BACK AGAIN: POP-REVIEWS

KLEE – JeLängerJeLieber (CD 2004)

(Modernsoul-Universal/Edel)

KLEE sind als Band schon längere Zeit in der deutschen Popmusikszene unterwegs, konnten sich gegen ihre „Konkurrenten“ Silbermond und Juli aber bisher nicht so recht in den Vordergrund schieben. Sicher hassen KLEE auch die Vergleiche mit den deutschen Durchstartern des Jahres 2004, nicht, weil sie neidisch auf den Erfolg wären, das haben sie auch gar nicht nötig, sondern wegen der unverdienterweise geringeren Beachtung. Deutschsprachige Popmusik jenseits all der Starsearch-Super-Popstars-Gülle hat in den letzten zwei Jahren einen gigantischen Aufschwung erlebt, vor allem durch Bands wie Wir Sind Helden und Mia und auch Etwas und Spillsbury stehen an der Schwelle zum richtigen, kommerziellen Erfolg. Das meiste Potential dürften aber doch KLEE haben, die mit „JeLängerJeLieber“ ihr zweites Album vorgelegt haben. Das ist zwar nicht mehr brandneu, dürfte aber durch den Auftritt mit dem genialen Song „Gold“ bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ noch einmal einen ordentlichen Schub erhalten. Dieser Song ist so ziemlich die perfekte Mischung aus Mia und Wir Sind Helden mit einer ordentlichen Portion Wave-Gitarren und absolutem Ohrwurmcharakter. Einmal gehört, geht einem das Lied einfach nicht mehr aus dem Gehörgang. Zudem ist es sehr kraftvoll, eine echte Hymne halt.

Natürlich ist der Song auf der CD der absolute Hit, was aber nicht heißt, dass die restlichen Songs keine Qualitäten hätten. Im Gegenteil, schon einige Zeit hat man kein so schönes Popalbum mehr aus Deutschland gehört, auf dem eigentlich jeder Song ein Ohrwurm ist, was vor allem an dem sehr angenehmen, natürlichen Gesang von Sängerin Suzie Kerstgens liegt, die zudem auch noch ausgesprochen attraktiv ist und außerdem hinter ihrer vorgeschobenen Naivität ganz schön bissig sein kann, wie sie bei ihrem Auftritt bei Raabs „TV Total“ zeigte, als sie ihm sagte, die fahrbare Bühne sei das Beste an der Sendung. Das fand der Moderator sicher nicht besonders witzig, ich hingegen schon.

Die persönlich gefärbten Texte behandeln die gängigen Themen Liebe, Beziehungen und ganz ganz selten auch mal Kritisches. Allerdings werden niemals die üblichen Klischees benutzt, so dass es niemals peinlich wird.

„Für Alle, Die“ eröffnet „JeLängerJeLieber“ kraftvoll und intelligent. Wer bei „Tausendfach“ an Songs von Annett Louisan denken muss, liegt sicher nicht ganz falsch, allerdings waren KLEE zuerst da und bringen so ein Lied gänzlich ohne das Lolita-Image rüber. „Mit Dir“ ist ein Song, den Nena heute sicher gerne schreiben würde. „Gold“ wurde schon ausführlich gewürdigt und dürfte auch Leuten gefallen, die einem schönen NDW-Song auch heute noch etwas abgewinnen können. Lauter und rockiger wird es bei „Mein Geheimnis“ und „2 Fragen“ hat echtes Top 10-Potential, wunderbarer Gitarren-Pop, zu dem es auch den Videoclip auf der CD anzusehen gibt. Weniger spannend finde ich „Gegen Den Strom“, wobei der Titel eben gerade nicht das wieder gibt, was musikalisch geboten wird. Dafür ist „Solang Du Lebst“ ein wunderbarer, etwas dunkler Wavesong und auch „Wunschfrei“ ist feinster Gitarren-Pop/-Wave und definitiv einer der Hits der CD. Da fühlt man sich fast in die Hochzeit des Indie-Pop Mitte bis Ende der 80er Jahre zurück versetzt. „Unser Film“ erinnert stark an The Cure´s „Just Like Heaven“ und mich würde es nicht wundern, wenn die Band mit dem Vergleich gut leben könnte. Singletauglich ist auf jeden Fall auch „Keine 10 Pferde“ als lupenreiner Indie-Rock-Song mit genialer Melodie. Hier klingen KLEE tatsächlich fast wie Wir Sind Helden, sicher auch ein Vergleich, den die Band immer und immer wieder über sich ergehen lassen muss. Aber es gibt wahrlich schlimmere Bands, mit denen man verglichen werden könnte. Eher besinnlich und wenig aufregend klingt „JeLängerJeLieber“ dann mit „Mein Zimmer“ aus. Aber ein Lied, in dem Billy Bragg erwähnt wird, kann ja schon mal gar nicht schlecht sein.

Man sollte Bands wie Juli und Silbermond schnell wieder vergessen, denn KLEE sind besser, weil sie viel echter und ehrlicher rüberkommen und Wir Sind Helden müssen sich schon sehr anstrengen, dieses Werk mit ihrem zweiten Album zu toppen. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden