BACK AGAIN: POP-REVIEWS

MR. L – Lebenswerk (CD 2004)

(Herz & Verstand/Al Dente Records www.ffmcs.de )

„Lebenswerk“, ein großer Name für ein Album, zudem noch, wenn es von einem Musiker kommt, der noch nicht so wirklich bekannt ist, zumindest nicht in der breiten Öffentlichkeit. Ob er in der Rap-/Hip Hop-Szene bekannt ist, kann ich nicht beurteilen, da das nicht so meine Welt ist. Dennoch mag ich einige Old School-Sachen und seltsamerweise auch immer mal wieder einige deutsche Künstler wie Fettes Brot oder Ferris MC. Insofern habe ich kein Problem damit, dieser CD eine Chance zu geben. MR. L ist ein in Deutschland aufgewachsener Türke, der auf Deutsch rappt und sich wirklich Mühe gibt, dass seine Texte nicht allzu hohl sind. Sie beschreiben, teilweise sicher zugespitzt, das Leben eines jungen Türken in Deutschland, ohne dabei zu sehr in die typischen Klischees zu verfallen, auch, wenn diese nicht immer ganz umschifft werden. Die Rhythmen sind typisch und den Rapstil hört man auch nicht zum ersten Mal. Was das Album aber von anderen, die ich kenne, abhebt, ist die melancholische, sehr melodiöse Musik, die um die Beats herum erklingt. Dazu arbeitet MR. L (zu viele „Clever & Smart“-Comics gelesen?) mit jeder Menge Gästen zusammen, was das Album ziemlich abwechslungsreich macht. Die meisten Texte sind sehr persönlich, nachdenklich oder gesellschaftskritisch, doch es gibt durchaus auch weniger tiefgehende Lyrics, die zeigen, dass der Mann auch einfach gut rappen kann und garantiert auch gerne Party macht.

Was mich besonders freut ist, dass mit „Braune Theorie“ auch ein eindeutiges Statement gegen das Nazipack vertreten ist, auch, wenn gerade dieses Stück mich musikalisch weniger anspricht. Erfreulich ist jedenfalls, dass solche Themen in dennoch kommerziell chancenreiche Klänge gepackt werden, so dass man damit auch „normale“ Hörer erreichen kann. Alleine dafür gebührt MR. L ein großes Lob.

Mit 17 Stücken in fast 75 Minuten ist der Platz auf dem Silberling voll ausgenutzt und ich muss zugeben, und das soll mein einziger Kritikpunkt bleiben, dass es mir schwer fällt, das komplette Album am Stück durchzuhören. Dafür klingt der Sound dann doch immer wieder zu ähnlich, aber das liegt sicher auch daran, dass ich eben kein großer Kenner des Stils bin und sicher einige Feinheiten und Besonderheiten nicht erkenne. Dafür gibt es aber ein fettes (im Sinne vom umfangreich) Booklet, das die Texte und Linernotes enthält und sehr schön gestaltet ist. Wenn schon Rap, dann so, würde ich mal sagen. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden