BACK AGAIN: DIVERSE

IN EXTREMO - 7
IN EXTREMO - Sünder ohne Zügel
IN EXTREMO - Vollmond
IN EXTREMO - Ai Vis A Loop

IN EXTREMO - 7 (CD 01.09.2003)

Eine mystisch verklärte Zahl, die unzählige Interpretationen zulässt und für viele Geschichten herhalten könnte, schreibt sich bei IN EXTREMO quasi von selbst auf das Cover – Artwork und wird zum Titel des neuen Albums erhoben.

Hier nun also kommt es, dass siebente Album der sieben Berliner Musiker, die nun schon seit 7 Jahren unter dem Namen IN EXTREMO einen Musikstil präsentieren, für den sie selber das beste Aushängeschild sind. Dudelsäcke,  mittelalterliche, oder mittelalterlich angehauchte Texte treffen auf Elektrogitarren und bilden ein Klangerüst, dass IN Extremo geradezu unverwechselbar gemacht hat.  Naheliegender und offensichtlicher ging die Titelsuche für dieses Album nun wirklich nicht mehr, doch auch musikalisch bekommt man denn Eindruck, dass sich die einzelnen Teile zur Zeit wie von alleine zusammenfügen und die Band sich gerade zur Höchstform gefunden hat.

Die Spannung aufrecht zu erhalten – für sich selbst, wie für die Fans, ist bei vielen Bands ein Problem an dem oft schon bei der dritten Platte gescheitert wird. Je mehr Veröffentlichungen, umso schwieriger wird es, die eingeschlagene Richtung immer wieder neu zu bestimmen und nicht in Langeweile und Routine zu erstarren. IN Extremo scheinen dieses Problem einfach zu umgehen, in dem sie sich von Beginn ihrer Karriere ständig und ohne größere Stilbrüche weiterentwickeln und ihre ursprüngliche Idee bis heute vorantreiben und perfektionieren. So wie der Albumtitel einfach da war und sich von alleine erklärt, hat sich die Arbeit am Album auch fast von alleine zusammen gefügt und ergeben.

Sieben steht aber auch für sieben Freunde, für ein Team, womit sich schnell erklärt, warum Weiterentwicklung, Veränderung und Kreativität hier ein ständiger Prozess ist und keine erzwungene Kehrtwendung. Das Neue des Albums liegt im Detail versteckt. Sie sind sich treu und unverkennbar geblieben, die Ecken wurden noch kantiger, die Kanten schärfer herausgezeichnet und die Kurven abgeschliffen. Das Instrumentarium ist bis auf wenige Ausnahmen  , wie z.B. das 92 – saitige Hackbrett, gleich geblieben und dennoch wurde der Gesamtsound deutlich hörbar weiterentwickelt. Es wurden wieder vermehrt historische Melodien aufgegriffen und sich somit dem Ursprung der Bandidee angenährt, doch sind die Songs gleichzeitig härter und moderner denn je. Eine der größten Überraschungen sind diesmal die Eigenkompositionen, die auffällig das Album prägen und zu den Höhepunkten des Albums gehören, genauso wie immer mehr deutschsprachige Texte Einzug gehalten haben. Letztendlich hat man mit diesem Album erstmalig Berlin verlassen und in den Principal Studios unter der Führung des Produzenten Teams Vince Sorg und Jörg Umbreit, die beide in der Metal – Szene zu Hause sind, die bewährte Mischung geschliffen und perfektioniert. Dass obendrein Gäste wie Thomas D oder Henning von den H – Blockx im Studio auftauchen und kurze Gastspiele geben, zeugt von der großen Akzeptanz in den verschiedenen Musikszenen, die sich In Extremo in den Jahren erspielt hat.  Man hört die vertrauten Zwischentöne, die gewohnten Dudelsäcke, die hier unbeschwert pfeifend zum Tanz einladen und das unverkennbare Timbre in der Stimme des „letzten Einhorns“. Dennoch würde man einen Song wie „Küss Mich“, ebensowenig wie etwa „Segel setzen“ in der Direktheit des Textes nicht von IN EXTREMO erwarten. Das ist näher an „neuer deutscher Härte“ als an alter Spielmanntradition. Auf der einen Seite wird der Hörer ungewohnt eingängig und melodiös umgarnt und fast fröhlich zum Tanz aufgefordert, bevor man ihn mit brachialen Gitarren zurück schubst und sofort mit historischen Melodien und Instrumenten daran erinnert, wer hier den Ton angibt. Wenn In Extremo noch als Nischenmusik gelten kann, dann nur, weil sie stets in allen Nischen das Besondere suchen, aufgreifen und für Jedermann zusammenfügen.

Die Verschmelzung von Althergebrachtem mit zeitgemäßer Musik, sowie der Wandel vom Mittelaltermarkt zur Video – Rotation vollzogen. Nach ihrer TopTen Platzierung sind die Spielleute mit diesem Album für weitere Überrraschungen gut und es gibt sicherlich noch eine Menge zu erwarten. Wir dürfen gespannt sein, oder wie das Letzte Einhorn selbst singt: „Wer sich mit uns auf den Weg macht, gewinnt für’s Leben. Freuen wir uns so lange wir jung sind...“

(Maximilian Nitzschke)

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IN EXTREMO - Sünder ohne Zügel (CD 03.09.2001)

Entführung in eine Welt der Lasterhaftigkeit

Schon die ersten Takte des neuen Studioalbums „Sünder ohne Zügel“ der mittelalterlich angehauchten Rocker In Extremo reißen den Hörer hinein in eine Welt aus Besessenheit von Musik und Sexualität, Verführung, Lust, Leidenschaft und damit verbundener Sünde. Als man sich im Oktober 2000 hingesetzt hatte und über neues Material nachdachte fand Das Letzte Einhorn wunderschöne französische Texte zur Interpretation und schrieb emotionale deutsche dazu, dass sich nun auf dem Album ein sehr klanggewaltiger Mix befindet, der von E - Gitarren und Dudelsäcken begleitet wird.

Schon das Coverfoto drückt diese neue Kraft der sieben Musiker aus. Gesucht wurde nach etwas, dass erotisch aussieht und verführerisch ist, nicht pornographisch, sondern ästhetisch. „Wir wollten zu Sünder ohne Zügel, etwas mit Schlangen machen als Zeichen für Liebe, Sexualität und Sünde. So schlug uns ein Grafiker vor eine entkleidete Frau in den Mittelpunkt zu rücken und ihr die Schlangenhand zu geben. Eigentlich sollten es sieben Schlangen sein, da das Foto aber live gemacht wurde, ging das nicht. Die Schlangen ließen sich nicht halten, krochen einfach fort und darin lag ja der gewollte Widerspruch. Sie versucht die Schlange festzuhalten, die sich aber nicht festhalten lässt. Ich denke das ist sehr reizvoll,“ erklärt Frontsänger das Letzte Einhorn.

Musikalisch spürt man, dass der Sound von Gitarren und Schlagzeug dominant in den Vordergrund gerückt ist und das Album insgesamt moderner klingen lässt als noch seine Vorgänger. „Dieser modernere Sound ist komplett so im Studio entstanden im Frühjahr. Seit anderthalb Jahren haben wir einen neuen Gitarristen, der jetzt sein erstes Album miteingespielt hat, und andere musikalische Vorstellungen hatte, die meinen Nerv trafen. Wir wollten uns einfach weiterentwickeln,“ gesteht das Letzte Einhorn.

Der Oppener „Wind“ zeigt dem Hörer sofort, das ein neuer selbiger die Band erfasst hat. Viel härtere Gitarrenriffs unterstützt von einem nicht minder dominanten Schlagzeug gestalten die ersten Minuten dieses Stückes. Der Gesang setzt erst verhältnismäßig spät ein. Aus diesem Schlagzeugwald heraus erklingt plötzlich die Stimme des Sängers Das Letzte Einhorn, der anfragt „Spürst du, spürst du, wie der Wind die Wollust bringt.“. Der Wind als Bote der Liebe und Versuchung, aber auch der Entlarvende, der das wahre ich des Sängers kennt. In den Textzeilen „Der Wind, der Wind weiß wer ich bin. Der Wind der Wind treibt mich dorthin“ kommt diese Gewissheit zum Vorschein. Doch die Liebe des Sängers lässt sich nicht zügeln, und so wird der Wind am Ende nur Verführer und Mitwisser bleiben.

Der Song Krummavisur beginnt anfangs genauso mit E - Gitarre und Schlagzeug, erhält aber dann durch sanft angesetzten fast an Laute erinnernde Gitarrenklänge einen mittelalterlich ahnmutenden Stil. „Viele der französischen Texte sind uralt. Musikalisch von uns zwar moderner gestaltet worden, aber mit alten Booklines etwa den Dudelsackbooklines angereichert. Diese nämlich stammen original aus dem Mittelalter. Manche davon aus dem 11. Jahrhundert,“ erklärt das Letzte Einhorn die Wirkung dieses Songs.

Der dritte Song „Lebensbeichte“ beginnt mit Dudelsäcken, in deren Klang wenig später der Gesang einsetzt. Es geht textlich um die verzweifelte Suche nach echter Liebe und Zuneigung, die dem Sänger bisher jedoch verwehrt geblieben ist. Wie ein Kahn auf offener See treibt sein Herz und fühlt seine Seele eine Leere. Mit der Textzeile, die die quälende Suche ausdrückt „Suchte meines gleichen, fand nur Sünde ohne Zügel“ wurde dieser Song zum Namensgeber des Albums. Fast scheint er thematisch an „Wind“ anzuknüpfen, den im Refrain nimmt der Sänger erneut Bezug auf die verführerische Kraft des Windes. „Weiß der Wind, so wie ich wirklich bin, lenkt der Sturm mich stets wo anders hin.“ Wie hin und her gerissen ist der Sänger dieses Textes.

Mit dem vierten Track „Merseburger Zaubersprüche 2“ knüpfen In Extremo an einen alten Stoff an, deren ersten Teil sie bereits auf ihrer Vorgängerplatte „Verehrt und Angespien“ vertont haben. „Diese Texte aus dem 11. Jahrhundert hat irgendwie jeder schon mal in seiner Schulzeit gehört. Wir hatten schon den ersten Teil auf Verehrt und Angespien vertont und so war es nur folgerichtig den zweiten auch noch musikalisch zu bearbeiten.“

Mit sanftem, lautenähnlichem Gitarrenintro singt der Sänger diesen geheimnisvollen Text. Deutlich dominiert hier der Gesang vor den Instrumenten, und lässt diesen alten Text tatsächlich wie eine alte Zauberformel erscheinen. Erst in der Wiederholung des Textes setzt das Schlagzeug, sehr gedämpft ein, und verleiht diesem Song etwas erhabenes.

Das fünfte Lied „Stetit Puella“ wird von einer dunklen Gesangsstimme getragen, die zu Beginn des Liedes fast manisch die beiden Worte singt. Wieder einmal ist es die Versuchung, die in dem Text zum Ausdruck kommt. In dem ersten Refrain des Liedes, der deutsch ist, tauchen die Sätze „Heiß wie Blut, war die junge Maid unterm roten Kleid, wer ihr Kleid berührt hat ihr Blut gespürt. Zeig mir die Glut.“ Der Sänger bekennt sein Verlangen nach diesem vielleicht noch jungfräulichem Mädchen in diesen Textzeilen. Im zweiten Refrain hat er dieses bereits stillen können „hat ihr Mund geglüht, alles abgeblüht.“. Musikalisch untermalen Dudelsäcke diesen Text. Der sechste Song „Vollmond“, erneut ein Liebeslied, beginnt mit einem sanften Gitarrenintro, in das dass Schlagzeug einstimmt. Der Sänger beschreibt den Anblick eines entkleideten Mädchens im Mondlicht. Völlig fasziniert, fordert er sie auf, ihm zu vertrauen. „Komm schließ die Augen, glaube mir! Wir werden fliegen übers Meer. Ich bin nach deiner Liebe so krank, die sich an meinem Blut betrank.“

Im siebenten Titel „die Gier“ trägt eine sanft gespielte Gitarre und der Gesang vom Letzten Einhorn den gesamten Song. Der Sänger dieses Songs spürt die Gier nach einem Mädchen und der mit ihr verbundenen Liebe. „Spür die Gier in mir, halt mich fest. Es leuchten die Sterne am breiten Himmelszelt, für dich und mich bis die Nacht zerfällt.“ Dieser Song ist für das Letzte Einhorn einer der schönsten und begründet es so: „Da habe ich meine Ganzen Gedanken zum Thema Liebe und Versuchung hineingepackt und den Song sehr emotional werden lassen.“ Bei „Le Òr Chiyuchech“, einem altfranzösischen Text hat sich Das Letzte Einhorn den altfranzösischen Text erst ins neufranzösische, dann ins deutsche und nach Bearbeitung vom deutschen wieder ins altfranzösische zurückübersetzen lassen.

Der Song „Rattenfänger“ beginnt mit Dudelsackintro in das die Gitarren dann einstimmen. „Der Text für diesen Song stammt vom großen Johann Wolfgang von Goethe. Wir haben etwas am Refrain verändert, aber sonst ist es der Altmeister. Die Musik die den Text begleitet ist logischerweise auch von uns. Inhaltlich geht es schon um den Rattenfänger von Hameln, der in der Nacht die Kinder verschleppt, Ein schönes Spielmannthema,“ gibt Das Letzte Einhorn zu. Òskasteinar ist erneut ein altfranzösischer Text, den in Extremo musikalisch neues Leben eingehaucht haben.

Der zwölfte Albumtitel „Nature nous semont“ entstammt ganz alten provencalischen Wurzeln. „Nature nous semont ist ein sehr altes Lied. Der Text dafür stammt aus der Provence in Frankreich, wo er im 10. oder 11. Jahrhundert geschrieben wurde. Ein Spielmann sitzt in der Kneipe, in die plötzlich ein Kriegstreiber hineinkommt und ihn zum Kriegsdienst zwingen will. Er versteckt sich unter Weiberröcken und wird nicht entdeckt. Für mich war das der erste Kriegsdienstverweigerer des 10. Jahrhundert. Er versteckt sich eben darunter und die Männer Olivier und Roland bekommen das nicht mal mit. Was er derweil unter den Röcken treibt ist wohl klar. Das war guter spielmännischer Stoff.“ In Extremo lassen, das altfranzösische dieses Textes wieder aufleben.

Im letzten Titel „Unter dem Meer“ geht es um den Verlust der Liebe durch den Tod. Der Sänger klagt den Tod an, während dieser ihm droht ihn für die begangenen Sünden zu bestrafen. „Noch über den Wolken und unter dem Meer, hinter all deinen Sünden werd ich dich finden!“ Fragt man das Letzte Einhorn ob man es als Meisterstück bezeichnen kann, meint er: „Mit Weckt die Toten haben wir das Haus errichtet, mit Verehrt und Angespien das Dach gedeckt und mit Sünder ohne Zügel sind wir eingezogen!“

(Maximilian Nitzschke)


VollmondIN EXTREMO – Vollmond (MCD August 2000)

(Mercury)

Die Band IN EXTREMO ist nun zu Mercury gewechselt und bringt nun eine neue Maxi-CD auf den Markt, quasi als Vorläufer zum neuen Album, welches im Mai 2001 erscheinen soll. Wie gewohnt bringen sie ihren coolen Mittelalter-Rock auch hier rüber, der Song "Vollmond" passt hundertprozent in das Programm, auch wenn der Rhythmus sehr elektronisch ist, erinnert ein wenig an den Track "Ai Vis Lo Lop", bloß halt mit mehr IN EXTREMO-Instrumentarium. Alt und neu passen sich hervorragend an, kurz "Vergangenheit und Gegenwart stehen dicht beieinander". Der Song ist wie gehabt schnell, brachial, eingängig in Melodie und Text, aber nicht platt. Einfach IN EXTREMO, so kann man die Band am besten beschreiben. (H.H.)


IN EXTREMO - Ai Vis Lo Lop (MCD Juni 1998)

(Stars In The Dark/Efa)

Im Juni 98 erschien das Longplay-Werk der Band und nun wird diese Maxi hinterhergeschoben. Die LP kenne ich nicht, so daß mir diese Maxi hier das erste ist, was mir von IN EXTREMO präsentiert wird. Ich nehme einfach mal an, daß die „Original Version" des Stückes den wahren Charakter der Band herzeigt. Mittelalterliche Musik durchsetzt mit fast schon punkigen Gitarren und alles schnell und feiertechnisch aufge-peppt. Die ersten zwei Stücke haben denke ich nicht viel mit der Band zu tun, außer daß es ihr Stück ist. Technoelektronisch geht es aber auch auch hier partymäßig ab, die zwei Dancetracks sind erste Sahne und für Clubs perfekt. (H.H.)