BACK AGAIN: POP-REVIEWS

SPILLSBURY - Was wir machen
SPILLSBURY - Raus!
SPILLSBURY - Die Wahrheit
SPILLSBURY - Kurz vor Vier/Jona

SPILLSBURY – Was Wir Machen (MCD/12“ 2004)

(L´Age D´or/Rough Trade)

SPILLSBURY sind definitiv eine große Band, eine der besten in Deutschland in den letzten Jahren, aber das schützt sie auch nicht davor, mal einen Fehler zu machen. Diese weitere Auskopplung aus dem gigantisch guten Album „Raus“ ist doch etwas enttäuschend, denn zum einen wurde nicht gerade einer der besten Songs ausgewählt und zum anderen war man faul und hat lediglich 5 Versionen des Titel (Vinyl 4 Versionen) fabriziert und sich nicht die Mühe gemacht, wenigstens einen neuen Song aufzunehmen.

Da ist zunächst mal der „Single Mix“, der kaum die Power der Albumversion rüber bringt. War „Was Wir Machen“ auf dem Album zumindest noch ein treibender Popsong, so wirkt der Titel hier eher lahm, sollte wohl radiotauglich sein. Der „Kid Alex Boys Noize Radio Edit“ ist auch für die Radios abgemischt und ziemlich rhythmisch mit vielen kleinen Soundspielereien, aber nicht wirklich poppig und somit kaum in der heutigen Formatradiolandschaft nutzbar. Der „JNS Remix“ ist experimenteller und technoid, aber letztendlich nicht wirklich interessant. Das ist weder für den Club-, noch den Radioeinsatz gemacht und ob andere SPILLSBURY-Fans damit was anfangen können und den Mix ständig zu Hause hören, bezweifle ich auch mal. Clubtauglich ist dann aber der „MJ Lan & Vredus Remix“ des Titels, aber sind SPILLSBURY tatsächlich eine Band, die kompatibel mit der Technoszene ist? Immerhin ist es kein Scooter-Deppentechno, sondern experimentierfreudig gemixt. Die Technoclubs werden wohl trotzdem nicht vor Begeisterung überkochen. Zum Schluß gibt es noch den „Kid Alex Boys Noize Remix“, der eine lange Version des „Radio Edit“ ist. Hier kommt immerhin eine gewisse monoton-rhythmisch geprägte Atmosphäre auf.

Nun ja, diese Veröffentlichung erscheint mir ein bisschen überflüssig und wird wohl hauptsächlich deshalb gemacht worden sein, um den Namen SPILLSBURY in der Öffentlichkeit zu halten bis ein neues Album kommt. Liebhaber von „Raus“ werden hiermit wohl wenig anfangen können und es bleibt zu hoffen, dass das nicht schon auf den Stil des zweiten Albums hindeutet. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so kritisch über SPILLSBURY schreiben müsste. Nebenbei bemerkt gucken die beiden SPILLSBURYs auf dem Cover so, als wenn sie denken „wenn ihr schon ein Coverfoto für eine überflüssige Platte braucht, macht wenigstens schnell...“

Das sagt wohl schon alles. Schade... (A.P.)


SPILLSBURY – Die Wahrheit (MCD 2003)

(L´age D´or)

Mit der ersten EP, einer hübschen kleinen Vinylsingle und dem grandiosen Debutalbum „Raus!“ sowie vielen Konzerten konnten sich die Hamburger SPILLSBURY schon eine ordentliche Fangemeinde erschließen und werden neben „der anderen deutschsprachigen Band mit Frauengesang und Anklängen an die NDW-Zeit“ als DIE Band der Stunde gefeiert. Zu Recht, wie ich finde.

Mit der aus dem Album ausgekoppelten Single „Die Wahrheit“ sollte nun auch der breitere kommerzielle Erfolg greifbar werden und wenn die Gruppe so rotzfrech bleibt, wie bisher, ist ihr das zu gönnen. Der Videoclip läuft jedenfalls schon auf so ziemlich allen TV-Musiksendern.

Mit der MCD passt man sich den Marktgesetzen an und packt insgesamt vier unterschiedliche Mixe von „Die Wahrheit“ drauf, dazu noch einen bisher unveröffentlichten „Bonustrack“, früher nannte man das einfach B-Seite und mit Bonus hatte das nichts zu tun, sondern war ganz normal. Aber offenbar erwarten die „normalen“ CD-Käufer heute auf Singles nur noch Remixe  und so muss man sie extra darauf hinweisen, dass ein Stück auf der CD ist, das noch nicht vom Album bekannt ist. Wenigstens den Videoclip hätte man noch mit auf die MCD nehmen können, aber den kann man sich wenigstens auf der L´age D´or, bzw. der SPILLSBURY-Website ansehen...und halt täglich auf MTViva.

Der „Radio Edit“ von „Die Wahrheit“ ist genau das, was man erwartet, nämlich die eingängigste, radiotaugliche Version des Ohrwurms. Der „Thomas Troelsen Remix“ packt den Rhythmus stark in den Vordergrund und spielt mit vielen elektronischen Effekten, ist aber trotz einer gewissen Annäherung noch kein Techno. Sicher kein schlechter Mix, aber vielleicht ein wenig steril.

Es folgt der „Kid Q´s Dirty Truth“-Mix, der wie eine Mischung aus modernen Techno-Elementen und 80er-Electro-Pop klingt und mit der rotzigen (positiv gemeint) Stimme von Sängerin Zoe spielt und diese immer wieder in den Vordergrund mischt. Leider ist der Mix etwas zu lang und wirkt mit der Zeit etwas ziellos. Weniger wäre hier mehr gewesen, wie der Volksmund sagt. Der „JNS Remix“ ist wieder eingängiger und dürfte auch 80s-Fans gefallen, bietet aber nicht viel Neues. Mir fehlt ein wenig ein Remix, bei dem eine Gitarre powern würde, so was gibt es hier gar nicht zu hören.

Der „Bonustrack“ „Eins, Zwei, Drei“ ist dann wieder ein typischer SPILLSBURY-Song, der so auch gut auf dem Album sein könnte. Kraftvoll, treibend, einfach gut.

Man muss es sagen, wie es ist, diese MCD ist für die Charts produziert worden. Den Erfolg kann man nur erhoffen, denn dann wäre endlich mal wieder was Vernünftiges in den Charts. Spätestens nach dieser Maxi sollte man sich aber das noch weitaus genialere Album „Raus!“ zulegen, denn erst da kann man das ganze Potential der Hamburger erahnen. (A.P.)


SPILLSBURY – Raus! (CD 2003)

(L´age D´or)

SPILLSBURY sind derzeit in aller Munde, besser gesagt in aller Ohren und werden abgefeiert, wie sonst kaum eine andere deutsche Band...abgesehen von Wir Sind Helden.

Wenn man über SPILLSBURY schreibt, kommt man kaum an Wir Sind Helden vorbei, was aber eigentlich echt unfair ist, denn abgesehen davon, dass beiden Bands eine deutschsprachige Sängerin haben und musikalisch an beste NDW-Zeiten erinnern, sind sie doch ziemlich unterschiedlich. Schade also, dass niemand, ich auch nicht, diesen Vergleich außen vor lassen kann. Nun ist da aber absolut nicht böse gemeint und es ist mit Sicherheit Platz für zwei Bands dieses Stils.

Dabei sind SPILLSBURY sowieso, die Undergroundtauglicheren, mehr rotzlöffelig, rockiger und weniger medientauglich, also genau so, wie Wir Sind Helden gerne sein würden, aber auf Grund ihrer extremen Medienpräsenz nicht mehr sein können. Dabei sind sie aber durchaus eingängig, ohne ihre Punkwurzeln zu verleugnen und der Einsatz hübscher kleiner Synthiemelodien ist mehr als sympathisch. Die meisten Songs treiben gnadenlos nach vorne und die gar nicht mädchenhafte Stimme von Sängerin Zoe (warum guckt die auf den Fotos im Booklet immer so böse?) unterscheidet sich wohltuend von den meisten Popbands mit Sängerin. Die Texte sind direkt und durchaus kritisch, ohne zu lehrmeistern und ohne die häufigen Wortspielereien der anderen Band, die ich jetzt nicht mehr erwähnen möchte, weil SPILLSBURY den Vergleich bestimmt nicht mehr hören oder lesen mögen.

Was soll ich viel schreiben? Coole CD, die es auch als LP gibt, eigentlich nur Hits mit viel Kraft und wenn Duo-Mitglied Tobias ein T-Shirt der Hamburger Punk-Band „Der Trick ist Zu Atmen“ trägt, kann er kein schlechter Mensch sein, oder?

Ach ja, ein so genannter „Hidden Track“ ist auch noch dabei, was mal wieder völlig überflüssig ist. Nicht der Song, der ist wirklich klasse, aber warum wird er versteckt? Nun ja, Ein schönes Cover und Booklet mit den Texten entschädigen für so einen Blödsinn. Leute, steht doch zu Euren Songs und schreibt sie aufs Cover, die sind doch wirklich gut! (A.P.)


SPILLSBURY – Kurz Vor Vier / Jona (7“ 2003)

(L´age D´or)

Erste Auskopplung aus dem genialen Album „Raus!“ von SPILLSBURY war die 7“ „Kurz Vor Vier/Jona“, die zwar nichts unbekanntes bietet, aber alleine wegen des 7“ Formats schon bald ein Sammlerstück unter Fans werden dürfte. Mal ganz abgesehen davon, dass hier zwei Hits des Albums vertreten sind. Wie immer treibender NDW-angehauchter Sound, der aber nie altmodisch klingt und dazu Zoe´s Gesang, der sich wohltuend von all den „lieblichen“ Stimmen abhebt, die uns in diversen Casting-Shows schmackhaft gemacht werden sollen. Wer das Album hat, braucht die Single nicht unbedingt, da sie nichts Neues bietet, aber alleine, dass es Vinyl ist, war Grund genug für mich, die Platte zu kaufen. SPILLSBURY, wie man sie mag. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden