BACK AGAIN: POP-REVIEWS

MARC ALMOND – In Session Volume One (CD 2003)

(Strange Fruit)

Strange Fruit Records bringt schon seit mehr als 15 Jahren jede Menge der berühmten „John Peel Sessions“ auf den Markt, aber auch viele der zumindest in Deutschland nicht ganz so bekannten „Janice Long Sessions“. Das sind stets speziell für die Radioshows dieser Moderatoren eingespielte Sessions von mehr oder weniger bekannten Bands und Musikern, wobei einige davon längst legendär sind, so zum Beispiel die Sessions von Joy Division und New Order. Jetzt gibt es eine CD mit Aufnahmen von 1983/84, die MARC ALMOND kurz nach der Trennung von Soft Cell mit seinen Bands The Mambas und The Willing Sinners eingespielt hat. Keine Frage, für Fans von MARC ALMOND sind diese Aufnahmen absolut unverzichtbar, denn sie gewinnen vielen der Songs ganz neue Seiten ab. Soft Cell waren ja schon eine Band mit sehr treuer Fanschar, aber so richtig kultig wurde der gute MARC erst in seiner frühen Solozeit, zeigte sich doch erst hier seine musikalische Vielseitigkeit. Auf jedem seiner vielen Alben waren ein paar Songs, die das Zeug zum Megahit hatten, was bis heute nicht anders ist, aber wie das Musikbusiness so ist, geht es nicht nur um die Qualität der Musik, sondern auch um das Image und die Vermarktbarkeit des Musikers und da war MARC ALMOND wohl dann doch zu eigenwillig und nicht genug Mainstream. Mit Songs wie „Empty Eyes“, „If You Go Away“, „Your Aura“ oder „Hell Was A City“ zeigt ALMOND hier seine ganze Größe und als Fan treibt es einem die Freudentränen in die Augen. Mich begeistert auch immer noch „Ugly Head“ aus der frühen Solophase, das hier in einer sehr eigenen Version geboten wird. Das „Hell Was A City“ einer meiner liebsten Almond-Songs ist, ändert sich auch mit der Version auf dieser CD nicht, im Gegenteil. Seiner Vorliebe für fetzige Bläsersets zur damaligen Zeit wird eifrig gefrönt (und ich weiß, dass dieser Satz jetzt ziemlich daneben war).

Keine Frage, MARC ALMOND gehört für mich zu den genialsten Sängern aller Zeiten und hat die 80er Jahre nicht unbedeutend mit geprägt und das Kunststück geschafft, bis heute und sogar bei der Soft Cell Reunion immer glaubwürdig und niemals peinlich zu wirken, welcher der „alten Stars“ kann das schon von sich behaupten? Und wer kann schon behaupten, dass seine rund zwanzig Jahre alten Aufnahmen alles andere als altmodisch klingen, sondern auch heute noch mitreißen? (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden