BACK AGAIN: POP-REVIEWS

HUMPE HUMPE – s.t. (LP/CD 1985)

(Wea)

Bei den Namen INGA und ANETE HUMPE wird es wohl bei fast jedem klingeln, der so um die 30 Jahre alt ist. Klar, die beiden Damen waren doch in den erfolgreichen NDW Bands Ideal und Neonbabies! Nach dem kommerziellen Absturz der NDW haben die beiden sich musikalisch zusammengetan und zwei hervorragende Alben eingespielt, „Swimming With Sharks“ mit den wundervollen Popsongs „Careless Love“ und „No Longer Friends“ und davor diese selbstbetitelte CD von 1985. Von den deutschen Texten hatten die Beiden sich auf ihrem Debut bis auf eine Ausnahme gelöst, stattdessen gab es international konkurrenzfähige englischsprachige Popsongs, die häufig auch eine Prise Wave enthalten, die zeigt, woher die HUMPE´s ursprünglich kommen. Schon der Opener „3 Of Us“ ist ein echter Ohrwurm, zwar eingängig und poppig, aber nicht zu vergleichen mit hohlen Stock/Aitken/Waterman Produktionen, die wenig später die Charts überflutet haben. Neben schönen Melodien besticht vor allem der Gesang der Schwestern, den ich schon bei ihren alten Bands mochte. Von der Rohheit bei Ideal und Neonbabies ist wenig geblieben, bis auf die Stimmen eben. Das Album enthält insgesamt 10 Songs, aus denen kaum einer besonders hervorsticht, soll heißen, die Qualität ist durchgehend gut. Die Höhepunkte sind das genannte „3 Of Us“, „Memories“, das schon viel vorweg nimmt, was später Shakespeare´s Sister auf ihren beiden Alben so großartig gemacht haben, der auch als Single erfolgreiche Song „Yama-Ha“, der einfach nur unzählige japanische Markennamen aufzählt und nach einmaligem Hören den Kopf nicht mehr verlässt und der deutschsprachige Titel „Geschrien Im Schlaf“, der alleine wegen der Sprache schon am ehesten an alte Werke der Damen erinnert und einen tollen Text hat. Dann gibt es da noch „Yo No Bailo“, das auf Spanisch (glaube ich zumindest, könnte aber Italienisch oder Portugiesisch sein, man möge mir mein Unwissen verzeihen) gesungen wird. So wird die Platte zu einer sehr vielfältigen Sache zweier außergewöhnlicher Künstlerinnen, die es als deutsche Produktion problemlos mit der übermächtigen Konkurrenz aus England aufnehmen konnte und auch heute noch kann, da die Lieder zeitlos erscheinen. 80er Jahre Wave-Pop vom feinsten! Wie international die ganze Platte damals war zeigt sich an verschiedensten Gastmusikern, unter anderem Martin Gore bei zwei Songs (wahrscheinlich wissen das viele Depeche Mode Fans gar nicht!) und Mute-Chef und Depeche Mode Entdecker Daniel Miller. Produziert wurde das Ganze zudem teilweise von Conny Plank. Auch nach ihrer musikalischen Vergangenheit blieben die HUMPE´s der Musik treu und besonder INGA HUMPE konnte im Jahr 2001 mit ihrem neuen Projekt 2Raumwohnung einiges an Aufmerksamkeit erregen. Sogar in der Fernsehwerbung (für die Einführung des € glaube ich) hört man die Band immer wieder. (A.P.)