BACK AGAIN: POLIT-STATEMENT
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Besser spät als nie... Warum ich mich endgültig von der Band „Forthcoming Fire“ distanziere. Eigentlich hätte dieser Artikel eine Besprechung zur neuen Forthcoming Fire-CD „In Flammen“ werden sollen, im Folgenden möchte ich nun erläutern, warum ich für diese CD keinerlei Werbung machen kann, sondern eindringlich davor warne. Dazu muss ich ein wenig ausholen... Anfang der 90er Jahre bewegte ich mich in der so genannten Gothic-Szene. So lernte ich auch die Band Forthcoming Fire kennen, sowohl deren Musik, die mir sehr gut gefiel (und auch heute noch gefällt), als auch die damaligen Bandmitglieder, allen voran den Sänger JK (auch Jay Kay, bürgerlich Josef Klumb).Dieser hatte in den 80er Jahren bereits in diversen Punkbands wie Aus98 und Circle Of Sig Tiu gesungen und einige sehr gute Schallplatten veröffentlicht. Wir freundeten uns also ein wenig an und hatten regelmäßigen Kontakt. Irgendwann tauchte JK im Umfeld des umstrittenen Verlages VAWS von Werner Symanek auf, der in der rechts-nationalen Szene nicht unbekannt ist und begann, seine Fühler auch in Richtung Gothic-Szene auszustrecken. Da ich JK als freundlichen, sympathischen und toleranten Menschen kennen gelernt hatte, hielt ich mich mit Kritik an ihm lange zurück und verteidigte ihn sogar gegen Anfeindungen von anderen Leuten, die Mitte der 90er Jahre immer mehr zunahmen. Ich versuchte, die Person JK auf seine Musik zu reduzieren, unser Kontakt war inzwischen komplett abgebrochen und von Forthcoming Fire kam nichts Neues mehr. Dafür war der Sänger aus der Band Weissglut geflogen und hatte ein neues Projekt namens Von Thronstahl gegründet, das sich in der so genannten Neofolk-Szene bewegt und immer mehr „völkische“ und „neuheidnische“ Inhalte verkörperte. JK selbst arbeitete inzwischen bei VAWS und sympathisierte mit den Verschwörungstheorien eines Jan van Helsing und ähnlichem Schwachsinn. Ein harmloser Spinner, könnte man denken, doch wenn man sich mal ein wenig mit diesem Umfeld beschäftigt, stößt man schnell auf neonazistische Umtriebe. Immer noch hielt ich mich zurück, auch wenn auf der Website von Von Thronstahl inzwischen als Schmuck das „Fasces“ angeboten wird, das Rutenbündel mit Axt, Symbol der italienischen Mussolini-Faschisten. Als Text dazu darf man lesen: „Dezenter kleiner Gesinnungshinweis, noch keinem Verbot unterliegend“. Das ist wohl mehr als offensichtlich. Als ich nun unaufgefordert von VAWS die neue Forthcoming Fire-CD „In Flammen“ zur Rezension erhielt, nahm ich mir vor, zunächst einmal neutral heran zu gehen, da sich Forthcoming Fire nie wirklich politisch rechts präsentiert hatten. Beim Durchlesen des Booklets musste ich jedoch schnell schlucken, denn die CD ist Reinhold Elstner gewidmet, einem ehemaligen Wehrmachtssoldaten, der 1995 vor der Münchener Feldherrnhalle Selbstmord beging, indem er sich mit einer brennbaren Flüssigkeit überschüttete und anzündete. In seinem Abschiedsbrief schrieb er: „50 Jahre unendlicher Verleumdung und Verteufelung eines ganzen Volkes sind genug. 50 Jahre ungeheuerlicher Beleidigung deutscher Soldaten sind genug. Was nun im "Jubiläumsjahr" als Niagara-Lügenflut über unser Volk herniederstürzen wird, kann man nur ahnen. Mit meinen 75 Jahren kann ich nicht mehr viel tun, aber doch soviel, daß ich mit meinem Flammentode als Fanal ein sichtbares Zeichen der Besinnung setzen will. Und wenn auch nur ein Deutscher zur Besinnung kommt und den Weg zur Wahrheit findet, dann war mein Opfer nicht vergebens." Ich kann nicht beurteilen, ob Elstner ein Nazi war, da ich mich noch nicht intensiv mit diesem Mann beschäftigt habe. Zweifellos wird er aber für seinen Freitod von Neonazikreisen als Held gefeiert, wie man beim googeln schnell entdecken wird. Beispielsweise hat der Nazi Ernst Zündel einen Nachruf auf Elstner verfasst, ebenso der „Deutschherrenklub“ und die Münchener „Republikaner“. Beim intensiveren Recherchieren wird man problemlos weiter fündig. Wie man im Booklet zu „In Flammen“ informiert wird, soll das Cover (hier „Frontfoto“ genannt) angeblich ein Bild des brennenden Elstner zeigen. Liest man weiter, stößt man auf den Textausschnitt „Wir fliehen den Kadaver-Frieden, WIR streben nach dem Reich.“ Parallel entdeckt man Symbole des zaristischen Russlands, aber auch Bilder der Französischen Revolution und weitere Textfragmente, die zumindest zweideutig sind, und auch die „Jungmädelschar des VAWS“ wird freundlich gegrüßt. All diese Dinge, dieses zusammen gewürfelte Weltbild mit eindeutig rechtsnationalen Sympathien, die Verehrung eines Menschen, der sich umbringt, weil er den deutschen Untergang am Ende des zweiten Weltkriegs nicht als Befreiung, sondern als Niederlage empfand und so weiter, haben mich nach wahrscheinlich viel zu langer Zeit zu der Überzeugung gebracht, dass alle möglichen Leute, die JK seit langen in die rechte Ecke stellen, wahrscheinlich richtig liegen. Ich war viel zu lange tolerant, weil ich JK als netten Menschen kennen gelernt hatte und niemals politische Diskussionen mit ihm führen musste, weil er mir bei unseren Kontakten damals keinen Anlass zu Misstrauen gab. Auf jeden Fall hatte ich
keine Lust mehr, die CD anzuhören, sei sie auch musikalisch noch so
interessant und „unpolitisch“. KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle (H.H.) = Haiko Herden |