BACK AGAIN: WAVE / POP

SOFT CELL - Cruely Without Beauty
SOFT CELL – Monoculture
SOFT CELL – 14.November 2001 – Hamburg, Große Freiheit 36

SOFT CELL - The Twelve Inch Singles
SOFT CELL - This Last Night In Sodom
SOFT CELL - The Art Of Falling Apart
SOFT CELL - Non Stop Erotic Cabaret

SOFT CELL - Cruelty Without Beauty (CD 2002)

(Cooking Vinyl/Indigo)

Ewig musste man warten, bis es ein neues Lebenszeichen von SOFT CELL gab. Nach den erfolgreichen und vor allem fantastischen Konzerten und der "Monoculture" Single ist nun endlich auch das neue Album "Cruelty Without Beauty" auf dem Markt und dürfte alle alten und neuen Fans absolut überzeugen.

Gleich der Opener "Darker Times" ist ein echter Tanzflächenhit, der nicht mehr aus dem Ohr geht. Super produziert und treibend-kraftvoll. Ähnlich geht es bei der Singleauskopplung "Monoculture" weiter. "Grand Guignol" folgt dann als minimalistischer Popsong, der mich ein bisschen an die frühen experimentellen Stücke von OMD erinnert, wirklich cool. Es folgt dann mit "The Night" ein lupenreiner Popsong, wie Robbie Williams ihn gerne mal singen würde. Von ihm interpretiert würde das ein Top 5 Hit werden, von SOFT CELL jedoch nicht, da die Kids die Gruppe heute kaum noch kennen, eine Schande! Mit "Last Chance" gibt es als nächstes dann eine absolute Mega-Ballade zu hören, die bei den Konzerten von Marc Almond als Fortsetzung zu "Say Hello Wave Goodbye" angesagt wurde. Soooo schön! Irgendwie könnte ich mir den Song auch gut in einem der coolen 80er Jahre Filme wie "Pretty In Pink" vorstellen. Als nächstes dann "Together Alone", ein SOFT CELL-typischer, etwas schleppender, "schwerer" Song, wie man ihn sich auch auf den Alben "The Art Of Falling Apart" und "This Last Night In Sodom" vorstellen könnte. Etwas schwächer und eher wie ein Marc Almond Solosong klingt "Disperate", aber ein Ausrutscher darf auch einer Gruppe wie SOFT CELL mal passieren. Ebenfalls etwas sehr seicht ist "Whatever It Takes", nicht mehr und nicht weniger, als ein netter kleiner Popsong, dessen Text eine kleine Geschichte erzählt. "All Out Of Love" ist als Midtempo Stück schon von der Single bekannt und klingt eigentlich auch eher wie ein gutes Sololied von Marc Almond, mit einem sehr tanzbaren Rhythmus und guter Melodie. Ziemlich untypisch für die Band klingt "Sensation Nation"", wenn man sich aber erstmal in den Song reingehört hat, wird er immer besser. Es folgt "Caligula Syndrome", das sich schnell unter den Fans zu einem SOFT CELL Klassiker entwickeln dürfte. Wer "Martin" mag, wird "Caligula Syndrome" lieben und verehren, ein wirklich großer Song! Leider endet die CD dann schon mit dem Titel "On An Up". Hier wird´s noch mal tanzbar, wie am Anfang des Albums. Und das Fazit? SOFT CELL haben es beeindruckend geschafft, an die Qualität ihrer alten Platten anzuknüpfen und klingen immer noch unverwechselbar. Die Atmosphäre der 80er Jahre ist erhalten geblieben, ohne aber altbacken zu klingen. Moderne Sounds und Rhythmen wurden von Dave Ball "sanft" in die Songs eingebaut, so dass eigentlich jeder mit dieser Platte zufrieden sein müsste, der überhaupt Interesse an SOFT CELL haben könnte. Musikalisch gibt es zwei neue Bandklassiker ("Last Chance" und "Caligula Syndrome"), fünf bis sechs wirklich sehr gute Songs und nur ein bis zwei eher schwache Lieder, sehr guter Schnitt also. Wenn "Get Ready" von New Order im Jahr 2001 mein Favorit war, so hat "Cruelty Without Beauty" dieses Jahr gute Chancen, diese Position zu belegen (vielleicht gemeinsam mit Boytronic´s "Autotunes").(A.P.)


SOFT CELL – Monoculture (MCD 2002)

(Cooking Vinyl/Indigo)

Natürlich wird dies eine hemmungslos subjektive Lobeshymne auf die erste richtige neue Veröffentlichung von SOFT CELL seit fast 2 Jahrzehnten, denn Marc Almond und Dave Ball gehören zu den größten Musikern, die die Welt in den letzten Jahrtausenden hervorgebracht hat. Nach zwei zu Recht umjubelten Reunion-Touren durch deutsche Lande gibt es jetzt also endlich neues Material, zunächst in Form der Maxi „Monoculture“, in Kürze aber auch unter dem Titel „Cruelty Without Beauty“ als Album. Schön, dass SOFT CELL für die Veröffentlichung das relativ kleine Cooking Vinyl Label gewählt haben, so dürften sie näher an ihren wahren Fans bleiben, als bei einer großen Major Company, die wahrscheinlich völlig unrealistische Verkaufszahlen erwarten würde, denn, ich wage es mal zu prophezeien, „Monoculture“ wird kein Top 10 Hit, nicht, weil der Titel nicht gut wäre, sondern, weil er einfach nicht das ist, was die MTViva-Jugend zu hören gewohnt ist. Dabei hat der Song alles, was ihn zu einem Hit machen müsste, eine eingängige Melodie, einen mitsingbaren Refrain und sehr tanzbare Rhythmen. „Monoculture“ ist in einem normalen „Radio Mix“ und einem langen „Extended Mix“ vertreten, auch hier bleiben sich SOFT CELL also treu, denn schon zu ihren Glanzzeiten haben sie stets tolle Maxiversionen ihrer Singles gemixt, um die Fans zufrieden zu stellen. Der Song klingt einfach perfekt nach SOFT CELL, allerdings ohne dabei altbacken zu wirken. Dave Ball hat es geschafft, den Sound im liebgewordenen Stil, aber doch zeitgemäß zu kreieren, was wirklich ein Kunststück ist. So dürften alte Fans wie ich ihre Zweifel schnell über Bord werfen und trotzdem neue Hörer angesprochen werden. Natürlich ist da dann auch noch Marc Almond´s unverwechselbare Stimme, die die Band von Anfang an nachhaltig geprägt hat. Neben den beiden Mixen des Titelstücks gibt es noch zwei weitere Track zu hören, zum einen „All Out Of Love“, einem soliden mittelschnellen Song, mit leichtem Blechbläser- (natürlich synthetisch) Einsatz. Zum anderen findet sich „Dancing Alone“ auf dieser CD, ähnlich wie „Monoculture“ ein sehr tanzbarer Titel mit hübschen kleinen Electrospielereien und großem Potential für die Tanzflächen.

Keine Frage, SOFT CELL haben es geschafft, sich selber treu zu bleiben, die alten Fans zu begeistern und neue hinzu zu gewinnen. Die Songs auf dieser Maxi klingen so, wie es sein soll: Soft Cell 2002! Und komme mir da keiner mit „80er-Revival-Abzock-Reunion“ oder so, SOFT CELL sind auch heute noch wichtig.

Übrigens enthält die Tracklist auf dem Backcover einen Druckfehler, vielleicht wird diese Pressung ja mal viel Geld wert...obwohl...ich würde die Maxi nicht mehr hergeben. (A.P.)


SOFT CELL – 14.November 2001 – Hamburg, Große Freiheit 36

ICH HABE GOTT GESEHEN (und seinen Keyboarder) !!!

Irgendwann im Spätsommer tauchte in einer Hamburger Lokalzeitung eine unscheinbare Anzeige auf, dass im November die legendären SOFT CELL auf ihrer Reunion-Tour auch Hamburg besuchen würden. Keine Frage, dass ich dabei sein musste. Also gleich diverse Leute informiert, Karten besorgt, für den nächsten Arbeitstag Urlaub angemeldet und geistig vorbereitet, Songs geübt und ansonsten alles um mich herum vergessen. Dazu sollte man wissen, dass SOFT CELL für mich eine der wichtigsten Gruppen überhaupt sind, neben The Cure und Christian Death, also wird dieser Konzertbericht voller Lobpreisungen und ähnlichen subjektiven Beweihräucherungen über Marc Almond und Dave Ball sein.

Am Mittwoch, 14.November 2001, machte ich mich um kurz nach 19.00 Uhr auf den Weg, nach langer Zeit mal wieder mit aufgestylten Haaren, und traf gegen 19.20 Uhr vor dem Ort des Geschehens ein, wo schon eine Menschentraube auf den Einlass wartete, der für 20.00 Uhr angekündigt war. Schnell traf man einige Freunde und Bekannte und auch Leute, die man Jahre nicht mehr gesehen hatte (hallo Manni!), man genoß das eine oder andere Bierchen und drängelte sich dann irgendwann mit der Masse zum Eingang durch, wo man oberflächlich abgetastet wurde (eine Handgranate reinschmuggeln wäre überhaupt kein Problem gewesen). Freude auch, als man den Kartenabreisser kannte (hallo Olli!), den man ebenfalls mindestens 5 Jahre nicht mehr getroffen hatte. Während Haiko gleich zum Klo stürmte (wahrscheinlich musste er vor Aufregung Pipi machen), positionierte man sich nahe des Biertresens, von wo aus man einen guten Blick auf die Bühne hatte, aber auch durch eine sanfte Drehung nach links die Getränke ordern konnte. Gegen 20.40 Uhr betraten drei lächerlich aussehende Gestalten die Bühne, die sich Armageddon Teen Idols nannten und eine halbe Stunde stumpfen Technobeat mit nicht zu hörender Gitarre und unverständlichem Gesang vorführten. Schlau wie sie waren, machten sie zwischen den einzelnen Stücken keine Pausen, so dass Mißfallensbekundungen seitens des Publikums übertönt wurden. Gerade als wir darüber redeten, dass die Gruppe eine armselige Ausgabe von Scooter wäre („Hyper Hyper“), sahen wir deren Gröhler H.P.Baxter (oder so) im Publikum rumstehen. Glücklicherweise verabschiedete sich die Vorgruppe ohne Zugabe, nachdem sie einen kleinen Höflichkeitsapplaus bekommen hatte (wofür?).

Umbaupause, eine gute halbe Stunde Zeit, um schon mal zu diskutieren, mit welchem Lied SOFT CELL beginnen würden und an welcher Stelle des Auftritts die großen Hits kämen, ausserdem, welche Lieder man sich ganz besonders wünschte und welche wohl eher nicht kommen. Mein Vorschlag, dass am Beginn nach einem instrumentalem Intro vom Band „Memorabilia“ folgen würde, daß „Tainted Love“ als letztes Stück des regulären Programms anstand und „Say Hello Wave Goodbye“ im Zugabenblock käme, fand allgemeine  Zustimmung. Haiko wünschte sich „Secret Life“ und „Sex Dwarf“, ich plädierte für „Youth“, „Martin“ und „Seedy Films“. Diese Vorhersagen waren ziemlich zutreffend, wie sich zeigen sollte. Etwas irritierend fanden wir die Gitarre, die auf der Bühne rumstand.

Dann wurde es dunkel, ein grenzenloser Jubel brach in der vollen Halle aus und nach einem instrumentalem Intro vom Band kamen Marc Almond und Dave Ball auf die Bühne. Letzterer verschanzte sich auf einem Podest hinter seinen Keyboards und Marc Almond trommelte die ersten Takte von „Memorabilia“ an einem E-Schlagzeug. Die Version war eher an den Remix vom „Nonstop Ecstatic Dancing“ Album angelehnt, als an die alte Singleversion. Keine weiteren Musiker, keine große Bühnendekoration, sondern SOFT CELL pur, eben genau das, was die Fans hören und sehen wollten. Der erste Song hatte einen lauten Jubel zur Folge und zur Abkühlung brachte die Band dann erst mal ein neues Stück von der für 2002 anstehenden neuen Platte, das aber auch durchaus gut klang, moderner, aber doch als SOFT CELL erkennbar. Wurde vom Publikum auch sehr gut aufgenommen. Dann „Heat“ vom 2. Album, ein weiteres gutes neues Stück und „The Art Of Falling Apart“, ebenfalls von gleichnamigen 2. Album. Zur Beruhigung dann einige ruhigere Sachen. „Youth“ (jaaaaa!), und wieder ein neues Stück. Es folgten in loser Reihenfolge Hits wie „The Best Way To Kill A Man“, „Bedsitter“, „Torch“ und noch zwei neue Songs. Das Publikum kochte, die Band war sichtlich erfreut und anscheinend völlig überrascht und überwältigt von dem Jubel. Marc Almond plauderte zwischen den Songs immer wieder ein wenig, spielte bei „The Best Way To Kill A Man“ Gitarre (wie Haiko meinte) oder hatte sie bei dem Lied nur umhängen (wie ich meine). Natürlich kam der Großteil der Musik vom Band, aber Dave Ball spielte unüberhörbar immer wieder einige Keyboardlinien live. Nach etwas dünnem Sound am Anfang wurde das schnell besser. Dann der Song, der SOFT CELL zur Legende gemacht hat, „Tainted Love“! Das Publikum (der Altersschnitt dürfte über 25 gelegen habe) rastete total aus, tanzte (soweit Platz war), sang mit und freute sich einfach. Haiko und ich diskutierten kurz, ob wohl die Maxiversion gespielt würde, die in den Klassiker „Where Did Our Love Go?“ übergeht, als auch schon genau der Übergang dazu zu hören war, was noch mal frenetischen Jubel verursachte. Almond war hin und weg, vergass zwischenzeitlich fast das singen, ließ das Publikum singen, stellte noch kurz Dave Ball in den Mittelpunkt, der als Musiker ja einen nicht geringen Anteil am Erfolg hat aber aufgrund des Jubels ein wenig verschüchtert wirkte, sich aber sichtlich freute. Dann verschwanden die beiden hinter der Bühne und ein Jubelorkan brach los (Lob an das sonst eher lahmarschige Hamburger Publikum, an diesem Abend konnte es den Vergleich zu anderen Städten und Großveranstaltungen locker standhalten und sogar übertreffen). Nach kurzer Zeit kamen Almond und Ball wieder auf die Bühne und die ersten Klänge von „Say Hello Wave Goodbye“ erklangen und ein nicht für möglich gehaltener Stimmungsanstieg war die Folge. Marc Almond ließ das Publikum die ersten Zeilen singen und strahlte vor sich hin. Ich bekam eine Gänsehaut und meine Augen füllten sich mit Tränen...ja, ich weinte! Nach dem Song gingen die Musiker wieder hinter die Bühne und man befürchtete schon, dass es das gewesen war, was sollte jetzt noch als Steigerung kommen? Na ja, „Sex Dwarf“ und eigentlich auch „What!“ fehlten noch und tatsächlich kamen sie wieder. Ich fiel fast in Ohnmacht, als ich die ersten Klänge des genialen „Martin“ hörte und dachte, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt zum sterben. Das tat ich natürlich nicht, sondern erfreute mich anschließend noch an „Sex Dwarf“, das die letzten Reserven aus dem Publikum herausholte. Dann war tatsächlich Schluß, nach immerhin gut 90 Minuten. Einerseits hätte ich dem Ereignis auch noch zwei Stunden weiter zuhören können, andererseits reichte es, eine Steigerung war nicht mehr möglich und zufrieden verließ man die Große Freiheit 36 in Richtung Auto, wo Haiko zufällig gerade „Say Hello Wave Goodbye“ im Autoradio liegen hatte. Welch passender Abschluß für eines der zehn besten Konzerte, die ich je erlebt habe (und dass waren inzwischen gut 350!). (A.P.)


SOFT CELL - The Twelve Inch Singles (3-CD 1999)

(Some Bizzare/Mercury USA)

Eine wunderschöne Box mit allen veröffentlichten Maxis von SOFT CELL, für Fans absolut unverzichtbar, um die Originale zu schützen. Die geniale „Tainted Love/Where Did Our Love Go“ Maxi ist dabei, das unglaubliche „Say Hello Wave Goodbye“ Meisterwerk und alles, was sonst noch so als 12“ erschienen ist, inclusive aller B-Seiten, wobei ich hier besonders die lange Version von „Loving You Hating Me“ hervorheben möchte. SOFT CELL haben noch richtige Maxis gemacht, viele Stücke gehen über 7 Minuten, ohne dabei zu langweilen und neben den Hits sollten besonders auch die B-Seiten und damit unbekannteren Lieder Beachtung finden, z.B. das sehr gute „Facility Girls“ oder die Johnny Thunders Coverversion „Born To Lose“ und das Frühwerk „It´s A Mugs Game“. Im Booklet sind dazu noch alle Plattencover mit Erscheinungsdatum und weiteren Informationen abgedruckt. Als Bonus gibt es noch ein paar 90er Jahre Versionen der bekannten Hits, die allerding etwas überflüssig erscheinen. Dennoch, mit dieser Box, auch wenn sie sicherlich aus rein kommerziellen Erwägungen entstanden ist, zeigt sich einmal mehr, daß SOFT CELL eine der ganz großen Bands der 80er waren und einen nicht geringen Einfluß auf die Popmusik hatten. Marc Almond als Solokünstler hat ja auch heute noch eine gute Stellung im Showbiz und gehört zu den wirklich großen Künstlern. (A.P.)


SOFT CELL - This Last Night In Sodom (CD 1984/1998)

(Some Bizzare/Mercury)

Als die Plattenfirma Mercury 1998 alle vier Soft Cell Alben re-releaste, freute ich mich besonders of das letzte reguläre Album der Band „This Last Night In Sodom“. Obwohl mir der Vorgänger „The Art Of Falling Apart“ insgesamt besser gefällt, enthält „This Last Night In Sodom“ doch einiger der besten und interessantesten Stücke von Marc Almond und Dave Ball und vor allem ist es das unkommerziellste Album. Nicht nur durch Almond´s Stimme waren SOFT CELL immer unverwechselbar, sondern auch der Sound von Dave Ball war immer deutlich zu erkennen, und so hat es eigentlich niemals danach eine Band gegeben, von der man sagen könnte, sie würde klingen wie SOFT CELL, während Depeche Mode, Erasure und andere viele Nachahmer gefunden haben. Den Sound von SOFT CELL kann man einfach nicht kopieren.

„This Last Night In Sodom“ ist eigentlich ein elektronisches Rock´n´Roll Album und bei weitem nicht so poppig, wie die Vorgänger. An die Musik von „Non Stop Erotic Cabaret“ erinnert nur noch wenig. Trotzdem gibt es hier zwei erfolgreiche Singleauskopplungen zu hören mit „Soul Inside“ und „Down In The Subway“. Mein ewiger Lieblingssong von SOFT CELL ist aber „Meet Murder My Angel“, ich denke mal einer der intensivsten Songs der Band überhaupt. Zu den ausgereiftesten Kompositionen gehört „L´Esqualita“, der schon ein wenig vorwegnimmt, was Marc Almond zunächst mit den Mambas und später Solo gemacht hat, während Davel Ball sich zu experimentelleren Klängen hin bewegt hat. Großartig sind auch Titel wie „Mr. Self Destruct“ und „Where Was Your Heart“ und im Prinzip alle anderen auch. Wer SOFT CELL aus Unwissenheit oder Ignoranz nur auf ihre Welthits „Tainted Love“, „What“ und „Say Hello Wave Goodbye“ reduziert, wird mit „This Last Night In Sodom“ wahrscheinlich nur wenig anfangen können, wer aber die Band auch nach diesen Chartbreakern weiter verfolgt hat, wird mir zustimmen, daß diese Platte wirklich groß ist. Wie bei allen ´98er Wiederveröffentlichungen, gibt es auch hier wieder einige Bonustracks von Maxi Singles, u.a. die lange Version von „Soul Inside“, zum anderen SOFT CELL´s Interpretation des James Bond-Themas und den James Bond Titelsong „You Only Live Twice“, ausserdem das Johnny Thunders Cover „Born To Lose“, das mehr als deutlich zeigt, daß SOFT CELL eigentlich eine Rock´n´Roll Band waren. (A.P.)


SOFT CELL - The Art Of Falling Apart (CD 1983/1998)

(Some Bizzare/Mercury)

Nach dem großen Erfolg von „Tainted Love“ und dem dazugehörigen Album „Non-Stop Erotic Cabaret“ sowie dem Remix-Album „Non-Stop Ecstatic Dancing“, war klar, daß die Nachfolgeplatte es schwer haben würde. Man konnte eine Kopie des Vorgängers erwarten, oder auch ein absolut schwaches Album, daß aber SOFT CELL´s beste Platte dabei herauskommen würde, war doch überraschend. Mit „Where The Heart Is“, „Numbers“ und „Loving You Hating Me“ waren drei erfolgreiche Singles auf der Platte, aber auch die anderen Songs konnten ausnahmslos überzeugen, seien es tanzbare Popsongs wie „Forever The Same“ oder dunklere, experimentelle Nummer wie „Baby Doll“ und „The Art Of Falling Apart“. Letztgenannter Titel und „Loving You Hating Me“ sind bis heute zwei der besten SOFT CELL Songs überhaupt. Die Erstauflage der Platte hatte als Bonus eine 12“ dabei, auf der das großartige 10 Minuten Stück „Martin“ enthalten war, ausserdem ein Medley aus den wohl bekanntesten Jimi Hendrix Titeln „Hey Joe“, „Purple Haze“ und „Voodoo Child“. Auf der 1998 erschienenen CD-Wiederveröffentlichung von „The Art Of Falling Apart“ sind diese Stücke natürlich als Bonustracks enthalten, dazu noch die Single-B-Seiten „It´s A Mug´s Game“ und „Barriers“, so daß die Spielzeit der CD voll ausgenutzt wird. Jeder, für den SOFT CELL mehr sind, als nur „Tainted Love“ und „Say Hello Wave Goodbye“, darf an diesem Album nicht vorbeigehen. (A.P.)


SOFT CELL - Non-Stop Ecstatic Dancing (MLP/CD 1982/1998)

(Some Bizzare/Mercury)

Nach dem Mega-Erfolg von der Single „Tainted Love“ und dem ebenfalls sehr erfolgreichen Album „Non-Stop Erotic Cabaret“ legten SOFT CELL bald darauf dieses Mini Album nach. Während heutzutage Remix-Alben nichts ungewöhnliches sind, war das zur damaligen Zeit absolut nicht gängig. Zudem waren alle sechs Titel ziemlich überzeugend und durchgehend extrem tanzbar. Einzig „What?“ ist sehr an die normale Version angelehnt, ansonsten haben Almond und Ball sich an „Memorabilia“, „Where Did Our Love Go“, „A Man Could Get Lost“, „Chips On My Shoulder“ und „Sex Dwarf“ ausgiebig ausgetobt. Besonders „A Man Could Get Lost“ und „Chips On My Shoulder“ sind sicherlich Vorbilder für die spätere Acid-House Welle und sogar ein bisschen für Techno gewesen. Wer hier nicht mindestens mit dem Fuss mitwackelt, muß wohl ansonsten ausschließlich Volksmusik hören. Als Bonustracks gibt es auf der 1998er CD-Wiederveröffentlichung wie gewohnt einige Tracks, hier die „Extended Versions“ von „Tainted Love/Where Did Our Love Go“, „Memorabila“, „Torch“ und einige mehr. Somit ist diese CD wie die anderen drei Werke natürlich Pflicht. Hat man die vier CDs zusammen, verfügt man beinahe über das Gesamtwerk der Band. (A.P.)


SOFT CELL - Non-Stop Erotic Cabaret (CD 1981/1996)

(Some Bizzare/Mercury)

„Non-Stop Erotic Cabaret“ gehört zweifellos zu  den 10 einflussreichsten Popalben der 80er Jahre und das nicht nur, weil der Welthit „Tainted Love“ hierauf enthalten ist. Vielmehr hat diese Platte die Musikwelt nachhaltig verändert und sozusagen das „Synthie-Duo“ etabliert, das fast immer in den folgenden Jahren aus einem exaltierten Frontmann (bzw. -frau) und einen in sich gekehrten Musiker bestand, sei es Erasure, Yazoo, Pet Shop Boys oder Eurythmics. Alle diese Bands haben die 80er geprägt, aber an SOFT CELL ist keiner so richtig rangekommen. „Non-Stop Erotic Cabaret“ war mit Abstand das kommerziell erfolgreichste der drei „richtigen“ Alben der Band, allerdings musikalisch auch , im nachhinein betrachtet, das schwächste. Das heisst aber nicht, daß es nicht genial wäre, im Gegenteil, die Platte ist damals wie eine Bombe eingeschlagen und war wegen der teilweise zweideutigen Texte und dem ganzen „Soho“-Flair immer etwas anrüchig. Eigentlich hätte jeder Titel auf der Platte als Single-Auskopplung getaugt, geschafft haben es letztendlich „Tainted Love“, „Bedsitter“ und das geniale „Say Hello Wave Goodbye“, bis heute eines meiner ewigen Lieblingslieder. Die wirklichen Hits sind aber die unbekannteren Songs, wie das rotlichthafte „Seedy Films“ oder das melancholische „Youth“. Tanzbar geht es auch häufig zu, so in „Frustration“ (wobei die Textzeile „I wanna die“ für die Zeit auf einer Pop-Platte eher ungewöhnlich und provozierend war), „Chips On My Shoulder“, „Entertain Me“ und besonders bei „Sex Dwarf“, zu dem es ein skandalträchtiges Video gibt, das jedoch von den Fernsehsendern mit einem Bann belegt wurde. Schlußendlich bleibt noch „Secret Life“ zu erwähnen, was ich für den schwächsten Song halte, der aber trotzdem meilenweit vor den meisten Liedern liegt, die damals die Charts beherrschten.

Auf der 1996er CD-Wiederveröffentlichung gibt es erfreulicherweise 8 Bonustracks zu hören, nämlich diverse Single A- und B-Seiten wie „What“ (wohl der zweitbekannteste SOFT CELL-Song), „Torch“, Memorabilia“, „Fun City“ und das wunderschöne „Facility Girls“. Nicht nur deswegen ist „Non-Stop Erotic Cabaret“ eine absolute Pflichtplatte für jeden, der sich mit der Musik der 80er Jahre beschäftigt. Selten gab es eine derartig konzentrierte Ansammlung von Ohrwürmern auf einer Platte zu hören. (A.P.)