BACK AGAIN: POLIT-STATEMENT
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WARUM MAN ZOLL ZAHLEN MUSS... Ein Erlebnisbericht Schön, dass es das Internet gibt, man kann recht problemlos Menschen aus aller Welt kennen lernen und hat gute Chancen, seine Sammelleidenschaften auszuleben, denn man kann mit den Menschen, die man z.B. in Kalifornien/USA kennen gelernt hat beispielsweise Schallplatten tauschen, die es in Deutschland nicht gibt. Das wäre doch mal ein positiver Aspekt der vielbeschworenen Globalisierung, die viele Menschen so sehr ablehnen, dass sie gewalttätig dagegen demonstrieren. Doch die schönste Globalisierung nützt überhaupt nichts, wenn man am deutschen Beamtentum scheitert! Konkret habe ich mit einem Freund in den USA ein paar Schallplatten getauscht, gebrauchte Schallplatten, die 15 – 20 Jahre alt sind. Der Sammlerwert für 4 Schallplatten von Gruppen, die hier kaum jemand kennt, dürfte so etwa 50 US$ betragen, dazu noch die Portokosten. Sicher keine horrenden Summen. Kompliziert wird es dann aber, wenn die Deutsche Post das Päckchen aufmerksam kontrolliert und der Meinung ist, hier wolle jemand die Einfuhrbestimmungen übergehen und dem Staat finanziellen Schaden zufügen. Also findet man in seinem Briefkasten eine Mitteilung, dass man sich doch bitte beim Zollamt am Dammtorwall 14 melden solle. Nun gut, schuldbewusst geht man also dahin, darauf vorbereitet, wie bei Behörden üblich, ewig lange warten zu müssen. Nachdem man aber schon von den kundenfreundlichen Öffnungszeiten bis 17.00 Uhr positiv überrascht war, nimmt man mit Erstaunen zur Kenntnis, dass außer einem selbst nur ein weiterer Bürger dort ist und außerdem 9 Zollbeamte, bzw. –angestellte. Schon beim betreten des Raumes stürmt ein freundlicher junger Herr auf einen zu, lässt einen kaum was sagen und reißt die Benachrichtigung aus der Hand, sagt noch kurz, man solle sich einen Moment gedulden und verschwindet durch eine Tür im hinteren Teil des Raumes. Währenddessen ist der andere Bürger fertig und verlässt das Amt. Man selber wartet etwa 5 Minuten am Tresen, während 8 weitere Zöllner und Zöllnerinnen sich lautstark auf und an den Schreibtischen flegeln und über die teuren Preise im Elbe-Einkauf-Zentrum diskutieren, was sicherlich eng mit zollamtlichen Dingen zu tun hat. Man hat nicht gerade das Gefühl, dass hier Überarbeitung herrscht. Der freundliche junge Mann vom Anfang kommt wieder, legt das erwartete Päckchen auf den Tresen, teilt dem Bürger, man kommt sich inzwischen eher als Bittsteller vor, mit, dass man einen Moment Geduld haben soll, sein Kollege würde den Vorgang gleich bearbeiten. Nun ja, warum soll von 9 Leuten auch nur einer arbeiten, wenn das doch auch zwei tun können... Wieder einige Minuten später kommt der zweite Kollege, fragt beiläufig, wie man denn an die Schallplatten herangekommen sei, das würde ja nach einem „Geschäft“ aussehen und fragt nach dem Werk der Scheiben von Bands wie Cipher (erschienen 1981), Red Wedding (erschienen 1984), Rebekka Frame (erschienen 1985) und den Gothic Girls (erschienen auch etwa zu der Zeit). Vielleicht wurde ja auch gedacht, dass man billige Raubkopien von der neuesten Britney Spears CD einführen wollte, um sich eine goldene Nase zu verdienen. Tja, bei einem Wert von etwa 50 US$ (nach dem genauen Wert wurde gar nicht weiter gefragt, würden 3 % Zoll und 16 % MWSt anfallen. Ob man denn Bargeld dabei hätte war die nächste Frage. Klar hatte man...letztendlich wollte man ja endlich seine langerwarteten Schallplatten haben, also zahlt man Zähneknirschenderweise auch die Gebühren, auch wenn man die letzten 15 Jahre noch nie solche Probleme hatte, ein paar belanglose Platten aus den USA zu bekommen. Der freundliche Beamte zog sich wieder an seinen Schreibtisch in der hintersten Ecke zurück, füllte minutenlang handschriftlich ein Formular aus, rechnete offensichtlich beschwerlich US$ in € um und eröffnet den Bittsteller , dass nun 11,17 € fällig wären. Ein weiterer Kollege würde das Geld in Kürze kassieren und eine Quittung ausstellen, was wiederum mehrere Minuten dauerte. Nach ca. 15 Minuten verließ man schließlich kopfschüttelnd das Amt und fragte sich, ob ein Warenwert von 50 US$ tatsächlich die Beschäftigung von 3 Beamten in 15 Minuten rechtfertigt, während 6 weitere Beamte in dieser Zeit definitiv nichts getan haben, außer sich über die Preise im Elbe-Einkauf-Zentrum zu unterhalten. Hat man vielleicht mit seinen 11,17 € den Arbeitsplatz der Beamten gesichert? Wenigstens hat einer der freundlichen Herren dann noch Tipps gegeben, wie das ganze beim nächsten Mal umgangen werden kann. Also, wenn jemand Schallplatten in den USA bestellt, sollte als Absender kein Name auftauchen, der möglicherweise einem Geschäft oder einer Firma gehören könnte. Zudem sollte der auf dem grünen Postzettel ein Wert eingetragen sein, der unter 20,- US $ liegt und das ganze sollte als Geschenk gekennzeichnet sein. Das sollte der Empfänger dann auch so sagen, wenn tatsächlich eine Nachfrage kommt. So erspart man dann den drei tatsächlich mit einer Sendung im Wert von 50 US $ 15 Minuten beschäftigten Beamten auch noch die Arbeit, damit sie mit den anderen 6 Kollegen weiter über teure Preise im Elbe-Einkauf-Zentrum diskutieren können. Das sollte aber niemand dem Chef der 9 verraten, sonst könnte der noch denken, seine Zollbeamten wären unterbeschäftigt. (A.P.) KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle (H.H.) = Haiko Herden |