BACK AGAIN: POP-REVIEWS

SCARLET - Naked
SCARLET - Independent Love Song

SCARLET – Naked (CD 1995)

(Wea)

Obwohl SCARLET mit „Independent Love Song“ eigentlich nur einen wirklichen Hit hatten, war die Band um Cheryl Parker und Joe Youle eine ganze Zeit aktiv und hat einige Singles und  zwei Alben veröffentlicht. Recht erfolgreich war im Sog ihres Hits eben auch das Album „Naked“ von 1995, das sinnigerweise gleich mit „Independent Love Song“ eröffnet wird und die Erwartungen entsprechend in die Höhe schraubt. Um es gleich vorweg zu nehmen: eine weitere derartige Hymne kriegt man nicht geboten, aber das war ja zu befürchten. Das heißt aber andererseits nicht, dass das Album nicht jede Menge weiterer toller Popsongs enthalten würde, die fast alle Ohrwurmcharakter haben. Dabei werden alle Felder populärer Musik ausführlich beackert, von reinen Popsongs mit leichtem 80er Jahre Touch über rockigere Titel, die gut in Filme oder Serien wie „10 Dinge Die Ich an Dir Hasse“ oder „Buffy“ passen würden bis hin zu romantischen Balladen, die die Kitsch-Klippe aber sicher umschiffen.

Die CD enthält zehn Titel, die musikalisch irgendwo zwischen Shakespears Sister, Letters To Cleo und vielleicht t.A.T.u. (um mal eine Band zu nennen, die heutige Teenies auch kennen), wobei es keinen einzigen Ausfall gibt. Musik zum immer hören, durchweg melodiös, eingängig und erfreulich, ohne dass man das Gefühl hat, es hier mit Fließband-Produzenten-Pop zu tun zu haben. Immerhin haben Parker/Youle alle Songs selber geschrieben, was bei heutigen Gruppen, die beispielsweise im Fernsehen mit Hilfe der Zuschauer zusammengestellt werden, kaum noch der Fall ist. Dies ist eine der CDs, wenn ich mal keine Lust auf die Weltuntergangsstimmung von Gothic-Rock, Dark-Wave, Industrial oder Früh-NDW habe. Sommermusik halt und einfach wunderbar. (A.P.)


SCARLET – Independent Love Song (MCD 1994)

(Warner Music)

In Zeiten, in denen eine russische Mädchenband wie „t.A.T.u.“ mit ihrer Single „All The Sings She Said“ abräumt, wie kaum eine andere in den vergangenen Jahren in ganz Europa, ist es an der Zeit, mal an SCARLET zu erinnern, die 1994 mit „Independent Love Song“ einen Mega-Hit hatten, der zu den besten Popsongs aller Zeiten gehört. Leider blieb es bei dem einen Hit, was ich sehr traurig finde. Der Song ist wunderschön, einschmeichelnd, monumental und einfach großartig, Kategorie „perfekter Popsong“, zu dem es auch ein mehr als passendes Video gibt. „Independent Love Song“ ist großer, mit reißender, orchestraler Pop vom Feinsten und ich weiß gar nicht, wie ich dieses Lied noch weiter würdigen soll.

Der zweite Song auf dieser Maxi ist die melancholische Pianoballade „The Fall“, die einfach die Sonne aufgehen lässt, wenn man sie hört. Als Dreingabe gibt es noch den „3 am Mix“ von „Independent Love Song“, der ebenfalls recht gelungen ist und sich auf die akustische Komponente konzentriert. So ergibt sich eine schlicht und einfach perfekte Pop-Maxi, die einem nach einmaligem Hören wohl nie wieder aus dem Ohr geht. Schade, dass man von der Gruppe, bestehend aus Joe Youle und Cheryl Parker (beides Frauen) nach einem guten Album nicht mehr gehört hat (zumindest hier in Deutschland). Eigentlich waren SCARLET die legitimen Thronfolger der unvergleichlichen Shakespears Sister und auch mit den Bangles möchte ich sie auf eine Stufe stellen. Vielleicht ist „Independent Love Song“ sogar „the most singable song ever“! Natürlich neben The Evasion On Stakes „I Wish My Baby It Was Born“. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden