BACK AGAIN: POP REVIEWS

L´EAU - Phase 1 (10.09.2001)

(Silbersack Recordings / Bellaphon Records)

Reingehört und interviewt von Maximilian Nitzschke

Wasser ist zum hören da!

Mal ehrlich, was wäre denn das Leben ohne Wasser? Der Chemiker zum Beispiel hätte keine Chance mehr, mit so Flüssigem zu experimentieren, dass es zünftig stinkt, pufft und schießt. Den Physikern wären die Gezeiten abhanden gekommen, und so manch anderes auch. Und unsere Nordsee-Ketten würden auch tüchtig auf dem Trocknen sitzen. Coca Cola wäre wohl auch nicht mehr drin. Also scheint doch etwas dran zu sein, dass Wasser ein Lebenselixier ist.

Mit dem Debütalbum „Phase1“ schwappt der Quell nun auch auf den Musikmarkt Deutschlands. Doch es ist nicht irgendein Wasser. Es ist im Kern zwar deutsch, aber dennoch französischer Art - „L’eau“ mit Namen.

Musikalisch präsentieren die fünf Erfurter Musiker mit ihrem am 10. September 2001 erscheinendem Debütalbum „Phase 1“ elektronisch unterlegte Popsongs, mit zum Tanzen geeigneten arrangierten Rhythmen. Schon nach dem Oppener und namensgebende Titel „Phase 1“ wird recht schnell das musikalische Grundgerüst klar, nach dem die anderen 13 Songs auch aufgebaut sind. Was aber glücklicherweise einem nicht die Neugier nimmt, die Scheibe bis zum Ende weiterzuhören, sondern vielmehr Lust darauf macht noch mehr kleine eingebaute Raffinessen zu entdecken. L’eau setzt sehr viel auf Elektronikarrangements und mittendrin deutsche, englische sowie französischer Sprachfetzen, die Susie Husz und Daniel B. Hard stimmlich miteinander zu verbinden wissen. Man bleibt innerhalb des Textes nicht einer Sprache durchgängig verhaftet, sondern so als hätten sie mal eben Deutsch-, Englisch- und Französischunterricht zusammen, würfeln sie die Sprachfetzen beliebig nach Wunsch zusammen. Dabei gehen sie völlig frank und frei heran, ohne Furcht vor sprachlichen Barrieren. Spielen mit der Mixtur, erfinden eine Art sprachliches Ballett, Mosaik oder Puzzle. Es scheint, als gäbe es keinerlei Unterschiede, als wäre jede einzelne von ihnen der anderen Sprache gleichgestellt. So lassen sich im Gesang Einflüsse von Countrysongs erkennen, oder französischer Chansons, die aber schnell aus diesem traditionellen festen Gefüge herausgelöst und auf tanzbare Böden gebracht werden. Eine völkerverbindend-internationale Textur also. Zufall oder Programm? „Beim Musizieren und Vermischen der Sprachen sind wir auf unserem Album sehr experimentell gewesen. Wir bedienen uns aller Stilrichtungen der letzten 300 Jahre, nehmen in uns alles auf, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Das Markante sind immer die drei Sprachen Deutsch, Englisch und Französisch, sie ergeben erst den unterschiedlichen Sound innerhalb der Stücke,“ meint Rajko Lienert, Begründer der Band „L’eau“.

Die Idee zu diesem deutschen Wasser besteht schon wesentlich länger als die neue Scheibe. Seit 1990 war Rajko Lienert, zusammen mit den heutigen Sängern Susie Husz und Daniel B. Hard, Mitglied der Band „Green Hill“. In den neun Jahren tourten sie erfolgreich durch Deutschland und standen unter anderem mit den "Blind Passengers" auf der Bühne. Sogar den Tourmanager der Erfolgsband „Genesis“ hatten die Musiker an ihrer Seite.

Trotz des Erfolgs trennten sich die Mitglieder von „Green Hill“ im Frühjahr 1999 unerwartet. „Das hatte musikalische wie persönliche Gründe“, setzt Rajko Lienert - einstiger Sänger - an. „Ich wollte mich musikalisch total verändern, viel eher in Richtung Elektronik und Pop und damit hin zu „L’eau“. Einige der anderen Mitglieder zogen da aber nicht wie erhofft mit, und von dem Moment an kriselte es. Bis wir schließlich am Ende unterschiedlichste Wege gegangen sind.“. Rajko, Susie und Daniel hängten ihr musikalisches Talent nicht an den Nagel, sondern suchte sich Musikerkollegen zum Aufbau einer neuen Formation. Diese sollte sich nun musikalisch und konzeptionell von ihrer Vorgängerband abheben. Mehr Wert auf elektronische Raffinessen und Beats das neue Erfolgsrezept werden. Interesse an seinen Vorstellungen und seiner Idee fand außerdem Paul D. an der Gitarre und Torsten Ebener am Schlagzeug. Fertig war die Besetzung vom musikalischen Erfurter Gänsewein.

Ihr Name entstand eher spontan, gesteht Susie Husz: „Fest stand nur, er sollte auf jeden Fall französisch sein. Wir lassen ja auch französischen Gesang mit in unsere Songs einfließen. Zum anderen sollte er aber international verständlich bleiben. So wurde dann plötzlich L’eau daraus, den Begriff kennt irgendwie jeder. Und bringt nun hoffentlich uns damit in Verbindung!“ In Kürze werden die Künstler auch ein Video zur neuen Scheibe präsentieren, und damit bei Viva, MTV und NBC Giga TV ihren Hörer- und Fankreis erweitern. (Maximilian Nitzschke)