BACK AGAIN: WAVE / POP

OMD - Navigation - The OMD B-Sides
OMD - Peel Sessions 1979-1983 (Kritik 1)
OMD - Peel Sessions 1979-1983 (Kritik 2)
OMD - Pacific Age
OMD - Crush
OMD - Junk Culture
OMD - Architecture And Morality
OMD - Organisation

ORCHESTRAL MANOUVRES IN THE DARK - Navigation - The OMD B-Sides (CD 2001)

(Virgin)

Nach der Radio-Sessions CD von OMD folgt nun mit dieser Zusammenstellung Teil 2 der Aufarbeitung des Werkes einer der wichtigsten Electro-Pop-Bands der 80er Jahre. Nun sollte keiner denken, daß es sich hier um Resteverwertung und kommerzielle Abzocke handelt, denn die Titel dieser CD sind wahrscheinlich nur eingefleischten Sammlern bekannt und heute nicht mehr leicht erhältlich. Größtenteils sind sie nie zuvor auf CD erhältlich gewesen.

OMD hatten ein Händchen dafür, genau die schönsten Popsongs als Singles auszukoppeln und damit eine ganze Reihe von großen Hits. Die B-Seiten der Singles haben sie stets dazu genutzt, auch mal ihre experimentelle Seite zu präsentieren, denn gerade da lag unter anderem die große Stärke der Band. Einige dieser Titel sind so gut, daß sie selber hätten Singles sein können. Natürlich ist die Auswahl aufgrund der Masse an zur Verfügung stehendem Material subjektiv, so fehlt zum Beispiel die grandiose Live-Version von „Telegraph“ von der „Tesla Girls“ Maxi. Man hat sich wirklich auf die etwas schrägeren und experimentellen Sachen konzentriert, was auch okay ist. Mit „Waiting For The Man“ ist sogar die Coverversion eines Velvet Underground Klassikers enthalten, die das Zeug zu einem Tanzflächenhit hätte.

Schön sind auch die ausführlichen Songinfos im Booklet, sowie einige begleitende Worte und schließlich noch die komplette Albumdiscographie incl. Coverabbildungen. Somit ist „Navigation“ eine rundum gelungene und nicht nur für Fans lohnenswerte Veröffentlichung, die auch noch zum Midprice angeboten wird. Vielleicht finden sich ja im OMD-Archiv noch weitere Schätzchen, die auf Veröffentlichung warten, eventuell sogar mal ein Livealbum.... (A.P.)
ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK - Peel Sessions 1979-1983 (CD 2000)

(Virgin)

Vier Peel-Sesssions sind auf dieser CD enthalten. Im Jahre 1979 kam die erste Single "Electricity" auf den Markt, woraufhin John Peel die Band zu sich in die Show einlud. Hier gibt es vier Songs zu hören, unter anderem "Bunker Soldiers" und "Message". Nach dieser Session konnte OMD einen Vertrag mit einem Unterlabel von Virgin abschliessen und veröffentlichte im Februar 1980 das Debüt-Album. Danach ging es wieder zu John Peel und spielte dort unter anderem "Enola Gay", welches ein großer Charterfolg wurde. Nach dem Album "Organisation" fand man sich zur dritten Session ein und legte drei weitere Songs vor. Danach kam der ganz große Erfolg für die Band mit "Maid Of Orleans", was Peel veranlasste, OMD nicht mehr einzuladen, denn zu große Kommerzialität gefiel dort nicht. Abgesehen davon hatte die Band auch nicht mehr die Zeit, dort aufzutauchen. Erst 1983 nach dem eher experimentellen Album "Dazzle Ships" hat man doch wieder zueinander gefunden und den großen Knaller "Genetic Engeneering", der einige Zeit später als Auskopplung von "Junk Culture" startet, dargebracht. Als Bonustrack gibt es noch eine Four-Track-Demoversion von "Electricity". Alles in allem ein tolles Album für OMD-Fans, das in einer solchen Sammlung auf gar keinen Fall fehlen darf. (H.H.)


ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK - Peel Sessions 1979-1983 (CD 2000)

(Virgin)

Na, das ist doch mal eine feine Überraschung für alle OMD Fans. Virgin bringt die gesammelten Peel Sessions von einer der wegweisendsten Electro-Pop-Bands der 80er Jahre als Mid-Price CD auf den Markt.

Neben vier kompletten Sessions ist als Bonustrack auch noch die Originalversion von OMD´s erster Single "Electricity" enthalten, die damals noch beim legendären Factory Label erschien.

Die Sessions enthalten bekannte Songs wie "Messages", "Julia´s Song", "Enola Gay" und "Genetic Engineering", aber auch einige der experimentelleren Stücke wie "ABC Auto Industry". Einer meiner OMD Favoriten war schon immer das grandiose "Bunker Soldiers", das auch auf dieser CD ist. Die Versionen unterscheiden sich teilweise stark von den bekannten Album- bzw. Singletracks, besonders zu hören bei "Enola Gay" und klingen insgesamt rauher, was beim hören viel Spaß macht.

Wer die Band nur wegen "Maid Of Orleans" mag, wird enttäuscht sein, denn Titel aus dieser Zeit sind nicht zu hören, OMD waren halt weitaus mehr, als dieser eine Titel oder der seichte Pop, der in den 90ern unter dem Namen erschien.

Das Booklet enthält neben ausführlichen Infos zu den einzelnen Liedern und Abbildungen aller Alben auch noch einige interessante Anmerkungen von Paul Browne. Insgesamt gesehen also eine lohnenswerte CD, die auch Sammler sich zulegen sollten. (A.P.)


ORCHESTRAL MANOUEVRES IN THE DARK - The Pacific Age (LP/CD 1986)

(Virgin)

OMD sind mit dem 86er Album, inzwischen das siebte, konsequent den Weg weiter gegangen, den sie seit Anfang der 80er Jahre eingeschlagen hatten. Am ehesten vergleichbar in der Mischung zwischen ohrwurmträchtigen Popsongs und schleppenden, manchmal experimentellen Tracks ist "The Pacific Age“ mit dem 84er "Junk Culture"-Album. Mit "(Forever) Live And Die", "Shame" und vor allem "We Love You" sind drei erfolgreiche Singleauskopplungen auf der Platte, von denen vor allem "We Love You" schon nach einmaligem Hören nicht mehr aus dem Ohr geht, hätte ich gerne mal live erlebt. "(Forever) Live And Die" schließt eher an das Vorgängeralbum "Crush" an. Dazu gibt es viele Lieder, die nicht sofort hängen bleiben, aber mit jedem Hören besser werden, so dass "The Pacific Age" im Ganzen ein gelungenes Album ist, wenn auch glatter, als die ganz frühen Werke. Neben den Singles sind vor allem "Goddess Of Love" und "Watch Us Fall" echte Hits, während "Southern" durch Sprachausschnitte von Martin Luther King heraus sticht. (A.P.)  


ORCHESTRAL MANOUEVRES IN THE DARK - Crush (LP/CD 1985)

(Virgin)

Daß OMD vom Anfang ihrer Karriere an für perfekte Popsongs mit unwiderstehlichen Melodien standen, ist kein Geheimnis, doch stets haben sie zumindest auf ihren Alben auch einige äußerst experimentelle und düstere Klänge fabriziert, was die Band sehr abwechslungsreich gemacht hat. Spätestens mit "Crush" setzten sich aber die eingängigen Popsongs immer mehr durch und verdrängten das schräge Element in den Hintergrund. Einerseits war das ausgesprochen schade, andererseits war die Qualität der Songs nach wie vor sehr hoch und gerade zu dieser Zeit schufen die Engländer ein paar ihrer schönsten Songs. Zwei davon, die auch als Singleauskopplungen sehr erfolgreich waren, sind gleich am Anfang des Albums mit "So In Love" und "Secret" enthalten. Melancholische Pophymnen, die den Zeitgeist, in dem auch so kultige Filme wie "Breakfast Club", "Pretty In Pink" und "Ist Sie Nicht Wunderbar" entstanden, wieder spiegeln. So tauchten OMD denn auch auf den Soundtracks zu diesen Filmen auf, die das Lebensgefühl meiner Jugendzeit gut rüberbringen. "Crush" enthält neben diesen beiden Tophits aber auch noch eine Reihe weiterer schöner Songs, wie das entspannte "Women III", "Hold You" und "The Lights Are Going Out". Auch die Single "La Femme Accident" ist wunderschön. Ich muß zugeben, dass mir "Crush" früher nicht so gut gefiel, die Platte erschien mir einfach zu glatt gebügelt und man muss sich erst einige Zeit hineinhören, um zu erkennen, dass die Band einfach erwachsen geworden ist und es besser als früher schafft, die verschiedenen Elemente ihrer Musik in einem Song zu vereinen, statt einerseits Popsongs und andererseits experimentelle Musik zu schreiben. Wenn mich jemand nach einem Beispiel für die typische Musik Mitte der 80er Jahre fragen würde, würde mir ziemlich schnell diese Platte einfallen. Sicher nicht das beste OMD Album, aber doch ein sehr gelungenes und zudem einfach eine tolle Pop-Platte. (A.P.)

ORCHESTRAL MANOUEVRES IN THE DARK - Junk Culture (LP/CD 1984)

(Virgin)

Mit dem fünften Album waren OMD Mitte der 80er Jahre längst eine feste Größe in der Musikszene. Vielleicht ist "Junk Culture das typischste OMD-Album überhaupt, denn es enthält alles, was diese Band ausgemacht hat. Neben extrem eingängigen und tanzbaren Popstücken, findet man auch die experimentierfreudige Seite der Band wieder. Beginnen tut das Album mit dem eher experimentellen Titelsong der Platte. "Junk Culture" kann man bedenkenlos als eine Art langes Intro sehen. Danach folgt mit "Tesla Girls" einer der poppigesten Titel der Engländer überhaupt. Klar, dass das als Single erfolgreich ausgekoppelt wurde. Nicht nur wegen des genialen Videos ist "Tesla Girls" eines meiner persönlichen OMD Lieblingslieder. Auch der nachfolgende Song "Locomotion" war als Single ein großer Erfolg und dürfte einer der ganz typischen OMD-Songs sein. "Apollo" ist ein weniger eingängiger, minimalistischer Titel, der eine ander Seite der Band zeigt. Ähnlich nur etwas düsterer geht es bei "Never Turn Away" zu. "Love And Violence" ist wieder straighter, auch wenn hier, ähnlich wie auch bei Depeche Mode zur selben Zeit, mit ungewöhnlicheren Drumsounds gearbeitet wurde. Dieser Song erinnert sogar ein bisschen an die großartige "Architecture & Morality" Platte. Mit Titeln wie "Hard Day, All Wrapped Up" und White Trash" wird diese gelungene Mischung fortgesetzt, bevor das Album mit der fantastischen Single "Talking Loud And Clear" ausklingt. (A.P.)


ORCHESTRAL MANOEURVRES IN THE DARK - Architecture And Morality (LP/CD 1981)

(Dindisc/Virgin)

Mit dem Song "Joan Of Arc (Maid Of Orleans)" hatten OMD 1981 ihren großen Durchbruch und einen DER 80er Jahre Hits neben "Tainted Love" von Soft Cell und "Fade To Grey" von Visage geschaffen. Weil ich den Song als 11-jähriger schon damals geliebt habe, habe ich mir von einer älteren Nachbarstochter die dazugehörige LP "Architecture & Morality" auf Cassette überspielen lassen und fand die unglaublich toll, so dass ich OMD in den Folgejahren immer im Blick behielt und zum richtigen Fan wurde. Die Platte war das dritte Album der Band nach dem selbstbetitelten Debut und "Organisation" und verschaffte OMD den ganz großen kommerziellen Durchbruch, verdientermaßen! Der Einstieg in das Album mit "The New Stone Age" ist gleich völlig genial. Sehr schräg, aber doch eingängig, New Wave eben und einer der besten OMD-Songs ever! Die leicht verstimmten Gitarren erinnern mich ein wenig an die kultige Hamburger Band Johnny Beton And The Mörtels, die leider kaum jemand kennt. Mit "She´s Leaving" und "Souvenir" folgen zwei sehr typische Songs der Engländer, nämlich etwas melancholische, aber sehr schöne Popsongs, die zwar niemandem wehtun, aber dennoch nicht flach sind, wie das meiste, was sich sonst so Popmusik schimpft. Neben Depeche Mode dürften OMD dem Electro-Pop zum großen Durchbruch verholfen haben. Etwas dunkler wird die Stimmung bei "Sealand", das die experimentellere Seite der Band zeigt, die auch immer vorhanden war, zumindest bis Andy McCluskey solo unter dem Bandnamen gearbeitet hat und Anfang der 90er noch einige Hits verbuchen konnte. Die B-Seite der LP (bzw. zweite Hälfte der CD) beginnt mit dem Stück "Joan Of Arc", sozusagen dem 1. Teil von "Maid Of Orleans". Gefällt mir sogar noch besser, weil der Song kraftvoller ist. Ich mochte bei OMD sowieso immer die schnelleren Lieder am liebsten. Direkt im Anschluß daran der große Bandklassiker "Maid Of Orleans", dazu muß man sicher nichts mehr schreiben. Mit dem Titeltrack "Architecture & Morality" kommt dann wieder ein dunkler, experimenteller Song, bevor es bei "Georgia" noch mal richtig poppig und tanzbar wird. Abgeschlossen wird diese großartige Platte mit dem genialen "The Beginning And The End", das ein bisschen was von einem Wiegenlied hat, wunderbar stimmungsvoll ist und einen weiteren Beweis für die Vielseitigkeit von OMD zeigt. Natürlich ist es schwer, an so ein Album qualitativ anzuschließen, aber die Band hat tatsächlich noch eine ganze Reihe wirklich hervorragender Alben veröffentlicht und ist somit aus der Musik der 80er Jahre nicht mehr wegzudenken. Übrigens hatte die Originalauflage der LP 1981 ein einfaches, aber wirkungsvolles Gimmickcover. Nichts weltbewegendes, aber doch nett. Die CD hat das normale Booklet. (A.P.)


ORCHESTRAL MANOEUVRES IN THE DARK - Organisation (LP/CD 1980)

(Dindisc/Virgin)

Nach dem Debut "Orchestral Manoeuvres In The Dark" legte die Band mit "Organisation" schnell das Nachfolgealbum vor und konnte damit noch vor dem Megahit "Maid Of Orleans" einen ersten Durchbruch schaffen, was vor allem an dem Hit "Enola Gay" liegt, der auch heute noch äußerst beliebt ist. Hat so ein bisschen was vom Inbegriff des Electropop der 80er Jahre, extrem eingängig, poppig und tanzbar. "2nd Thought" ist ein atmosphärischer Titel, wie man ihn auf diversen OMD Alben immer wieder findet. Poppiger ist dann wieder "VCL XI", klingt ein bisschen nach Gary Numan, der zu der Zeit ja auch sehr erfolgreich war. Etwas nichts sagend und ein wenig langweilig ist "Motion And Heart", aber so ein Ausrutscher darf auch der besten Band mal passieren. Besser wird es wieder bei "Statues", einem sehr ruhigen, schwebenden Song, den man sich häufiger anhören sollte, um ihn ganz zu erfassen. Nichts zum nebenbei hören. Auch bei "The Misunderstanding" bleibt es atmosphärisch, obwohl ein bisschen Erinnerungen an Titel wie "Bunker Soldiers" oder "The New Stone Age" aufkommen. Dann wird es wieder poppiger, jedoch auf eine recht minimalistische Weise bei "The More I See You". Ein schöner New Wave Titel, der wiederum an Gary Numan erinnert ist dann "Promise", bevor "Organisation" mit "Stanlow" ausklingt. Zum Ende gibt es noch mal einen ruhigen Titel, der etwas an "The Beginning And The End" von "Architecture And Morality" erinnert, aber qualitativ nicht da rankommt. "Organisation" ist damit das insgesamt düsterste Album von OMD, wenn man mal von "Enola Gay" absieht. Hier kommt besonders die experimentelle, ruhige Seite der Engländer zum tragen und man muß das Album sicher mehrmals hören, um die Qualitäten zu erkennen. Stilistisch haben sich OMD hier irgendwo zwischen Kraftwerk und Gary Numan eingereiht, wer so was mag, macht mit "Organisation" definitiv nichts falsch. Wer von OMD aber ausschließlich die Popsongs mag, könnte ein wenig enttäuscht sein. (A.P.)