BACK AGAIN: NEUE DEUTSCHE WELLE

V2 SCHNEIDER – Document
V2 SCHNEIDER – The Best Of 1981 – 85
V2 SCHNEIDER – Wilde Gier/Masko

V2 SCHNEIDER – Document (LP 2005)

(Was Soll Das? Schallplatten www.wsdp.de )

V2 SCHNEIDER hat sich ja fast zu einer Art Hausband von Was Soll Das? Schallplatten (ab sofort unter dem Kürzel „WSDP“ firmierend) entwickelt, immerhin ist dies bereits die dritte Veröffentlichung auf dem Klein-Label aus dem Saarland. Aber klar, dass das Label bei einem so vielseitigen Projekt zugreift, von dem es aus den frühen bis mittleren 80er Jahren jede Mnge gutes, bisher nur im kleinen Rahmen veröffentlichtes Material gibt. Statt einer Minimalst-Auflage von nur je 150 Exemplaren bei der ersten Single und der ersten LP, gibt es diesmal runde 300 Exemplare, so dass ein paar Menschen mehr diese gute Platte erwerben können. Das Cover sieht toll aus, aber die Musik schlägt es noch einmal um Längen.

Nun werden so manche Minimal-Electro-Freaks am Anfang der Platte ein paar Probleme haben, denn es geht los mit der „After Aids Symphony“ und danach weiter mit „Dub Attack“, die beide alles andere als minimalistisch sind, eher schon strukturierte Krachorgien, wobei vor allem „Dub Attack“ ein wenig an das erinnert, was Foetus in den 80ern ebenfalls gemacht hat. Aber schon „Wilde Gier“ von der ausverkauften 7“ dürfte alle Befürchtungen beiseite schieben. Auch der zweite Single-Track „Masko“ ist hier noch einmal vertreten. Dazu gibt es eine gute Mischung aus New Wave, Minimal-Electro (-Pop), Dub-Experimenten und einigen experimentellen Momenten, die sehr spannend ist. Da verzeihe ich als Hörer auch einen Ausfall wie „Blue Cafe“. So hat man sich vielleicht in den 60er Jahren „Zukunftsmusik“ in der TV-Serie „Raumpatrouille Orion“ vorgestellt, ich empfinde das aber höchstens als Muzak. Der Track bleibt aber zum Glück die Ausnahme, während die anderen Stücke durchgehend recht überzeugend und gut sind. Die Mischung stimmt, allerdings sollte man sich selbst nicht zu sehr auf einen ganz bestimmten Musikstil festlegen, denn dann könnte man eine Überraschung erleben. (A.P.)


V2 SCHNEIDER – The Best Of 1981 – 85 (LP 2003)

(Was Soll Das? Schallplatten www.wsdp.de )

Als Appetithappen hatte Was Soll Das? Schallplatten vor Kurzem ja schon eine Single des deutschen Früh-80er Projektes V2 SCHNEIDER veröffentlicht, die zum einen gespannt auf mehr Musik machte und zum anderen praktisch wieder einmal sofort ausverkauft war. Auch diese auf 150 Exemplare limitierte LP, die einen Überblick über diverse Tapeveröffentlichungen von V2 SCHNEIDER bietet, dürfte inzwischen vergriffen sein. Genannt werden muss sie auf jeden Fall trotzdem, wobei es diesmal sehr schwer ist, sie in ein bestimmtest Genre einzuordnen, deswegen findet man sie einfach überall, bei Wave, bei NDW und bei Electro, damit möglichst viele Leute auf sie stoßen, denn die Scheibe ist wieder einmal wirklich großartig. Die Songs wurden in der ersten Hälfte der 80er Jahre praktisch alleine von Jürgen Schweighart eingespielt, unterstützt nur bei wenigen Songs von Walter Sterr und Georg Huber. Der Sound ist, nun ja…Homerecording halt, aber durchaus goutierbar und den echten Sammler und Fan stört so was ja eh nicht. Mit 15 Songs ist das Vinyl auch wirklich ausgenutzt und das ist gut so, denn ich hätte nicht entscheiden mögen, welche Songs weichen müssten. Die Klänge sind minimalistisch, vielseitig und hauptsächlich wavig mit deutschen und englischen Texten, nichts, was man vorher noch nie gehört hätte, aber doch eigenständig und irgendwie ergreifend. Man merkt, dass Schweikhart damals vor Kreativität gesprudelt hat, denn jeder Titel klingt anders, mal nach den Berliner genialen Dilettanten um 1980 herum, mal tanzbar, mal düster hypnotisch, wie im genialen „Sollen Wir Noch Tanzen?“ und auch eine Art frühe Weltmusik kommt einem hier und da zu Ohren. Zu den damals üblichen Synthesizer-Klängen gesellten sich auch Gitarre, Bass, Trompete, Schlagzeug, Xylophon, Saxophon und andere Gerätschaften, was einmal mehr beweist, dass es in dieser fruchtbarsten Phase deutscher Musik  keinerlei Grenzen gab. Dass derart schräge und wenig massenkompatible Klänge damals kein großer Erfolg wurden, dürfte klar sein, heute jedoch gieren sicherlich die Underground-NDW- und Minimal-Electro-Wave-Sammler nach Platten wie diesen. Insgesamt weniger Minimal-Electro als New Wave, aber die Grenzen sind, wie so oft, fließend. Zugreifen, wenn sich tatsächlich jemand von dieser Platte wieder trennen will und zähneknirschend den dann sicherlich hohen Preis zahlen. (A.P.)


V2 SCHNEIDER – Wilde Gier/Masko (7“ 2003)

(Was Soll Das? Schallplatten www.punk-disco.com )

Wenn man als Label erfolgreiche Veröffentlichungen unter die Menschen bringt, und sei es auch nur in verhältnismäßig kleinen Stückzahlen, steigt wahrscheinlich automatisch der eigene Anspruch an die Platten. So hat sich der gute Franck entschieden, die neue Single von V2 SCHNEIDER „professioneller“ aussehen zu lassen und dem Vinyl richtige Etiketten zu spendieren. Nicht, dass das in irgendeiner Form Einfluss auf die Qualität der Musik hätte, aber es zeigt doch eine Entwicklung.

V2 SCHNEIDER ist ein kleines Minimal-Electro/NDW-Projekt von ca. 1981 und hat damals wohl nur Tapes veröffentlicht. Franck hat diese ausgegraben, war mal wieder begeistert und enthusiastisch und hat sich darum gekümmert, dass die Songs in Form dieser Single zu verspäteten Vinyl-Ehren kommen. Eine LP soll noch dieses Jahr folgen. Die Auflage ist wieder einmal streng limitiert und wahrscheinlich inzwischen vergriffen und rund 100 Menschen freuen sich über zwei coole Minimal-Tracks, die stark an Geile Tiere erinnern und auch in einem Atemzug mit Projekten wie Thorax Wach oder P1/e genannt werden können. Zu so was hat man in Underground-Clubs damals getanzt und filmisch wurde diese Atmosphäre in Werken wie „Kalt Wie Eis“ oder „Decoder“ umgesetzt. Berlin´s „Geniale Dilettanten“-Szene kommt einem da in den Sinn, obwohl´s hier ein bisschen eingängiger zugeht. Keine Frage, auch diese kleine Platte wird bald ein gesuchtes Sammlerstück sein. (A.P.)

 

KONTAKT ZU DEN AUTOREN: (A.P.) = Alexander Pohle   (H.H.) = Haiko Herden