BACK AGAIN: PUNK
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Moses Arndt
- Chaostage (Buch 1996 – Neuauflage 1998) (Ventil
Verlag, ISBN 3-930559-54-4)
Moses Arndt´s
Erstlingsroman ist schon ein paar Jahre alt, aber immer noch lesenswert.
Irgendwo zwischen Splatterroman, Punk-Romantik, Action und Porno ist das
ganze angesiedelt und spiegelt eine richtig schön hoffnungslose,
schmuddelige Atmosphäre wieder, die so geballt sicherlich nirgendwo zu
finden ist, aber doch häufig der Realität entspricht. Die Story ist
ziemlich episodenhaft aufgebaut und bringt die einzelnen Figuren und
Gruppen erst zu einem großen Finale zusammen. Laut Arndt handelt es sich
bei allen niedergeschriebenen Geschichten um wahre Ereignisse, wobei ich
stark annehme, dass so manches noch etwas zugespitzt wurde, um den Leser
gut zu unterhalten. So liest sich das Werk locker und leicht weg und macht
richtig Spaß. Vor allem das Stilmittel, Kernsätze immer wieder in den
Lesefluß einzubauen, ist gelungen, zumal hier der Kern eigentlich in den
Grundlagen der menschlichen Existenz liegt, nämlich dem sexuellen Akt und
der damit verbundenen Zeugung des Menschen. Der Beginn ist für jeden
Menschen erstmal gleich, was jeder aber daraus macht, entscheidet der-
oder diejenige selber. Auch wenn das jetzt so klingt, als wenn der Roman
eine tiefere Bedeutung und vielleicht Gesellschaftskritik beinhaltet, geht
es letztendlich doch nur um Sex und Gewalt in allen möglichen Formen. Ich
glaube irgendeinen Anspruch, ein literarisches Meisterwerk geschaffen zu
haben, hat Arndt nicht, er hat sich vielmehr jede Menge Wut und seine
Lebenserfahrung von der Seele geschrieben und das merkt man dem Buch auch
an. Hier wird nicht ständig der moralische Zeigefinger geschwenkt und an
jeder Formulierung rumgefeilt, sondern es wird aus dem Bauch heraus
hingerotzt, was den Autor wirklich bewegt. Dadurch, dass hier kein Profi
am Werke war, der Literatur studiert und Schriftstellerkurse besucht hat,
ist der kurze Roman unglaublich frisch und lässt sich in einem Zuge
durchlesen. Ist halt ein richtiger Punk-Roman, der sich um irgendwelche
Konventionen nicht schert. Als grobe Orientierung darf man vielleicht
Charles Bukowski nennen, wobei man aber natürlich keine Kopie des
Altmeisters erwarten sollte, aber die Richtung ist schon ähnlich. Zu
Klaus N.Frick´s "Vielen Dank Peter Pank" habe ich mal die
Beschreibung "Radikal-Existenzialismus" erfunden, was hier auch
nicht unpassend sein dürfte, aufgrund des vielen Spermas, das so durch
verschiedene Körperöffnungen fließt, könnte man das vielleicht auf
"Radikal (S)Existenzialismus" abändern. (A.P.) |