BACK AGAIN: POP-REVIEWS

IRIS ANN BARCLAY – Between Hell And Heaven (CD-EP 2004)

(Blue Horizon www.blue-horizon.biz )

Manchmal bekommt man CDs zugeschickt, bei denen man genau weiß, was einen erwartet und man sich nicht vorstellen kann, wie der Promoter auf die absurde Idee gekommen ist, dass man der richtige Rezensent dafür sein könnte. Die CD von IRIS ANN BARCLAY ist so eine, und auch wenn ich für mich in Anspruch nehme, dass ich sehr tolerant und offen bin, war mir schon beim Sichten des Promomaterials und des Waschzettels klar, dass ich hier nur einen Verriss schreiben kann. Aber sicher ist der Künstlerin ein ehrlicher Verriss lieber, als wenn man sich aus Nettigkeit irgendwas Hirnrissiges aus den Finger saugt.

IRIS ANN BARCLAY möchte gerne eine Popsängerin sein, kommt aber über mittelmäßigen englischsprachigen Schlager nicht hinaus. Mit viel Fantasie kann man ihre musikalischen Ergüsse als Mischung aus Jeannette Biedermann, Lady Lily, CC Catch und Jennifer Rush beschreiben, wobei aber kein Fan einer dieser Sängerinnen dies als Aufforderung zum Kauf verstehen sollte, die Enttäuschung wäre allzu groß.

Das größte Problem sind die englischen Texte, denn Frau BARCLAY hat eine Aussprache, die unter aller Kanone ist. Wenn die Frau, wie der (Künstler-) Name offenbar suggerieren soll, aus dem englischen Sprachraum kommt, dann beherrsche ich auch perfekt die französische Sprache, nur, weil ich unfallfrei „merci“ sagen kann, ohne jemals eine Unterrichtsstunde in der Sprache der Froschfresser hatte. Hätte man IRIS ANN doch bloß deutsch singen lassen.

Ne, diese CD ist ein Witz. Da haben Produzenten, Promoter und Stylisten ein Produkt fertig geplant und erst dann eine Interpretin gesucht, die bereit war, sich halbnackt ablichten zu lassen und absolut unnatürliche Posen für die Fotos einzunehmen. Selten hat man ein derart unechtes Lächeln gesehen. Dabei würde die Interpretin in Alltagsklamotten und einer natürlichen Umgebung bestimmt gar nicht so übel aussehen, wirkt hier aber wie eine Wachspuppe..

Auch die Songs sind durchgestylt und natürlich extrem glatt produziert. Für jeden soll was dabei sein, Pop, Schlager, Ballade und sogar was „Hartes“ mit grollender Männerstimme, was die Macher wohl als Hard-Rock oder gar Metal ansehen. Selbst 13-jährige Nachwuchs-Metaller dürften dafür nur ein Grinsen übrig haben. Die Balladen der Scorpions oder von Bryan Adams sind dagegen echter Headbangernummern. Dazu scheppriges Schlagzeug, Billig-Gitarren-Soli und man kann sich ein lautes Lachen kaum verkneifen.

So was kommt halt dabei raus, wenn Schlagerproduzenten meinen, mal auf einen Trend aufspringen zu müssen, nur weil Jeannette Biedermann jetzt auch mal ein paar rockigere Nummern erfolgreich veröffentlicht hat.

Ich kann mir beim besten Willen und aller Toleranz nicht vorstellen, wer diese CD kaufen soll. Aber die Produzenten und die Promoagentur scheinen echt hinter dem Produkt zu stehen (etwas anderes ist es nicht) und haben eine aufwendige Promo-Mappe gebastelt und an Schreiberlinge wie mich verschickt.

Naja, von der Agentur kriege ich sicher nie wieder was zugeschickt. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden