BACK AGAIN: DIVERSE

ENGELSKRIEGER
HERZBLUT
SCHREI!

HOCHZEIT
INTERVIEW zu "Bannkreis"

SUBWAY TO SALLY - Engelskriger (CD März 2003)

Vielklang Records)

Subway to Sally’s Neudefinierung „Engelskrieger“

 - Das Leid des einzelnen Individuums als Sinnbild einer kranken Gesellschaft -      

Da sind die Könige des Metal-Folk Subway to Sally also wieder.

Die sieben Potsdamer um Frontman Eric Fish präsentieren ihr nunmehr siebentes Studioalbum. Man kennt sie bestens, jedoch sollte sich der Hörer oder Fan frei von Erwartungen oder gar Vorurteilen machen, denn das was Subway hier abliefert ist anders als bisher gewohnt. Zeichneten sie sich doch bislang als Verfechter der Stilmischung von Folk und Metal aus, spielten Drehleier, Dudelsack und Schalmei  - traten diese schon auf dem Vorgängeralbum immer stärker in den Hintergrund und ebneten Akousticgitarren immer mehr den weg, so wurden Schalmeien oder Drehleiern nun geradezu verdrängt. Bevor sie in  die Versuchung verfallen konnten sich zu wiederholen, haben Subway to Sally eine sehr mutige Vollbremsung gemacht, bei der einiges durch die Frontscheiben geschleudert wurde, was nicht sicher verstaut war.

Die Geschichte des neuen Albums fängt ungewöhnlich an. Denn eine erfolgreiche Band, auf dem bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens angekommen, stellt sich selbst in Frage.

Zufrieden, mit dem, was man bislang erreicht hat, doch gleichzeitig unruhig, dass man sich mit dem bisher Erreichtem allzu zufrieden geben könnte.

„Erfolg verleitet, sich darauf auszuruhen, und was einst als Inovation, künstlerischer Mut und Risikobereitschaft in der Öffentlichkeit  für Furore sorgte, endet im Stillstand. Nach jedem Album findet innerhalb der Band ein Überdenken der Arbeit statt, aber diesmal war das mit dem Gefühl verbunden, dass es wirklich ans Eingemachte gehen muss. Herzblut war der ganz normale Schritt weiter auf dem Weg hin zu neuer Instrumentierung und Interpretation der Texte von Bodenski. Diesmal aber haben wir länger als je zuvor zusammengesessen und geredet. Sehr viele Gedanken über das Konzept von STS bzw. über den gemeinsam bisher bestrittenen Weg wurden durchdiskutiert, und am Ende enstand ein recht klares Bild dessen, was wir wollen: Eine Veränderung, die sich nicht auf Grundsätzliches bezieht, sondern einen deutlichen Schritt in Richtung Moderne bezieht. Es war das Gefühl da, was neues anfangen zu müssen, um Dinge die einen jetzt beschäftigen zu vertonen. Dann langsam entstanden auch die ersten Texte und mann merkte recht deutlich, dass hier etwas neues vielleicht auch aggressiveres, provokanteres entsteht. Ob ihr uns mögt oder nicht, hört euch das Album an! Akzeptiert nicht, das Subway to Sally eine Band mit Dudelsäcken und Geigen ist, die über Hofnarren und Galgen singt. Hört euch das an,“ fordert Frontsänger Eric Fish.

Kämpferisch kündigt die Band das neue Album an, bietet trotzig die Stirn und fordert regelrecht zum Zuhören auf. Und in der Tat muss man sich seine Meinung neu bilden, für sich selbst die Band neu definieren. „Engelskrieger“ zeigt Subway to Sally von einer bislang völlig unbekannten, neuen Seite. Was einst die Neugier auf sich, aber auch Nachahmer aufs musikalische Schlachtfeld zog, vermisst man auf dem neuen Album fast völlig.

Subway to Sally haben einen Einschnitt gemacht, der radikaler nicht sein konnte.

Wer zu Beginn dachte, es sei ein Wagnis, Metal – Gitarren mit mittelalterlichen Instrumenten oder Rockmusik mit Minnegesang zu vermischen, für den wird es genauso tollkühn erscheinen, diese erfolgreiche Mixtur auf dem bisherigen Zenit der Karriere einfach einzustellen und neu zu überdenken.

Es war innerhalb der Band das Gefühl entstanden, dass es an der Zeit war, etwas Neues zu schaffen, vor allem aber der Zeit und  dem Zeitgeschehen Tribut zu zollen.

„Es braucht für mich keine Flöte mehr, wenn ich über Missbrauch singe. Dudelsack hab ich 10 Jahre gespielt, dass langt,“entgegnet Eric.

Erstmals begab man sich gemeinsam einige Tage in Klausur, und diskutierte wohin die Reise gehen könnte. Das war vor über einem Jahr kurz nach den Ereignissen in New York, die nicht ausschlaggebend für eine Neuorientierung waren, aber die Band in ihrem Umdenken bestätigte. So begann die Arbeit zu diesem Album eher theoretisch. Konzeptionell wurden sich Ziele gesetzt, Neuerungen eingeklagt und Selbstkritik geübt.

Die Band war sich einig, dass nicht nur musikalische Änderungen an der Zeit waren, sondern auch die Position, die man als Band in der Öffentlichkeit besitzt, genutzt werden muss.

„Rockmusik muss kontrovers, provokativ und gefährlich sein. Sie muss in unseren Augen kommentieren, anklagen und mit dem Finger auf Missstände zeigen. Infolgedessen mussten auch Inhalte und die Richtung des Albums stärker im Hier und Jetzt verankert sein,“ erklärt Eric.

Mit Computern und Gitarren beladen wurde in einem alten Gasthof Einzug gehalten, um Songideen festzuhalten, neue Wege zu gehen und sich neu zu ordnen. Mit Ralf Quick, der u.a. die H-Blockx produzierte, fand man einen Produzenten, der fern ab von dem bisherigen musikalischen Kosmos der Band agierte und mittelaterliches Inventar nur aus dem Museum  kannte. Wer das Album heute hört versteht die Wahl.

In der Abgeschiedenheit Dänemarks wurde letzlich über zwei Monate hinweg tagtäglich in zwei Studios parallel produziert. „Mutig überhörten wir Einwände der Folk-Traditionalisten und haben wir Neues ausprobiert. Reduktion auf das Nötigste, Inhalte transportieren, das Songwriting stärken, den Sound bearbeiten, keine Kompromisse dafür aber volles Risiko eingehen. Ich denk es hat sich gelohnt. Engelskrieger ist ein hochmodernes Rock-Album geworden, dass das bisherige Qualitätslevel von uns mühelos halten kann,“ ist Eric Fish überzeugt.

Ebenso auffällig wie der musikalische Einschnitt ist die textliche Neuorientierung. Es geht mehr den je, um das Heute, erzählt in der gewohnt poetisch-lyrischen Sprache. Der Federgriffel scheint endgültig dem Laptop gewichen. Inspirationen für diese Texte sind die täglichen, kaum noch wahrgenommenen Nachrichten um uns rum.

„Die Nachrichten im Feuilleton, schnell verdrängt und ignoriert, bekommen plötzlich eine ergreifende Tiefe und Bedrohlichkeit. Selbstmord, Kindesmisshandlung, Verzweiflungstaten, Mord, Krankheiten oder religiöser Wahnsinn. Der Alltag wird auf erschreckende Weise ins Gedächtnis gerufen,“ meint Fish. Doch nicht genug, die Texte stehen nicht für sich allein, sondern das gesamte Album ist eine Einheit, eine Geschichte und folgt einem komplexen Spannungsbogen. So steht der Albumtitel für diese Stimmung: „Engelskrieger“ ein Heer von Kriegern, die Beschützer der Engel im Kampf gegen das Böse und mit dem Mut, den Verzweifelten eine Stimme zu leihen.

Und diese Stimme ergreifen Subway to Sally und klagen an, provozieren, fordern heraus mit nichts anderem, als dem alltäglichen Wahnsinn.

„Der Geist des Kriegers“ ist nicht nur musikalisch ein feister Start, sondern gibt auch inhaltlich die Richtung vor. Kräfte, positiv oder negativ, die unerkannt schlummerten und nicht geweckt wurden, doch nun scheinbar um uns herum aufbrechen. Es wird uns selbst ein Spiegel vorgehalten und die bedrohliche  Aufbruchsstimmung gezeigt, die in all diesen Handlungen hervorbricht. „Der Geist des Krieges ist erwacht. Ich hab die Macht!“

„Der falsche Heiland“ könnte man als Kampfansage betrachten, gegen Fanatiker, die die Schrift falsch auslegen oder ihre Taten mit ihr rechtfertigen. „Es gibt nur noch Rache für deinen Betrug! Es gibt kein Erbarmen! Genug ist Genug! Du bist der falsche Heiland!“

„Der Track ist natürlich auf dieses Problem Bush – Hussein gemünzt, dass stimmt aber nicht darin festgelegt. Ich bin der Meinung, macht die Augen weit auf und hingeschaut was in der Welt passiert!,“ fordert Eric Fish.

„Unsterblich“ erzählt von einem Täter, dessen Motiv es ist, durch Weitergabe seines Blutes und damit seiner Krankheit Unsterblichkeit zu erlangen. „Ich habe ein Geschenk für dich, es ist das beste was ich hab! Ich will das etwas von mir bleibt! Drum will ich es dir geben, in diesem Leben!“ Durch den Werbespot einer Anti-Aidskampagne inspiriert, wird eine neue, ichbezogene Gewalt gegen andere angeklagt. Eine moderne, reale Art des Vampirismus könnte man sagen.

„Kleine Schwester“ und „Abendlied“ haben Briefe von Betroffenen als Grundlage. Gewalt gegen Kinder, wird hier auf subversiv – bedrohliche Art musikalisch wie ein Kinderlied aus der Sicht des Opfers erzählt. „Seine Hand die große schwere, grabscht die Deine dir entzwei. Und sein Mund der große Dunkle summt ein schönes Lied dabei...“

„Narben“ und das „Knochenschiff“ bekamen ihre Inspiration durch den Brief einer Frau, die sich selbst verstümmelte, bewusst sich Narben und Schmerzen zufügte. Diese gegen sich selbst gerichtete Gewalt und Lebensmüdigkeit scheint auf subtile Art um sich zu greifen.

„...und ich hör den Körper singen, wenn der Schmerz die Last mir nimmt...“

Etwas allgemeiner findet sich diese Inspiration auch in „Knochenschiff“ auf beklemmende Art und Weise wieder. „Im letzten Gitter unter Deck schlägt dein Herz mit einem Leck. Wohin soll den die Reise gehen? Auf’s nächste Riff!“

„2000 Meilen unterm Meer“ ist geschrieben als fieberhafter Todeswunsch eines Kranken, der von Visionen geprägt, auf die Hilfe anderer angewiesen ist, um zu sterben, um den Meeresgrund und seinen Seelenfrieden zu erreichen.

„Ich ertrinke! Ich versinke! Ich will keine Schmerzen mehr! Ich will dort sein, wo es still ist! 2000 Meilen unterm Meer...“

„Wolfstraum“ erzählt von der Wandlung zum Wolf und der damit verbundenen Weckung des Tieres im Menschen. Mit blutigen Klauen auf Beutezug, vergessend was man vorher war – übermannt. „Wovon die Wölfe träumen werd ich heut Nacht erfahren. Werd zwischen ihren Leibern vergessen wer ich war!“ Ist das aber vielleicht die einzige Chance vor der grausamen Wirklichkeit zu fliehen – die Wandlung?

„Verloren“ erzählt von einer Liebesbeziehung der er verfallen ist – verloren in ihr. Er vertraut ihr sogar soweit, dass er willens ist von ihr den Schierlingsbecher zu empfangen...

„Ich bin verloren! Ich bin verloren an dich. Für diese Welt verloren!“

„Abendland“ ist die Anfrage an Gott selbst, ob er noch über uns wacht, oder sich von seiner verdorbenen Schöpfung verabschiedet hat und sie nun ihrem Schicksal überläßt.

„Vater unser, dort im Himmel! Wie lang glaubst du hast du Zeit,“ ist die abschließende Frage die Frontsänger Eric Fish stellt.

„Der Bezug zur Realität ist in allen Texten offensichtlich. Die Themen früherer Alben, sind gewichen und alles erscheint direkter und realer,“ findet Eric Fish.

Fast wünscht man sich bei so viel Gegenwart zurück, in alte historische Subway to Sally Erzählungen über Pest und Henker, Scheiterhaufen, Galgen und Hexen.

Möchte man vor den schonungslosen Bildern flüchten, zurück in eine scheinbar bessere Vergangenheit. „Engelskrieger“ ist trotz der zeitlosen Art mit Sprache umzugehen ein Album, das beängstigend die Gegenwart beschreibt und kommentiert. Das härter und direkter, vor allem aber zeitgemäßer ist als Subway to Sally jemals waren.

Es handelt von der Zerbrechlichkeit des Mensch – Seins, von den Verirrungen und Abgründen des Lebens und ist gleichzeitig Aufruf zur Wehr.

Man wird jedoch nun Schwierigkeiten haben, das bisherige Bild der Band zu übernehmen.

Sie sind brachialer und kompromissloser geworden, und das hört man!

„Engelskrieger“ ist ein Metal - Album geworden, voller Bombast und Gewalt. Treibend, groovend, tanzbar. Sie sind unverkennbar sie selbst geblieben, doch haben sich gleichzeitig neu erfunden, kämpferischer und moderner denn je.

Es scheint also, dass die Reise mit den Subway’s weiter geht, jeder Stillstand und jedes Klischee umschifft wird und man sich auf neue musikalische Werte besinnt.  

Wer nach sieben Alben mit solch einem Werk aufwartet, der zeigt Größe und Potenzial, das nur wenige Bands besitzen!

(Maximilian Nitzschke)


SUBWAY TO SALLY – Herzblut (02.04.2001)

(Megalux/Mercury/Island Records)

subway2.JPG (8490 Byte)SUBWAY TO SALLY haben nun mittlerweile ihr siebtes Album veröffentlicht, was doch sehr erfreut, denn von all den Mittelalterrockband (um hier dreist einfach eine Schublade zu öffnen) gehörten sie doch mit zu den besten, nicht nur, was die Studioarbeit angeht, sondern vor allem auch ihre Live-Künste, die uns in schweißtreibender Aktion auf der Bühne präsentiert wird. "Herzblut" ist ein sehr geiles Album, welches sich schon beim ersten Mal Hören dem Käufer erschliesst. Ich wette, es wird niemanden geben, der diesem Album nicht wenigstens ein bißchen was abgewinnen kann, ich persönlich jedenfalls behaupte einfach mal, daß es das beste und ausgereifteste Album der Band bis zum heutigen Tage ist. "Herzblut" bietet fast durchgängig wirklich gute Stücke an, denke man da nur an "Krötenliebe" oder auch "Veitstanz", die sogar was für Discos sein könnte. Alles recht monumental gehalten, verfeinert mit den netten Fiedeln, die auch hier gewohnt meisterhaft gespielt werden. Kurzum: "Herzblut" ist wirklich mit Herzblut gemacht und wird bestimmt ein Verkaufsschlager, der Qualität bietet. (H.H.)


SUBWAY TO SALLY – Schrei! (CD März 2000)

(BMG Ariola)

Subway To Sally - Schrei!Es gibt schon wieder etwas neues von den Mittelalter-Rockern SUBWAY TO SALLY. Dieses Mal ist es ein Live-Album und wer die Band schon kennt, der kann sich sicherlich vorstellen, daß es dort zur Sache geht. Satter, fetter Sound, immer irgendwie tanzbar (oder besser hüpfbar) und nach vorne gehend. Das SUBWAY TO SALLY die beste Band dieses Genres ist, darüber läßt sich sicherlich auch kaum streiten. Das Cover der CD ist, wie sein Vorgänger „HOCHZEIT“ ebenfalls in rot und schwarz gehalten, die sogenannte Corporate Identity ist also gegeben. Auf „SCHREI!“ gibt es auch einen ganzen Haufen Songs des vorigen Albums, u.a. „Henkersbraut“ oder auch „Böses Erwachen“. Ich muß gestehen, ein SUBWAY TO SALLY-Konzert war mir bislang noch nicht vergönnt, aber nach dieser CD brennt man darauf, eines zu sehen, das kann ich Euch versprechen. Übrigens, SUBWAY TO SALLY macht übrigens den Soundtrack zu dem PC-Spiel „DARK PROJECT II“. Ach so, das Info hält noch ein paar kleine Facts bereit, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Seit acht Jahren gibt es die Band und sie spielen von Anbeginn an fast 100 Gigs im Jahr mit wachsenden Zuschauerzahlen, inzwischen durchschnittlich über 1000 Leute. .  (H.H.)


SUBWAY TO SALLY - Hochzeit (CD)

(BMG Ariola)

Auch SUBWAY TO SALLY haben mal wieder eine neue CD. Die Musik zu beschreiben war zwar nicht immer einfach, aber auch nicht unmöglich. Manchmal wünscht man sich zum BACK AGAIN einen CD-Beileger, aber leider ist man immer darauf angewiesen, Musik mit Worten zu beschreiben und das kann ja einfach nur im Schubladendenken enden. Also, für die Leute, die SUBWAY TO SALLY noch nicht kennen, hier eine kurze Beschreibung, die die Band sich selbst in einem Interview mit uns genannt hat: „Mischung aus Hardcore-Folk und Min-nesang-Metal" oder „Krude Verbindung aus schwermetallenen Riffs und Akustiktönen nicht nur teutonischer Färbung" oder einfach „SUBWAY TO SALLY"-Sound". Mittelalterlicher Touch und ebensolche Texte sind Markenzeichen der Band, der Teufel ist auch oft mit dabei, nicht nur bei den Texten, sondern auch in der Musik. Sicherlich haben sich SUBWAY TO SALLY auch auf ihrer neuen CD etwas weiterentwickelt, aber es ist trotzdem weiterhin SUBWAY TO SALLY, unverkennbar und unverwechselbar und manch-mal wirklich dramatisch. Weiterhin gilt für die Band: „Lieber Pathos als Flachheit, lieber Galgen als Gaga, lieber Whiskey als Sportgetränk".

(H.H.)

P.S.: In Kürze folgt ein aktuelleres Interview. Das alte könnt Ihr solange unten noch nachlesen
 


INTERVIEW SUBWAY TO SALLY

Gerade ist die neue CD von SUBWAY TO SALLY erschienen, sie trägt den Titel "Bannkreis" und dürfte inzwischen auch den letzten überzeugen, daß wir es hier mit einer interessanten, deutschen Band zu tun haben, die es verstehen, alte und neue Stile interessant zu mischen und kräftig nach vorne gehen, aber auf der anderen Seite aber auch ruhige Balladen, wie z.B. das mystische "Der Baum, schreiben. Grund genug also, der Band hier im BACK AGAIN einmal ein paar Fragen zu stellen. Die Antworten gibt Bodenski.

? Beschreibt doch für die Leser einmal Eure Musik.

! Wie beschreibt man unsere Musik? - ist es doch genau jener Graben, der den Musik vom Journalisten trennt: Musik kann man nur beschreiben, wenn man sie mit etwas vergleicht, was alle kennen. Also - Schubladen aufziehen. In unserer Anfangszeit haben wir mal behauptet, keine Schublade zu sein, sondern ein Schrank. Auf solch einem Schrank könnte dann stehen: "Mischung aus Hardcore-Folk und Minnesang-Metal" oder "Krude Verbindung aus schwermetallenen Riffs und Akustiktönen nicht nur teutonischer Färbung" oder einfach "SUBWAY TO SALLY"-Sound.

? So mag es sein. Man muß zugeben, daß Ihr Euren eigenen Sound gefunden habt und Euch von anderen Bands hervorhebt, so daß Ihr immer wiedererkennbar seid. Was fasziniert Euch eigentlich so Mittelalter?

! Das Mittelalter, das mich interessiert, ist ein Ort wie Atlantis. Also kein Ort, in dem der politische Hintergrund die Hauptrolle spielt: Wer hat wann, mit wem, wo und warum (schließlich sind wir keine Mediävistik-Studenten), sondern es geht um ein Mittelalter als eine poetische Zeit, die hinter einem Vorhang zu liegen scheint, den wir nur durchdringen können, wenn wir uns mit unseren eigenen Wurzeln (auch und vor allem musikalisch auseinandersetzen.

Im übrigen sind die wenigsten unserer Stücke wirklich mittelalterlich. Ich erlaube mir an dieser Stelle gleich Frage Nr. 7 mit einzufelchten: Wir haben zugegebenermaßen eine Schwäche für dramatische Szenarios. Das hat aber etwas mit unserer Musik zu tun. Man kann das eine nicht vom anderen abziehen. Oder mal anders gefragt, was wäre SUBWAY TO SALLY mit Texten wie: "Ich bin gut drauf, solange mein Kühlschrank funktioniert, weil dann hab ich immer ein lecker Sportgetränk" oder "Ich sag dich im Fahrstuhl und ich träumte, er würde steckenbleiben, oh wenn das einmal passiert - hoff ich, daß mein Deo funktioniert". Na, was wären wir dann? Richtig: Albern! Also lieber Pathos als Flachheit, lieber Galgen als Gaga, lieber Whiskey als Sportgetränk.

So, und hinter diesem Szenario aus Liebe, Tod und Teufel verbergen sich Metaphern, die in mehrere Richtungen offen sind und diese Richtung bestimmt allein der Hörer. Nehmen wir mal an (ich erlaube mir an dieser Stelle gleich Frage Nr.8 mit einzufelchten) "Ein Baum": Ob es sich um eine reale Verwandlung, ein Bild für Reinkarnation, eine verschlüsselte Botschaft zum Erhalt der deutschen Eiche oder eine Metapher für den modernen Menschen, der nicht zur Ruhe kommen kann handelt, soll für alle einschließlich Dir offen bleiben.

Ist das Mittelalter? Wenn ja, dann unser Mittelalter mit Namen 20. Jahrhundert.

Im übrigen sind die meisten Texte von mir, wobei ich ohne die Band nie einen Text geschrieben hätte, denn letztendlich wird nur das Musik, was in den Augen der Band Substanz hat und womit sich z.B. unser Sänger (mein Medium, wenn Du so willst) identifizieren kann.

Die Musik entsteht oft erst, nachdem ein Text unser Interesse erregt hat, quasi als würde man eine Filmmusik schreiben. Hier wird tatsächlich auch lange im "stillen Kämmerlein" herumgefeilt, bevor der Song mit allen ausgearbeitet wird. Mister Superhirn ist bei uns in dieser Disziplin unser Gitarrist Ingo Hampf.

? Der Song "Sanctus" klingt ja ziemlich kirchlich angehaucht. Wie steht Ihr denn zur Kirche, zu Gott und dem Glauben an sich?

! Das Stück "Sanctus" ist ein Choral von einem anonymen Meister aus dem 14. Jahrhundert. Wir haben es zum einen aufgenommen, weil es ein Stück sehr schöne Musik ist und zum anderen, weil wir es in Beziehung zum vorhergehenden Stück "Kruzifix" setzen wollten. Glaube und Kirche sind für uns nicht zwei Seiten einer MünzeWir tadeln die Kirche, wenn sie voller Ränke steckt, wir verachten die geistliche Macht, die nach weltlicher Macht giert, doch wir tolerieren den glaubenden Menschen, welchen Namen sein Gott auch haben mag.

? Gibt es eigentlich noch Bands, die Euch als Vorbild dienen. Gibt es andere Stilrichtungen, die Ihr mögt?

! Inzwischen gibt es keine Bands mehr, die wir Vorbild nennen können. Auf dem Weg, den wir in den letzten drei Jahren gegangen sind, trifft man nur selten einen Wanderer mit dem gleichen Ziel. Eine ganz andere Frage ist die, ob es andere Bands oder Stile gibt, die wir mögen. Vielleicht gibt es keine andere Band, die in dieser Frage so breit gefächert ist. Das Spektrum reicht von Vokalmusik der Renaissance bis "Qantal" von barocker Lautenmusik bis "Orphanage", von Klassik bis "The Gathering" und von arabischer Folklore bis "Krupps".

? Ihr seid ja am laufenden Band auf Tour. Ist für Euch livepräsenz wichtiger als Studioarbeit?

! Livepräsenz ist uns nicht wichtiger als Studioarbeit (mit unserem neuen Album "Bannkreis" haben wir ja auch eine ganz neue Qualität dieser Seite unserer Arbeit erreicht), daß wir ständig auf Tour sind hat verschiedene Gründe: Sicher kannst Du Dir vorstellen, daß wir mit unserer Musik kaum Formatradio- und Viva-kompatibel sind, so daß wir kaum ein anderes Medium als die Bühne haben, um unsere Musik vorzustellen. Wir "erspielen" uns quasi unser Publikum. Außerdem ist es natürlich für eine Band immer wichtig, den Kontakt zum Publikum zu haben, live zu spielen, unterwegs zu sein, und das ganze drum und dran des Rock´n Roll-Zirkus zu erleben. Manchmal glaube ich sogar, daß Konzerte so etwas wie moderne kultische Handlungen sind, zu denen man sich zusammenfindet.

? Wie sieht bei Euch denn eine Liveshow aus?

! Unsere Live-Show lebt ja sehr von der Energie der sieben Musiker auf der Bühne. Da wird herumgesprungen und geschwitzt, da wird Lärm gemacht, da werden Geschichten erzählt und Grimassen geschnitten, Fackeln brennen, Feuer wird gespuckt und die Bühne ist in mystisches Licht und Nebel gehüllt und (auf unserer anstehenden "Bannkreis"-Tour im Herbst) aufwendig dekoriert. Neugierig geworden? - Vorbeikommen!

? Gibt es Dinge, die Ihr mit der Band noch erreichen wollt? Auf der einen Seite natürlich kommerzielle Erfolge (ohne sich zu prostituieren), aber ich meine speziell künstlerische Dinge.

! Wenn wir noch lange das Privileg genießen können, von unserer eigenen Musik zu leben und wenn wir es schaffen, Musik zu schreiben, die einen eigenen Stil hat, der keiner Mode hinterherhechelt, ist das schon viel.

? Dann danke ich Euch und laßt doch am Schluß noch einmal die sogenannten berühmten letzten Worte ab.

! Besser Musik hören als nur über Musik lesen - eine CD von uns sagt mehr über unsere Band, als tausend Artike.

? Dem kann ich natürlich nur beipflichten! Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg!