BACK AGAIN: PUNK

JESUS SKINS – Neuer Wein Aus Alten Schläuchen / JEWDRIVER – Hail The Jew Dawn (Split CD 2004)

(Impact Records/Broken Silence)

Vor circa zehn Jahren gab es mal in Hamburg (und sonst wo in Deutschland?) eine Gruppe von Leuten, die es cool fand, an Gott und Jesus zu glauben, meinte, dass man dabei doch durchaus auch Spaß und Party haben durfte. Sie nannten sich „Jesus Freaks“. Keine Ahnung, ob es die noch gibt. Geben tut es aber seit einigen Jahren die JESUS SKINS, eine Oi-Band aus Hamburger Skinheads, die seit einigen Jahren durch die Szene und die Medien geistert und meint, man kann christlichen Glauben gut mit Punk und Oi verbinden. Und dann gibt es da die amerikanische Band JEWDRIVER, bestehend aus jüdischen Skinheads und Punx, die Skrewdriver-Lieder mit neuen Texten spielen. Und nun haben beide Bands gemeinsam eine Split-CD veröffentlicht. Schön erstmal, dass Christen und Juden was gemeinsam auf die Beine stellen, das ist ja nun wirklich nicht überall auf der Welt die Regel. Und irgendwelchen rechten Schwachsinn gibt es natürlich auch von beiden Bands nicht zu hören.

Los geht´s auf der CD mit den JESUS SKINS (ich muss da irgendwie immer an die Szene auf dem Kevin Smith-Film „Dogma“ denken, in der der Bischof „Kumpel Jesus“ vorstellt), die sich einige alte, antireligiöse Punksongs ausgesucht haben, die Sänger derselben gleich mit ins Studio holten und mit christlichen Texten neu einspielten. Da hören wir „Kirche Ja“ („Kirche, Nein!“ von den Emils), „Glaubensbekenntnis“ (Canal Terror) und „Religion“ (Slime) wobei gerade der letzte Song vor allem wegen Dirk´s Gesang der beste auf dieser CD ist. Außerdem findet man eine Version des 4-Skins Klassikers „ACAB“ und mehr. Und dann hat man sich noch an den Goldenen Zitronen orientiert und deren „Für Immer Punk“ (ursprünglich „Forever Young“ von Alphaville) neu und christlich getextet als „Für Immer Christ“ eingespielt. Dazu hat man wie einst die Zitronen jede Menge Gäste aus (hauptsächlich Hamburger) Punk-Bands zum mitsingen ins Studio geprügelt, so Dirk (Slime), Witte (Noise Annoys), Tommy Molotow (Canal Terror), Bela B. (Ärzte) und und und. Auch, wenn die Idee geklaut ist, macht es doch wieder Spaß.

Dann kommen JEWDRIVER, die ordentlich lospowern. Kraftvoller OI-Punk, der sicher live ziemlich abgeht und zu dem man dann richtig mitgröhlen und pogen kann, aber zum zu Hause hören doch irgendwie nicht das Richtige und letztlich nicht die Art von Punk, die ich gerne höre.

Bleibt die Frage, ob man das alles ernst nehmen soll? Witzig finde ich es nicht wirklich, und wenn das ganze Missionierungsgeblubber ernst gemeint ist, so lehne ich das auch grundsätzlich ab, denn ich bin zwar kein Heide, aber doch Atheist.

Und wenn man JESUS SKINS etwas undeutlich ausspricht, kann man auch schnell mal „Jesuskind“ verstehen, das wäre dann als Bandname für eine Oi-Band doch wieder witzig. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden