmsten Falle glauben manche sogar, ich sei selbst irgendwie „braun“ angehaucht. Nun bin ich niemand, der sich viel darum schert, was andere über ihn denken, und verteidigen für meinen musikalischen Geschmack tue ich mich erst recht nicht. Zwei aktuelle Begebenheiten haben mich aber dazu veranlasst, der Band mal direkt die Möglichkeit zu bieten, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Sie tun das nicht zum ersten Mal und auch dieses Interview wird die Vorwürfe sicher nicht aus der Welt schaffen, aber zumindest ist es ein Versuch, mal ein wenig Ruhe in die teilweise hitzigen Diskussionen zu bringen… OHL-Interview Oktober/November 2003 BACK AGAIN (BA): Die vielleicht wichtigste Frage gleich zu Beginn: warum gibt es OHL nach nunmehr über 20 Jahren immer noch? DEUTSCHER W (DW): Und die vielleicht einfachste Antwort... Weil ich es so will. BA: Wie kam es 1980 zur Gründung von OHL, wie zur Namensgebung und wie zum Plattenvertrag beim damals noch „unverdächtigen“ Rock-o-Rama-Label? Wie, warum und wann ist es dann zur Trennung von Rock-o-Rama gekommen? DW: Damals war ich 14 oder 15 und kammit der Punkbewegung aus England in Berührung. Adverts, Chelsea, Wire etc. Und da war mir klar, dass ich das auch machen will und werde. Sex Pistols fand ich schon damals zu cliché-mäßig. Und Stücke wie „Practise Makes Perfect“ von Wire waren so genial und so simpel, dass wir so was auch nachspielen konnten. Ich erinnere mich noch, wie mein Bassist und ich eine Gitarre in die Stereoanlage steckten und „Troops Of Tomorrow“, das spätere „Die Unreparierten“ nachspielten. Und der Bandname zeigt die Kampfbereitschaft und Aggressivität, die sich in der Musik und den Texten wiederspiegelt. Und für alle Naziphobiker... zu der Zeit trug sogar Sid Vicious ein Hakenkreuz T-Shirt und OHL ist nicht OKW. Wie auch immer. 1980 hatten wir dann eine selbstproduzierte MC mit dem Titel „Klänge des Widerstands“ aufgenommen und u.a. auch im Rock-o-Rama zum Verkauf angeboten. Die dort 20 abgelieferten Cassetten waren binnen einer Woche ausverkauft und Herbert Egoldt bot uns an, eine Platte zu produzieren... Innerhalb von drei Tagen war die HEIMATFRONT eingespielt. Es gab nie eine offizielle Trennung von ROR. Ich hatte nur nach der JENSEITS VON GUT UND BÖSE keine Lust mehr und hab dann in Trier studiert. Das wir DIE AUFERSTEHUNG allerdings dann nicht mehr bei ROR gemacht hing mit seinen rechten Produktionen zusammen. BA: Was hat damals den musikalischen und textlichen Stil beeinflusst und ist das Durchhalten dieses Stiles bis heute eher kommerzielles Kalkül oder Lebenseinstellung? DW: OHL existiert jetzt fast ein viertel Jahrhundert und in dieser Zeit haben wir in den sechs ROR-Jahren pro Mann maximal 500€ (ausgezahlt in Platten)erhalten. In unseren darauffolgenden Impactjahren 0€ und die ZURÜCK ZUR FRONT wird wohl auch keine Reichtümer einspielen. Also habe ich, mit Glück und Gema vielleicht einen Jahresverdienst von 50€. Beantwortet wohl deine Frage nach wirtschaftlichem Kalkül. Bisher hatte ich (fast) immer einen Job, der es mir ermöglichte mit OHL genau das zu machen was ich wollte, unabhängig von Verkaufszahlen oder irgendwelchen szenetauglichem Gehabe: meine Texte, meine Musik, meine Cover und meine Meinung immer und überall sagen zu können! BA: Wie geht man mit Kritikern um, die meinen, dass eine Band, die sich nie wirklich verändert irgendwann unglaubwürdig und belanglos wird? DW: Sehr gelassen, denn nur ich bestimme, was unglaubwürdig und belanglos ist. Ich mache doch OHL nicht wegen irgendwelchen Kritikern, oder Verkaufszahlen, noch nicht mal für unsere Fans. Mir muss eine Platte gefallen und der Rest ist belanglos. BA: OHL haben nie Sauf- und Funtexte gemacht wie viele erfolgreiche Zeitgenossen (Normahl, Slime...), hat das möglicherweise den größeren kommerziellen Durchbruch verhindert? DW: Klar hätte wir mehr Platten verkauft, wenn wir szenetaugliche, angepasste Texte hätten und sich statt „Bomber über Bagdad“ Titel wie „Bullen sind Nullen“ oder am besten noch in englisch „Ami go home“ auf unserem Alben wiederfinden würden. Dann vielleicht noch den Bandnamen von OHL in Komposthaufen umändern und statt die Erstürmung der Normandie auf dem Cover abzubilden einen Molotowcocktail werfenden Irokesenpunk zu zeigen.... Aber das überlassen wir lieber anderen. BA: Gab es damals Kontakte zu anderen Bands wie Toxoplasma, Canal Terror, Chaos Z, Vorkriegsjugend oder Boskops? DW: Wir waren noch nie jedermanns Freund und selbst in der Szene sehr eigenständig. Ich erinnere mich ehrlich gesagt nur an ein Konzert mit Boskops irgendwo wie im Norden. BA: Wer ist auf die Idee gekommen, die Plattencover mit Bildern von Soldaten zu gestalten, was ja durch die ganze Bandgeschichte fast ausnahmslos beibehalten wurde? DW: Ich fand die Soldaten in Kombination mit Plattentitel, Texten, Musik und Bandname sehr passend. Die HEIMATFRONT zeigt einen sechszehnjährigen, der bestimmt alles anderer als einen heldenhaften Krieger wiederspiegelt. 1000 KREUZE zeigt den Abspann des Anti Kriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ usw. BA: Fast von Anfang an gab es Kritik an OHL bis hin zum Verdacht, OHL seien eine Naziband...wann ist Euch dieser Vorwurf erstmal begegnet und wie habt Ihr darauf reagiert? Haben Euch diese Vorwürfe damals überrascht oder hattet Ihr auf Grund von Songs wie „Türkenlied“ schon damit gerechnet? DW: Gerade „Türkenlied“ gehört ja zu unseren ersten Stücken und war eine Coverversion von Mittagspause, der ersten deutschen Punkband und wurde auch noch von Fehlfarben und DAF gespielt. Und ich nehme mal an, dass Fehlfarben nicht gerade zu Deutschlands Nazi Elite gehören, oder doch? Ich glaube dieser ganze Müll wurde von irgendwelchen OHL nicht kennenden Kindern ins Leben gerufen, die bei irgendwelchen Heftchen, irgendwelche Artikel über uns schreiben durften. Das kam damals schon überraschend, weil nicht ein Stück von uns irgendwie NSDAP- Parteitagtauglich ist. Und anscheinend alle Anti-Nazi-Stücke wie „Kraft durch Freude“ oder auch „Belsen ein KZ“, die beide von den ersten Alben stammen nie gehört sondern nur anhand ihrer Titel zum Beweis unserer Rechtslastigkeit herangezogen wurden. Aber was soll man gegen eine blinde und taube Masse von Ignoranten schon machen, außer sie in Dummheit sterben lassen? BA: War die Kritik am Kommunismus und die teilweise positive Einstellung Deutschland gegenüber damals hauptsächlich als Provokation gedacht und habt Ihr bewusst in Kauf genommen, dass eine rechte Hörerschaft Euch deswegen gut findet? DW: Noch mal... wer glaubt, das irgendetwas am Kommunismus gut gewesen sei, gehört zu der bereits oben erwähnter Gruppierung Seh- und Hörbehinderter. Und auch wenn ich jetzt nicht weiß, welche teilweise positive Bewertung Deutschlands du meinst, meine Texte sind weniger provokant, denn Realität. Und bewusst nehme ich in Kauf, dass der Dummnazi, der sich unsere Texte anhört sich über den Kauf unser Platte sehr, sehr ärgern wird. BA: Nach der Veröffentlichung einer Anzeige auf unserer Website, in der OHL-Musiker eine Sängerin für ein Sideprojekt suchen, haben wir böse Mails von Lesern bekommen, die nicht verstehen konnten, dass wir „so einer Naziband“ ein Forum bieten. Zitate waren zum Beispiel „Die Band hat eine lange, rechte Tradition und wenn du mal einen Bericht über ein Konzert von denen gelesen hast, weißt du, was ich meine“, „Bei OHL war ich mir bisher allerdings vollkommen sicher, dass rechtes Gedankengut mehr oder weniger geschickt nach außen getragen wird... dabei bekennen sich die wenigsten rechten Bands offen zu ihrer Gesinnung, um Ärger mit dem Verfassungsschutz zu umgehen. Mal ganz abgesehen von Konzertberichten der Band, die ich gelesen habe und bei denen es mir sauer aufstieß, möchte ich folgendes anmerken: - Die HP ist eine einzige Verherrlichung von Wehrmachtssoldaten-Romantik, finde ich sehr gruselig. - Songs wie z.B. "Türkenlied" sprechen für sich, es gibt noch eine ganze Menge anderer Songs, die politisch eindeutig sind.“ Und: „Deine Meinung zu OHL kann ich nur bedingt teilen; sind mit Sicherheit keine Nazis, aber schon sehr rechts (weil Herr W. ein erklärter Anti-Kommunist und Turbo-Kapitalist ist. Liebt die USA. Toll!). Ich ...kriege jedes Mal das Kotzen, wenn der durch sein TV-Engagement wirklich STINKREICH gewordene Herr W. in besetzten Häusern vor Punk-Kids, die wirklich gar nix zum leben haben, den Punk raushängen lässt. Heuchelei pur!“. Wie reagiert Ihr auf solche Leute und wie sollten wir es tun? DW: Dann fang ich mal an...den oben erwähnten Konzertbericht würde ich auch mal gerne lesen und was meine Gesinnung betrifft, gibt es wohl kaum jemanden, der deutlicher seine Meinung kund tut und diese auch offen nach allen Seiten vertritt. Und meine sogenannten anderen Songs sind tatsächlich politisch eindeutig, wie fast alle OHL Stücke! Zu deinem zweiten Kandidaten.... Ja, ich bin Antikommunist! Nein... ich bin kein Turbokapitalist, befürworte aber das Leistungsprinzip und mit Abstrichen auch die soziale Markwirtschaft! Nein.... ich liebe meine Freundin und nicht die USA, schätze aber gewisse Handlungsmechanismen und im Gegensatz zu meiner Heimat, deren klare Stellungnahme zu unabdinglichen Dingen, wie z.B. die Beendigung der Nazidiktatur oder den aktiven Kampf gegen Terror und Diktatur. Nein... ich bin leider nicht stinkreich, hätte aber auch nichts dagegen und würde deswegen nicht einen meiner Texte umändern. Im übrigen muss ich keinen Irokesen haben oder mit einem Hund in Fußgängerzonen saufen um eine Recht zu haben meine Meinung zu äußern... Und Heuchler sind für mich Menschen die gegen den Einmarsch der USA in Bagdad demonstrieren und die dort herrschende Diktatur nicht sehen wollen! Ich reagiere auf solche Leute gar nicht, denn mit Blinden und Tauben kann man nicht reden... da muss man dann einfach mal handeln! AL KAIDA: Da die Anzeige von mir stammt, nehme ich auch mal Stellung. Wen jemand meint, dass er faschistoide Ansichten oder Botschaften in unseren Liedern wieder findet, dann soll er uns die einmal aufzeigen. Die gibt es nämlich nicht! Vielmehr beziehen OHL seit jeher klar Stellung gegen politische und religiöse Unterdrückung, rechts, links, Christentum, Islam und so fort. Jeder der sich einmal unsere Texte durchgelesen hat, kann diese Aussage nicht ernsthaft stehen lassen, egal welche Platte man auch auswählt. Alle anderen haben sich OHL einfach nicht angehört und sind Vorurteilen aufgesessen. Das Gleiche gilt für unsere Konzerte. BA: Gegen Mitte/Ende der 80er Jahre hat OHL eine längere Pause eingelegt und die Besetzung hat sich abgesehen von Dir komplett geändert...wie kam es zur Neuformierung und zur „Auferstehung“? Hat die Vereinigung von BRD und DDR da einen Einfluss gehabt? DW: Die Wiedervereinigung hatte keinen Einfluss darauf. Vielmehr die Veröffentlichung der Volkswiderstand CD und den darauf befindenden vier OHL-Coversongs. Denn so kam ich in Kontakt mit meinem jetzigen Bassisten Egon Krenz und das war dann die Auferstehung der OBERSTEN HEERESLEITUNG. BA: Habt Ihr damit gerechnet, dass eine neue Generation von Punks und die vielen ostdeutschen Punks OHL noch akzeptieren würden? Waren die Verkaufszahlen noch mit denen von Anfang der 80er vergleichbar? DW: Zu den Verkaufszahlen kann ich dir wirklich nichts sagen, damals haben sie mich nicht interessiert und das ist heute nicht anders. Das die Ostdeutschen OHL geil finden liegt doch auf der Hand. Wir waren / sind doch die einzigen, die diesen Scheiß Staat, indem man erschossen wurde, wenn man das Land verlassen wollte an den Pranger gestellt haben und dies auch noch heute tun. BA: Die politischen Vorwürfe blieben die gleichen, weil sich die Texte nicht grundlegend geändert haben, warum seid Ihr nicht den „sicheren“ Weg gegangen und habt Euch weniger angreifbar gemacht? DW: Warum? Die Realität ist die Wahrheit und die Wahrheit ist unangreifbar! BA: Gab es im Laufe der Jahre bei Konzerten oder anderen Gelegenheiten Probleme mit Neonazis im Publikum, da Ihr ja angeblich ein „JN-Publikum“ anzieht? DW: Was ist ein JN-Publikum??? BA: Du lebst mit den Vorwürfen schon viele Jahre, aber wie ist es mit den anderen Bandmitgliedern, die erst vor einigen Jahren aus teilweise ganz anderen musikalischen Zusammenhängen zu OHL gestoßen sind? DW: Mittlerweile sind daraus schon 12 Jahre geworden und ich glaube, wer so lange sein Herz und seine Energie in OHL steckt, weiß wofür OHL steht. AL KAIDA: Ehrliche Antwort. Das ist bitter und zugleich nervtötend. Niemand wird gern als Musiker einer Naziband bezeichnet. Der Regelfall ist doch, dass man sich gegenüber Leuten rechtfertigen soll, die OHL-Songs und -texte nicht einmal kennen. Entsprechend kann ich solche Vorurteile auch nicht für voll nehmen. Zum Glück entschädigen mich die Konzerte und die Zusammenarbeit mit der Band für all diesen Dünnsinn. BA: Nach einer längeren Pause habt Ihr im Sommer 2003 mit „Zurück zur Front“ ein weiteres Album veröffentlicht...was gibt es dazu zu sagen? DW: Ich halte es zusammen mit VERBRANNTE ERDE für das beste OHL Album. Laut, aggressiv und dreckig. BA: Musikalisch und optisch gibt es nicht viel Neues zu berichten und auch textlich finden sich die üblichen kontroversen Themen...warum sollten sich Leute, die frühere OHL-Platten haben also auch noch diese Scheibe kaufen? DW: Gerade eben weil es nicht viel Neues gibt! BA: Ist es heute schwer, ein Label zu finden, dass Eure Musik veröffentlicht, wo die Masse der Leute doch lieber weniger „anstrengende“ Musik hört? Wie ihr Euer Verhältnis zu den Medien, in denen Ihr ja praktisch nicht vorkommt? DW: Eigentlich nicht, unsere Plattenfirmen haben zwar immer große Probleme einen Vertrieb zu finden, aber die Label standen bisher merkwürdiger weise immer Schlange. Bei der Musik und den Texten ist es doch kein Wunder, dass wir in den Medien nicht vorkommen und wenn dann nur als Feindbild. Aber... viel Feind viel Ehr´. BA: OHL hat eine recht umfangreiche und gut gestaltete Homepage im Internet...wie wichtig ist dieses noch verhältnismäßig junge Medium und wie ist es mit dem Punk-Gedanken vereinbar? DW: Die HP ist jetzt etwa ein Jahr alt und wurde uns von einem OHL-Fan geschenkt. Es ist ein schönes Medium um Konzerte u.ä. anzukündigen. Ansonsten bestimmen nur meine eigenen Gedanken mein Handeln und keine Szene oder andere Attitüden. BA: Wie geht es jetzt weiter? Wie lange wird es OHL noch geben und was darf man von Euch erwarten? DW: Du darfst von uns weiterhin geile Konzerte erwarten, in spätesten zwei Jahren unser dreizehntes Album und im Januar 2004 ein 25jähriges Jubiläumskonzert in Leverkusen. BA: Und für alle Kritiker noch einmal zum Schluss und bitte ohne irgendwelche missdeutbaren (gibt es das Wort überhaupt?) Umschreibungen: Ward Ihr jemals oder seit Ihr Nazis oder hegt Ihr irgendwelche Sympathien mit rechtem Gedankengut? DW: Diese Frage zeugt leider von geringem Wissen bzgl. meiner Person und meiner Band. Du solltest dir deine eigene Meinung bilden oder dich fragen, ob du meine Antworten und meine Texte nicht verstanden hast oder nicht verstehen kannst. AL KAIDA: Sam, das solltest Du doch wissen, dass es nicht so ist. BA: Hätte ich noch irgendwas fragen sollen oder wollt Ihr unseren Lesern noch irgendwas mitteilen? DW: www.O-H-L.com Soweit also OHL in ihren eigenen Worten. Da ich den Gitarristen Al Kaida seit vielen Jahren persönlich kenne, weiß ich mit Sicherheit, dass er mit Nazis nichts zu tun hat und auch nie in einer derartigen Band spielen würde. Das wird natürlich die ewigen Kritiker, deren Welt einfach schwarz-weiß ist auch nicht befriedigen. Natürlich kann man einigen Texten von OHL kritisch gegenüberstehen, das tue ich auch. Deswegen aber Leute, die man nie persönlich getroffen hat als „Nazis“ oder solche Sachen zu bezeichnen finde ich arm. Erfahrungsgemäß haben die größten und lautesten Kritiker am wenigsten Interesse daran, ihre Vorwürfe nachvollziehbar zu belegen. Bei einer Band wie OHL reicht es halt nicht, einzelne Textstellen zu zitieren, man sollte sich auch mit den Menschen in der Band beschäftigen… Wer das tun möchte, kann über die offizielle Website der Band www.O-H-L.com Kontakt aufnehmen… (A.P.) OHL – Zurück Zur Front (CD/LP 2003) (Teenage Rebel Records)
Das neue Album „Zurück zur Front“ bietet dementsprechend dann auch wenige Überraschungen. Das Cover weist wie so oft ein von Soldaten geziertes Cover auf und der Sound ist höchstens ein ganz klein wenig metallischer geworden, aber alles in allem immer noch nach vorne preschender Punk-Rock, der vor allem live ziemlich gut abgehen dürfte. Rein musikalisch dürfte die heutige Besetzung wahrscheinlich die beste in der Bandgeschichte sein und die Stimme von Deutscher W hat sich auch nach über 20 Jahren noch gut gehalten. Eigentlich müsste er bei diesem Stil nach jedem Konzert komplett heiser sein. Die meisten Songs klingen recht ähnlich, wie immer, aber bei einer Laufzeit von nur knapp 32 Minuten stört das nicht besonders. Und man will ja auch gar nichts anderes von der Band hören, oder? Bleiben die wie immer umstrittenen Texte. Für alle Nazi-Paranoiker vorab: in keinem der Lieder wird in irgendeiner Form Rechtsradikalismus oder Rassismus verherrlicht, stattdessen gibt es viele Texte, die eindeutig gegen das braune Pack Stellung beziehen. Aber auch das Unrechtssystem in der DDR wird kritisiert, doch nicht jeder, der etwas gegen Sozialismus und Kommunismus hat ist im Umkehrschluss gleich Faschist. Es ist traurig, dass man in einer normalen Plattenkritik so ausführlich auf diese Dinge eingehen muss, um nicht gleich Dutzende von Beschwerdemails zu erhalten, weil man was über OHL schreibt. Man muss andererseits auch zugeben, dass Texte über das „heldenhafte“ Verrecken der 6. Armee in Stalingrad oder die im Bombenhagel des zweiten Weltkrieges zerstörten deutschen Städte zumindest mehrdeutig ausgelegt werden können, zumal Deutscher W die Texte so verfasst hat, als wenn er diese Dinge mit erlebt hätte. Sicher soll das provokant sein, aber ist das heute noch der richtige Weg? „Alle sieben Sekunden stirbt ein deutscher Soldat in Rußland. Stalingrad – Massengrab...“ ist ein berühmtes Zitat aus dem Film „Hunde wollt Ihr ewig leben?“ und dient als Grundlage für den Song „Stalingrad“ auf dieser CD und ich bin mir selbst nicht sicher, ob das nun eine großartige Bearbeitung des Zitats ist oder einfach geschmacklos. Ich denke, es geht der Band, bzw. Sänger Deutscher W genau darum, diese Art von Verunsicherung zu erzeugen und offenbar hat er damit großen Erfolg. Letztendlich macht Deutscher W in jedem Song deutlich, dass er gegen alles ist, gegen Rechte, gegen Linke, gegen Gottlose, gegen Religiöse usw. Dass mag zunächst zwar etwas stumpf erscheinen, doch ausgefeilte, hintersinnige Texte waren noch nie Markenzeichen von OHL, hier geht´s nunmal parolenhaft zu und man kann nicht anders, als klar zu sagen: wer bisher OHL mochte, wird sie auch diesmal gut finden, wer sie immer verteufelt hat, wird auch diesmal genug Kritikpunkte finden. Mich hat die Band durch meine Jugend begleitet und auch im fortgeschrittenen Alter werde ich immer mal wieder die Platten von OHL auflegen. (A.P.) |
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KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle (H.H.) = Haiko Herden |