BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE

Compilation – ZU GAST BEI NO FUN (LP 1982)

(No Fun Records)

Der Gast bei diesem zweiten No Fun-Sampler ist das Ton Steine Scherben-Label David Volksmund Produktion, das einige seiner damaligen Bands zu dieser Schallplatte beisteuert. Leider gibt es praktisch keine Titel auf diesem Sampler, die nicht auch auf den regulären Veröffentlichungen der Gruppen zu finden sind, einzige Ausnahme sind POP-ART, zu denen es keine weiteren Angaben gibt. Egal, denn man kann sich immerhin ein Bild vom Repertoire beider Labels machen, wobei die No Fun Bands klar vorne liegen. Zwischen den Songs gibt es immer eine Moderation, so dass ein bisschen der wohl auch gewollte Effekt einer Radiosendung entsteht. Anfangen tut die Platte mit den Bremern A5, deren Singles heute sehr gesucht sind, die es aber immerhin als coole CD-Wiederveröffentlichung bei guten Mailordern gibt. Ziemlich gutes Teil, das man sich unbedingt besorgen sollte. TON STEINE SCHERBEN steuern einen eher unauffälligen Song bei, ihre beste Zeit hatten sie eben schon hinter sich. Auch einen ihrer schwächeren Songs aus dem ansonsten sehr guten Album bieten die IHMESPATZEN. CARAMBOLAGE sind eine Frauenband gewesen, der ich komischerweise nie viel abgewinnen konnte, obwohl sie eigentlich ganz ordentlichen Wave-Sound gespielt haben, hier allerdings in eher unterirdischer Soundqualität. Wenn mir die Platten der Gruppe mal in die Finger kommen, werde ich mich eingängiger mit ihnen beschäftigen, da ich sie eigentlich nur von diversen Sampler-Beiträgen kenne. INDEX SIGN hatten auf No Fun einen speziellen Status, weil sie englische Texte haben, diese aber in guten New Wave-Stil präsentierten. Beide Platten der Gruppe sind empfehlenswert, vor allem aber das Zweitwerk „Second Exposure“. Zu HANS-A-PLAST muss man wohl kaum noch was sagen, oder? Sicherlich eine der wichtigsten Hannoveraner Punk/NDW-Bands, die auch das No Fun Label geführt haben und zu recht sehr bekannt und erfolgreich waren. Damit endet auch schon die erste LP-Seite und auf Seite 2 geht es gleich mit DER MODERNE MAN weiter, mit denen ich zu dieser Zeit schon nicht mehr viel anfangen konnte. Ich bevorzuge die Frühwerke. Richtig guten NDW-Sound spielen POP-ART, über die ich leider gar nichts weiß, die aber vor allem Fans von Gruppen wie Fee gefallen dürften. Möglicherweise war das ein Gemeinschaftsprojekt von Musikern mehrerer Bands? MYTHEN IN TÜTEN konnten mich mit ihrem ersten Album nicht wirklich überzeugen. Hier gibt es einen Song aus dem zweiten Album zu hören, der nicht wirklich etwas Neues bietet. STRICHER vom David Volksmund-Label gehören zu den frühen deutschen Wave/Gothic-Bands, die heute sehr gesucht sind. Ich muss immer etwas an frühe Sachen von Der Fluch denken. Zum Schluss dann noch die viel geliebten BÄRCHEN UND DIE MILCHBUBIS mit einer 39 Clocks-Coverversion. Ich muss gestehen, ich finde diesem Sampler durchwachsen, einige wirklich gute Sachen wechseln sich mit eher belanglosen Stücken ab, aber das ist ja wie immer Geschmackssache. Mir fehlen ein wenig Stücke, die einfach nach vorne losgehen, stattdessen ist es hier häufig ziemlich kopflastig. Dennoch macht sich „Zu Gast Bei No Fun“ in jeder NDW-Sammlung gut, also mitnehmen, wenn man die Platte irgendwo sieht. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden