BACK AGAIN: POP-REVIEWS

SIGUE SIGUE SPUTNIK – Flaut It (LP 1986/CD 1986)

(Emi/IRS)

1986 kamen sie wie eine Explosion. SIGUE SIGUE SPUTNIK zeigten den Menschen eine Überspitzung ihrer 80er-Musik in Reinkultur. Die Musiker waren knallbunt, beinahe wie aus einem Comic entsprungen, sogenannte Cyberpunks. Die Musik, die sie präsentierten, wirkte dahingerotzt und mal so eben nebenbei produziert. Die SIGUEr liessen keinen Zweifel aufkommen, dass es ihnen nur um die schnelle Mark ging und dieses Konzept war Programm, das voll aufging. Zwischen den Songs auf der LP gibt es Werbung zu hören, was damals für einen kleinen Skandal sorgte, auch wenn ihre Idee nicht wirklich als neu zu bezeichnen ist. Immerhin haben The Who das schon vor vielen Jahren gemacht und die deutsche NDW-Band Trio hat ihr Cover mit Werbeanzeigen vollgeknallt. Die Musik von SIGUE SIGUE SPUTNIK ist im Grunde purer Cyber-Rock´n Roll. Wild, wirr, mit rockigen, teils punkigen Gitarren und vielen eingeflieselten Stimmsamples. Dass die Songs teilweise ziemlich gleich klingen, ist hier auch eher Konzept. Ihre größten Hits findet man auf dieser CD hier und sie heißen „Love Missile F1-11“ und „21st Century Boy“. Der Song „Atari Baby“ ist zwar nicht als Single erschienen, erfreute sich aber auch großer Beliebtheit.

Gegründet wurde das Projekt von Tony James, der vorher bei GENERATION X war, wo Billy Idol als Sänger fungierte. Als Idol alleine weitermachen wollte, gründet James SIGUE SIGUE SPUTNIK (benannt nach eine Strassengang aus Moskau). Er wollte Andrew Eldritch (SISTERS OF MERCY) als Sänger haben, doch der sagte ab.

Nach der Hochphase von SIGUE SIGUE SPUTNIK spielte Tony James dann übrigens vier Jahre in Eldrichts Band. SIGUE SIGUE SPUTNIK war ein voller Erfolg. Überall landeten sie auf den Titelseiten, ihr Auftreten war ein Phänomen und legendär. Jedenfalls für die Dauer des ersten Albums „Flaunt It“. Danach ging es abwärts.

SIGUE SIGUE SPUTNIK ist eine tolle Satire auf das damalige Musikbusiness. Heute wirkt dieses Konzept leider nicht mehr, denn die Musikszene parodiert sich ja am laufenden Band selbst, indem sie einen Schmusesänger-Klon nach dem anderen ins Rennen schickt, die nach zwei Singles wieder vergessen sind. (H.H.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden