BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE

ZEITGEIST – Der Kapitaen
ZEITGEIST – Zeitgeist 2
ZEITGEIST – Frankensteins Kinder

ZEITGEIST – Der Kapitaen (7“ 1983)

(Glückliche Zukunft/Intercord)

1983 erschien das dritte ZEITGEIST-Album „Gib Mir Zeit!“ und die dazugehörige Single „Der Kapitaen“. Obwohl die Single-A-Seite wohl zu den eingängigsten Songs der Band gehörte und auch einen mitsingbaren Refrain im Schlager-NDW-Stil hatte, schaffte die Gruppe auch in der Spätphase der NDW nicht den Durchbruch und löste sich bald darauf auf.

Die B-Seite enthält mit „Chor der Besinnungslosen“ den wohl besten ZEITGEIST-Song überhaupt und ich frage mich, warum das nie ein Kultsong in der Wave-Szene gewurden ist, denn das ist feinster New Wave mit New Romantic-Anklängen, der eigentlich in den heutigen Clubs die schwarzen Tanzflächen problemlos füllen müsste. Es ist eine fremde und seltsame Welt... (A.P.)


ZEITGEIST – Zeitgeist 2 (LP 1982)

(Glückliche Zukunft/Intercord)

ZEITGEIST existierten von 1981 bis 1983, brachten drei LPs und einige Singles raus und spielten diverse Tourneen durch die Republik. Wenn ich mir einen Teil der Musiker ansehe, habe ich das Gefühl, dass sie vom Alter her schon in den 70er Jahren in diversen Rockbands gespielt haben dürften und nun auch eine Scheibe vom florierenden NDW-Markt abhaben wollten. Vielleicht ist das unfair, aber ich denke, die Band wäre auch gut auf Achim Reichel´s Ahorn-Label aufgehoben gewesen. Die Namen der Bandmitglieder sagen mir nix, abgesehen natürlich von George Kranz, der auch solo erfolgreich war, hauptsächlich mit seiner Single „Din Daa Daa (Trommeltanz)“ und auch als Studiomusiker große Reputation genießt. Diese zweite ZEITGEIST-LP ist ziemlich typisch für das Jahr 1982, also deutschsprachiger Rock mit vielen Keyboard-Passagen, seltsamen Texten, die weder in die frühe, politisch/künstlerisch ambitionierte NDW, noch zu den Spass-Texten von Markus oder Frl. Menke passen, sondern irgendwo dazwischen liegen. Aufgrund des Frauen-Gesangs darf man es zwischen Ideal und Nichts auf der einen und Jawoll und Fee auf der anderen Seite einsortieren, wobei es doch häufig eher peppiger Deutsch-Rock, als NDW-Pop ist. Zweifellos hat man es hier mit guten Musikern zu tun, die ihr Handwerk verstehen und die Platte ist deutlich besser, als ich sie nach langer Zeit, die sie bei mir nur im Regal stand, in Erinnerung hatte. Wirklich mitreißen tut sie dann aber doch nicht, vielleicht, weil ein Knaller wie die Single-B-Seite „Chor der Besinnungslosen“ fehlt. Hin und wieder gibt es auch einige zeitgemäße New Wave-Anklänge, die aber die Ausnahme bleiben. Eine Platte und Band, die weder hitverdächtig, noch wichtig war, aber doch dazu gehörte. Positiv erwähnt werden muss aber auf jeden Fall, dass die Band für den ganz großen kommerziellen Erfolg nicht oberflächlich genug war. Dazu muss ich gestehen, dass ich aber mit Texten wie „Ein Schwein ist nie allein, am dirty Rhine, everywhere Big Brother und ein Schwein“ trotz der Kritik am Überwachungsstaat nicht viel anfangen kann. Dafür klingt der dazugehörige Song „Ein Hut, ein Stock, ein Reagansturm“ beinahe nach Nina Hagen. Auch „Der Elefant tritt durch die Wand, der Elefant hat viel Verstand, der Alligator stürmt das Tor, noch ein Tor noch ein Tor“ hat wohl mehr mit „Reim dich oder ich beiß dich“-Attitüden zu tun, als mit sinnvollem Inhalt.

Eine Platte unter vielen aus der NDW-Übergansphase 1981/82, die ich in unregelmäßigen Abständen mal auflege. (A.P.)


ZEITGEIST – Frankensteins Kinder (7“ 1981)

(Biber Records/Bellaphon)

„Frankensteins Kinder“ war die Singleauskopplung aus ZEITGEIST´s selbst betitelter Debut-LP von 1981. Zu hören ist für die Zeit typischer NDW-Rock mit nicht ganz ernst gemeintem Text. Die Musik erinnert allerdings noch eher an 70er-Jahre-Rock, als an Punk. Wer auf Jawoll steht, macht mit dieser ZEITGEIST-Single sicher auch nichts falsch. Ein Hit wurde es nicht, aber als NDW-Sammler macht sich die Platte doch gut in der Sammlung. Ich denke mal, wenn die „Rocky Horror Picture Show“ eine deutsche Produktion gewesen wäre, hätte die Musik wohl in etwa wie bei „Frankensteins Kinder“ geklungen. Die B-Seite ist waviger und dürfte auf Fans der frühen Fee gefallen. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden