BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE
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DIDI ZILL – Die Neue Deutsche Welle (Buch 2003) (Schwarzkopf & Schwarzkopf, ISBN 3-89602-405-1)
Für „Die Neue Deutsche Welle“ hat er nun einen ganzen Haufen Hochglanzbilder aus der angeblich innovativsten deutschen Musik-Periode zusammen gestellt. „Angeblich“ deshalb, weil hier fast ausschließlich die kommerziell erfolgreichen und musikalisch eher leicht konsumierbaren Künstler portraitiert werden. Die frühe Underground-Szene, die den Boom eigentlich erst ausgelöst hat wurde überhaupt nicht berücksichtigt. Das wird nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass Zill in der Zeit fast nur für „Bravo“ gearbeitet hat und die natürlich nicht an Gruppen wie Geisterfahrer, Palais Schaumburg oder Der Plan interessiert waren. Von den bekannten Gruppen und Einzelkünstlern findet man hier jedoch alle wieder. Spliff, Falco, Nena, Markus, Frl. Menke, Geier Sturzflug, Spider Murphy Gang, Peter Schilling, Kiz, Trio, Joachim Witt, Ina Deter, Tauchen & Prokopetz (das Projekt hieß nicht „DÖF“, wie fast immer und auch hier behauptet wird, so hieß das Album), Hubert Kah, Ixi und UKW sind die Namen, die jeder aus der damaligen Zeit noch kennt, auch, wenn der eine oder andere kaum mehr als einen richtigen Hit hatte und eher Schlager, als eigenständige deutsche Rockmusik gemacht hat. Zu den innovativeren Bands, die trotzdem Erfolg hatten gehören Ideal, Nichts und Rheingold, von den längst Vergessenen finden sich Interzone und Insisters. Etwas fehl am Platze sind schließlich Udo Lindenberg, Nina Hagen und Kraftwerk, denen man in den 70er Jahren sicherlich eine gewisse Vorreiterrolle zugestehen kann, was deutschsprachige Texte angeht, die aber mit der eigentlichen NDW wenig zu tun hatten (abgesehen vielleicht von Kraftwerk´s „Das Model“). Das Bildmaterial ist durchgehend qualitativ hochwertig und vor allem sehr bunt. Erfreulich ist, dass man viele der Bilder so noch nicht unzählige Male woanders gesehen hat und so macht es wirklich Spaß, sich durch das Buch zu blättern und an alte Zeiten zu denken. Viele Kids von heute werden sicher über die Klamotten lachen und ihre Eltern fragen, ob man Anfang der 80er wirklich so etwas getragen hat...man hat! Abgesehen vielleicht von den unglaublichen gelben Socken von Hubert Kah! Zu jedem Künstler gibt es einen einseitigen Einleitungstext mit kurzen biographischen Angaben, die meist aber sehr oberflächlich bleiben. Auch der Einleitungstext verklärt die NDW zu einer reinen Spaßbewegung...das war sie nun sicher nicht, sondern wurde von den Medien dazu gemacht. Dabei wurde eine Band wie Trio teilweise sogar als Klamaukkapelle missverstanden, was ihre Arbeit schon beinahe wieder subversiv machte. Auch Zill macht in einem kurzen Interview deutlich, dass die NDW „nur eine weitere vorüber gehende Musikrichtung unter vielen war“. Leider lässt das darauf schließen, dass die Sessions mit den Musikern rückblickend nicht mehr als Auftragsarbeiten waren und er zumindest heute nicht mehr mit dem Herzen dahinter steht. Das ändert aber natürlich nichts daran, dass dieses Buch für Freunde der Früh-80er Musik aus Deutschland eine schöne Fundgrube ist und man sich lange mit den Bildern beschäftigen kann. Qualitativ ist das gebundene Buch mit 285 Abbildungen auf über 330 Seiten sehr hochwertig, was den Preis rechtfertigt. Nett auch, dass das Buch komplett im ungewohnten Querformat gedruckt ist, was zwar bei weitem nicht so „abgefahren und schräg rüber kommt“, wie es vielleicht wirken soll, aber doch mal was anderes ist. Bei manchen doppelseitigen Fotos wäre es besser gewesen, sie nur einseitig und dafür etwas kleiner abzubilden, so wäre beispielsweise Frl. Menke nicht durch den Mittelknick zu einem Monster geworden. Für NDW- und 80er-Fans aber natürlich trotzdem ein Pflichtkauf! (A.P.) Kleiner Nachtrag von Haiko: Doch, auch knallgelbe Socken wie Hubert Kah habe ich getragen. Jedenfalls immer dann, wenn die neongrünen in der Wäsche waren. |
| KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle (H.H.) = Haiko Herden |