BACK AGAIN: POP-REVIEWS

T.A.T.U. – 200 km/h In The Wrong Lane (CD 2002)

(Universal)

Ich kaufe pro Jahr etwa 3-4 topaktuelle CDs, die in den Charts abräumen, dieses Jahr habe ich die erste schon Mitte Januar erworben. Die beiden Mädels von T.A.T.U. kommen aus Russland und haben in ihrer Heimat schon Millionen von CDs verkauft. Seit einigen Wochen läuft der Videoclip zu „All The Things She Said“ rund um die Uhr in allen Musikkanälen. Die Mädchen tragen darin Schulmädchenuniformen mit extrem kurzen Röcken und laufen durch den Regen, so dass die Blusen am Körper kleben. Die Marketingstrategen kreieren ein Girlie-Image, unangepasste junge Mädchen, die machen, was sie wollen, trotzdem gerne Haut zeigen und in T-Shirts mit dem Aufdruck „Too busy to fcuk“ (kein Schreibfehler!) rumlaufen. Starke Frauen, eine immer fröhlich lachend und mit langen hellen Haaren, die andere eher ernst und geheimnisvoll mit dunklen Haaren, die Aufgrund ihres Images sicher auch unter Lesben ein gewisses Ansehen genießen, zumal sie sich im Videoclip auch küssen und auch sonst dieses Image forcieren. Ob sie wirklich lesbisch sind, weiß ich nicht, ist mir auch scheißegal. Auf jeden Fall wird hier strategisch klug von der Plattenfirma eine neue Superband aufgebaut, die zudem einen gewissen Exotenbonus wegen ihrer Herkunft haben. Eine verachtenswerte Vermarktung von jungen Mädchen, die an die niederen Instinkte, vor allem junger Männer appelliert (denn wer hat sich nicht schon mal erträumt, mit zwei Frauen gleichzeitig...aber lassen wir das...). Und ich?

Ich falle voll drauf rein!!!!

Als ich beim zappen zufällig mal auf einem Musiksender hängen blieb und das Lied gerade lief, wusste ich nach 10 Sekunden, dass das mein Lieblingslied des Jjahres 2003 werden wird, das ich auch in 5 oder 10 Jahren noch geil finden werde. Das Video zu „All The Things She Said“ ist so was von genial und ereicht bei mir genau das, was geplant ist, nämlich, dass ich es immer wieder sehen will und mit zitternden Ohren auf die Veröffentlichung des Albums gewartet habe und sofort im Internet auf die Suche nach Infos und Bildern von T.A.T.U. gegangen bin. Ich bekenne mich also absolut als schuldig auf eine offensichtliche Promotionmasche reingefallen zu sein und muss mir selber eingestehen, dass auch ich gelegentlich anfällig für solche Dinge bin. Zu meiner Entlastung muss ich aber anführen, dass das gesamte Album wirklich gut ist und nicht nur der eine Song. Natürlich ist es pure Popmusik mit rockigen Gitarren, aber auch ruhigen Balladen und jeder Menge gerade angesagter 80er Jahre Einflüsse. Jeder der 10 unterschiedlichen Songs (+ 3 weitere Remixe) bleibt sofort im Ohr. Die Verbindung von emotionaler, manchmal monumentaler Popmusik mit den beinahe kindlichen, gelegentlich auch etwas heiseren Mädchenstimmen ist einfach perfekt. Ich muss die ganze Zeit an das One-Hit-Wonder Scarlett denken, deren „Independent Love Song“ heute noch eines meiner ewigen Lieblingslieder ist. Auch ein paar Gedanken an Martika´s „Toy Soldier“ und die unsterblichen Shakespears Sister kommen mir beim Hören dieser CD. Bemerkenswert finde ich übrigens die Coverversion von „How Soon Is Now“ der legendären Smiths, die auch mit weiblichen Gesang (oder gerade deshalb!) hervorragend funktioniert. Als Bonus gibt es, und dafür bin ich nun der Plattenfirma sehr dankbar, den Videoclip zu „All The Things She Said“ in voller Länge und noch ein kurzer Hintergrundbericht mit Interviewausschnitten, Bildern von einer Fotosession und proben für ein Konzert. Mehr kann man nun wirklich nicht verlangen. Und ich ärgere mich weiter, dass ich drauf reingefallen bin. Ich liebe diese CD!!! (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden