BACK AGAIN: PUNK

Moses Arndt - Chaostage (Buch 1996 – Neuauflage 1998)

(Ventil Verlag, ISBN 3-930559-54-4)

Deutschland Mitte der 90er Jahre...eine Gruppe von Neonazis macht Jagd auf Ausländer und Schwule, ein Möchtegernrevolutionär plant Sprengstoffanschläge, ein paar Bullen verprügeln grundlos Leute, Punks prügeln sich durchs Leben und irgendwie treffen all diese Menschen am Ende zusammen und es gibt ein gigantisches Blutbad...

Moses Arndt´s Erstlingsroman ist schon ein paar Jahre alt, aber immer noch lesenswert. Irgendwo zwischen Splatterroman, Punk-Romantik, Action und Porno ist das ganze angesiedelt und spiegelt eine richtig schön hoffnungslose, schmuddelige Atmosphäre wieder, die so geballt sicherlich nirgendwo zu finden ist, aber doch häufig der Realität entspricht. Die Story ist ziemlich episodenhaft aufgebaut und bringt die einzelnen Figuren und Gruppen erst zu einem großen Finale zusammen. Laut Arndt handelt es sich bei allen niedergeschriebenen Geschichten um wahre Ereignisse, wobei ich stark annehme, dass so manches noch etwas zugespitzt wurde, um den Leser gut zu unterhalten. So liest sich das Werk locker und leicht weg und macht richtig Spaß. Vor allem das Stilmittel, Kernsätze immer wieder in den Lesefluß einzubauen, ist gelungen, zumal hier der Kern eigentlich in den Grundlagen der menschlichen Existenz liegt, nämlich dem sexuellen Akt und der damit verbundenen Zeugung des Menschen. Der Beginn ist für jeden Menschen erstmal gleich, was jeder aber daraus macht, entscheidet der- oder diejenige selber. Auch wenn das jetzt so klingt, als wenn der Roman eine tiefere Bedeutung und vielleicht Gesellschaftskritik beinhaltet, geht es letztendlich doch nur um Sex und Gewalt in allen möglichen Formen. Ich glaube irgendeinen Anspruch, ein literarisches Meisterwerk geschaffen zu haben, hat Arndt nicht, er hat sich vielmehr jede Menge Wut und seine Lebenserfahrung von der Seele geschrieben und das merkt man dem Buch auch an. Hier wird nicht ständig der moralische Zeigefinger geschwenkt und an jeder Formulierung rumgefeilt, sondern es wird aus dem Bauch heraus hingerotzt, was den Autor wirklich bewegt. Dadurch, dass hier kein Profi am Werke war, der Literatur studiert und Schriftstellerkurse besucht hat, ist der kurze Roman unglaublich frisch und lässt sich in einem Zuge durchlesen. Ist halt ein richtiger Punk-Roman, der sich um irgendwelche Konventionen nicht schert. Als grobe Orientierung darf man vielleicht Charles Bukowski nennen, wobei man aber natürlich keine Kopie des Altmeisters erwarten sollte, aber die Richtung ist schon ähnlich. Zu Klaus N.Frick´s "Vielen Dank Peter Pank" habe ich mal die Beschreibung "Radikal-Existenzialismus" erfunden, was hier auch nicht unpassend sein dürfte, aufgrund des vielen Spermas, das so durch verschiedene Körperöffnungen fließt, könnte man das vielleicht auf "Radikal (S)Existenzialismus" abändern. (A.P.)