BACK AGAIN: WAVE / POP

VISAGE – Fade To Grey – The Best Of Visage
VISAGE - The Damned Don´t Cry
VISAGE – s.t.

VISAGE – Fade To Grey – The Best Of Visage (CD 1993)

(Polydor)

Wie kaum eine andere Band der 80er Jahre werden VISAGE als Kunstprodukt angesehen, obwohl die Gruppe jahrelang bestand und insgesamt 3 sehr gute Alben und mehr als eine Handvoll guter Singles veröffentlicht hat. VISAGE werden fast immer mit ihrem größten Hit „Fade To Grey“ verbunden, der zu den wegweisenden und stilprägenden Songs dieser Zeit gehört, dennoch war die Band kein „One-Hit-Wonder“, denn zumindest mit den Singles „Mind Of A Toy“ und „The Damned Don´t Cry“ konnte im kleineren Maßstab an den Überhit angeknüpft werden. Es gibt mehrere Best Of-Kopplungen dieser Gruppe, die doch alle sehr ähnlich sind, weil das Gesamtwerk von VISAGE recht übersichtlich ist. Das Cover dieser Zusammenstellung ist angelehnt an die „Fade To Grey“ Single, was durchaus Sinn macht, denn das ist zwar nicht das beste Cover, aber wohl das bekannteste. Natürlich beginnt die CD mit „Fade To Grey“, glücklicherweise in der unübertroffenen „Original Version“. Im Laufe der letzten über 20 Jahre wurde der Titel unzählige Male remixt, neu aufgenommen und zerstört, ohne jemals an die gute alte Single heran zu kommen. Es folgt mit „Mind Of A Toy“ gleich der zweite Tophit, der schneller und tanzbarer ist und mir persönlich fast noch besser gefällt. Dann „Visage“, ebenfalls eine Singleauskopplung, die extrem stark nach Ultravox klingt, was kein Wunder ist, da ja mehrere Mitglieder dieser legendären Gruppe bei VISAGE mitgewirkt haben. DAS ist der Soundtrack der frühen 80er. Auch der Remix von „We Move“ klingt nach Ultravox, allerdings weniger eingängig und glatt, sondern schräger, dafür aber auch tanzbarer. Ich bin mir nicht sicher, aber singt hier nicht sogar Midge Ure anstelle von Steve Strange? Danach dann die allererste VISAGE Single „Tar“, die heute besonders auch wegen des sonst nirgendwo veröffentlichten Mixes von „Frequency 7“ auf der B-Seite extrem gesucht ist. „Tar“ klingt ein bisschen so, wie die ganz frühen Human League, die zur gleichen Zeit angefangen haben und auch langfristig erfolgreich wurden. Den Tiefpunkt der VISAGE Karriere, die Zager/Evans Coverversion „In The Year 2525“, verschweigen wir mal schamhaft, denn mit „The Anvil“ vom gleichnamigen zweiten Album gibt es gleich wieder einen sehr guten Song zu hören, der damals mit Sicherheit jede Tanzfläche zum kochen gebracht hat. Das ist „Night Train“ wohl eher nicht gelungen, denn irgendwie klingt der Song etwas „unfertig“ und zudem noch sehr, als wenn es ein nicht verwendeter Song von Human League wäre. „Pleasure Boys“ ist dann ein etwas unterschätzter Song aus der späteren Phase der Band, als man sich schon vom reinen New Romantic Sound entfernt hatte und stattdessen tanzbaren Disco-Sound produzierte. Eigentlich hätte das das ein weltweiter Hit werden müssen, konnte sich aber nur ein oder zwei Ligen tiefer platzieren. Wahrscheinlich haben die Leute von VISAGE einfach was anderes erwartet. Schade, denn tanzbar und eingängig ist der Song allemal. Es folgt „The Damned Don´t Cry“ (warum hat man dem Song auf dem Cover das „The“ vorenthalten?), vielleicht dem besten Lied, das unter dem Namen VISAGE erschienen ist. Erst dachte ich allerdings, dass es sich hier um einen Remix oder ähnliches handelt, doch als ich mir zum Vergleich noch mal die Version auf „The Anvil“ anhörte, merkte ich, dass es tatsächlich die normale Version ist. Da sage ich nur: Scheiss CD-Technologie! Auf Vinyl hört sich das Lied viel „wärmer“ und einfach besser an! Nichtsdestotrotz bleibt der Song auch auf CD natürlich ein echter 80er Jahre Klassiker. Aus der Spätphase der Band kommt dann „Love Glove“, was zwar eine nette, aber völlig untergegangene Single war. Irgendwie ist der Titel viel zu seicht und beliebig unter unzähligen vergleichbaren Liedern der damaligen Zeit. Da gab es weitaus bessere Bands, wie Images In Vogue und When In Rome, um nur mal zwei unbekanntere zu nennen. Am Ende der CD wird einmal mehr bewiesen, dass „Klassiker“ keine Remixe brauchen und so legen wir den „Bassheads 7“ Edit“ von „Fade To Grey mal unter „B“ wie „Brechmittel“ ab. Trotzdem kann der Uneingeweihte, der nur „Fade To Grey“ kennt diese Zusammenstellung locker als Einstieg in die wunderschöne Welt von VISAGE nutzen. Gäbe es in der Schule den Kurs „Wie klangen die 80er Jahre – Teil 1: 1980 – 1985“, so wären VISAGE mit Sicherheit Pflichtstoff. Schade nur, dass man nicht die Spielzeit der CD genutzt hat und einige weitere Tracks wie „Moon Over Moscow“ oder „Frequency 7“ mit draufgepackt hat, die zwar keine Singles waren, aber auf jeden Fall zu den „Best Of“-Stücken gehören. (A.P.)


VISAGE - The Damned Don´t Cry (12" 1982)

(Polydor)

Ich fand "The Damned Don´t Cry" genauso wie "Mind Of A Toy" schon immer viel besser als "Fade To Grey". Letzteres wird auch heute noch auf jedem 80er Sampler verbraten und bei entsprechenden Partys gespielt.

Diese Maxi von "The Damned Don´t Cry" ist tanzbarer als die normale Version, aber immer noch ein wunderbarer Popsong, melancholisch, melodisch und einfach schön.

Die B-Seite "Motivation" ist ein leicht experimenteller und tanzbarer typischer Früh-80er New Romantic-Instrumentaltitel, der so auch von Duran Duran stammen könnte. (A.P.)


VISAGE – s.t. (LP 1980)

(Polydor)

Mit „Fade To Grey“ hatten Visage, eine „Kunst“-Band bestehend aus Sänger und Paradiesvogel Steve Strange, sowie Leuten von Ultravox und Magazine, 1980 einen Mega-Hit, der von keinem 80er Sampler und keiner 80er Party bis heute wegzudenken ist. Man kann sogar sagen, dass dieser Song der Inbegriff der (kurzen) New Romantic-Welle ist, die nach der Punkexplosion als Gegenpol dazu hochkam.

Ähnlich erfolgreich wie „Fade To Grey“ war auch das dazugehörige Album „Visage“, das eigentlich nur wirklich gute Songs enthält, die man alle jederzeit auf den entsprechenden Partys auflegen kann.

Hervorzuheben wären da beispielsweise die beiden weiteren Singles „Visage“ und „Mind Of A Toy“ und den treibenden Instrumentaltitel „Moon Over Moscow“. Aber auch „Blocks On Blocks“, „Tar“, „Visa-age“ und andere Songs dürften damals die Clubs durcheinander gewirbelt haben.

Musikalisch ist der Einfluss von Midge Ure/Ultravox unüberhörbar, aber auch die Zeitgenossen Human League und Gary Numan/Tubeway Army glaubt man gelegentlich herauszuhören, doch den eigentlichen Zauber von VISAGE machte halt Steve Strange´s Stimme und sein extrovertiertes Auftreten aus. Einen Erfolg wie mit „Fade To Grey“ und diesem Debutalbum konnten VISAGE nie mehr wiederholen, auch wenn noch einige Singles und das zweite Album „The Anvil“ in die Charts kamen. Allerdings dürfte es auch schwer fallen, mehrmals solch einen Übersong zu schreiben, wobei ich ganz persönlich der Meinung bin, dass VISAGE durchaus qualitativ hochwertigere Songs als ihren Bekanntesten hatten, doch die hatten wohl einfach nicht den richtigen Zeitpunkt erwischt... (A.P.)