BACK AGAIN: POLIT-STATEMENT

Peter Cornelius verwundert über die Musikindustrie: „Eine Gruppe von "eigentlich ist uns das Wurst"-Leuten spielt Plattenfirma"

Erschüttert zeigt sich der Wiener Singer/Songwriter Peter Cornelius („Du entschuldige – I kenn Di“) in Anbetracht „seiner“ neuen Best-of-Kollektion „Das Beste“, die dieser Tage bei KOCH/Universal veröffentlicht wurde. „Die Doppel-CD mit 36 Songs wurde an mir vorbei zusammengestellt, ohne mich darüber zu informieren“, so Cornelius im Gespräch mit dem Verfasser. "Zudem habe KOCH/Universal, weil es mir nicht zur Überprüfung vorgelegt wurde, bei 25 der 36 Titel aus den Jahren 1980 bis 2003 vollkommen falsche Verlagsangaben gemacht. Branchenleute müssen mich für beschränkt oder entmündigt halten, wenn KOCH/Universal Musikverlage angibt, mit denen ich seit einer Ewigkeit nichts mehr zu tun habe bzw. die teilweise vielleicht gar nicht mehr existieren!“, erzürnt sich der sensible Poppoet. 33 dieser 36 Songs, betonte der 53jährige, befänden sich in seinem "unverlegten" Besitz.

Zudem, so Cornelius, seien bei den vom ihm selbst verfassten Songs „Kindheit“ und „Ganz Wien hat den Blues“ neben ihm auch der damalige Produzent Michael Cretu sowie der bekannte Textschreiber Dr. Michael Kunze als gleichwertige Autoren genannt. Dies ist falsch. Michael Cretu und Dr. Michael Kunze haben mit diesen Titeln als Urheber nichts zu tun. Herr Franz Selb, seines Zeichens Geschäftsführer von KOCH/Universal, verfügt über eine Datenbank, die eher den Namen "Tombola" verdienen würde.

Obwohl bei KOCH/Universal noch im vergangenen September seine hoch gelobte aktuelle Produktion „Schatten und Licht“ erschienen war,  wird Cornelius die Zusammenarbeit mit der in Planegg bei München ansässigen Firma, die Teil des Universal Konzerns ist,  nicht verlängern.

Schon als im Herbst 2000 sämtliche Cornelius-Alben der Jahre 1983 bis 1992 bei KOCH als CD wiederveröffentlicht wurden, habe es Probleme gegeben. So habe die Firma Cornelius´ Meisterwerk „Fata Morgana“ (im Original 1983 erschienen) unglaublicherweise als Mono-Aufnahme wiederveröffentlicht. Damals, so Cornelius, habe er Franz Selb und seinem Team jedoch noch verziehen und über dieses Manko hinweggesehen. Dass nun aber eine durchaus prächtig ausstaffierte Doppel-CD mit alten Erfolgen ohne Wissen des Interpreten und Songschreibers veröffentlicht wurde, brachte das Fass zum Überlaufen. Seinen 90er-Hit „Zufällig“ möchte der Tom-Petty-begeisterte Zeitgeistkritiker auch nicht auf die Tatsache angewandt sehen, dass er am Samstag, dem 20. März 2004, auf persönliche Bitte der Moderatorin in der ZDF-Show „Willkommen bei Carmen Nebel“ aufgetreten ist, er dort nichts ahnend ein Medley seiner größten Hits präsentierte – und prompt, zwei Tage später – also am nächstmöglichen der Sendung folgenden Werktag - die Doppel-CD „Das Beste“ veröffentlicht wurde!

Der Wiener Musiker, auch bekannt für seine Detailliebe zu den auf seinen Produktionen verwendeten Gitarren, beauftragte sowohl in Deutschland, als auch in seiner österreichischen Heimat renommierte Anwälte, um wenigstens das Art- und Paperwork der noch nicht ausgelieferten Exemplare vernichten zu lassen. Es soll früher Leute gegeben haben, denen es ein Bedürfnis war so einen haarsträubenden Fehler von sich aus wieder gut zu machen. Mit Schaudern betrachtet Cornelius die Entwicklung der Plattenindustrie, der es nur noch darum ginge, irgendwie an Geld zu kommen, egal was man auf CDs draufschreibt. Und wenn vielleicht Musik von jemand anderem drauf ist und es merkt keiner – auch O.K... Hauptsache die Leute haben irgendetwas gekauft. (Holger Stürenburg, 29./30. März 2004 Musikjournalist2004@gmx.de )

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